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Projektwochen für Schulen

StatusRad – Fahrrad als Statussymbol bei Jugendlichen

Logo StatusRad
Logo StatusRad © Yvonne Hagenbach (team red Deutschland GmbH)

Ziel ist es, kurz- und mittelfristige Verhaltensänderungen bei Jugendlichen (9./10. Klasse, 14-16 Jahre alt) in der Wahl des Verkehrsmittels Fahrrad nach der aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema „Radverkehr“ innerhalb einer Projektwoche an ihrer Schule mittels einer Evaluation über sechs Monate zu messen und Unterschiede zwischen fünf Schulen, die unterschiedliche Strukturen (sozial, Topographie, Stadtstruktur, Anfahrtswege zur Schule) aufweisen, zu ermitteln. Hierbei sollen auch mögliche breitenwirksame spill-over-Effekte erfasst werden, d.h. die Wirkung, die der höhere Status des Fahrrads in der Zielgruppe bei anderen Personen aus dem Umfeld hinterlässt.

Im Rahmen des Projekts werden Jugendliche der 9./10. Klasse in fünf verschiedenen Schulen in Deutschland durch eine Projektwoche angesprochen, um ihnen das Fahrrad als Fortbewegungsalternative zum Auto noch vor dem Erlangen des Führerscheins näher zu bringen. Das Ziel ist, dass diese Jugendlichen das Fahrrad in ihren Alltag integrieren, es verstärkt als gute, hippe/coole, kostengünstige Alternative sehen und dass ihr Umweltbewusstsein dadurch stärker angeregt wird.

Die Auswahl der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler obliegt den Schulen. Entweder findet die Woche im Klassenverband statt (diese Option wird präferiert) oder es nehmen Schülerinnen und Schüler teil, die sich des Themas annehmen möchten (dann ist darauf zu achten, dass nicht nur aktiv radfahrende dabei sind, sondern  dass sich auch Schülerinnen und Schüler eintragen, die noch nicht bzw. kaum ein Fahrrad nutzen).

Die Auswahl der Schulen in drei Bundesländern erfolgt nach den Kriterien:

  1. Dichtbesiedeltes städtisches Umfeld mit hohem Ausländeranteil
  2. (Berlin-Neukölln/Kreuzberg)
  3. Städtisches Umfeld mit guter ÖPNV Anbindung und mit durchschnittlichem/geringen Ausländeranteil (Berlin-Lichtenberg)
  4. Städtische, überregionale Schule mit hohem Ausländeranteil (internationale Schule, Berlin Wilmersdorf)
  5. Mittelgroße Stadt mit hügeliger Topografie (Kassel, Nordhessen)
  6. Kleinstadt/Dorf mit ländlichem Umland (Glückstadt, Schleswig-Holstein)

Bis Ende Februar 2019 erfolgt die verbindliche Teilnahmeakquisition der fünf Schulen. Die Durchführung der Projektwochen erfolgt dann in den Monaten Mai bis September. In 2019 nehmen die Schulen in Kassel, in Berlin-Lichtenberg und in Berlin-Wilmersdorf jeweils vor den Sommerferien teil. In 2020 folgen die Schulen in Glückstadt und in Berlin-Kreuzberg im gleichen Zeitraum.

Ein wichtiges Element ist die Erarbeitung eines attaktiven Projektwochen-Rahmenprogramms. Es wird unter Beteiligung der Lehrkräfte und eines versierten Projektbeirats im 1. Quartal 2019 erstellt und dann individuell an die Schulsituation angepasst. Dabei ist die Verzahnung von haptischen und kognitiven Elementen wichtig, mit Inhalten, die auf die konkreten Interessen der Altergruppe abgestimmt sind. Aktuelle Fragen lauten z.B. Wird mein Po knackig durchs Radfahren? Welche Übungen spart das im Fitnessstudio? Wie finde ich das richtige Bike? Welche coolen Apps gibt es? Gemeinsamer Schulweg: Schneller und sicherer durch den Verkehr als organisierter Gruppenverband? In der Projektwoche kann z.B. die Fahrradumgebung (Infrastruktur) evaluiert, Verleihsysteme (sofern vor Ort) für (Lasten-)Räder getestet, Kurzvideos zu neuen Modellen und Best-practice-Fahrradinfrastruktur gezeigt, Fahrräder repariert oder an ihnen „gebastelt“ werden.

Zweites wichtiges Element ist die Wirkungsevaluierung. Die Leitfrage des Vorhabens lautet: Lässt sich ein positiver Einfluss der Projektwoche feststellen? Gruppeninterviews und zeitliche gestaffelte Umfragen erfassen u.a. Einstellungen zum Fahrrad, wie Image, Sicherheit, Komfort oder Nützlichkeit, sowie Änderungen der Einstellung über die Zeit unter den teilnehmenden Jugendlichen und unter der Kontrollgruppe, d.h. denjenigen des Jahrgangs, die nicht an der Projektwoche teilnehmen. Als Arbeitshypothese sind konkrete Veränderungsziele festgelegt: 30% der Teilnehmenden nutzen wöchentlich einmal mehr das Fahrrad, weitere 30% nutzen es zweimal mehr im Monat und weitere 20% einmal mehr in den Sommermonaten. Bei 20% der Jugendlichen wird vermutlich keine Veränderung nach der Projektwoche eintreten.

Öffentlichkeitswirksamkeit erhält das Projekt zunächst durch die Projektwebseite, die Vorstellung des Projekts in der Schule und durch Pressemitteilung der jeweiligen Schulen. Die Teilnehmenden werden ermutigt, ihre Bilder und Projektergebnisse über die von ihnen genutzten Medien zu streuen (Instagram, Snapchat sowie andere zu diesem Zeitpunkt gerade genutzte Apps), um auch innerhalb der Zielgruppe eine größere Bekanntheit zu erreichen. Mit dem Vorliegen erster Ergebnisse wendet sich das Projekt dann auch der breiten Fachöffentlichkeit zu (ADFC, VCD, Fachzeitschriften für Lehrkräfte, etc.). Die wissenschaftliche Evaluation wird in Fachvorträgen vorgestellt und zum Beispiel im Rahmen des kommunalen Radverkehrskongresses und am Projektende als Kurzbericht veröffentlicht. Die Zusammenarbeit und gegenseitige Öffentlichkeitsarbeit des Projekts StatusRad mit dem Wettbewerb fahrradfreundliche Schulen in Baden-Württemberg wird mit der Berufung zweier Personen (Lehrkraft und Schüler*in) aus einer ausgezeichneten Schule in den Projektbeirat angestrebt.

Praktisches Ergebnis ist die Toolbox, ein Anleitungshandbuch zur Durchführung von Fahrrad-Projektwochen für die Zielaltersgruppe der 14- bis 16-jährigen, die gegen Projektende im April 2021 veröffentlicht wird. Dazu wird es im April 2021 eine Abschlussveranstaltung in Berlin geben, zu der Delegationen der teilnehmenden Schulen, der Projektbeirat und die Fachöffentlichkeit geladen sind.

StatusRad ist im Projektschwerpunkt „Kommunikation“ des Förderprogramms „Nationaler Radverkehrsplan 2020“ verortet. Es setzt bei der intensiven Kommunikation mit Jugendlichen an, die baldig vor der Entscheidung stehen werden, ob sie nach Erwerb des Führerscheins mit einem Auto ihre Alltagswege zurücklegen. StatusRad kommuniziert das Fahrrad als gute Fortbewegungsalternative zum Auto, nicht nur in Hinblick auf die Kosten und die Schnelligkeit, sondern auch auf andere positive Merkmale wie Identifizierung des Fahrrads als cooles/hippes Fortbewegungsmittel. Es sollen vermeintlich existierende Vorurteile und Hemmschwellen in Bezug auf das Radfahren bei Jugendlichen abgebaut werden. Diese können unterschiedliche Gründe haben: Unsicherheitsgefühle, fehlende Kenntnisse der Vorteile (Schnelligkeit, Auftritt), Umgang und Reparatur. Das Vorhaben wird thematisch in die Projektwochen an den Schulen integriert werden, so dass es einerseits eine bildende Kommunikation von Regeln, Gesetzen, Reparaturen, Klimaeffekte gibt und andererseits gleichzeitig auch Spaß macht (Testen von Rädern). Die Jugendlichen erfahren so, bevor sie den Führerschein erwerben, was es bedeutet, im Straßenverkehr mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Auch gibt es bisher kaum Angebote über die Verkehrsschule/Verkehrserziehung in der vierten Klasse hinaus, so dass das Vorhaben diese Lücke schließt.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

In Wissenschaft und Praxis fehlen aktuell systematische Erhebungen und Informationen über Änderungen von Verhaltensweisen, wenn sich Einstellungen und Entscheidungsbefugnisse von Menschen, die (noch nicht) Rad fahren, in Phasen des Umbruchs befinden. In den unteren Klassenstufen geben in der Regel Eltern vor, welches Verkehrsmittel benutzt wird, später sind ggf. andere Faktoren ausschlaggebend (Vorhandensein eines Führerscheins und Pkw, ÖPNV-Angebot). Der hier verwendete Ansatz richtet sich gezielt auf die Erfassung von Einstellungsänderungen von Nicht-Radnutzenden und Radnutzenden in einer Altersgruppe, die im Begriff ist, sich ein eigenes Mobilitätsverhaltensmuster zuzulegen, während die Rahmenbedingung „Schulweg“ im Untersuchungszeitraum unverändert bleibt.

Dabei zielt das Projekt „StatusRad“ auf zweierlei ab: einerseits auf den Status – „Upgrade Fahrrad“ durch die intensive Beschäftigung mit seinen Vorzügen und einem damit einhergehenden Bewusstseinswandel bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern – und andererseits auf die Informationsgewinnung durch die Befragung sowohl der Teilnehmenden als auch der Kontrollgruppe in den Parallelklassen. Damit unterscheidet es sich von anderen Projekten, die ebenfalls darauf abzielen, mehr Personen auf das Rad zu bewegen.

Darüber hinaus wird eine Übertragbarkeit auf andere Umbruchsituationen vermutet, in denen sich Menschen in ihren Mobilitätsverhaltensmustern neu orientieren müssen oder wollen, und in denen durch intensive, zielgruppengenaue Kommunikation das Fahrrad einen höheren Status als Verkehrsmittel gewinnt.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Private Mittel
Gesamtvolumen: 
155 310 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 2020 vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

team red Deutschland GmbH

Projektbeteiligte: 

Schulen:

  • Albert-Schweitzer-Schule, Kassel
  • Nelson-Mandela-Schule, Berlin-Wilmersdorf
  • Fritz-Reuter-Oberschule, Berlin-Lichtenberg
  • Albrecht-von-Graefe-Schule, Berlin-Kreuzberg
  • Detlefsengymnasium, Glückstadt

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
November 2018
Projektende: 
April 2021

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Antje Merschel
team red Deutschland GmbH
Almstadtstraße 7, 10119
Telefon: 0178-3297725
Telefax: 030-13898636
E-Mail: antje.merschel@team-red.net

Meta-Info
Stand der Information
20. Dezember 2018
Autor
Antje Merschel, team red Deutschland GmbH
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Deutschland