Sie sind hier

Grüne Fahrradrouten

Zusammenhängendes Netzwerk von Fernrad- und Fußwegen

Grüne Radroute
Grüne Radroute © Thomas Möller

Die Grünen Fahrradrouten

Kopenhagens Grüne Fahrradrouten bilden ein zusammenhängendes Netzwerk von Fernrad- und Fußwegen, die durch Freiflächen und Freizeitgebiete, Parks und Wasserfronten, aber auch durch Nebenstraßen fernab der Hauptverkehrsströme führen. Mit den Routen wird versucht, stark befahrene Straßen zu umgehen. Ist die Querung einer Hauptverkehrsstraße doch notwendig, wird sie den Nutzern durch extra aufgestellte Verkehrsschilder, angepasste Ampelanlagen oder gar Fahrradbrücken ermöglicht.

Die "Grünen Fahrradrouten" sind unter der Zielsetzung geplant worden, neue Wege für Radfahrer zu schaffen, die größere Distanzen in der Stadt zurücklegen müssen. Wenn die Möglichkeit gegeben ist, führen getrennte Radwege durch grüne Umgebung und sind darauf ausgerichtet, das Anhalten vor querendem Verkehr zu minimieren. Die Routen sollen nicht nur für Pendler das Radfahren attraktiver machen, sondern auch Freizeitradlern eine grüne und ruhige Umgebung bieten. Bisher war das Radfahren durch Parkanlagen oder Grüngebiete in Kopenhagen unüblich: Dieses Projekt fördert es zum ersten Mal nachdrücklich.

Langfristig bestehen Pläne, die Radwege an beiden Seiten des Hafens durch eine Radfahrbrücke zu verbinden. Darüber hinaus ist vorgesehen, fehlende Verbindungen zwischen Radwegabschnitten zu bauen und die verschiedenen Routen miteinander zu verknüpfen. Die Genehmigung der Pläne für die "Grünen Fahrradrouten" sind langfristig gesichert und vereinfachen diesen Prozess somit erheblich. Wenn möglich, werden Routenabschnitte in die vorhandene Infrastruktur integriert, z.B. im Kontext von Bahnhöfen, Bauprojekten, Parkanlagen oder großen Plätzen. Vorhandene Radrouten, wie z.B. die Vigerslevroute, werden schrittweise zu einem höheren Qualitätsstandard aufgewertet. Neue Stadtbezirke wie Orestad werden mit Radwegen ausgestattet, die auch in die Entwicklungspläne des Gebiets integriert sind.

Ein anderes Ziel des Projekts ist es, die Kopenhagener Innenstadt besser mit den Außenbezirken und umliegenden Regionen zu verbinden, da die Radfahrer sich oftmals über die Grenzen einer Gemeinde, einer Region oder gar eines Landes bewegen. Aus diesem Grund war es sehr wichtig, die Pläne für die "Grünen Fahrradrouten" mit den "Grünen Wegen" in der Gemeinde Frederiksberg, einer unabhängigen Enklavengemeinde innerhalb Kopenhagens, abzustimmen. In die Region um Kopenhagen wurde bereits in den letzten Jahren ein regionales Fahrradnetzwerk ausgebaut: Dies bietet eine Chance für die "Grünen Radrouten", die verschiedenen Teile des Netzwerkes zu verbinden. Obendrein führen nationale und europäische Fahrradroutennetzwerke durch Kopenhagen und werden in die neuen "Grünen Fahrradrouten" integriert, um auch von den Fahrradtouristen aus anderen Regionen Dänemarks und aus dem Ausland genutzt werden zu können.

Das Basisdokument "Vorschläge für grüne Fahrradrouten: Pendler- und Freizeitrouten" wurde im Jahr 2000 vom Ausschuss für Bau und Entwicklung als Grundlage für die weitere Planung und Entwicklung der "Grünen Fahrradrouten" bewilligt. In dem Dokument wurden aber weder Prioritäten festgelegt, noch wurden Details zur Durchführung dargestellt.

Die Routen

Insgesamt sind 22 Routen mit einer Gesamtlänge von 110km geplant. Ein Drittel des Netzwerks war zum Zeitpunkt der Genehmigung des Projekts schon vorhanden, allerdings in einem Zustand, der den Qualitätsansprüchen der "Grünen Fahrradrouten" nicht entsprach. Im Jahr 2010 sind bereits 41 Streckenkilometer fertig gestellt, und das Vorhaben zur Ausbreitung des Netzwerkes wurde bestärkt. Die Länge der einzelnen Routen variiert zwischen zwei und acht km. Für die "Grünen Fahrradrouten" bestehen hohe Qualitätsansprüche: Die Asphaltwege inklusive des Fußwegs sind an allen zentralen Orten und wo immer dazu die Möglichkeit gegeben ist 6,5m breit.

Die Erfahrung lehrt, dass diese hohen Qualitätsansprüche nicht immer realistisch erreichbar sind. Als Reaktion auf Konflikte mit Fußgängern und Naturschützern wurde im Einzelfall die Bauweise angepasst: An Stellen mit hohem Fußverkehrsaufkommen entschied man sich z.B. für vom Fußverkehr getrennte Fahrradwege. Auch Fahrbahnbeläge aus Asphalt sind nicht immer eine praktikable Lösung, da diese Bauweise den Boden versiegelt und gegen die in bestimmten Gebieten geltenden Naturschutzbestimmungen verstoßen würde. Das Verkehrsministerium hat sich deshalb für eine neue Schotterart entschieden, die sowohl für Fußgänger, den Naturschutz und das Straßendesign angemessen ist, als auch den Bedürfnissen der Radfahrer gerecht wird. Als Nachteil gilt, dass die Schotterwege nicht maschinell vom Schneee geräumt werden können.
Die Mehrzahl der "Grünen Fahrradrouten" ist nachts beleuchtet und auf den wichtigsten Verbindungen ist der Winterdienst im Einsatz.

Beschilderung

Die "Grünen Fahrradrouten" wurden mit Wegweisungsschildern ausgestattet, die gleichzeitig Informationen über die Entfernung wichtiger Ziele enthalten. Da das lange Zeit genutzte System eher auf den ländlichen Radverkehr ausgelegt war, entwickelte das Verkehrsministerium ein neues Leitsystem: niedrige Schilder zeigen die Richtung und Entfernung an, während ein höheres Schild (etwa 2 Meter vom Boden) allgemeine Informationen enthält. Das neue Schildersystem musste von der Straßenbaubehörde genehmigt werden, bevor man es in Betrieb nehmen konnte.

Die Umsetzung der "Grünen Fahrradrouten"

Die "Grünen Radrouten" sind ein Projekt, das eine intensive Kooperation zwischen Verkehrsministerium und Umweltministerium verlangt. Diese Form der Zusamenarbeit war für beide Institutionen neu und es brauchte eine gewisse Einarbeitungszeit, um ein produktives Miteinander in die Wege zu leiten. Das Kernproblem war die vorherrschende Definition und Anerkennung des Fahrrads als ein Verkehrsmittel, dessen Anwesenheit, ebenso wie jene des Autos, in Grüngebieten nicht erwünscht ist: Nach dieser Sichtweise stören alle Verkehrsmittel die Ruhe in den Parkanlagen. Ein zweites Problem wurde schon beschrieben und betrifft die Nutzung von Asphalt in Grüngebieten was durch den Einsatz einer neuen Schotterart gelöst wurde. Die ständige Kooperation bei der Durchführung des Projekts sorgt aber für eine immer schnellere Problemlösung.

Besondere Infrastruktur

Bisher wurden in Kopenhagen zwei Rad- und Fußgängerbrücken gebaut, eine dritte ist in der Planung. Eine vierte Brücke, Agadebroen, Teil der Norrebro Fahrradroute, wurde im Rahmen des Projekts "Grüne Fahrradrouten" errichtet und finanziert. Andere Brücken dienten nicht ausschließlich den "Grünen Fahrradrouten", sondern wurden für unterschiedliche verkehrstechnische Zwecke gebaut. Die Finanzierung erfolgte deshalb nicht aus Projektgeldern, sondern durch das Investitionsprogramm der Stadt Kopenhagen.

Ergebnisse

Die "Grüne Fahradrouten" genießen die Akzeptanz der Bevölkerung: Auf den Hauptachsen werden täglich zwischen 5.000 und 7.000 Radfahrer gezählt. Das Ergebnis ist zufriedenstellend, da bei den Nutzungsprognosen von nicht über 10.000 Radfahrern am Tag ausgegangen wurde.
Obwohl noch nicht alle Routen in das Netzwerk integriert sind, werden die zukünftigen Strecken von anderweitigen Bauprojekten verschont: Dies zeigt den politischen Rückhalt und die Wirkkraft des Projektes.

Die Zukunft: Von 40km auf 110km Fahrradrouten

Das Netzwerk der "Grünen Fahrradrouten" wird ständig erweitert. Eine Baupriorität für die Radrouten wurde im Jahr 2006 vom Technischen Umweltausschuss der Stadt Kopenhagen entschieden.

Obwohl die Stadt Kopenhagen ein weit verzweigtes Fahrradwegennetzwerk hat, steigern die geplanten "Grüne Fahrradrouten" die Qualität des Radfahrens und verbessern die Mobilität der Langstreckenradfahrer.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
70 000 000 €
Erläuterungen: 
Investition: 500 Mio DKK (ca. 70 Mio. Euro)
Diese Summe ist notwendig, um das ganze Streckennetz zu finanzieren.

Am kostenintensivsten sind die Brücken der "Grünen Fahrradrouten". Der Preis für einen Kilometer Fahrradweg wird auf 1,25 Million Euro geschätzt (ca. DKK 10 Mio.), eine Brücke kostet ungefähr 5 Mio. Euro (40 Mio. DKK). Das Budget für das gesamte Radroutennetzwerk ist mit 70 Mio. Euro kalkuliert (500 Mio. DKK). Die Fördermittel müssen jedes Jahr beantragt und durch einen Stadtratsbeschluss bewilligt werden. Das Verkehrsministerium verfügt seit einigen Jahren über ein erheblich größeres Budget für die Förderung des Radverkehrs.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Verkehrsbehörde
Projektbeteiligte: 
Grünflächenbehörde

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2000

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Herr Niels Jensen
Stadt Kopenhagen
Island Brygge 37
1505 Kopenhagen
Telefon: +4533663569
E-mail: niejen@tmf.kk.dk

Meta-Info
Stand der Information
20. Juni 2010
Autor
Niels Jenssen, Stadt Kopenhagen
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Dänemark