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Kombinierter Kurierdienst für lange Strecken

Warentransport mit Rad und Bahn

Übergabe an den Zugführer der Regionalbahn
Übergabe an den Zugführer der Regionalbahn © G. Althoff

Fahrradkuriere aus 18 deutschen Städten können ihren Kunden seit Sommer 2004 einen Zustellservice binnen weniger Stunden in fast ganz Deutschland anbieten. Der "Trick": Die Kuriere radeln nicht etwa quer durch die Republik, sondern holen die Eilsendungen beim Kunden ab und übergeben sie am Hauptbahnhof an den ic:kurier-Service von time:matters, einer Tochtergesellschaft der Lufthansa Cargo AG. Der Zug bringt das eilige Frachtgut an jede der rund 140 ic:kurier Stationen in Deutschland. So ist ein Vertrag, eine Filmkopie, eine vergessene Lesebrille, ein Notebook, ein Ersatzteil oder jede andere eilige Sendung in kurzer Zeit beim Empfänger - z.B. von Köln nach München in nur 4 1/2 Stunden. Am Zielort angekommen, wird die Sendung vom örtlichen Fahrradkurier wieder abgeholt und zugestellt.

Angestoßen wurde das Projekt vom Bundesverband der Fahrradkurierdienste (bdf), dessen Mitglieder sich seit Bestehen für umweltfreundliche Transportlösungen einsetzen. Die innovative Logistik-Kombination aus Fahrrad und Bahn wurde erfolgreich in einem mehrmonatigen Pilotversuch in Köln getestet; anschließend wurde der Service auf ausgewählte Städte ausgeweitet. Von Anfang an wurde das Angebot so gut angenommen, dass die Zusammenarbeit weitergeführt wird. Time:matters und die beteiligten Radkuriere treffen sich in regelmäßigen Abständen, um weitere Verbesserungen und neue Angebote in die Wege zu leiten.

Neben dieser bundesweiten Lösung gibt es auch eine regionale Kooperation zwischen Radkurieren und Bahn. Zwei Fahrradkurierdienste in Bielefeld und Gütersloh haben in Zusammenarbeit mit der Nordwestbahn (Sitz: Osnabrück) einen Gütertransportservice entwickelt, der die beiden Städte ohne Stau und Abgas miteinander verbindet. Unter dem Motto "Vormittags geholt – nachmittags gebracht" werden die Sendungen bis zu einer festgelegten Zeit mit dem Fahrrad beim Kunden abgeholt, um dann gesammelt mit der Nordwestbahn in die jeweilige Nachbarstadt verschickt zu werden.
Die Probephase verlief auch hier für alle Beteiligten so zufrieden stellend, dass ein Verlängerungsvertrag unterzeichnet werden konnte. Die bisher zweimal wöchentlich abgewickelten Fahrten werden auch weiterhin stattfinden, denn es haben sich schnell regelmäßige Kunden gefunden. Natürlich erhoffen sich die beteiligten Unternehmen eine noch regere Inanspruchnahme dieser Transportmöglichkeit ohne Auto und Umweltbelastung. Durch Mehrfachauslieferungen könnte der Preis sogar noch einmal deutlich reduziert werden.

Beide Fahrrad-Bahn-Eildienste sind in erster Linie für Unternehmen konzipiert, die in der Innenstadt ihren Sitz haben. Vor allem in den Stoßzeiten sind Zweirad-Kuriere schneller als das Auto. Und die Regionalbahn-Kooperation ist preislich jetzt schon günstiger als eine Autokurier-Direktfahrt zwischen beiden Kernstädten. Ab einer Entfernung von ca. 150 Kilometer ist auch die Rad-ic:kurier-Verbindung preiswerter als der Kfz-Transport, von den ökologischen Vorteilen einmal abgesehen.

Die jährliche Ökobilanz für die deutschen Radkuriere stellt der Bundesverband der Fahrradkurierdienste (bdf) wie folgt auf: 3,5 Mio. Sendungen werden über 17 Mio. Kilometer befördert, was 1,5 Mio. Liter Kraftstoff gegenüber dem Pkw-Transport einspart. Ein einzelner Radkurierdienst bringt es am Tag auf durchschnittlich 622 Radkilometer und erspart der Umwelt somit rund 185 kg CO2. Für die Bahnfahrten ergeben sich vergleichbare Umweltvorteile gegenüber dem Auto.
Beide Kooperationen entstanden im Rahmen des Projektes "Netzwerk Fahrradkurierdienste NRW", das vom Bundesverband der Fahrradkurierdienste (bdf) e.V. gemeinsam mit dem Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) e.V. von August 2003 bis Dezember 2005 durchgeführt wurde. In diesem Zeitraum wurde das Projekt gefördert durch das nordrhein-westfälische Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) als Beitrag zur landesweiten Umsetzung der Agenda 21 NRW.

Nach einer Projektdauer von eineinhalb Jahren gibt es noch viele Städte auf die das Projekt übertragbar wäre. Leider gibt es nicht überall einen Radkurierdienst oder einen ic:kurier Bahnhof, so dass noch viele Gespräche zwischen Radkurieren und Regionalbahnen, Radkurieren und Verkehrsunternehmen und Radkurieren und Radkurieren zu führen bleiben.

Der Bundesverband der Fahrradkurierdienste (bdf) e.V. besteht seit 1996. Er sieht seine Ziele schwerpunktmäßig darin, Informationsaustausch zwischen den Mitgliedsunternehmen herzustellen, Fahrradkuriere in der Öffentlichkeit bekannter zu machen und deren Interessen in der Politik zu vertreten. Förderung des Radverkehrs und ökologische Mobilität sind für den Verband politische Notwendigkeiten.
Das RISP ist ein Institut an der Universität Duisburg-Essen (Campus Duisburg) mit 25 Jahren Forschungs- und Projekterfahrung. Dabei hat das RISP zahlreiche Logistik-Projekte durchgeführt. Das RISP macht in diesem Bereich wissenschaftliche Forschung mit starkem Praxisbezug.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die Fahrradkuriere allein ersparen der Umwelt große Mengen an Treibhausgasen, durch Kombination mit der umweltfreundlichen Bahn steigert sich diese Menge noch einmal deutlich. Die Innenstädte werden nicht nur bezogen auf die Abgase, sondern auch auf den Verkehr entlastet. Fahrradkuriere mit ihrem trendigen Outfit animieren außerdem auch andere Leute, das Rad mal wieder aus dem Keller zu holen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Sponsoring, Spenden
Erläuterungen: 
Der o.a. Betrag ist eine Schätzung über die anfallenden Kosten. Die Förderung ist Ende 2005 ausgelaufen und das Projekt wird seit Ende der öffentlichen Förderung in kleinstem Rahmen vom Bundesverband der Fahrradkurierdienste mit Unterstützung durch Spenden weitergeführt, da sonst keine ausreichende Finanzierung gewährleistet ist.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Bundesverband der Fahrradkurierdienste
Projektbeteiligte: 
  • Lokale Fahrradkurierunternehmen
  • Rhein-Ruhr-Institut (RISP)

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
August 2003
Projektende: 
Dezember 2005
Info zur Laufzeit: 
Die Förderung durch das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein- Westfalen lief von 2003 bis 2005. Damit ist die wichtige und grundlegende Phase der Kontaktaufnahme und Netzwerkbildung abgeschlossen. Gleichwohl ist eine laufende Weiterbetreuung notwendig, die vom Bundesverband der Fahrradkurierdienste geleistet wird.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Frau Gerlinde Althoff
bdf - Bundesverband der Fahrradkurierdienste
Am Bahnhof 2
33602 Bielefeld
Telefon: +49(0)521/1360034
Telefax: +49(0)521/2994323
E-mail: gerlinde.althoff@t-online.de

Meta-Info
Stand der Information
1. März 2006
Autor
Gerlinde Althoff, bdf - Bundesverband der Fahrradkurierdienste
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Deutschland