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Miteinander auf Fahrradstraßen

Sicher unterwegs auf Münchens Fahrradstraßen

Fahrradstraße München
Fahrradstraße München © Green City Experience

Einleitung

Die Landeshauptstadt München unternimmt bereits seit einiger Zeit große Anstrengungen, den Verkehr stadt- und umweltfreundlicher zu gestalten. So hat der Münchner Stadtrat schon 2009 den Grundsatzbeschluss zur Förderung des Radverkehrs in München gefasst, der umfangreiche Maßnahmen enthält. Hierzu zählt unter anderem die Einrichtung von Fahrradstraßen, wodurch wichtige Lücken im Münchner Radwegenetz geschlossen und der Umstieg von anderen Verkehrsmitteln auf das Rad gefördert werden.

Fahrradstraßen sind für Radfahrende besonders attraktiv. Hier haben sie Vorrang, dürfen nebeneinander fahren und bestimmen das Tempo. Kraftfahrzeuge, wie Autos, Lastwagen oder Motorroller sind nur dann erlaubt, wenn sie per Zusatzschild zugelassen sind. Dies bedeutet, sie spielen nur eine Nebenrolle und sind verpflichtet, ihre Geschwindigkeit zu verringern und besonders rücksichtsvoll zu fahren.

Mit der Einrichtung von Fahrradstraßen werden Qualität, Verkehrssicherheit und Attraktivität von Radverkehrsverbindungen erhöht. Im Oktober 2019 hatte München bereits mehr als 80 Fahrradstraßen mit einer Gesamtlänge von über 37 Kilometern.

Projektdurchführung

Die Einrichtung der Fahrradstraßen erfolgt in enger Abstimmung mit den Bezirksausschüssen. Aus diesen gelangen Vorschläge an eine referatsübergreifende Arbeitsgruppe. In dieser werden die Anträge vom Baureferat, dem Planungsreferat und Kreisverwaltungsreferat behandelt.

Bei der Entscheidung spielen folgende Kriterien eine Rolle:

  • Die Bündelung des Radverkehrs, beispielsweise durch bereits bestehende Beschilderungen als Radverkehrsrouten.
  • Die Attraktivität für den Radverkehr durch ausreichende Fahrbahnbreiten im Begegnungsverkehr. Gesetzliche Mindestbreiten gibt es dabei nicht.
  • Eine bereits vorhandene oder zukünftig zu erwartende starke Nutzung durch den Radverkehr.
  • Die Gestaltung der Radverkehrsführung am Beginn und am Ende der Fahrradstraße. Wenn es in den einmündenden Straßen am Beginn oder am Ende der Fahrradstraße bereits Radverkehrsanlagen gibt, die stark genutzt werden, ist dies ein Indiz dafür, dass es einen Bedarf für eine Fahrradstraße gibt. Gleiches gilt, wenn eine Fahrradstraße beispielsweise zwei Parks miteinander verbindet oder wenn es im Anschluss bereits eine stark genutzte Fahrradstraße gibt.
  • Es sollten keine Interessenkonflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern, wie z.B. durch den Linienbusverkehr bestehen.
  • Die bauliche Gestaltung der Straßen: Nach Möglichkeit sollten Fahrradstraßen asphaltiert und nicht mit Großsteinpflasterbelag versehen sein.
  • Keine Hauptverkehrsstraße: Nach den Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) können Fahrradstraßen in Erschließungsstraßen mit Belastungen von bis zu etwa 400 Kraftfahrzeugen pro Stunde eingesetzt werden. Hauptverkehrsstraßen scheiden damit aus.

Zusätzlich werden die Münchner Fahrradstraßen seit Anfang 2019 noch deutlicher gekennzeichnet. Der Beginn der Fahrradstraße ist mit einem Piktogramm auf der Fahrbahn markiert, das drei auf zwei Meter groß ist. Damit wird deutlich signalisiert, dass hier Fahrradfahrende Vorrang haben, nebeneinander fahren dürfen und die Geschwindigkeit bestimmen.

Autos, Lastwagen, Motorräder und andere motorisierte Verkehrsteilnehmer dürfen nur dann fahren, wenn das Zusatzschild "Kraftfahrzeuge frei" aufgestellt ist. In Fahrradstraßen gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h und Kraftfahrzeuge müssen ihre Geschwindigkeit an die der Radfahrenden anpassen.

In der Regel gilt an Kreuzungen rechts vor links. Dadurch werden Radfahrende jedoch häufig stark ausgebremst. Auf Grundlage des Evaluationsgutachtens, das 2017 dem Münchner Stadtrat vorgestellt wurde, wird in drei Pilotprojekten die Weiterentwicklung des Fahrradstraßennetzes durch Bevorrechtigung von Fahrradstraßen erprobt. Dies sind zum einen bauliche Maßnahmen, wie Roteinfärbungen an Kreuzungen und Radwegen an Zebrastreifen, um die geplante Bevorrechtigung optisch deutlich hervorzuheben und die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Zum anderen erfolgt die Bevorrechtigung durch Markierungs- und Beschilderungsmaßnahmen (wie die optische Verkleinerung der Fahrbahn) oder auch die Einrichtung reiner Fahrradstraßen, die Vorfahrtsberechtigt ohne den KfZ-Verkehr umgesetzt werden sollen (ab 2020).

Durch die anschließende Evaluation der drei Pilotprojekte und die Umsetzung der daraus erzielten Erkenntnisse sollen langfristig sowohl die Attraktivität der Fahrradstraßen als auch die Verkehrssicherheit für Fahrradfahrende in diesen speziellen Straßen dauerhaft gesteigert werden.

Regelmäßige Informationsveranstaltungen und begleitende öffentlichkeitswirksame Aktionen rund um das Thema Fahrradstraßen erhöhen aus unserer Erfahrung die Akzeptanz dieser fahrradfreundlichen Infrastruktur.

Fazit

In den vergangenen Jahren hat die Landeshauptstadt München die Ausweisung von Fahrradstraßen deutlich vorangetrieben. Im Oktober 2019 gab es in München mehr als 80 Fahrradstraßen. Damit hatte die bayerische Landeshauptstadt im Vergleich zu anderen deutschen Städten die meisten Fahrradstraßen. Die bisherigen Ergebnisse, wie die Evaluationen zum ersten Pilotprojekt Clemensstraße, zeigen, dass die Einrichtung von Fahrradstraßen einen Mehrwert für Radfahrende bringt und Radlerinnen und Radler häufig sehr bewusst, Fahrradstraßen den herkömmlichen Straßen in der individuellen Wegeplanung vorziehen. Richtig und wichtig ist darüber hinaus die begleitende Information der Anliegerinnen und Anlieger sowohl der Gesamtbevölkerung über die wichtigsten Regelungen in Fahrradstraßen.

Die Fortschreibung des Münchner Grundsatzbeschlusses zur Förderung des Radverkehrs, beschlossen durch die Vollversammlung des Stadtrats am 21.2.2018, zeigt die positive Resonanz deutlich, da hier das erklärte Ziel der Errichtung von mindestens 100 Fahrradstraßen in der Landeshauptstadt München bis 2025 festgeschrieben wurde.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Fahrradstraßen helfen, wichtige Lücken im Radnetz zu schließen und verbessern so das Wegeangebot für Radfahrende. Darüber hinaus wirken sich Fahrradstraßen positiv auf den Komfort und das Sicherheitsempfinden der Radfahrenden aus und erleichtern hierdurch den Umstieg von anderen Verkehrsmitteln auf das Rad. Die hohe Akzeptanz bei den Radfahrenden in München zeigt, dass Fahrradstraßen ein wirksames und vergleichsweise kostengünstiges Element zur Förderung des Radverkehrs sind.

 

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

In den Jahren 2014 und 2015 wurden die Fahrradstraßen in München hinsichtlich Akzeptanz und Verkehrssicherheit durch einen externen Gutachter umfassend untersucht. Die Ergebnisse wurden Anfang 2017 dem Münchner Stadtrat vorgestellt und zeigen unter anderem, dass wesentliche Nutzer-Erwartungen (Erhöhung der gegenseitigen Akzeptanz der Verkehrsarten, Sicherheit und Konfliktfreiheit, Beschleunigung des Radverkehrs und Bekanntheitsgrad der Regelung) erreicht wurden.

Das Radverkehrsaufkommen stieg deutlich, während das Kfz-Aufkommen sank oder stagnierte. Die Verkehrssicherheit für den Radverkehr ist in Erschließungsstraßen weit besser als entlang von Hauptverkehrsstraßen und konnte auf Fahrradstraßen noch ausgeprägter nachgewiesen werden.

Um auch die Wünsche und Meinungen der Bevölkerung stärker in die Radverkehrsplanung einzubinden, werden zudem in München seit 2008 alle zwei bis drei Jahre Nutzerbefragungen durchgeführt. Die letzte Befragung fand im September 2016 statt. Dabei wurde festgestellt, dass die Münchnerinnen und Münchner beim Radfahren sehr gerne Wege in Grünzügen und Fahrradstraßen benutzen.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Landeshauptstadt München - Kreisverwaltungsreferat

Projektbeteiligte: 
  • Landeshauptstadt München - Baureferat
  • Landeshauptstadt München - Referat für Stadtplanung und Bauordnung

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2003
Info zur Laufzeit: 

Eine systematische Ausweisung von Fahrradstraßen erfolgt in München erst seit 2007.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Webseite der Landeshauptstadt München zum Thema Fahrradstraßen

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Grade, Anja
Landeshauptstadt München – Kreisverwaltungsreferat, Sachgebiet Radverkehr und öffentlicher Raum
Implerstr. 9
81371 München
Tel.: 089/233-39961
Fax: 089/233-989-39961
E-Mail: anja.grade@muenchen.de

Schmidt, Susanne
Landeshauptstadt München – Kreisverwaltungsreferat, Sachgebiet Radverkehr und öffentlicher Raum
Implerstr. 9
81371 München
Tel.: 089/233-39995
Fax: 089/233-989-39961
E-Mail: su.schmidt@muenchen.de

Kommunale Ansprechpartner: 

Team Radverkehr
Landeshauptstadt München – Kreisverwaltungsreferat, Sachgebiet Radverkehr und öffentlicher Raum
Implerstr. 9
81371 München
E-Mail: radverkehr.kvr@muenchen.de

Meta-Info
Stand der Information
24. Oktober 2019
Autor
Patrick Lindner, Anja Grade, Susanne Schmidt – Landeshauptstadt München, Kreisverwaltungsreferat
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Bayern