Sie sind hier

Bericht der Europäischen Umweltagentur

Zu-Fuß-Gehen, Radfahren und ÖV sind die umweltfreundlichsten Mobilitätsoptionen

EEA-report 'The first and last mile — the key to sustainable urban transport'
EEA-report 'The first and last mile — the key to sustainable urban transport' © Cover design: EEA // Cover photo: Catalin Tibuleac, Sustainably Yours /EEA // Layout: Rosendahls a/s

Zu-Fuß-Gehen, Radfahren und öffentliche Verkehrsmittel sind nach wie vor umweltfreundlichere städtische Mobilitätsoptionen als E-Roller oder Auto-Mitfahr-Dienste

Die zunehmende Nutzung von Elektrorollern und Mitfahrdiensten verändert die Art und Weise, wie wir uns in den städtischen Zentren bewegen - doch laut einem am 3. Februar 2020 veröffentlichten Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) sind Zu-Fuß-Gehen, Radfahren und öffentliche Verkehrsmittel nach wie vor der beste Weg, um die nachhaltige Mobilität in den Städten zu verbessern. In einem gesonderten Bericht der EUA über die Umwelt- und Klimaauswirkungen des Verkehrs wird festgestellt, dass die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen weiter zunehmen, da die Nachfrage nach Mobilität in ganz Europa ständig zunimmt.

Der diesjährige Verkehrs- und Umweltbericht "Die erste und letzte Meile - der Schlüssel zu einem nachhaltigen Stadtverkehr" bewertet wie umweltfreundliche und nachhaltige Verkehrsmittel der "ersten und letzten Meile" wie Fahrrad, Roller oder andere Verkehrsmittel für Kurzstreckenfahrten die Mobilitätssysteme in den Städten verändern können. Der Bericht bewertet auch, wie innovative städtische Güter- und innerstädtische Lieferdienste, einschließlich des Einsatzes von Lieferdrohnen, den städtischen Güterverkehr nachhaltiger machen können.

Kurzfahrten sind ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Pendelverkehrs. Bus-, Bahn- und U-Bahn-Dienste decken meist den größten Teil der Fahrten von und zur Arbeit ab, die Menschen müssen jedoch oft zuerst zu Fuß gehen, legen ein Stück mit dem Auto zurück oder nutzen eine andere Möglichkeit, um zum nächsten Bahnhof bzw. zur nächsten Haltestelle zu gelangen. Umweltfreundlichere Verkehrsmittel auf der ersten und/oder der letzten Meile haben das Potenzial, die Autonutzung zu verringern und damit Staus und Emissionen zu reduzieren sowie die Luftqualität zu verbessern. Die Städte können viel tun, um den Zugang zu öffentlichen Verkehrssystemen zu erleichtern, indem sie attraktive städtische Räume schaffen, die gut an die Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs angebunden sind, vor allem wenn Umsteigeknoten und Haltestellen einfacher und angenehmer per Fuß- und Rad zu erreichen sind.

Der Umstieg auf Zu-Fuß-Gehen, das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel wird entscheidend sein, wenn Europa seine langfristigen Nachhaltigkeitsziele und politischen Zielsetzungen im Rahmen des von der Europäischen Kommission im Dezember 2019 vorgeschlagenen Europäischen Grünen Deals erreichen will. Der Bericht warnt, dass Digitalisierung und MobilitätsApps ein gutes städtisches Mobilitätssystem zwar besser machen, einen unterentwickelten ÖV jedoch nicht kompensieren können. warnt . Damit grüne Optionen eine faire Chance haben, mit dem Auto zu konkurrieren, müssen die Preise der Automobilität auch deren wahre Schäden für Gesundheit und Umwelt abbilden.

Nicht alle Mobilitätsoptionen sind gleich grün

Zusammen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln haben Fuß- und Radverkehr bei kurzen städtischen Wegen den größten Nutzen für die Gesundheit und die Umwelt. Die Einführung und rasche Akzeptanz von App-basierten Systemen zur gemeinsamen Nutzung von Fahrzeugen kann ebenfalls Vorteile bringen, der Bericht verweist jedoch auf Studien, die zeigen, dass deren Auswirkungen auf die Umwelt nicht immer positiv sind. Insbesondere E-Scooter-Sharing-Systeme scheinen Benutzer anzuziehen, die sonst zu Fuß gegangen wären oder öffentliche Verkehrsmittel benutzt hätten. Obwohl die Nutzung von gemeinsam genutzten E-Rollern nur wenige direkte Umweltauswirkungen hat, kann ihre Umweltfreundlichkeit durch die erheblichen negativen Auswirkungen infrage gestellt werden, durch die verwendeten Materialien, die Herstellung und das Wiedereinsammeln zum Aufladen. Ebenso zeigen Studien, dass Ride-Hailing-Apps wie Uber oder Lyft wenig dazu beitragen, Emissionen oder Staus zu reduzieren. Diese Anbieter halten außerdem die Menschen von öffentlichen Verkehrsmitteln fern.

Zunehmende Verkehrsemissionen behindern die Fortschritte der EU bei der Erreichung von Umwelt- und Klimazielen

Der Verkehrssektor ist nach wie vor stark von fossilen Brennstoffen abhängig und für ein Viertel der europäischen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Der Sektor ist auch eine bedeutende Quelle der Luftverschmutzung, insbesondere bei Feinstaub (PM) und Stickstoffdioxid (NO2). Der Verkehrssektor stellt außerdem die Hauptquelle für Umweltlärm in Europa dar. Ein aktuelles EUA-Briefing zum Verkehrssektor verfolgt dessen kurz- und langfristige Auswirkungen auf die Umwelt in der EU. Die Verkehrsemissionen lagen 2018 um 29 Prozent über dem Niveau von 1990. Nach dem Vorschlag des Europäischen Grünen Deals müssen die Verkehrsemissionen bis 2050 um 90 Prozent gesenkt werden, um die Klimaneutralität in der EU zu erreichen.

Weitere wichtige Ergebnisse:

  • Im Jahr 2018 stiegen die durchschnittlichen CO2-Emissionen neuer Pkw im zweiten Jahr in Folge an und erreichten 120,4 g CO2 pro Kilometer. Beim Verkauf neuer Pkw überholen Benzinfahrzeuge die Dieselfahrzeuge, aber auch der Gesamtverbrauch von Dieselkraftstoff steigt weiter an. Die durchschnittlichen CO2-Emissionen neuer Lieferfahrzeuge folgten 2018 einem ähnlichen Aufwärtstrend.
  • Die Treibhausgasemissionen aus dem Flugverkehr haben am schnellsten zugenommen - seit 2013 um durchschnittlich über 3 Prozent pro Jahr. Die Treibhausgasemissionen aus dem internationalen Schiffsverkehr stiegen in 2 Jahren (2015-2017) um 5 Prozent.
  • Der Anteil der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor in der EU stieg von 7,4 Prozent im Jahr 2017 auf 8,1 Prozent im Jahr 2018. Dies liegt deutlich unter dem EU-Ziel von 10 Prozent, das für 2020 festgelegt wurde.
  • Mehr als 27 Prozent der europäischen Bürgerinnen und Bürger sind Verkehrslärmpegeln von 55 Dezibel (dB) oder höher ausgesetzt, davon allein 15-20 Prozent durch Straßenverkehrslärm.
Meta Infos
Stand der Information
12. Februar 2020
Weitere Informationen
Quelle
European Environment Agency (EEA)
Land
Europa / EU
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
Schlagworte