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Radverkehrsförderung der Ruhr-Universität Bochum

Verleihstationen und Serviceangebote auf dem Uni-Campus

Die Ruhr-Universität aus der Luft betrachtet
Die Ruhr-Universität aus der Luft betrachtet © Ruhr-Universität Bochum

Ausgangssituation an der Ruhr-Universität Bochum

Die Ruhr-Universität Bochum wurde 1962 gegründet und gemäß dem städtebaulichen Leitbild der "autogerechten Stadt" als Campus-Universität gestaltet. Am südöstlichen Rand Bochums gelegen, ist sie täglicher An- und Abreiseort für 47.500 Menschen. Die Ruhr-Universität ist Bildungsstätte für ca. 42.000 Studierende und mit rund 5.500 Beschäftigten der größte Arbeitgeber Bochums. Damit ist sie nicht nur unter den zehn größten deutschen Universitäten, sondern hat auch die Dimensionen einer mittelgroßen Stadt.

Neben dem regelmäßigem Austausch unter den relevanten Akteuren hat eine Befragung von rund 8.000 Studierenden und Beschäftigten im Januar 2012 gezeigt, dass aus der Sicht dieser beiden Gruppen bezüglich der Verkehrssituation zwei Hauptprobleme wahrgenommen werden: Zum einen wurde eine ungleiche Auslastung der vorhandenen Parkmöglichkeiten, die das Finden eines Parkplatzes erschwert, kritisiert. Zum anderen wurde die starke Auslastung des ÖPNV zu den Hauptanreisezeiten der Studierenden (im Vorfeld der Lehrveranstaltungen um 8 und 10 Uhr) bemängelt.

Ziele der Mobilitäts- und Verkehrsstrategie

Ohne steuernde Maßnahmen war mit einer Verschärfung dieser Situation durch 4.500 zusätzliche Studierende des doppelten Abiturjahrgangs - aufgeteilt auf die Wintersemester 2013/14 und 2014/15 - zu rechnen. Daher sollte die Projektgruppe RUB.2013 zusammen mit dem Dezernat 5 (Bau- und Gebäudemanagement, Arbeits- und Umweltschutz) eine Strategie entwickeln, um den aktuellen und zu erwartenden Problemen rechtzeitig und nachhaltig entgegenzuwirken: die Mobilitäts- und Verkehrsstrategie MOVE 2013.

Diese hat, angesichts der von Studierenden und Beschäftigten artikulierten Probleme, folgende Ziele:

  • Die Reduzierung der Nachfrage nach Parkmöglichkeiten,
  • die Reduzierung der Auslastung im ÖPNV zu Stoßzeiten,
  • die Reduzierung von Problemen des zu erwartenden zusätzlichen Pendelverkehrs im Rahmen des doppelten Abiturjahrgangs 2013,
  • und die stärkere Berücksichtigung der Erfordernisse für eine nachhaltige Mobilitätskultur bei der baulichen Campusentwicklung.

Bei der Verfolgung dieser Ziele soll nach den folgenden Prinzipien gehandelt werden:

  • Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt und werden gleichermaßen berücksichtigt. Dabei sollen Ressourcen so zielgerichtet wie möglich genutzt werden, um allen die gleichwertige Teilnahme am Verkehr zu ermöglichen, ohne dabei einzelne Gruppen zu übervorteilen.
  • Die Ruhr-Universität möchte durch die Strategie dem Wunsch der Beschäftigten und Studierenden nachkommen, den Umweltverbund (zu Fuß, Fahrrad, ÖPNV, Fahrgemeinschaften) mehr zu nutzen und dadurch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
  • Die Schaffung einer größeren Anzahl von zusätzlichen Parkmöglichkeiten für Pkw wird aufgrund der angestrebten effizienten Nutzung räumlicher und finanzieller Ressourcen, aber auch aufgrund der Verantwortung der RUB für die negativen Effekte des motorisierten Pendelverkehrs, nicht stattfinden.

Projektdurchführung

Für Planung, Abstimmung und Ausführungsbegleitung der Maßnahmen wurde ein Koordinator als Querschnittsstelle zwischen dem Bau- und Gebäudemanagement und dem Projekt zum Management des doppelten Abiturjahrgangs eingesetzt. Um regelmäßig konstruktiven Input zu erhalten, aber auch um Planungsschritte zu beschleunigen, wurde eine zusätzlich Gruppe gebildet, die sich monatlich zur Abstimmung trifft. Daran beteiligt sind der wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Personalrat, Studierendenvertretungen, Schwerbehindertenvertretungen, die Gleichstellungsbeauftragte und VertreterInnen diverser Ämter der Stadt Bochum. Themenbezogen werden auch VertreterInnen des örtlichen Verkehrsunternehmens, des ADFC oder der Polizei beratend hinzugezogen.

Handlungsfelder

Darüber hinaus wurde im Januar 2014 eine erste Evaluation durchgeführt, um mögliche Bewertungsveränderungen in den unterschiedlichen Handlungsfeldern zu erhalten. Gleichzeitig werden die Auswirkungen und der Erfolg durch Veränderungen des Anteils der jeweiligen Verkehrsmittel (Modal Split) gemessen. Die Mobilitäts- und Verkehrsstrategie wurde in sechs Handlungsfelder gegliedert und die folgenden Maßnahmen bis Juli 2014 umgesetzt:

Handlungsfeld "Fahrrad"

  • Etablierung des Leihfahrradsystems "metropolradruhr" auf und um den Campus der Ruhr-Universität herum: In Zusammenarbeit mit der Stadt Bochum hat die RUB 2013 insgesamt 15 metropolrad-Stationen auf dem Campus und im angrenzenden Stadtteil Querenburg aufgestellt – acht davon direkt auf dem Universitätsgelände. Der AStA der RUB hat einen Sondertarif abgeschlossen, mit dem die Studierenden bei jeder Nutzung 60 Minuten gratis fahren. Zusammen mit dem AStA, der Stadt Bochum und dem Akademischen Förderungswerk wird das System in Bochum 2014 auf 72 Stationen und 760 Räder erweitert. Bisher haben Studierende und Beschäftigte über 53.000 Fahrten mit dem Leihfahrrad zurückgelegt (Stand: Juli 2014).
  • Es wurden 450 neue Anlehnbügel extra auf die Bedürfnisse der RUB hin angefertigt und alte Fahrradständer ausgetauscht. Sie bieten zusätzliche Parkmöglichkeiten für 900 Räder. Damit die Bügel für sehbehinderte Menschen nicht zur Stolperfalle werden, sind sie in Gruppen angeordnet und durch tastbare Markierungen gekennzeichnet.
  • In acht abschließbaren und überdachten Fahrradboxen mit insgesamt 180 Plätzen können Studierende und Mitarbeiter für 3 Euro im Monat ihre Fahrräder sicher abstellen.
  • Es wurde ein Campus- und Anreiseplan für Radfahrende erstellt. Darin wird nicht nur dargestellt, wie die Ruhr-Universität am besten zu erreichen ist und man auf dem Campus von A nach B gelangen kann. Auch die auf dem Universitätsgelände bestehenden Abstellmöglichkeiten sind eingezeichnet.
  • Die Ruhr-Universität beteiligt sich an der Aktion "Mit dem Rad zur Arbeit" und führt regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem ADFC Bochum Fahrradtouren durch, damit Studierende und Beschäftigte die Radinfrastruktur am Campus besser kennenlernen können.
  • 2013 erhielt die Ruhr-Universität von der AOK die Auszeichnung "fahrradaktiver Betrieb".

Handlungsfeld "Zu Fuß"

  • Es wurde ein Campusplan für Rollstuhlfahrende erarbeitet.
  • Mehreren kleine Treppenanlagen wurden zu Rampen umgebaut.
  • Es wurde ein Wegeleitsystem für Fußgänger inklusive einer barrierefreien Alternativbeschilderung eingeführt.

Handlungsfeld Öffentlicher Personennahverkehr

  • In enger Abstimmung mit der Stadt Bochum und dem lokalen Verkehrsbetrieb Bogestra hat die Ruhr-Universität ihre Anfangszeiten gestaffelt und strategisch Vorlesungen in neu angemietete Gebäude in der Innenstadt gelegt, damit der ÖPNV zu den Stoßzeiten entlastet wird.

Handlungsfeld Motorisierter Individualverkehr

  • Die RUB macht bei allen Werbeveranstaltungen zur Mobilität aktiv Werbung für das Fahrgemeinschaftsportal pendlerportal.de.
  • Es wurde ein neuer Parkplatzplan entwickelt.

Handlungsfeld Wohnen

  • In Zusammenarbeit mit UniverCity (Bochumer Zusammenschluss von Stadt, Hochschulen, IHK und weiteren Akteuren) und dem Sparkassen-Immobiliendienst entsteht aktuell ein spezielles Wohnungsportal für das mittlere Ruhrgebiet. Damit soll den Studierenden das (verkehrsgünstige) Wohnen in Bochum und Umgebung nahegelegt werden.

Handlungsfeld Kommunikation/Information

  • Die RUB hat im November 2012 eine Mobilitätswoche durchgeführt. Dort konnten unter anderem Pedelecs ausprobiert werden.
  • Zur Einschreibung des doppelten Abiturjahrgangs hat die RUB erstmalig einen Informationsstand bereitgestellt, an dem sich alle Studierenden zu allen Themen der Mobilität beraten lassen konnten.
  • Unter den Adressen rub.de/move bzw. rub.de/anreise wurde ein neues Informationsportal zur Mobilität an der RUB erstellt.
  • Die RUB-eigene App enthält jetzt eine Rubrik Mobilität, in der z.B. die Abfahrtszeiten der U-Bahn oder die Standorte der metropolradruhr-Stationen abgerufen werden können.

Positive Veränderungen

Im Januar 2014 erfolgte eine Evaluation der durchgeführten Maßnahmen. Dabei konnte festgestellt werden, dass der durchschnittliche Fahrradanteil am Modal Split bei Beschäftigten und Studierenden von 2% auf 3,5% und der durchschnittliche ÖPNV-Anteil von 53% auf 58% gestiegen sind. Der MIV-Anteil ist von 34,5% auf 27,5% gesunken.

Ausblick

Auch nach dem doppelten Abiturjahrgang besteht aufgrund steigender Studierendenzahlen weiterhin Bedarf, die An- und Abreise der Beschäftigten und Studierenden nachhaltig zu gestalten. Ebenso zeigte die Evaluation der bisherigen Maßnahmen weiteren Handlungsbedarf insbesondere hinsichtlich Barrierefreiheit, Fahrradfreundlichkeit und Orientierung auf dem Campus. Die Mobilitäts- und Verkehrsstrategie der RUB wird daher als MOVE 2020 fortgeschrieben. Bestehende Maßnahmen werden fortgeführt und gegebenenfalls ausgebaut. Zudem sind für alle Handlungsfelder neue Maßnahmen geplant.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Beispiel lässt sich auf alle Hochschulen übertragen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Sonstige
Erläuterungen: 

Haushaltsmittel RUB

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Evaluation durch eigene Befragung im Januar 2014, begleitende Bewertung durch Lehrveranstaltung der Geographie

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Ruhr-Universität Bochum

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Oktober 2011
Info zur Laufzeit: 

Die Ruhr-Universität plant das Projekt MOVE regelmäßig zu evaluieren und fortzuschreiben. Die nächste Strategie wird voraussichtlich einen Zeithorizont von 5 bis 10 Jahren umfassen.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Koordinator Mobilitäts- und Verkehrsstrategie
Herr Björn Frauendienst
Ruhr-Universität Bochum
Universitätsstraße 150
44801 Bochum
Telefon: 0234-32-26505
E-mail: Bjoern.Frauendienst@uv.rub.de
WWW: www.rub.de/move
 

Meta-Info
Stand der Information
31. Juli 2014
Autor
Björn Frauendienst, Koordinator Mobilitäts- und Verkehrsstrategie
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Nordrhein-Westfalen