Sie sind hier

Sicher zur Schule

Süchst Du mi? - Verkehrssicherheitsprojekt unter Einbeziehung Straffälliger

Fahrradreparatur an der Grundschule in Wallinghausen
Fahrradreparatur an der Grundschule in Wallinghausen © Verkehrswacht Aurich

Das Fahrradprojekt "Süchst du mi? – Sicher zur Schule!" der Anlaufstelle für Straffällige des Diakonischen Werkes Aurich in Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht Aurich e. V. macht allen Grundschulen der Städte Aurich und Wiesmoor sowie der Gemeinden Großefehn, Ihlow und Südbrookmerland das Angebot, die Fahrräder der Grundschüler an den Schulen zu kontrollieren und bei Bedarf die Beleuchtungsanlage, Bremsen und andere Defekte sofort und kostenlos zu reparieren. Zusätzlich werden Warnwesten verteilt und Informationen zur Verkehrssicherheit gegeben. Auf Mängel, die nicht vor Ort zu beheben sind, werden die Eltern schriftlich hingewiesen. Die Kinder können unter Anleitung Reparaturen auch selber erlernen und ausführen. Insbesondere finanziell schwachen Familien ist das Projekt eine große Hilfe.

Ausgangssituation

Das Fahrrad ist im ländlichen Ostfriesland ein viel gebrauchtes Verkehrsmittel. Die Grundschulen empfehlen den Eltern, ihre Kinder spätestens ab der 4. Klasse mit dem Rad zur Schule fahren zu lassen. Häufig aber sind die Räder in einem nicht verkehrssicheren Zustand. Entweder weil die Erziehungsberechtigten die Reparatur nicht ausführen können oder im strukturschwachen Ostfriesland die finanziellen Mittel hierfür nicht ausreichen.

Projektumsetzung

Das Projekt "Süchst du mi?" (hochdeutsch: "Siehst Du mich?") wird von den Verkehrswachten bereits seit vier Jahren erfolgreich durchgeführt. Es soll dazu beitragen, dass Kinder im Straßenverkehr auch bei Dunkelheit gut sichtbar sind. Die dabei erzielten positiven Veränderungen sind mittlerweile deutlich erkennbar: Warnwesten oder ansteckbare LED-Leuchten, so genannte "E-Blinkis" für Schulranzen sowie Fahrradhelme mit Leuchtdioden sind schon längst zur Normalität im ostfriesischen Straßenverkehr geworden. Der Schwerpunkt seitens der Anlaufstelle für Straffällige (AST) ist die Überprüfung und Reparatur der Beleuchtungsanlagen an Kinderfahrrädern und somit ein wesentlicher Bestandteil des "Süchst du mi?"-Projektes.

Die Anlaufstelle für Straffällige arbeitet seit über 30 Jahren in Aurich, Fahrradprojekte gibt es seit etwa 20 Jahren. Projekte mit Schulen, Kindern und Jugendlichen spielen eine wichtige Rolle in der Arbeit der AST. Im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit besuchen u. a. Schulklassen und Konfirmandengruppen immer wieder die AST, um sich über unsere Arbeit zu informieren. Gemeinsam mit Lehrern, Schülern und einem Auricher Künstler wurde 2011 beispielsweise auch mit einem jahrgangsübergreifenden Kunstkurs der IGS Aurich das Projekt "Ein Wandbild für den Innenhof der JVA Aurich" realisiert. Mit der Förderschule für Körperliche und Motorische Entwicklung in Aurich wurde eine Kooperationsvereinbarung geschlossen – hier unterstützen wir bei Bedarf die Schülerfirma "Fahrradpflege" mit Material und Arbeitseinsatz. Die AST verfügt daher bei Eltern, Lehrern und Schülern über einen Bekanntheitsgrad und Vertrauensvorschuss.

Als wir dann gemeinsam mit der Verkehrswacht den Grundschulen nach
persönlicher Absprache das Angebot der kostenlosen Fahrradkontrolle und –reparatur machten, brauchte keine große Überzeugungsarbeit geleistet werden. Es wurde gerne angenommen. Die Eltern wurden per Info-Schreiben über das Angebot informiert, woraufhin keine Bedenken geäußert wurden.Zur Unterstützung des Projektes setzen wir nur straffällig gewordene Frauen und Männer ein, die gewisse Kriterien erfüllen, z. B. keine Sexualstraftäter, über einen langen Zeitraum straffrei, keine Drogenabhängigkeit, eine längere, zuverlässige Mitarbeit im Fahrradprojekt etc..

Dieses Angebot mit dem internen Arbeitstitel "Fahrradprojekt" ist ein freiwilliges Angebot, das den Bewohnern der Übergangswohnung für Haftentlassene und am Ort wohnenden Klienten der AST dabei helfen soll, ihre freie Zeit zu bewältigen. Außerdem dient es der Haftvermeidung, indem straffällige Personen hier die Möglichkeit erhalten gemeinnütziger Arbeit zu leisten. Auch bietet das Projekt die Möglichkeit mit interessierten BürgerInnen über die Arbeit der AST ins Gespräch zu kommen. Klienten, die speziell das Schulprojekt begleiten, müssen die für die Fahrradreparatur erforderlichen technischen Fertigkeiten besitzen und, wie oben beschrieben, für den Umgang mit den Kindern geeignet sein. Die Teams, die an die Schulen gehen, bestehen zumeist aus ein oder zwei Mitarbeitern der Verkehrswacht, einem Mitarbeiter der AST und ein bis zwei Klienten. Mitarbeiter und Klienten der AST führen in der Regel die Reparaturarbeiten durch, die Mitarbeiter der Verkehrswacht übernehmen den organisatorischen und informellen Teil.

Die Zusammenarbeit zwischen der Diakonie/AST und der Verkehrswacht kam über persönliche Kontakte zustande. Die teilnehmenden Schulen wurden durch die Projektpartner aktiv angefragt. Das Projekt finanziert sich über Spenden und Zuschüsse der Verkehrswacht und des Diakonischen Werkes.

Bilanz und Ausblick

Im Rahmen des Projektes wurden seit 2008 ca. 2300 Fahrräder kontrolliert und größtenteils repariert. Dabei wurden ca. 500 Dynamos, 200 Vorderlampen, über 250 Rücklichter, Glocken, Reflektoren, Birnchen, Kabel, etc. montiert.

Da das Projekt so erfolgreich installiert werden konnte und es keine negativen Vorkommnisse gab, werden wir auch, über die vereinbarten Kontrollterminen hinaus zu Verkehrssicherheitstagen an den Schulen
angefragt. Eltern und Kinder "fahren" das Fahrradprojekt auch direkt an, um ihre Fahrräder reparieren zu lassen oder unter Anleitung selber zu reparieren. Es gibt kaum Berührungsängste.

Mit dieser jährlichen Aktion leisten wir einen großen Beitrag zur Verkehrssicherheit und Unfallvermeidung. Aufgrund der großen Resonanz in der hiesigen Presse und den anerkennenden Rückmeldungen trägt diese Öffentlichkeitsarbeit auch zur Resozialisierung Straffälliger bei.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Verknüpfung innovativer Ansätze in den Bereichen Verkehrssicherheit, Resozialisierung von Straffälligen und Öffentlichkeitsarbeit der beteiligten Institutionen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Sponsoring, Spenden

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Diakonisches Werk, des Ev. Luth. Kirchenkreises Aurich - Anlaufstelle für Straffällige in Ostfriesland

Projektbeteiligte: 

Verkehrswacht Aurich e.V.

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
November 2008

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Leiter der Anlaufstelle für Straffällige (AST)
Herr Harald Kampen
Kirchdorfer Straße 43 a
26603 Aurich
Telefon: 04941/62828
Telefax: 04941/974145
E-mail: ast.kampen@diakonieaurich.de
WWW: www.die-anlaufstellen.de

Projektleiter Fahrradprojekt
Herr Heinz Kleemann
Verkehrswacht Aurich e.V.
Jadestraße 9-11
26605 Aurich
Telefon: 04941/61231
E-mail: heinz.kleemann@ewetel.de
WWW: www.verkehrswacht-aurich.de
 

Meta-Info
Stand der Information
1. September 2012
Autor
Harald Kampen, Dipl. SozPäd, Anlaufstelle für Straffällige (AST); Heinz Kleemann, Verkehrswacht Aurich
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Niedersachsen