Sie sind hier

SuSi3D

Subjektive Sicherheit von Radverkehrsinfrastruktur

Radfahrende an einer ungeschützten Kreuzung in Berlin
Radfahrende an einer ungeschützten Kreuzung in Berlin © André Hofmeister (CC BY-SA 2.0)

Das Projekt SuSi3D untersucht die subjektive Sicherheit von Fahrradfahrenden an Kreuzungen und Kreisverkehren.

 

Es gibt zahlreiche Gründe, vom PKW auf das Fahrrad als Verkehrsmittel umzusteigen: Fahrradfahren ist nicht nur umwelt- und klimafreundlich, es wirkt sich auch förderlich auf die Gesundheit seiner Nutzer*innen aus und erhöht mit steigendem Anteil am Verkehrsaufkommen die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer*innen (Jacobsen & Rutter, 2012). Weiterhin besteht ein Großteil aller zurückgelegten Wege in Entfernungen, die sich mit dem Fahrrad bewältigen lassen. Dabei umfassen 58 % aller Wege nicht mehr als 5 km, 74 % liegen bei unter 10 km (Nobis & Kuhnimhof, 2018, S. 250).

Trotz dieser zahlreichen Argumente für das Radfahren werden lediglich 10 % aller Wege in Deutschland mit dem Rad zurückgelegt (Nobis & Kuhnimhof, 2018, S. 27). Ein häufig genannter Grund ist die als mangelhaft empfundene Sicherheit für Radfahrende (z.B. Boos & Jaeger-Erben, 2019; Chataway et al., 2014), insbesondere an Verkehrsknotenpunkten (Pánek & Benediktsson, 2017). Hier setzt das Projekt SuSi3D an. Die Fachgebiete Integrierte Verkehrsplanung und Industrielle Informationstechnik der TU Berlin untersuchen die subjektive Sicherheit der unterschiedlichen Gestaltungsvarianten von Kreuzungen und Kreisverkehren unter Verwendung von 3D-Simulationen und qualitativen Interviews. Für die Studie werden sowohl Gestaltungsvarianten, die den gängigen Regelwerken und Vorgaben entsprechen, als auch aktuell diskutierte Varianten wie etwa „protected bike lanes“ (vgl. Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club, 2018, S. 7) und Best Practice Beispiele aus aller Welt herangezogen. Während der gesamten Laufzeit wird ein enger Austausch mit einem interdisziplinär besetzten Projektbeirat erfolgen.

Ziel des Projekts ist es, die Nutzer*innenfreundlichkeit und insbesondere das Sicherheitsempfinden von Kreuzungen und Kreisverkehren zu erhöhen. Zu diesem Zweck werden anhand der Ergebnisse konkrete Gestaltungsempfehlungen für Knotenpunkte abgeleitet. In der Folge wird nicht nur eine relevante Hürde für den Umstieg vom PKW auf das Rad genommen, sondern den Menschen wird – vor allem im städtischen Raum – ein Stück Handlungsspielraum zurückgegeben.

 

Quellen:

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club. (2018). Geschützte Radfahrstreifen: ADFC-Positionspapier.

Boos, P. & Jaeger-Erben, M. (2019). From Traffic Stress to Well-Moving - A Literature Re-view on Urban Cycling. Umweltpsychologie, 2019 (1-2019), 57–76.

Chataway, E. S., Kaplan, S., Nielsen, T. A. S. & Prato, C. G. (2014). Safety perceptions and reported behavior related to cycling in mixed traffic: A comparison between Brisbane and Copenhagen. Transportation Research Part F: Traffic Psychology and Behaviour, 23, 32–43. https://doi.org/10.1016/j.trf.2013.12.021

Jacobsen, P. L. & Rutter, H. (2012). Cycling Safety. In J. Pucher & R. Buehler (Hg.), Urban and industrial environments (XIII, S. 393). MIT Press.

Nobis, C. & Kuhnimhof, T. (2018). Mobilität in Deutschland – MiD: Tabellenband. Studie von infas, DLR, IVT und infas 360 im Auftrag des Bundesministers für Verkehr und digitale Inf-rastruktur. Bonn, Berlin. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Pánek, J. & Benediktsson, K. (2017). Emotional mapping and its participatory potential: O-pinions about cycling conditions in Reykjavík, Iceland. Cities, 61, 65–73. https://doi.org/10.1016/j.cities.2016.11.005

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Projekt leistet auf mehreren Ebenen einen Beitrag zur Umsetzung des NRVP 2020. Durch die Erhöhung der subjektiven Sicherheit wird der Umstieg aufs Fahrrad für weniger geübte Radfahrende, ältere Menschen, Frauen, Kinder und sozioökonomisch schwächere gestellte Menschen erleichtert. Dadurch kann der Anteil des Radverkehrs erhöht werden. Da mit einem zunehmenden Radverkehrsanteil im Allgemeinen das Unfallrisiko für Radfahrende sinkt (vgl. Jacobsen & Rutter, 2012), wird somit auch die objektive Sicherheit von Fahrradfahrenden erhöht.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Gesamtvolumen: 
381 457 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Um eine hohe Qualität zu gewährleisten, ist eine Prozessevaluation der verschiedenen Meilensteine vorgesehen, die sich über die gesamte Projektlaufzeit erstreckt. Zu Beginn des Projekts wurden dafür entsprechende Indikatoren definiert, anhand derer der Erfolg des Projekts gemessen wird.

Darüber hinaus wird ein interdisziplinärer Projektbeirat gebildet, der das Projekt hinsichtlich der planerischen und methodischen Ausgestaltung sowie der planerischen Relevanz unterstützen wird.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Prof. Dr. Oliver Schwedes (TU Berlin, Fachgebiet für Integrierte Verkehrsplanung)
  • Prof. Dr. Rainer Stark (TU Berlin, Fachgebiet Industrielle Informationstechnik)
Projektbeteiligte: 

Als Mitglieder des Projektbeirats:

  • Hochschule RheinMain
  • TU Chemnitz
  • LMU München
  • Unfallforscher der Versicherer
  • VCD Verkehrsreferat/Projekte
  • Bezirksamt Berlin-Neukölln; Radverkehrsplanung
  • Referentin für Rad- und Fußverkehr, Freie Hansestadt Bremen
  • ADFC-Bundesgeschäftsstelle
  • Planungsbüro VIA

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
November 2019
Projektende: 
Oktober 2022

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Sina Wachholz
TU Berlin, Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung
Sekr. SG 4, Salzufer 17-19, 10587 Berlin
Telefon: +49 (0)30 314-78772
Telefax: +49 (0)30 314-27875
E-Mail: sina.wachholz@tu-berlin.de

David Friel
TU Berlin, Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung
Sekr. SG 4, Salzufer 17-19, 10587 Berlin
Telefon: +49 (0)30 314-78772
Telefax: +49 (0)30 314-27875
E-Mail: david.friel@tu-berlin.de

Carina Fresemann
TU Berlin, Fachgebiet Industrielle Informationstechnik
Sekr. PTZ 4, Pascalstraße 8-9, 10587 Berlin
Telefon: +49 (0)30 39006 294
Sekretariat: +49 (0)30 314 25416
carina.fresemann@tu-berlin.de

Meta-Info
Stand der Information
15. Januar 2020
Autor
David Friel, Sina Wachholz, Carina Fresemann (TU Berlin)
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Deutschland