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Bern – Velohauptstadt der Schweiz

Velo-Offensive

Radweg
Radweg © Verkehrsplanung der Stadt Bern (TVS)

Einleitung

In der Stadt Bern hat die Förderung des Veloverkehrs bereits eine lange Tradition. Bereits 1999 haben sich die Stimmberechtigten der Stadt Bern mit der Annahme des Reglements zur Förderung des Fuss- und Veloverkehrs für eine Stärkung des Fuss- und Veloverkehrs ausgesprochen. Seitdem wird eine systematische und konsequente Veloförderung betrieben. Die Erhöhung des Veloverkehrsanteils ist kein Selbstzweck. Für Stadt und Region Bern ist eine starke Verkehrszunahme prognostiziert. Angesichts dieser Entwicklung geht es darum, dass der Veloverkehr und der öffentliche Verkehr diese Verkehrszunahme gemeinsam auffangen, damit eine Zunahme des motorisierten Individualverkehrs verhindert werden kann; und damit auch negative Folgen Wohn-, Lebens- und Standortqualität durch Staus, Unfallgefahren und Lärmbelastung. Dazu hat der Gemeinderat die Erarbeitung einer "Velo-Offensive" beschlossen.

Ziel

Ziel der Velo-Offensive ist die Steigerung des Veloanteils am Gesamtverkehr der Stadt Bern von heute rund 11 Prozent auf 20 Prozent bis 2030. Die Stadt Bern will die Erfolge, welche sie in den letzten Jahrzehnten beim öffentlichen Verkehr (ÖV) erreicht hat, auch auf den Veloverkehr ausdehnen. Bern ist heute bereits die ÖV-Hauptstadt der Schweiz und will künftig auch Velo-Hauptstadt werden. Dies ist kein Selbstzweck: Nur wenn der ÖV und der Veloverkehr die prognostizierte starke Verkehrszunahme in den nächsten Jahren gemeinsam auffangen können, wird die nachhaltige Mobilität in der Stadt Bern weiterhin dominieren. Dies verhindert langfristig eine Zunahme des motorisierten Individualverkehrs und damit auch negative Folgen auf die Wohn- und Standortqualität durch Staus, Unfallgefahren und Lärmbelastung. Die Velo-Offensive soll entscheidend zu einer weiterhin hohen Lebensqualität in Bern beitragen.

Umsetzung

Die Verwaltung der Stadt Bern ist in fünf Direktionen gegliedert. Für die Velo-Offensive ist die Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün federführend. Die Umsetzung gliedert sich in drei Phasen. In der ersten Phase wurden zunächst die Strategie und die Maßnahmen der Velo-Offensive in einem direktionsübergreifenden verwaltungsinternen Prozess erarbeitet. Gewisse, teilweise bereits laufende Maßnahmen, werden sofort umgesetzt.

Alle weiteren und langfristig ausgerichteten Maßnahmen werden in einer zweiten Phase in einem breiten Partizipationsprozess weiterentwickelt und konkretisiert. Das Stadtparlament hat auf Antrag des Gemeinderats (Exekutive) einen Kredit für die Umsetzung des Partizipationsprozesses genehmigt.

Die dritte Phase der Velo-Offensive ist ab 2018 vorgesehen. Diese Phase markiert das Ende der Intensivphase und den Beginn des "courant normal" – die Umsetzung des langfristigen, auf die Erreichung des Verlagerungsziels von 20 Prozent Veloanteil im Jahr 2030 ausgerichteten Programms.

Die Velo-Offensive orientiert sich an den Erfahrungen aus anderen Velostädten und umfasst folgende Schwerpunkte:

  • Infrastruktur: Aufbau eines durchgängigen, adäquaten Routennetzes mit hohem Standard für alle Benutzenden; Der Fokus liegt auf kohärenten, unterbruchsfreien und komfortablen Velohauptrouten, welche ein effizientes und sicheres Vorankommen ermöglichen und gleichzeitig den sozialen und stadtverträglichen Aspekten des Velofahrens Rechnung tragen (bsp. Nebeneinanderfahren). Bereitstellung von Abstellanlagen mit hohem Standard und guter Zugänglichkeit mit Fokus auf Bahnhöfe, Innenstadt und größere Zielgebiete; Einführung eines flächendeckenden Veloverleihsystems.
  • Dienstleistungen und Fördermaßnahmen: Ordnungs- und Hilfedienst durch ein Arbeitsintegrationsprojekt am Bahnhof: Ordnen der Fahrräder sowie Pumpen der Fahrräder; E-Bike Kurs für  Senioren; eCargo-Bikes im Berner Wirtschaftsverkehr; Sharing-Plattform für eCargo-Bikes; Tauschaktion Auto gegen E-Bikes
  • Kinder und Jugendliche: VELO SKILLS TOUR, welche einen mobilen Pumptrack sowie einen Verkehrspark umfasst; Bike-Kurs im Rahmen der Kids-Kurse; Velo-Spielplätze für Kinder; Pumptracks und Jumptrail für Kinder, Jugendliche und Erwachsene; Verkehrskundeunterricht; Spezial Velo-Freizeitanalgen wie Enduro-Loops, Downhill-Trail, Bike-Polo Platz
  • Velokultur: Etablierung und Förderung einer "Velokultur" sowohl bei Nutzenden durch Kampagnen als auch verwaltungsintern; die Veloverkehr wird bei allen Infrastrukturprojekten konsequent mitgeplant. Fokus auf Botschaft, dass hoher Standard von Veloverkehr wesentliches Element von Lebensqualität der Stadt Bern ist.
  • Einbezug der Bevölkerung: Durch einen breiten Partizipationsprozess wird die Bevölkerung sowie Interessensgruppen direkt in die Planung miteinbezogen.
  • Gemeinsames Vorgehen der Verwaltung: Innerhalb der Stadtverwaltung wurden fünf direktionsübergreifende Arbeitsgruppen gebildet, welche die Veloförderung – über die bereits laufenden Projekte hinaus - aus unterschiedlichen Perspektiven betrachteten und verschiedene Fokusthemen bearbeiteten. Die Arbeitsgruppen wurden in folgende Themenfelder unterteilt: "Velo- und Mobilitätskultur", "Dienstleistungen und Fördermaßnahmen", "Veloabstellplätze", "Technische, planerische und juristische Aspekte" sowie "Miteinander Velo und ÖV".

Die Schlüsselmaßnahmen der Velo-Offensive wurden im neuen STEK 2016 (Stadtentwicklungskonzept) verankert. In diesem Rahmen wurde auch ein Controlling aufgebaut, um die laufende Veränderung des Modal Splits zu Gunsten des Veloverkehrs zu überprüfen und zu kommunizieren.

Ausblick

Erste Maßnahmen in Umsetzung

Bestandteil der Velo-Offensive sind viele kleinere und größere Maßnahmen, die schrittweise geplant, zum Entscheid gebracht und umgesetzt werden sollen. Darunter sind auch Vorhaben, die bereits in oder kurz vor der Umsetzung stehen oder bereits umgesetzt wurden. Dazu zählen Großprojekte wie die Velostation Schanzenpost mit rund 1000 neuen Veloparkplätzen oder die Velohauptroute Wankdorf. Beide wurden bereits Mitte 2016 eröffnet.

Bei der Velohauptroute Wankdorf handelt es sich um die erste von mehreren Velorouten, welche eine sichere und rasche Verbindungen aus den Außenquartieren ins Zentrum der Stadt, aber auch zwischen den verschiedenen Quartieren ermöglichen sollen. Ziel ist es, jedes Jahr eine Velohauptroute zu eröffnen.

Breiter Partizipationsprozess

Ein breit abgestützter partizipativer Prozess mit Mittagstischveranstaltungen und Abend-Workshops trägt dazu bei, die vorgesehenen Maßnahmen zu evaluieren und bei den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren breit abzustützen. Auf diese Art sollen beispielsweise die Rahmenbedingungen der vorgesehenen Velo-Kampagne erarbeitet werden. In den Prozess werden sämtliche Interessenvertreterinnen und -vertreter, politischen Parteien und Quartierorganisationen eingebunden. Für die Organisation und Umsetzung des partizipativen Prozesses wurde einen Kredit von 750.000 Franken gesprochen.

Finanzierung

Kleinmaßnahmen unter 100.000 Franken werden über den Fonds aus dem Reglement zur Förderung des Fuss- und Veloverkehrs (RFFV) finanziert. Dafür stehen pro Jahr knapp 1 Million Franken zur Verfügung. Dazu kommen direktionsspezifische Vorhaben zu Gunsten der Veloförderung, die über die laufende Rechnung der jeweiligen Ämter finanziert werden. Bis Ende 2017 sind dafür insgesamt rund 0,5 Millionen Franken vorgesehen.

Die Finanzierung der größeren Infrastrukturprojekte erfolgt separat über die Investitionsrechnung. Eine grobe Schätzung geht dabei von rund 70 Millionen Franken bis 2030 aus. Diese immense Summe ist notwendig für die Umsetzung sämtlicher größerer Vorhaben, wie beispielsweise Velohauptrouten, Fuss- und Veloverbindung Breitenrain-Länggasse, Velostationen, Fuss- und Veloverbindung Ausserholligen sowie diverser weiterer Projekte, wie Velogegenverkehr in Einbahnstraßen, Velostraßen, usw.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Durch intensive Förderung des Langsamverkehrs kann eine hohe Lebensqualität in Städten gefördert werden. Durch den breit angelegten Partizipationsprozess sowie die geplante Velo-Kampagne wird die Bevölkerung in die Planung miteinbezogen, um einen möglichst großen Nutzen für alle zu generieren.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
80 000 000 €
Erläuterungen: 

Bis 2030 werden rund 70 Millionen Franken der städtischen Mittel in kleinere und größere Projekte investiert. Kleinere Vorhaben werden direkt über die Ämter abgewickelt. Größere Vorhaben werden separat über Investitionsrechnungen abgewickelt. Der Bund steuert voraussichtlich über die Finanzierung der Agglomerationsprogramme eine Summe von 10 Millionen Franken dazu.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Die einzelnen umgesetzten Projekte werden laufend von der Fachstelle für Fuss- und Veloverkehr evaluiert. Bei Handlungsbedarf werden diese verbessert, ergänzt oder sogar erweitert. Größere Projekte werden separat evaluiert.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Verkehrsplanung, Stadt Bern

Projektbeteiligte: 

Interessensverbände, Parteien (Partizipationsprozess)

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2015
Projektende: 
Dezember 2030
Info zur Laufzeit: 

Die Velo-Offensive startete 2015 und dauert bis und mit 2030. Die VO ist in drei Phasen unterteilt.

  1. Vorbereitungsphase: Strategie und Maßnahmen der Velo-Offensive wurden in einem direktionsübergreifenden verwaltungsinternen Prozess erarbeitet. Erste Maßnahmen werden umgesetzt.
  2. Intensive Phase: Andere Maßnahmen werden in dieser Phase in einem breiten Partizipationsprozess weiterentwickelt und konkretisiert.
  3. Phase: Ist ab 2018 vorgesehen. Diese Phase markiert das Ende der Intensivphase und den Beginn des "courant normal" – die Umsetzung des langfristigen, auf die Erreichung des Verlagerungsziels von 20 Prozent Veloanteil im Jahr 2030 ausgerichteten Programms.

 Zur Zeit befindet sich die Stadt Bern in der Intensivphase.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Kommunale Ansprechpartner: 

Stephanie Stotz
Fachstelle für Fuss- & Veloverkehr
Projektleiterin
Zieglerstrasse 62
3001 Bern
Telefon: +41/31321-7071
E-Mail: Stephanie.Stotz@BERN.CH
Internet: Internetseite der Stadt Bern, Fuss- und Veloverkehr

Meta-Info
Stand der Information
16. Januar 2017
Autor
Mathias Haltner / Praktikant Fachstelle für Fuss- und Veloverkehr
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