Sie sind hier

Vernetzung lokaler Akteure

Verkehrssicherheitsarbeit für Kinder und Jugendliche

Stand der Kinderunfallkommission, Mobiles Brühl, April 2005
Stand der Kinderunfallkommission, Mobiles Brühl, April 2005 © K. Naefe

1. Vernetzte Verkehrssicherheit

Die Verkehrssicherheitsarbeit für Kinder und Jugendliche ist seit Ende der 1990er Jahre ein fest etablierter Aufgabenbereich bei der Stadt Brühl. Sie ist in Brühl in das kommunale Mobilitätsmanagement mit den Zuständigkeiten für den Umweltverbund integriert.
Auf diese Weise kann sehr gut die bestehende Zusammenarbeit mit den verschiedensten Akteuren der Verkehrssicherheitsarbeit (Polizei, Verkehrsunternehmen, Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC), Kinderschutzbund, Schulen, Kindergärten, Fahrradhändler) genutzt und gebündelt werden. Die Verknüpfung zwischen planerischem Handeln, schulischer Mobilitätserziehung und Polizeiarbeit stellt ein wesentliches Handlungsfeld zur Verbesserung der Verkehrssicherheit dar. Im Mittelpunkt der Arbeit steht dabei die Förderung einer sicheren und eigenständigen Mobilität der Kinder und Jugendlichen.

Realisiert werden diese Aufgaben zum einen über Arbeitskreise zur schulischen Mobilitätserziehung und zum anderen über die Kinderunfallkommission.

In den Arbeitskreisen nehmen Vertreter/innen der Schulen, Kinderschutzbund, Polizei, Verkehrsunternehmen und der Stadtverwaltung teil und ihre Aufgaben sind u.a.:

  • Weitergabe der neusten fachlichen und didaktischen Erkenntnisse
  • Abstimmung einzelner Aktionen (z.B. Schülerticket)
  • Erfahrungsaustausch
  • Anbindung der Schulen an das ÖPNV-, das Fuß- und Radwegenetz
  • Kooperationen im Rahmen von Projekten
  • Kontakt zu den außerschulischen Institutionen des Mobilitätsmanagements

Die Kinderunfallkommission setzt sich zusammen aus Vertretern der Stadt Brühl, der Polizei, des Kinderschutzbundes und des ADFC. Hier werden die Maßnahmen abgesprochen, die daraufhin von den jeweils zuständigen Stellen umgesetzt werden:

  • Örtliche Untersuchung aller Kinderunfälle und Erarbeitung von Vorschlägen zur Beseitigung von unfallbegünstigenden Faktoren im Straßenraum
  • Analyse und Festlegung der Zielsetzungen und Schwerpunkte der Mobilitätserziehungs- und Verkehrsaufklärungsarbeit aller Träger
  • Analyse und Festlegung der Zielsetzungen und Schwerpunkte für die Verkehrsüberwachungsmaßnahmen der Stadt und der Polizei zur Verhütung von Kinderunfällen

2. Beispielhafte Radfahrprojekte im Rahmen der schulischen Mobilitätserziehung

Ein Schwerpunkt der vernetzten Mobilitätserziehung stellt das Fahrrad als Verkehrsmittel für Kinder und Jugendlich dar. Unter anderem werden folgende Aktivitäten durchgeführt:

  • Radfahrausbildung an Schulen: Die Radfahrausbildung, inklusiver praktischer Ausbildung, ist für die Jahrgangsstufen 3 und 4 konzipiert und soll im Rahmen des Verkehrsunterrichts durch die Lehrer/innen durchgeführt werden. Für die Radfahrausbildung steht den Schulen Material der "Radfahrschule" (Container mit Laufrädern, Rollern, Kinderfahrrädern, Fahrradhelmen und Fahrradparcours) und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Im Mittelpunkt der Radfahrausbildung in der Jahrgangsstufe 4 steht das Lernen und Üben im Straßenverkehr. Als Übungsbogen wird der "Hamburger Übungsbogen" eingesetzt. Der Bogen ist in Form einer Fotogeschichte mit Comicelementen konzipiert und enthält Schreib- und Malanlässe, um sich mit der Problematik des Radfahrens motivierend auseinander zusetzen. Mit Hilfe des Bogens sollen die Eltern stärker in die Arbeit einbezogen werden.Die Fahrpraxis endet mit einer Abschlussfahrt im Schulbereich. Eine Prüfung findet nicht statt. Die Kinder erhalten zu Schluss eine Urkunde. Aus ihr geht hervor, was die Kinder schon gut beherrschen und was noch geübt werden muss.
  • Radfahrpooling: Unter Radpooling versteht man die Bildung von Fahrgemeinschaften auf dem Weg zur Schule. Sie ermöglichen es den Schülern gemeinsam per Fahrrad zur Schule zu kommen – unter Anleitung und Aufsicht erfahrener Radfahrer. Ziel des Projektes ist es den neuen Schulweges für die Schulwechsler von der Grundschule zur weiterführenden Schule einzuüben, die Schüler für die Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren, das Erlernen der Verkehrsregeln und die frühzeitige Fahrradnutzung bei den Kindern zu fördern. Die Aktion wird von der Stadtverwaltung koordiniert und in den ersten zwei Wochen nach Schulbeginn durchgeführt. An den ersten Tagen wird die Aktion von Polizisten begleitet.
  • Fahrradsicherheitsscheck: Seit 1998 finden an allen Brühler weiterführenden Schulen in den Klassen 5-10 in Kooperation mit Stadt Brühl, Schulen, Polizei und örtlichen Fahrradhändlern Fahrradüberprüfungen statt. Es geht dabei nicht darum, die Schüler zu "erwischen", sondern präventiv Sicherheitsmängel aufzudecken und möglichen Unfällen vorzubeugen. So werden kleinere Reparaturen vor Ort von den Fahrradhändlern übernommen. Bei größeren Mängeln wird den Schülern eine spezielle entworfene "Mängelkarte" für die Eltern ausgestellt, nach der die Fahrräder zu reparieren sind. Ziel der Aktion ist es in erster Linie den Anteil der Kinder und Jugendliche, die mit verkehrssicheren Fahrrädern unterwegs sind, zu erhöhen sowie die Vermittlung, welche Bestandteile zu einem verkehrssicheren Fahrrad gehören.
  • Radfahrtraining für die Sekundarstufe I: Die Stadt Brühl hat ein Konzept für die weitere Bearbeitung des Themas "Fahrrad und Umwelt" für die Sekundarstufe I erarbeitet. Dazu zählen die Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien (FahrRadMobil, interaktive Lernprogramm beiki), die Beteiligung der Polizei mit 4 Unterrichtsstunden pro Klasse und eine Fahrradexkursion durch Brühl. Derzeit werden mit den Schulen Gespräche zur Umsetzung geführt.
  • Öffentlichkeitsarbeit: Die Maßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, die eine langfristige Verhaltensänderung bewirken sollen, bilden einen wichtigen Bestandteil der Brühler Verkehrssicherheitsarbeit. Dazu gehören die Präsenz bei Veranstaltungen (Mobiles Brühl, Agenda Fest, Fahrradfest), die Organisation von Verkehrssicherheitstagen und die Pressearbeit.In den letzten Jahren sind zahlreiche Broschüren zum Thema Radfahren herausgegeben worden ("Radfahren mit Kindern", "Sicher Fahrrad fahren in Brühl", Fahrradrallye für Kinder) sowie zwei Ausgaben der Zeitung Mobil in Brühl mit den jeweiligen Schwerpunkten "Kinder sicher unterwegs“ und „Brühler Fahrradsommer".

3. Ergebnisse der vernetzten Verkehrssicherheitsarbeit

Die mehrjährigen Erfahrungen aus der Zusammenarbeit der Stadt Brühl und der Polizei haben gezeigt, dass eine Vernetzung der Träger der örtlichen Verkehrssicherheitsarbeit Synergieeffekte freisetzt, die sich positiv auf das Kinderunfallgeschehen auswirken. Die Vorteile der Institutionalisierung und Vernetzung liegen in folgenden Punkten: Die Bündelung der bisher z.T. isolierten Maßnahmen zu einem abgestimmten Konzept, die gemeinsame Nutzung der finanziellen Ressourcen, eine intensivere Einbeziehung der Schulen, Ideenvielfalt, die Nutzbarmachung einzelner Erfahrungen für die kommunale Arbeit und die Bewusstseinsbildung bei Planern und Politikern für eine integrierte Verkehrssicherheitsarbeit.

Bis Ende 2004 stand der Stadt Brühl als messbarer Erfolgsindikator für die vernetzte Arbeit und die zahlreich durchgeführten Maßnahmen und Aktionen lediglich die Entwicklung der Kinderunfallzahlen in Brühl zur Verfügung. Nach Einsetzung der Kinderunfallkommission sind die Unfallzahlen deutlich zurückgegangen. Während 1999 der Anzahl der verunfallten Kinder in Brühl bei insgesamt 39 lag, so ist die Zahl in den letzten zwei Jahren auf 20 gesunken.
Neben der Entwicklung der Kinderunfallzahlen weisen die Absatzzahlen des Schülertickets in den letzten drei Jahren ebenfalls einen deutlich positiven Trend auf. Die Stadtwerke Brühl, als Betreiber des Stadtbussystems, konnten von Februar 2003 bis März 2005 einen Anstieg von über 21% erzielen.

Im Herbst 2004 untersuchten Studierende der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Köln, die Wirkungsweise einzelnen Verkehrssicherheitsmaßnahmen.
Zu den untersuchten Maßnahmen gehörten: Fahrradsicherheitsscheck an weiterführenden Schulen, Kasperletheater zum Stadtbus, Broschüren "Verkehrssicherheit, frische Luft & Freunde" für Kindergarten und Grundschulen, Bekanntheitsgrad Kinderunfallkommission.
Zusammenfassend ließ sich feststellen, dass alle untersuchten Maßnahmen sich nachweislich positiv auf die Verkehrssicherheitssituation in Brühl für Kinder auswirken.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Beispiel für vernetzte Verkehrssicherheitsarbeit im Rahmen des kommunalen Mobilitätsmanagement; Integrativer Ansatz, das heißt Verzahnung der Bereiche Verkehrsplanung, Verkehrsüberwachung, Verkehrserziehung; Bündelung von Aktionen und Maßnahmen

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel
Sponsoring, Spenden
Gesamtvolumen: 
20 000 €
Erläuterungen: 
Lfd. Kosten: 20.000 Euro

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Herbst 2004: Studenten der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Köln im Rahmen einer Projektarbeit; für 2005 weitere Evaluation geplant

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Stadt Brühl
Projektbeteiligte: 
  • Polizei GS3 Rhein-Erft-Kreis
  • Polizei Brühl
  • Kommissariat Vorbeugung
  • Deutscher Kinderschutzbund
  • ADFC
  • Schulen
  • Verkehrsunternehmen

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 1999

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

  • http://www.bruehl.de/stadt_bruehl/verkehr/
  • Naefe (2005): Vernetzte Verkehrssicherheitsarbeit – Beispiel Brühl, In: Verkehrszeichen 3/2005, S.20-25
  • Baumgardt (2005): Verkehrsprävention – eine Utopie, In: Verkehrserziehung

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Herr Hartwig Bosseler
Stadt Brühl
Kinderunfallkommission
Uhlstr. 03
50321 Brühl
Telefon: +49(0)2232/792260
Telefax: +49(0)2232/792261
E-mail: hbosseler@bruehl.de