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Radfahrausbildung im realen Straßenverkehr

VeloKids

Radfahrausbildung im realen Straßenverkehr in Berlin-Kreuzberg (Südstern)
Radfahrausbildung im realen Straßenverkehr in Berlin-Kreuzberg (Südstern) © BUND Berlin

Weiterentwicklung der schulischen Radfahrausbildung unter besonderer Berücksichtigung des sicheren Radfahrens von Kindern in der Verkehrswirklichkeit

Gesamtziel des Vorhabens ist die Verbesserung der Radverkehrssicherheit von Kindern. Der Spaß von Kindern am Radfahren soll gefördert, sowie ihre Kompetenz und Sicherheit im Straßenverkehr verbessert werden. Dieses Ziel soll durch die Weiterentwicklung der schulischen Radfahrausbildung unter besonderer Berücksichtigung des sicheren Radfahrens von Kindern in der Verkehrswirklichkeit erreicht werden. Kinder können nur dann lernen, sich sicher im Straßenverkehr zu verhalten, wenn sie dies auch dort, also im realen Straßenverkehr, üben.

Die Radfahrausbildung findet häufig ausschließlich im Schonraum statt, z.B. in geschützten Bereichen von Jugendverkehrsschulen, Schulhöfen oder im abgesperrten öffentlichen Straßenraum. So werden Kinder nicht ausreichend auf Gefahren im Verkehr vorbereitet und lernen nicht, angemessen auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Der Anstieg der Unfallzahlen von Rad fahrenden Kindern im Alter von 10 bis 14 gegenüber den Unfallzahlen von 6-10-jährigen Kindern, bestätigt dies.

So zeigt der Verkehrssicherheitsbericht des Landes Berlin seit Jahren eine sprunghafte Zunahme der mit dem Fahrrad verunglückten Kinder der Altersgruppe 11 bis 14 Jahre im Vergleich zur Altersgruppe 6-10 Jahre (2016: 76 mit dem Fahrrad verunglückte Kinder im Alter von 6-10 Jahren und 175 verunglückte Kinder im Alter von 11-14; 2017: 70 mit dem Fahrrad verunglückte Kinder im Alter von 6-10 Jahren und 179 Kinder im Alter von 11-14).

Das Projekt wird in den drei Bundesländern Berlin, Brandenburg und Hamburg durchgeführt, in denen unterschiedliche Voraussetzungen für die Radfahrausbildung vorliegen. Berlin hat ein flächendeckendes Netz von stationären Jugendverkehrsschulen. Hier wird die Radfahrausbildung überwiegend im Schonraum durchgeführt.

In Brandenburg findet die Radfahrausbildung sowohl im Schonraum als auch im realen Straßenverkehr statt, es gibt neben einzelnen stationären Jugendverkehrsschulen auch mobile Jugendverkehrsschulen. In Hamburg wird die Radfahrausbildung in der vierten Klasse flächendeckend im realen Straßenverkehr durchgeführt. Zusätzlich werden mobile Jugendverkehrsschulen eingesetzt. In einer vorbereitenden Phase wird in Klasse 3 die sichere Beherrschung des Fahrrads im Schonraum geübt. An einzelnen Schulen gibt es zusätzlich ein Rollertraining in den Klassen 1 und 2, um die motorischen Voraussetzungen der Kinder besser zu schulen.

Ziel des Projekts VeloKids ist, zu untersuchen, unter welchen Bedingungen die schulische Radfahrausbildung im realen Straßenverkehr stattfinden kann und welche Unterstützung Schulen benötigen, um diese Form der Ausbildung zu integrieren. Ausführliche Erhebungen des Ist-Zustands der Radfahrausbildung finden deshalb im Rahmen einer Erhebungsphase in allen drei beteiligten Bundesländern statt (u.a. werden insgesamt 14 Schulklassen über das gesamte Schuljahr 2020/21 bei der Radfahrausbildung begleitet). In Hamburg wird dabei auch in einer Klasse mit vorbereitendem Rollertraining hospitiert.

Bundesweit gibt es Ansätze, die Radfahrausbildung so zu gestalten, dass die Kinder besser auf den realen Straßenverkehr vorbereitet werden. Zusammen mit Akteuren der schulischen Mobilitätsbildung und Verkehrserziehung werden vorhandene Angebote ausgewertet, praxisorientiert weiterentwickelt und neue Konzepte erarbeitet. Dabei werden unterschiedliche Voraussetzungen sowohl in den verschiedenen Bundesländern als auch an den einzelnen Schulen sowie die Perspektiven aller Akteure berücksichtigt, um praxistaugliche Lösungen zu gewinnen.

Im Projekt werden folgende Aspekte berücksichtigt:

  • Es wird untersucht, warum die Radfahrausbildung häufig im Schonraum durchgeführt wird und welche Möglichkeiten es gibt, das Fahren im realen Straßenverkehr einzubeziehen. Dafür notwendige Voraussetzungen werden erarbeitet.
  • Es wird untersucht, welche konkreten Hemmnisse es an Schulen gibt und wie sich die Anforderungen, Kinder gut auf sicheres und selbstständiges Radfahren im Straßenverkehr vorzubereiten, in die konkrete Praxis umsetzen lassen.
  • Es wird untersucht, wie Eltern und externe Partner in die Radfahrausbildung eingebunden werden können und die Zusammenarbeit der Akteure vor Ort gestärkt werden kann.
  • Es werden gezielt Lösungen zum Abbau der Hemmnisse erarbeitet, um die Radfahrausbildung stärker in den Realraum zu verlagern. Aktuelle Veränderungen im Schulbereich werden berücksichtigt, wie z.B. die Möglichkeiten der Ganztagsschule sowie Anforderungen durch Inklusion.
  • Lehrkräfte werden bei der Radfahrausbildung beraten und unterstützt. Sie sind für die Radfahrausbildung zuständig, aber häufig nicht ausreichend auf diese Aufgabe vorbereitet. Zudem wurde die Unterstützung der Polizei in den letzten Jahren vielerorts reduziert.
  • Ein Fortbildungskonzept wird für die an der Radfahrausbildung Beteiligten erstellt und durchgeführt. Dieses sieht auch gemeinsame Fortbildungen für unterschiedliche Akteure vor.

Insbesondere wird darauf geachtet, dass die Vorschläge sich in der Praxis realistisch umsetzen lassen.

Im Rahmen einer zweiten Hospitationsphase im Schuljahr 2021/22 werden Lösungsvorschläge, die im Rahmen des Projekts erarbeitet werden, mit Lehrkräften aus Berlin und Brandenburg getestet. Die Erprobungsphase wird an Schulen durchgeführt, an denen die Radfahrausbildung bisher ganz oder überwiegend im Schonraum stattfindet. Neben den Hospitationen werden weitere Recherchen durchgeführt, die in die Erstellung von Lösungsvorschlägen einfließen.

Als Ergebnis soll ein praxistaugliches Konzept zur Durchführung der Radfahrausbildung im realen Straßenverkehr zur Verfügung stehen, das Antworten auf relevante Fragen gibt sowie Lehrkräfte motivieren und unterstützen soll, die Radfahrausbildung wenigstens zum Teil im Realraum durchzuführen.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Bei der Erarbeitung von Umsetzungsvorschlägen wird besonders auf Praxistauglichkeit geachtet. Deshalb finden sowohl eine ausführliche Erhebungsphase vor Ort an Schulen als auch eine Erprobung der Umsetzungsvorschläge statt. Die Ergebnisse werden so aufbereitet, dass sie bundesweit abrufbar und nutzbar sind.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Gesamtvolumen: 
344 358 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP 2020) gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Berlin e.V.
  • Landesverkehrswacht Berlin e.V. (Kooperationsprojekt)
Projektbeteiligte: 

Schulen, Schulverwaltungen und die Polizei, in den drei beteiligten Bundesländern Berlin, Brandenburg und Hamburg

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
November 2019
Projektende: 
Oktober 2022

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Gabi Jung
Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Berlin e.V. (BUND Berlin)
Crellestraße 35, 10827 Berlin
Telefon: +49 30 787900 31
Telefax: +49 30  787900 18
E-Mail: jung@bund-berlin.de

Angelika Uricher
Landesverkehrswacht Berlin e.V. (LVW Berlin)
Alboinstraße 56, 12103 Berlin
Telefon: +49 30 30401 63
Telefax: +49 30 30401 62
E-Mail: uricher@lvw-berlin.de

Kommunale Ansprechpartner: 

Harald Petters
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin
Mobilitätsbildung und Verkehrserziehung

Meta-Info
Stand der Information
17. Februar 2020
Autor
Angelika Uricher (Landesverkehrswacht Berlin e.V.) Gabi Jung (Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Berlin e.V.)
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Berlin
Brandenburg
Hamburg