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Fahrradfreundliche Stadt

Town on the Move - Koprivnica

Neue Wohngebiete sind an das Radwegenetz angeschlossen.
Neue Wohngebiete sind an das Radwegenetz angeschlossen. © Stadt Koprivnica

Ausgangssituation

Die Stadt Koprivnica im Nordwesten Kroatiens ist die achtzehntgrößte Stadt des Landes mit 33.000 Einwohnern. Starke industrielle Entwicklungen vom Jahr 1950 bis zum Jahr 1990 brachten der Stadt Reichtum und Wohlstand, die zum Anstieg der Pendlerzahl, zu Umweltzerstörungen und einer massiven Zunahme der Verkehrsbelastung führten. Die Anzahl der Autos nahm stark zu und erreichte die drittgrößte Anzahl im Land. Trotz starker Fahrradtradition, die durch jährlich stattfindende Radrennen und durch den Erfolg lokaler Radrennfahrer (Ivan Levacic, Josip Horvat) auf regionalem und nationalem Niveau gefördert wurde, geriet das Fahrrad immer mehr ins Abseits, während das Auto immer populärer wurde. Obendrein verschlimmerte sich der Zustand der Verkehrsinfrastruktur in der gesamten Region, eines der bedeutendsten Probleme der neunziger Jahre.

Herangehensweise und Lösungsversuch durch vier Strategien

Die Stadtverwaltung führte einen neuen Stadtentwicklungszyklus ein, der sich auf die 'Local Agenda 21' stützt und ausdrücklich auf Nachhaltigkeit fokussiert ist. Es wurden vier Strategien entwickelt, mit denen die Verkehrsinfrastruktur dauerhaft und langfristig verbessert werden soll:

  • die Entwicklung eines umfangreichen Radwegenetzes
  • die Umrüstung von Straßen mit Beseitigung architektonischer Hindernisse und die Verbesserung der Straßenbeleuchtung unter Einsatz von Energiesparlampen
  • die Erweiterung gepflegter Grünflächen
  • die Einführung eines städtischen Fahrradverleihsystems

Eine umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit fand statt: So wurde z.B. durch die jährlich stattfindende "Europäische Mobilitätswoche", die in Kopriviniva zum ersten Mal im Jahr 2002 gastierte, ein Partnernetzwerk gegründet. In den darauf folgenden Jahren entwickelte sich dieses Netzwerk zu einer leistungsstarken Gruppe interessierter Stakeholder, die sowohl Vorschläge für weitere Dauermaßnahmen machten als auch die Verantwortung für ihre Umsetzung übernahmen. Diese große Zahl unterschiedlichster Partner ist der Hauptfaktor für den Erfolg dieses Projektes. Die vier Strategien wurden zwischen den Jahren 2003 und 2006 umgesetzt und in ihren Ergebnissen überprüft. Aufgrund dieser wurde 2007 entschieden, ein vierjähriges Nachfolgerprogramm zu starten: 'Streets for people'. Die Strategien dieses Programms zielten auf die Erweiterung der verkehrsberuhigten Bereiche und auf die Einführung einer Fußgängerzone im Stadtzentrum ab. 'Best practices' wurden in der gesamten Region kommuniziert und dadurch ein Netzwerk von kroatischen Städten geschaffen, die den nachhaltigen Verkehr fördern. Im Jahre 2008 erhielt die Stadt Koprivnica den 'Preis der Europäischen Mobilitätswoche'; die Rad- und Fußgängerverkehrsförderung und der weitere Ausbau nötiger Infrastruktur sind zu einer Dauermaßnahme geworden, die mit Kommunalgeldern unterstützt werden muss.

Die Stadt Koprivnica schaffte es, eine große Anzahl ihrer Bürger, Geschäfte, Interessengruppen und Institutionen in den Entscheidungsprozess mit einzubeziehen. Die Ergebnisse wurden durch die Initiative der europäischen Mobilitätswoche aufgenommen und als 'Best Practice' Beispiele weiterempfohlen.

Was wurde erreicht?

Die Stadt Koprivnica wurde zur Modellstadt ihrer Region im Bereich des nachhaltigen Verkehrs und startete mehrere neue Projekte in einer Kooperation mit regionalen, nationalen und internationalen Partnern. Demzufolge wurden sowohl 75km innerstädtische Rad- und Fußwege als auch 60km landschaftliche Fahrradrouten im Umland gebaut. Ein Anstieg des Fahrradverkehrs von 25% wurde damit erreicht. Die vorgenommenen Maßnahmen veränderten das Gesicht der Stadt erheblich. Nicht nur die Verkehrsinfrastruktur Koprivnicas wurde gründlich verbessert, sondern auch spezielle Bedürfnisse bestimmter Zielgruppen (Kinder, Senioren, Menschen mit Behinderung, usw.) wurden verstärkt berücksichtigt, so dass sich z.B. die Anzahl der Grünflächen erhöhte und die Anzahl der öffentlichen Spielplätzen fast verdoppelt wurde.

Auswertung als Mittel für Weiterentwicklung

Die europäische Mobilitätswoche fängt traditionell mit der Präsentation der Ergebnisse des letzten Jahres an. Durch Stichprobenerhebungen und Messungen werden die Veränderungen im Verkehrsverhalten und der Anstieg von Radwegbenutzung beobachtet. Die verschiedenen Interessengruppen äußerten sich sehr zufrieden über die letzten Entwicklungen und machten neue Vorschläge zur Erweiterung des ursprünglichen Plans. Diese Vorschläge werden an den städtischen Dienst für Mobilität und Raumplanung weitergeleitet, der die Bedürfnisse dieser Zielgruppen in der nachfolgenden Planung berücksichtigt.

Verschiedene Bürgervereine und Klubs machten ihre eigenen Beiträge zum Programm, z.B. errichtete der 'Old Timer Bicycle Club' 2005 ein "Monument des Fahrrads" und hat seitdem die gesamte Stadt zu einem Freiluftmuseum des Fahrrads gemacht. Darüber hinaus organisieren sowohl der 'Old Timer Bicycle Club' als auch der "Fahrradklub Koprivinica" jährliche Fahrradmarathons und andere Fahrradevents.
Vor kurzem wurde ein erster Schulwegplan fertiggestellt, der zur Erhöhung des Fahrrad- und Fußverkehrs bei Schulkindern beigetragen hat. Darüber hinaus wurden die kommunalen Bestimmungen für den Bau öffentlicher Infrastruktur erweitert und enthalten nun als Auflage den Bau von Rad- und Fußwegen.

Was muss noch geschehen?

Mit der Förderung von Fuß- und Radinfrastruktur ist ein erheblicher Modal-Shift einhergegangen. Die Erhöhung des Rad- und Fußverkehrs führt dazu, dass wieder mehr Platz für den Autoverkehr zur Verfügung steht, so dass man nun daran denken kann, das Prinzip des "Shared Space" auf den Straßen zu verwirklichen. Dennoch sind weiterhin noch Erziehungs- und Bildungsmaßnahmen für alle Verkehrsteilnehmer notwendig, um die Verkehrssicherheit von besonders schutzbedürftigen Personen (Kindern, Senioren, Menschen mit Behinderungen) zu erhöhen. Chancen für einen weiteren Modal Shift liegen nun vor allem noch im Bereich der Berufspendler. Daher werden verstärkt Partnerschaften mit Betrieben angestrebt, um die Anzahl berufsbedingter Autofahrten zu senken.

Das Fahrrad und Radfahren: ein neues Image

Die Region verfügt über eine lange Fahrradtradition. Dennoch hat das Fahrrad durch den Motorisierungstrend seit den Siebzigern als Transportmittel kontinuierlich an Bedeutung verloren, selbst in kleineren Städten und Kommunen. Durch die globale Sorge über die Auswirkungen des Verkehrs auf den Klimawandel, die Verknappung der fossilen Brennstoffe sowie die Auswirkungen der Finanzkrise hat sich das Fahrrad erneut als effizientestes Transportmittel vor allem in kleinen Städten erwiesen. Durch die Verbesserung der Radinfrastruktur, Verkehrssicherheitsmaßnahmen und die starke Förderung des Fahrrads auch als Alltagsverkehrsmittel hat das Fahrrad jedoch langsam seinen alten Status wieder gewonnen. Die Stadt Koprivnica hat inzwischen sogar das Fahrradfreiluftmuseum eröffnet, ein jährliches Freizeitfestival für das Fahrrad eingeleitet und das Netzwerk der kroatischen Städte für nachhaltigen Verkehr initiiert. Mit mehr als 2m Radweg pro Einwohner, fast 60km landschaftlichen Radrouten und mit dem ambitionierten Ziel, den Radverkehr innerhalb von fünf Jahren auf 40% des innerstädtischen Modal Splits zu steigern, ist Koprivnica stolz auf seinen Titel des regionalen Fahrradmeisters.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Projekt konnte die Anzahl von Autofahrten senken und somit die Verkehrsbelastung und die Emission von Abgasen reduzieren. Die Anzahl von Radfahrten hat erheblich zugenommen und lässt weiteres Wachstum zu. Das Beispiel, das die Stadt Koprivnica bietet, hat einen allgemeinen Aufschwung der Radverkehrsförderungs nach sich gezogen und führte in Kroation zu einem Netzwerk zur Förderung nachhaltigen Verkehrs.

Finanzierung

Finanzierung: 
EU-Mittel
Bundesmittel
Kommunale Mittel
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Sponsoring, Spenden
Gesamtvolumen: 
2 500 000 €
Erläuterungen: 
Investition: 2,5 Mio Euro; lfd. Kosten: 300.000 Euro

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Die Auswertung fand und findet statt durch die Befragung von Bürgergruppen, das kommunale Umweltforum und der Expertenausschuss der europäischen Mobilitätswoche.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Kommunales Team für Mobilität – Stadt Koprivnica (Leiterin: Mrs Maja Istan Krapinec, Abteilungsleiterin Raumplanung und kommunale Dienste)
Projektbeteiligte: 
  • Stadtrad
  • Lokales Umweltforum Agenda 21
  • Verkehrsdienst der Polizei
  • Mehr als 40 Partner (Schulen, öffentliche Institutionen, Firmen, Bürgergruppen)

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2003
Projektende: 
Dezember 2010
Info zur Laufzeit: 
Das Projekt umfasst zwei Vierjahrespläne (Town on the Move, Streets for People), Maßnahmen werden aber jährlich ausgewertet und ggf. verbessert. Darüber hinaus wurden die kommunalen Bestimmungen für den Bau öffentlicher Infrastruktur erweitert und erhalten nun als Auflage den Bau von Rad- und Fußwegen.

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Head of Department
Maja Istvan Krapinec
City of Koprivnica
Municipal Department of Spatial Planning and Communal services
Trg Bana Josipa Jelacica 6
48000 Koprivnica, Croatia
Telefon: +385 48 654 840
Telefax: + 385 48 654 855
E-mail: prostorno.okolis@koprivnica.hr

Kommunale Ansprechpartner: 
Councilor
Helena Hecimovic
City of Koprivnica
City Council
Zrinski Trg 1
48000 Koprivnica, Croatia
Telefon: +385 48 279 555
Telefax: +385 48 279 543
E-mail: gradsko.poglavarstvo@koprivnica.hr
WWW: www.koprivnica.hr

Meta-Info
Stand der Information
25. Oktober 2009
Autor
Helena Hecimovic, Stadt Koprivnica
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Kroatien