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Transporträder für alle

TINK - Transportrad Initiative nachhaltiger Kommunen

Ein Transportrad beim TINK-Testparcours
Ein Transportrad beim TINK-Testparcours © Thömmes, e-fect

Ausgangssituation

Die Idee, Fahrräder für den Transport von Lasten zu benutzen, ist nicht neu. Während das Transportrad einen Boom zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte, wurde es in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg in Westeuropa zu einer Rarität auf den Straßen. Seit kurzem erlebt das Transportrad eine Renaissance, vor allem in Großstädten. So gibt es bereits eine ganze Reihe von Projekten, Initiativen und Firmen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, beispielsweise lokale Initiativen, die Transporträder kostenfrei anbieten oder eine Plattform, über die Privatpersonen ihre Transporträder verleihen können. Neben diesen vielfältigen anerkennenswerten Initiativen fehlt bislang ein Ansatz, der in der Lage ist, Transporträder flächendeckend und für die Nutzerinnen und Nutzer komfortabel ausleihbar zu machen. Zudem fehlt es bislang fast vollständig an umweltpsychologischen und verkehrswissenschaftlichen Grundlagen, welche für die systematische Verbreitung von Transporträdern genutzt werden könnten.

Projektidee und Ziele

Die grundsätzliche Projektidee ist es, Transporträder durch ein möglichst flächendeckendes und komfortables Ausleihsystem breiten Nutzergruppen verfügbar zu machen und damit auf kürzeren Strecken den Transport großer oder schwerer Gegenstände auch ohne Kraftfahrzeug anzuregen. Um die Nutzung der gemeinschaftlichen Transporträder so attraktiv wie möglich zu machen, sollen diese mit weiteren Verkehrsangeboten verknüpft werden, z.B. Carsharing, und in Wohnimmobilien sowie den Einzelhandel integriert werden. Ein wesentlicher Unterschied zu vorhergehenden Projekten wird zudem die umwelt- und verkehrspsychologische Entwicklung und Begleitung der Angebote sein, wodurch ein an die Nutzerinnen und Nutzer angepasstes optimales System ermöglicht werden soll. Die Ergebnisse des Projekts werden so aufbereitet und vermittelt, dass sie von anderen Kommunen, aber auch von weiteren Akteuren wie der Wohnungswirtschaft oder dem Handel übernommen werden können.

Entwicklungsverlauf und Vernetzung

Das Projekt wurde durch die e-fect eG initiiert. Als weitere Partnerinnen konnten die Städte Konstanz und Norderstedt sowie die InnoZ GmbH gewonnen werden. Gemeinsam reichten diese Organisationen eine Projektskizze im Nationalen Radverkehrsplan ein, die Ende 2014 als förderwürdig eingestuft wurde. Es folgte die Ausarbeitung des Förderantrags an das BMVI, fachlich begleitet vom Umweltbundesamt. In den mehrstufigen Entwicklungs- und Abstimmungsprozess waren neben den Verwaltungen der Städte auch der Konstanzer Arbeitskreis Radverkehr sowie Konstanzer Gemeinderäte einbezogen, zudem der bereits in Norderstedt engagierte Fahrradverleihsystem-Anbieter Nextbike und mehrere Fachleute aus der Verkehrswissenschaft und der Umweltpsychologie. Im Laufe des Projekts sollen weitere Akteure als Partner gewonnen werden. Zudem wird ein Projektbeirat eingerichtet, bestehend aus Vertretern der Umweltpsychologie, der Verkehrswissenschaft, eines Verkehrsverbandes und eines Umweltverbandes.

Geplante Projektdurchführung

Transporträder und Anhänger sollen besser als bislang in intermodale Mobilitätsdienste integriert werden, vor allem durch ihre Kombination mit dem Öffentlichen Verkehr, Car-Sharing-Systemen, bestehenden Fahrradvermietsystemen, durch intelligente und im Stadtbild fest integrierte Stellplätze (u.a. P & R-Plätze, Supermärkte, in Wohngebieten und größeren Wohnanlagen). Dafür werden in den Modellkommunen Konstanz und Norderstedt verschiedene Interventionsmaßnahmen konzipiert und umgesetzt.

Kernstück ist der Aufbau eines öffentlichen Transportrad-Mietsystems. Die Entwicklung der Maßnahmen basiert auf umweltpsychologischen und verkehrswissenschaftlichen Analysen, so dass die Interventionen sowie die Informations- und Akzeptanzkampagnen, die die Einführung der neuen Angebote begleiten, wissenschaftlich fundiert und optimal an die unterschiedlichen Zielgruppen angepasst sind. Insbesondere soll die angestrebte gemeinschaftliche Nutzung von Transporträdern auch die Möglichkeiten digitaler Technologien ausnutzen. So können Smartphones für den Einsatz als mobile Informations- und Zugangsmedien genutzt werden, wobei allerdings auch für Nutzerinnen und Nutzer ohne diese Techniken ein einfacher Ausleihvorgang ermöglicht werden soll. Eine wirkungsorientierte Beratung und Wirkungsevaluation sorgen für eine effektive Zielerreichung.

Die in den beiden Städten gemachten Erfahrungen sollen so aufbereitet werden, dass sie auf andere Kommunen übertragbar sind. Durch einen Leitfaden ("Gemeinschaftliche Nutzung von Transporträdern und Fahrradanhängern in Kommunen") und ein Workshopkonzept für Kommunen, Einzelhandel und Wohnungswirtschaft sollen Interessierte an den gemachten Erfahrungen teilhaben und diese zum Aufbau eigener Transportradleihsysteme nutzen.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Aus folgenden Gründen ist TINK ein innovatives Projekt:

  • Es verfolgt einen ganzheitlichen, umweltpsychologisch fundierten Ansatz in der Form, dass die Transporträder an allen relevanten Stellen innerhalb der Mobilitätsketten in den Projektgebieten platziert werden. Damit steht es im Gegensatz zu Projekten, welche nur an ausgewählten Punkten Transporträder anbieten.
  • Nur vereinzelt werden Transporträder bereits in regulären Fahrradvermietsystemen angeboten. Dies soll im TINK-Projekt verstärkt umgesetzt werden. Die Integration von Transporträdern in bestehende Car-Sharing-Systeme ist bislang noch nicht erfolgt und daher innovativ.
  • Durch eine Einbeziehung der Nutzerinnen und Nutzer in die Konzeption der Dienstleistungen ist eine besonders hohe Akzeptanz und Alltagstauglichkeit der Angebote zu erwarten.
  • Besonders innovativ erscheint die Idee, Transportfahrräder als integralen Bestandteil von Wohnimmobilien anzubieten und somit den Mietern von Wohnungen direkt eine Verhaltensalternative zur Autonutzung anzubieten. Der Gedanke, dass ein Transportrad zu einem Haus gehören könnte wie ein Fahrstuhl oder andere gemeinschaftlich genutzte Ausstattungen der Häuser, ist neu und erfolgsversprechend.
  • Innovativ ist zudem, dass das Projekt von vorneherein als umweltpsychologisches Interventionsprojekt entwickelt und begleitet wird. Der Fokus liegt dabei weniger auf der Technik als vielmehr auf den Einstellungen und Verhaltensmustern bestehender und potenzieller Transportradnutzerinnen und Nutzer.
  • Durch die sozial- und verkehrswissenschaftliche Begleitung und eine Integration der Nutzerinnen und Nutzer in die Konzeption des Stationsnetzes, der Ausleihmodalitäten (Tarifmodelle) und der eingesetzten Fahrzeugtypen ohne und mit elektrischer Unterstützung sollen Transportradleihsysteme in Kommunen zu einem Erfolgsmodell werden.

Da das Projekt in den beiden Modellstädten Norderstedt und Konstanz erprobt wird und die Erfahrungen handlungsleitend für andere Kommunen aufbereitet werden, ist eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Gemeinden realisierbar. Der geplante Leitfaden fasst die wesentlichen Ergebnisse des Projekts zusammen und erleichtert weiteren Kommunen den Aufbau eines Transportrad-Mietsystems. Die Konzeption eines Workshops ermöglicht die Schulung kommunaler Akteure. Einzelne Ergebnisse, z.B. zu den psychologischen Faktoren der Transportradnutzung, können auch auf außerkommunale Einrichtungen übertragen werden wie auf die Nutzung von Transporträdern in Gewerbebetrieben, öffentlicher Verwaltung oder im Tourismus.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Kommunale Mittel
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Sponsoring, Spenden
Gesamtvolumen: 
470 000 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird im Rahmen des NRVP 2020 (BMVI) gefördert. Förderzeitraum ist vom 1. August 2015 bis 31. Juli 2018.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Geplant sind eine prozessbegleitende und eine Wirkungsevaluation. Die prozessbegleitende Evaluation überprüft Projektfortschritt, Kooperationsqualität und Optimierungsbedarf sowie die Lernerfahrungen nach Etablierung des TINK-Systems. Aus Kurzinterviews mit Nutzerinnen und Nutzern des Systems werden Empfehlungen zur Anpassung des Systems herausgearbeitet. Im Rahmen der Wirkungsevaluation werden gemeinsam mit den Projektbeteiligten die Wirkungsziele und die Wirkungslogik des Projektes herausgearbeitet. Außerdem werden zentrale Wirkungsziele empirisch bei der Hauptzielgruppe untersucht.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

e-fect dialog evaluation consulting eG im Auftrag der Projektträger

Projektbeteiligte: 
  • Stadt Konstanz
  • Stadt Norderstedt
  • Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel GmbH
  • e-fect dialog evaluation consulting eG

"Ideelle" Partner:

  • Wohnungsbaugesellschaft Konstanz WOBAK
  • Stadtwerke Konstanz
  • SEEZEIT (Studierendenwerk Konstanz)
  • Mobilitätszentrale Konstanz

Betreiber Transportradmietsysteme:

  • nextbike (TINK Norderstedt)
  • Fahrradspezialitäten (TINK Konstanz)

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
August 2015
Projektende: 
Juli 2018

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Projektleiter
Marco Walter
e-fect eG
Blarerstraße 56
78462 Konstanz
Telefon: +49 (0)7531/9026426
Telefax: +49 (0)7531/9026578
E-mail: walter@e-fect.de
WWW: www.e-fect.de
 

Kommunale Ansprechpartner: 

Projektleitung TINK Konstanz
Sebastian Nadj
Stadt Konstanz
Amt für Stadtplanung und Umwelt
Untere Laube 24
78462 78462
Telefon: +49 (0)7531/900-527
Telefax: +49 (0)7531/900-526
E-mail: Sebastian.Nadj@Konstanz.de
WWW: www.konstanz.de

Projektleitung TINK Norderstedt
Christine Werner
Stadt Norderstedt
Rathausallee 50
22846 Norderstedt
Telefon: +49 (0)40/535959-366
Telefax: +49 (0)40/535955-29
E-mail: Christine.Werner@norderstedt.de
WWW: www.norderstedt.de
 

Meta-Info
Stand der Information
2. Juni 2016
Autor
Dr. Friederike Wagner, Marco Walter (e-fect dialog evaluation consulting eG)
NRVP-Handlungsfelder
Radverkehrsplanung und -konzeption
Fahrradthemen
Fahrradverleihsysteme
Logistik und Transport
Schlagworte
Fahrradanhänger
Fahrradverleih
Lastenfahrrad
Land
Deutschland