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eRadschnellweg Göttingen

Erste in Deutschland eröffnete innerstädtische Radschnellverbindung

Zweirichtungsradweg mit einer Breite von vier Metern
Zweirichtungsradweg mit einer Breite von vier Metern © Stadt Göttingen

Ausgangssituation

Durch die steigende Anzahl von Fahrrädern mit elektrischem Antrieb ergeben sich neue Chancen, die Verkehrsmittelwahl bei Berufspendlern zugunsten des Radverkehrs zu verlagern. E-Bikes und Pedelecs ermöglichen es, auch weitere Strecken regelmäßig mit dem Rad zurückzulegen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Infrastruktur den Ansprüchen des schnellen Radverkehrs gerecht wird. Die Einrichtung von Radschnellwegen als neues Netzelement kann dazu beitragen.

Eine von der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zu Radschnellwegen lieferte wertvolle Erkenntnisse darüber, wo und in welcher Form in Göttingen und Umland ein Radschnellwegkorridor eingerichtet werden kann. Die Evaluierung des bestehenden Verkehrsentwicklungsplans der Stadt Göttingen (VEP 2000) hat gezeigt, dass der Radverkehr in Göttingen enormes Entwicklungspotential aufweist, trotz des bereits heute sehr hohen Verkehrsmittelanteils von 27% am Gesamt-Modal-Split. Diese Erkenntnis hat die Stadt Göttingen ermutigt, nach geeigneten Förderinstrumenten für neue Schnellverbindungen zu suchen und zunächst eine vier Kilometer lange innerstädtische Radschnellwegtrasse zu realisieren.

Projektdurchführung

Die Trasse wird im Rahmen eines Forschungsvorhabens in Kooperation mit der Universität Göttingen im Zeitraum von 2013 bis 2015 errichtet. Sie führt vom Göttinger Bahnhof zu den bedeutenden Arbeitsplatzschwerpunkten der Stadt, bestehend aus Universitätsklinikum und großen universitären Einrichtungen. Damit wird gerade für Berufspendler ein attraktives Angebot geschaffen.

Über eine Strecke von etwa 1,4 Kilometern verläuft die Trasse als Fahrradstraße zusammen mit dem übrigen Verkehr. Auf den übrigen 3,6 Kilometern wurden separate Anlagen für den Radverkehr geschaffen oder vorhandene modernisiert und erweitert. Den Anforderungen für ein bequemes und zügiges Fahren entsprechend wurden großzügige Breiten von drei bis vier Metern bei Zweirichtungsradwegen gewählt und Übergänge zur Fahrbahn möglichst höhengleich ausgeführt. Die Strecke wurde mit einer Wegweisung für den Radverkehr ausgerüstet und mit Markierungen und Piktogrammen zur besseren Erkennbarkeit versehen. In den Wintermonaten wird die Verbindung bevorzugt von Schnee und Eis befreit.

Die Errichtung des eRadschnellwegs erfolgt in zwei Etappen. Im November 2013 wurde der erste Abschnitt eröffnet. Im Frühjahr 2015 ist die Freigabe der Gesamtstrecke geplant.

Entlang der Trasse werden an drei aufeinander folgenden Lichtsignalanlagen Maßnahmen zur Reduzierung der Wartezeiten für den Fahrradverkehr erprobt. Da der Abschnitt mehrheitlich von Studierenden befahren wird, bilden sich besonders zur Mittagszeit oder nach Lehrveranstaltungsende Radfahrerpulks in Richtung Innenstadt und Bahnhof. Die Grünzeiten wurden so koordiniert, dass Radfahrer/innen nach einmaligem Warten an der ersten Lichtsignalanlage bei Einhalten einer bestimmten Geschwindigkeit ohne Wartezeiten die beiden nachfolgenden Lichtsignalanlagen bequem passieren können. Dabei wurde in Nord-Süd-Richtung (leichtes Gefälle) mit 22 km/h gerechnet und in der Gegenrichtung entsprechend eine geringere Geschwindigkeit von 16 km/h angenommen. Für den Kfz-Verkehr ergeben sich dadurch geringfügige Verschlechterungen in der Koordinierungsqualität ("Grüne Welle"). Radfahrerende, die den Streckenabschnitt regelmäßig befahren, haben nach kurzer Zeit ihre Geschwindigkeit den Grünzeiten angepasst.

Alle drei Anlagen sind teilverkehrsabhängig gesteuert. Dies ermöglicht bei entsprechendem Radverkehrsaufkommen eine Anpassung der Freigabezeiten für den Radverkehr. Das Verkehrsaufkommen im Radverkehr wird mit zwei Dauerzählstellen ermittelt und an die Steuergeräte der Lichtsignalanlagen übertragen. Diese wiederum verlängern dann bei Erreichen eines definierten Schwellenwertes die Grünzeit für den Radverkehr. Als Nebeneffekt können die Dauerzählstellen zur Ermittlung von Ganglinien genutzt werden und ermöglichen damit einen Vergleich des Radverkehrsaufkommens über mehrere Jahre. Darüber hinaus machen die Zählstellen das Radverkehrsaufkommen für Jederman sichtbar: Sie sind mit einem angeschlossenen Display ausgerüstet, auf dem die Radverkehrsmengen pro Tag und Jahr angezeigt werden. Die Zählstellen sind im Asphalt eingelassen und können Richtungen sowie Fahrzeugarten unterscheiden. Der Verkehrsablauf an den drei Knotenpunkten wird auch künftig beobachtet werden, damit bei Bedarf Anpassungen an der Steuerung vorgenommen werden können.

Parallel zum Bau des eRadschnellwegs führt die Universität Göttingen ein umfangreiches Feldtestprogramm mit Leihpedelecs bei bedeutenden Arbeitgebern entlang der Strecke durch. Ziel der Untersuchungen ist es, festzustellen, welchen Effekt Verbesserungen der Infrastruktur auf die Verkehrsmittelwahl der Berufspendelnden haben und wie Arbeitnehmende an die Zweiradelektromobilität herangeführt werden können. Als begleitender Effekt wird Elektromobilität in Göttingen und Umgebung sichtbar - in Form von E-Bike- und Pedelecverkehr, inklusive Ladeinfrastruktur. Dieser Effekt könnte bewirken, dass neue Bevölkerungskreise für die Zweiradelektromobilität sensibilisiert werden und somit eine spürbare Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf das Verkehrsmittel Pedelec bzw. E-Bike stattfindet.

Das Projekt "eRadschnellwege – Umstiege erleichtern" ist eines von rund 30 Projekten im Schaufenster Elektromobilität Niedersachsen und wird mit rund einer Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen der Schaufensterinitiative Elektromobilität der Bundesregierung gefördert.

Ergebnis

Da das Forschungsprojekt der Universität Göttingen noch nicht abgeschlossen ist, liegen noch keine Ergebnisse vor. Jedoch zeigt die äußerst positive Resonanz bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern, dass das Thema Pedelecs bzw. E-Bikes einen hohen Stellenwert besitzt. Aussagen über die Frequentierung des Radschnellwegs im Vergleich zum ursprünglichen Zustand können erst zum Projektende getätigt werden.

Derzeit wird mit dem Land Niedersachsen über die Möglichkeit einer Verlängerung des Radschnellwegs vom Göttinger Bahnhof in südliche Richtung nach Rosdorf verhandelt. Dieser Korridor würde erstmals auch eine Umlandgemeinde mit hohem Einpendleranteil nach Göttingen mit den universitären Arbeitsplätzen und dem Göttinger Bahnhof verbinden. Stadt und Landkreis Göttingen sowie das Land versprechen sich von der Umsetzung dieser Maßnahme eine signifikante Änderung der Verkehrsmittelwahl zugunsten des Radverkehrs.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Mit dem Forschungsprojekt wird untersucht, wie der Pedelec- und Radverkehr den gestiegenen Anforderungen entsprechend innerstädtisch geführt werden kann und mit welchen Maßnahmen sich die Reisezeit und insbesondere die Wartezeit an Lichtsignalanlagen reduzieren lassen. Die Ergebnisse und Erfahrungen mit dem neuen Netzelement Radschnellweg lassen sich auf andere Städte und Projekte übertragen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
110 000 €
Erläuterungen: 

Investition: 1,1 Mio. Euro (Bundesmittel und kommunale Mittel), lfd. Kosten: 150.000 Euro (Bundesmittel)
Es handelt sich um Bundesmittel aus dem Förderprogramm "Schaufenster Elektromobilität" des Bundes.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Im Rahmen der Begleitforschung der Universität Göttingen durch Auswertung der Daten aus den Dauerzählstellen, Befragungen der Nutzer, Befragung der Pedelec-Probanden.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Stadt Göttingen
  • Universität Göttingen
  • Sustainable Mobility Research Group
     
Projektbeteiligte: 
  • Landkreis Göttingen
  • EON-Mitte

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
November 2012
Projektende: 
Oktober 2014

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Frau Everlin Piccinini
Universität Göttingen
Sustainable Mobility Research Group
Platz der Göttinger Sieben 5
37073 Göttingen
Telefon: 0551/39-21176
Telefax: 0551/39-9735
E-mail: everlin.piccinini@wiwi.uni-goettingen.de
WWW: www.uni-goettingen.de/en/57609...
 

Kommunale Ansprechpartner: 

Herr Norman Krieger
Stadt Göttingen
Fachdienst Stadt- und Verkehrsplanung
Hiroshimaplatz 1 – 4
37083 Göttingen
Telefon: 0551/400-2588
Telefax: 0551/400-62-2588
E-mail: planung@goettingen.de
WWW: www.goettingen.de
 

Meta-Info
Stand der Information
31. März 2014
Autor
Norman Krieger, Stadt Göttingen
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Niedersachsen