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Verknüpfung von ÖPNV und Pedelecs

STmobil - Lösungen für die gesamte Wegekette im ländlichen Raum

50 Pedelecs und ein SchnellBus – Bausteine des Projekts
50 Pedelecs und ein SchnellBus – Bausteine des Projekts © RVM

Ausgangssituation

Sinkende Schülerzahlen bedeuten sinkende Einnahmen für den Nahverkehr, denn der Schülerverkehr ist im ländlichen Raum eine zentrale Säule des Nahverkehrsangebots. Um unter diesen Bedingungen das gute Verkehrsangebot in der Fläche halten zu können, muss sich der ÖPNV neue Zielgruppen erschließen. Insbesondere für die alternde Bevölkerung ist ein leistungsstarker ÖPNV eine Voraussetzung für ein aktives und selbstbestimmtes Leben, vor allem, wenn die aktive Teilnahme am Verkehrsgeschehen nicht mehr sicher erfolgen kann. Dann ist der Bus eine gute Alternative, und hier setzt das Projekt "STmobil" an.

Rad+Bus mobilSTation Mettingen - vernetzter Mobilitätsmix im ländlichen Raum

Im Modellkorridor Recke - Mettingen - Westerkappeln - Osnabrück erprobt die RVM Regionalverkehr Münsterland GmbH mehrere Komponenten, um den Nahverkehr im ländlichen Raum noch attraktiver zu gestalten. Dort verkehrt der SchnellBus S10 im Stundentakt. RegioBusse stellen stündliche Verbindungen ab Recke und Mettingen nach Ibbenbüren her. In diesem Korridor leben heute rund 45.000 Menschen. Viele arbeiten im nahen Oberzentrum Osnabrück, nutzen aber derzeit primär den Pkw. Um den Modal Split deutlich zugunsten des ÖPNV zu verschieben und eine komfortable Wegekette für die Kunden zu realisieren, wird im Modellkorridor das Angebot stark verbessert.

Dabei spielen drei Säulen eine Rolle:

  • Angebotsausweitung: beim SchnellBus S10 in der Hauptverkehrszeit auf einen Halbstundentakt.
  • Flatrate-Ticket: mit Zusatznutzen, um einen möglichst hohen Kaufanreiz zu schaffen und die Beschäftigung mit dem Thema ÖPNV zu forcieren. Das Aboticket wird im Gegensatz zu bestehenden Ticketangeboten nicht linienbezogen sondern netzbezogen ausgegeben. Der Abonnent kann damit in alle Nachbarkommunen im Radius von ca. 25 Kilometern gelangen. Durch das Angebot einer Partnerkarte zum halben Preis kann eine Familie flexibel den ÖPNV im Tecklenburger Land nutzen. In der Einführungsphase ab Frühjahr 2012 (1. Projektjahr) wurde den Kunden zusammen mit der Basiskarte ein Pedelec für ein halbes Jahr kostenlos zur Verfügung gestellt. Damit wurde die flexible Gestaltung der Wegekette möglich. In der Ausbauphase ab Frühjahr 2013 (2. Jahr) wurde die kostenlose Schnupperphase für das Pedelec auf vier Monate verkürzt, um ausreichend freie Fahrzeuge zur Verfügung zu haben. Zudem bestand nun die Möglichkeit, ein Pedelec in der Radstation Osnabrück für die so genannte "letzte Meile" zu nutzen.
  • MobilitätsStation: Sie gewährleistet umfassende Mobilitätsangebote für Mettinger Bürger und Gäste. Verschiedene Fahrräder- und Pedelecs stehen zur Verfügung und ermöglichen den flexiblen Einsatz für kurze Wege im Ort wie auch für die längere Fahrradtour in der Freizeit. Durch eine angeschlossene Mobilitätsberatung werden individuelle Lösungen für Mobilitätsfragen erarbeitet. Die Vorteile des Umweltverbunds Rad/ÖPNV können so direkt vor Ort erfahren und erlebt werden.

So trägt STmobil zur Entlastung der Straßen in den Stoßzeiten bei. Berufspendler sind eine stetig wachsende Kundengruppe für die RVM. Der gruppenspezifische Anteil der Buskunden am Modal Split beträgt im Korridor laut einer Studie des Kreises Steinfurt derzeit rund 5 Prozent. Durch die Angebotsausweitung beim SchnellBus S10 konnte die Fahrgastzahl um rund 10 Prozent erhöht werden. Diese Pendler entlasten somit die Straßen und vermindern den CO2-Ausstoß durch den Individualverkehr.

Mehr Mobilität – weniger CO2-Emissionen

Zu Beginn des Projekts fuhren täglich rund 1.000 Fahrgäste mit dem SchnellBus S10. Würden diese mit dem Pkw fahren, wären das 833 zusätzliche Autos (durchschnittlich mit 1,2 Personen besetzt) auf den Straßen. Dazu eine kleine Modellrechnung: Bei einem durchschnittlichen Fahrweg von 20 Kilometern legen diese Pkws dann werktäglich 66.668 km zurück. Der SchnellBus fuhr vor der Fahrplanausweitung werktäglich 930 km. Würden die Fahrgäste des SchnellBus S10 mit dem Auto fahren, so entstünden täglich 10 Tonnen CO2 durch die zusätzlichen Pkw. Das wäre mehr als das 9-fache des CO2-Ausstoßes des SchnellBusses. Unter dieser Voraussetzung führt jeder zusätzliche Fahrgast zu einer Verbesserung der Klimabilanz im Modellkorridor.

Das Pedelec: Zubringer auf längeren Distanzen, Alternative auf der Kurzstrecke

Darüber hinaus wird STmobil auch bei der Verkehrsmittelwahl im Ort zu einer Bewusstseinsänderung führen. Bei einer Ist-Analyse der Verkehrswege zu Projektbeginn hat die RVM festgestellt, dass rund die Hälfte aller Wege, die ein Mettinger Bürger pro Tag zurücklegt, innerhalb der Gemeindegrenzen erfolgt. Der Pkw wird für zwei Drittel aller Wege genutzt, verstärkt auf längeren Strecken.

Hier bietet das Pedelec eine sinnvolle Alternative: Auf längeren Distanzen als Zubringer zum SchnellBus oder RegioBus, auf kürzeren Entfernungen als alleiniges, bequemes Fortbewegungsmittel. Kunden, die das Pedelec genutzt haben, waren von diesem begeistert, da auch auf längeren Strecken oder an Steigungen ein müheloses Vorankommen möglich ist. Wird das Bewusstsein hinsichtlich alternativer Fortbewegungsmittel gestärkt, so ist die Bereitschaft größer, bei der Verkehrsmittelwahl multimodal zu denken. Mit dem Pedelec zur Haltestelle (Mettingen) und dann mit dem Bus in den Zielort (Osnabrück), dies entdecken viele Mettinger als moderne Art der Fortbewegung. Mitsamt der Leih-Pedelecs in Osnabrück bietet die RVM ein Angebot für die gesamte Wegekette.

Insgesamt wurden im Rahmen des Projekts 50 Pedelecs gemietet, von denen fünf in Osnabrück zur Verfügung stehen. Die Fahrzeuge wurden über den örtlichen Zweiradhändler Wulfekammer vermittelt, der ein All-inklusive-Angebot abgegeben hat, das auch die Wartung umfasst. Die Finanzierung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Freiburger Firma Leasread über das von ihr angebotene Leasing-Modell (siehe Praxisbeispiel "JobRad").
Abokunden erhalten das Rad in der MobilSTation gegen Vorlage ihrer Abokarte. Nach dem kostenlosen Probezeitraum kann das Pedelec für 18 Euro im Monat weiter gemietet werden. Darüber hinaus gibt es Tage- und Wochenmietpreise, die sich speziell an Touristen wenden.

Mobilitätspaten ergänzen Beratungsangebot

Mit der Beratungsmöglichkeit vor Ort finden auch Kunden zum ÖPNV, die jahrelang nicht mehr Bus gefahren sind und damit die attraktiven SchnellBusse mit ihren Zusatzservices wie tagesaktuellen Zeitungen, Audioprogramm, Hotspot und Nachrichtenticker nicht kennen. Die persönliche Ansprache hilft, Hemmschwellen zu senken und zum Wiedereinstieg zu bewegen.

Um diese persönliche Beratung nachhaltig zu gestalten, sucht die RVM ab Herbst 2014 engagierte Bürger, die sich zu Mobilitätspaten ausbilden lassen und auch dann als Ansprechpartner vor Ort zu Bus und Bahn Auskunft geben können, wenn die Rad+BUS MobilSTation geschlossen hat. Gute Erfahrungen mit dem Projekt Mobilitätspaten hat die Schwestergesellschaft der RVM, die RLG Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH im Hochsauerlandkreis gesammelt.

Pedelecs und Co. bereichern nachhaltiges Tourismusangebot

Nicht zuletzt sind die Pedelecs und weitere Spaßgefährte auch ein attraktives Angebot für Gäste im staatlich anerkannten Erholungsort Mettingen. Häufig werden die E-Bikes oder Spaßfahrräder (Kinderfahrzeuge, Trikes und "BalanZbikes"), die an der Mobilitätsstation bereitstehen, an Auswärtige ausgeliehen. Im ersten Jahr wurden 455 Pedelecs an Gäste vermietet. Da der Sommer 2013 weniger beständig war, gab es eine nur leichte Steigerung auf gut 550 Mietvorgänge. Die Station auf dem Schultenhof ist inzwischen zu einem festen Anlaufpunkt geworden

Dabei bietet die Vermietung der Pedelecs über die Rad+BUS MobilStation auch die Chance, Touristen auf das ÖPNV-Angebot hinzuweisen und so die eine oder andere Pkw-Freizeitfahrt zu vermeiden. So können die Gäste mit dem SchnellBus in den Osnabrücker Zoo fahren oder aber auf Schusters Rappen das Töddenland auf dem Handelsweg erkunden - und mit dem Bus zurück fahren, wie es das Projekt "StadtLandFluss BUS" mit seinen ausgearbeiteten Wanderungen und passenden Fahrplantabellen einladend darstellt.

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Panelstudie zum Mobilitätsverhalten in der Gemeinde Mettingen vor und nach dem Projekt

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Kreis Steinfurt // RVM Regionalverkehr Münsterland GmbH

Projektbeteiligte: 

Gemeinde Mettingen

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
April 2012
Projektende: 
März 2015

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Stellv. Geschäftsführer
Herr Werner Linnenbrink
RVM Regionalverkehr Münsterland GmbH
Krögerweg 11
48155 Münster
Telefon: 0251/6270-211
E-mail: werner.linnenbrink@wvg-online.de
WWW: hhtp://www.rvm-online.de/stmob...

Dezernent Bereiche Planen, Bauen und Umwelt
Herr Franz Niederau
Kreis Steinfurt
Tecklenburger Straße 10
48565 Steinfurt
Telefon: 02551/69-0
E-mail: franz.niederau@kreis-steinfurt.de
WWW: www.kreis-steinfurt.de
 

Kommunale Ansprechpartner: 

Leiter Bauamt
Herr Michael Krause-Hettlage
Gemeinde Mettingen
Markt 6-8
49497 Mettingen
Telefon: 05452/5820
E-mail: krause-hettlage@mettingen.de
WWW: www.mettingen.de
 

Meta-Info
Stand der Information
14. Februar 2014
Autor
Dr. Andreas Leistikow, RVM Regionalverkehr Münsterland GmbH
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Nordrhein-Westfalen