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Radroutennetz Universität

Verwendung von Stellplatzablösebeträgen zur Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur

Neuer Radweg entlang der Radverkehrshauptroute
Neuer Radweg entlang der Radverkehrshauptroute © Burkhard Horn

Ausgangssituation/Projektidee/Ziele

In der "Fahrradstadt" Göttingen mit 25 Prozent Radverkehrsanteil an allen von der Göttinger Bevölkerung zurückgelegten Wegen spielen die Studierenden, Lehrenden und Beschäftigten der Universität bei der Fahrradnutzung im Alltag eine besondere Rolle. Durch die Verteilung der Lehr-, Forschungs- und Verwaltungseinrichtungen der Universität auf drei große und mehrere kleine Standorte im gesamten Stadtgebiet kommt einer guten Qualität der Radverkehrsverbindungen zwischen diesen Standorten eine besondere Bedeutung zu.
Im Jahr 1997 wurde zwischen dem Land Niedersachsen und der Stadt Göttingen eine Vereinbarung zum Umgang mit baurechtlich nachzuweisenden aber noch nicht realisierten Stellplätzen an einem zentralen Universitätsstandort geschlossen. Da Einigkeit bestand, dass eine verkehrliche Notwendigkeit für diese Stellplätze nicht existierte, wurde stattdessen ein Betrag von 4,6 Mio. DM (= ca. 2,35 Mio. Euro) als Ablösebetrag für die nicht gebauten Stellplätze vereinbart, der für die Verbesserung der ÖPNV-Anbindung (spezielle Bustrasse im Uni-Nordbereich, Ausbau von Haltestellen) und die bessere Verknüpfung der Universitätsstandorte mit dem Fahrrad verwendet werden sollte.

Projektdurchführung

Auf der Basis eines zwischen Stadt und Universität abgestimmten Gesamtkonzepts wurden Vorschläge für ca. 100 Einzelmaßnahmen entwickelt. In einem begleitenden Arbeitskreis unter Mitwirkung verschiedener städtischer Dienststellen, des Baumanagements der Universität, des Studentenwerks, der Polizei und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) wurden die Maßnahmen ausführlich abgestimmt und schließlich weitgehend umgesetzt. Basis war ein im erwähnten Gesamtkonzept entwickeltes, spezielles Routennetz für die Verknüpfung der Universitätsstandorte unter Einbeziehung der wichtigsten Wohnstandorte. Dieses Routennetz stellte gleichzeitig den Einstieg in die innerstädtische Radroutenwegweisung nach neuem Standart der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) ab 1999 dar (bundesweit eines der ersten flächendeckenden Einsatzbeispiele).
Das Maßnahmenspektrum im Rahmen der Umsetzung des "Radroutennetzes Universität" war weitgespannt:

  • Neu-/Umbau von Radverkehrsanlagen im öffentlichen Straßenraum und auf Universitätsgelände
  • Markierungsmaßnahmen
  • Radverkehrsgerechter Umbau von Knotenpunkten
  • Belagsverbesserungen
  • Geänderte Schaltungen an Lichtsignalanlagen
  • Fahrradabstellanlagen
  • Radroutenwegweisung
  • Öffentlichkeitsarbeit

Was wurde erreicht?

Insgesamt wurden im Rahmen des Projekts in einem Zeitraum von 10 Jahren zweckgebunden 1,7 Mio. Euro aus Stellplatzablösebeträgen in das "Radroutennetz Universität" investiert. Die Qualität des Radroutennetzes zwischen den Universitätsstandorten konnte dadurch deutlich verbessert werden. Das Projekt kann hinsichtlich der beteiligten Akteure als klassische "win/win"-Situation angesehen werden: Stadt und Universität haben erheblich von den Maßnahmen profitiert. Der städtische Haushalt wurde (mit Ausnahme des nicht unerheblichen mit dem Projekt verbundenen Personalaufwandes) nicht belastet. Gleichzeitig konnte der Bau einer verkehrlich nicht erforderlichen und städtebaulich problematischen Stellplatzanlage vermieden werden.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die vertragliche Absicherung zwischen Stadt und Bauherr zur zweckgebundenen Verwendung von Stellplatzablösebeträgen für den Radverkehr in dieser Dimension und mit dem dargestellten konzeptionellen Hintergrund ist nach wie vor als innovativ anzusehen.
Der direkte Nutzen für die Verkehrsteilnehmer ist ausgesprochen groß.

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Gesamtvolumen: 
1 700 000 €
Erläuterungen: 
Stellplatzablösebeträge des Landes (als für die Universität zuständige Behörde)

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Stadt Göttingen
Projektbeteiligte: 
  • Stadt Göttingen (verschiedene Fachdienste)
  • Baumanagement der Universität
  • Studentenwerk
  • Polizei
  • Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC)

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 1997
Projektende: 
März 2008

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Herr Christian Zürch
Stadt Göttingen
FD Stadt- und Verkehrsplanung
Neues Rathaus Hiroshimaplatz 1-4
37083 Göttingen
Postfach 3831
37028 Göttingen
Telefon: +49(0)551/4002588
Telefax: +49(0)551/4002810
E-mail: c.zuerch@goettingen.de

Kommunale Ansprechpartner: 
Herr Christian Zürch
Stadt Göttingen
FD Stadt- und Verkehrsplanung
Neues Rathaus Hiroshimaplatz 1-4
37083 Göttingen
Postfach 3831
37028 Göttingen
Telefon: +49(0)551/4002588
Telefax: +49(0)551/4002810
E-mail: c.zuerch@goettingen.de

Meta-Info
Stand der Information
10. März 2008
Autor
Burkhard Horn, Stadt Göttingen
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Niedersachsen