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Azubi-E-Bike-Projekt

Schwitzen war gestern - Mit dem Azubi-E-Bike auf dem Weg zur Arbeit

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Projektlogo © IHK Reutlingen

Mit dem E-Bike statt mit dem Auto zur Arbeit? Für dieses neue Pendlerkonzept startete die IHK Reutlingen im September 2012 das "Azubi E-Bike-Projekt". Dessen Ziel war es, Auszubildenden und Studierenden das Pedelec als Alternative für den Weg zur Arbeit nahe zu bringen und so den Radverkehrsanteil auf diesen Strecken zu steigern.

Mit einer Informationskampagne und vor allem mit den Roadshows versuchte das Projekt die Akzeptanz für Pedelecs als moderne Form der Fortbewegung zu steigern. Gerade in der Region Neckar-Alb ist das Pedelec aufgrund der anspruchsvollen Topographie mit den Anstiegen der Schwäbischen Alb eine geeignete Alternative zum Auto.

Die Projektidee entstand im "IHK-Netzwerk E-Bike", einem Zusammenschluss von Industrie, Handel und Wissenschaft zur Förderung einer nachhaltigen E-Bike-Mobilität in der Region Neckar-Alb.

Das Herzstück des Projekts waren die sogenannten Roadshows, mit denen das Team bis Juli 2014 quer durch die Region Neckar-Alb tourte. Auf dem eigenen Unternehmensgelände oder dem Schulhof hatten die jungen Teilnehmer die Möglichkeit, kostenlos die 15 elektrischen Fahrräder auszuprobieren. Denn vom eingebauten Rückenwind zu hören ist eine Sache - ihn am eigenen Leib zu spüren ist etwas ganz anderes.

Anders als bei E-Bikes muss man bei den Pedelecs nicht komplett auf körperliche Betätigung verzichten - denn nur wer tritt wird auch geschoben. Trotzdem kommt man selbst bei Steigungen nicht ins Schwitzen und muss sich darum auch nicht um sein Outfit sorgen, was besonders im Beruf wichtig ist. Doch die Antriebskraft funktioniert nicht bei jedem Pedelec gleich, sie variiert je nach Motor. Darum haben alle Teilnehmer bei den Veranstaltungen die Möglichkeit, die verschiedenen Bikes mit ihren unterschiedlichen Motoren nach Herzenslust auszuprobieren und somit den für sie idealen Antrieb zu entdecken. Zusätzlich besteht für die Auszubildenden und Studierenden der Region die Möglichkeit, die Pedelecs für fünf Tage auszuleihen und so das „Radfahren mit eingebautem Rückenwind“ besser zu erleben. Die lokale Presse berichtet über das Projekt und macht es so für die Öffentlichkeit sichtbar.

Wissenschaftlich begleitet wurde das Azubi E-Bike-Projekt von der Universität Tübingen. Durch Umfragen konnte ein Eindruck vom aktuellen Image der Elektroräder gewonnen werden. Doch vor allem wollte man herausfinden, welche Kriterien Pedelecs und E-Bikes erfüllen müssen, um von Pendlern als alternatives Fortbewegungsmittel anerkannt zu werden.

Dazu wurden in einer Vorherbefragung 881 Auszubildende aus der Region online befragt. Die Ergebnisse dieser repräsentativen Stichprobe zeigen unter anderem, dass in dieser Personengruppe eine sehr starke Autoorientierung vorhanden ist, die Fahrradnutzung hingegen nur eine geringe Rolle spielt. Berge, Hügel und zu große Entfernungen werden als wichtigste Gründe gegen das Fahrrad benannt. Diese Radfahrbarrieren können durch den Einsatz von Pedelecs gesenkt werden. Schließlich haben 61% der Befragten pedelectaugliche Arbeitswege von weniger als 15 Kilometern, 46% von unter 10 Kilometern. 36% der Teilnehmer könnten sich grundsätzlich vorstellen, mit dem Pedelec zur Arbeit zu fahren. Bei jenen, die einen Arbeitsweg von unter 7 Kilometern haben, sind es sogar 63%.

Die schriftliche Nachher-Befragung baute auf der Onlinebefragung auf, richtete sich aber nur an jene Auszubildenden, die an der Testwoche teilnahmen. Ihre Ergebnisse zeigten, dass die Eindrücke der Teilnehmer sehr positiv waren. 72% von ihnen bestätigten darüber hinaus, dass die Testerfahrung ihr Bild gegenüber Pedelecs verändert hat. So wurde beispielsweise der Spaß-Faktor nach der Nutzung höher bewertet als davor. Die Notwendigkeit von Ladestationen sowohl im öffentlichen Raum als auch am Arbeitsplatz wurde nach den persönlichen Nutzungserfahrungen als weniger bedeutend eingestuft.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Mit diesem Projekt werden junge Menschen, Auszubildende und Studenten, angesprochen und von den Vorteilen der Elektromobilität begeistert. Diese Zielgruppe wurde bislang nur wenig beachtet. Gerade das Mobilitätsverhalten von Auszubildenden konzentriert sich bisher stark auf Nutzung und Anschaffung eines eigenen Pkws. Mit Erreichen der Volljährigkeit und mit dem Führerscheinerwerb findet in den meisten Fällen ein Routinebruch statt, der weg von bisherigen Verkehrsmittelnutzungen (z.B. Rad oder ÖPNV) und hin zum Auto führt. Das Auto erfährt hierbei eine starke emotionale Aufladung (neu gewonnene Freiheit und Unabhängigkeit).

Das Pedelec tritt als neues, innovatives Produkt ins Spektrum der verfügbaren Verkehrsmittelarten und ist dabei nicht mit bisherigen Verkehrsmitteln vergleichbar. So bietet es im Bereich der Nahmobilität völlig neue Einsatzpotenziale, die weder mit jenen des konventionellen Fahrrads noch mit denen bereits existierender elektrischer Roller oder Mopeds vergleichbar sind.

Besonders interessant ist der Einsatz in ländlichen Räumen, die meist eine vergleichsweise eingeschränkte ÖPNV-Erschließung aufweisen. Besonders in diesen Regionen wird daher die Individualmobilität auch in Zukunft von großer Bedeutung sein. Persönliche und individuelle Freiheit auch im Rahmen der eigenen Mobilität werden auch zukünftig bestimmende Determinanten der Verkehrsmittelwahl sein. In Anbetracht steigender Mobilitätskosten und Energiepreise bieten Pedelecs daher enormes Potenzial, auch in Zukunft individuell und flexibel unterwegs zu sein.

Jedoch sind die Potenziale des Pedelecs als Verkehrsmittel im Alltag derzeit noch lange nicht annähernd ausgeschöpft. Gegenwärtig ist die Hauptnutzergruppe in der Altersklasse 50+ zu finden. Bei den Jüngeren hingegen herrscht noch der Ruf eines „Anti-Sportgeräts“ vor. Um das Mobilitätsverhalten dieser Zielgruppe zu verändern, wurde die Aufklärung und Sensibilisierung bezüglich möglicher Alternativen zum Pkw (wie z.B. dem Pedelec) mit einer zielgruppengerechten, emotionalen Ansprache verknüpft. Spezifische Kommunikationsmaßnahmen und Imagekampagnen wurden daher konkret auf die junge Zielgruppe abgestimmt und eine Betonung auf Aspekte wie Spaß, Lifestyle und Prestige gelegt.

Durch die Roadshows hatten viele junge Erwachsene erstmals die Möglichkeit, die Eigenschaften und Vorteile eines Pedelecs durch die Informationen sowie durch die Testfahrten am Parcours kennenzulernen.

Das Projekt ist auf andere Regionen, insbesondere ländliche Räume, gut übertragbar.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Sponsoring, Spenden
Erläuterungen: 

Das Projekt wurde aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
nein
Erläuterungen: 

Das Projekt führte eine Evaluierung der Roadshow durch, jedoch nicht des Gesamtprojekts.

Befragung der relevanten Zielgruppe durch die Universität Tübingen vor und nach der Testerfahrung durch standardisierte Fragebögen
Vorherbefragung: Abfrage zum derzeitigen Mobilitätsverhalten der Azubis sowie herrschende Einstellungen/ Meinungen gegenüber Pedelecs
Nachher-Befragung: Abfrage nach dem Ausleihen der Räder zur Nutzungserfahrung, soziale Reaktionen etc.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Industrie- und Handelskammer Reutlingen

Projektbeteiligte: 

Robert Bosch GmbH, Universität Tübingen, Hochschule Albstadt-Sigmaringen, Fischer Fahrräder und Spielwaren GmbH, Transvelo Fahrräder GmbH, NER Nonnengässer Elektro-Schalttechnik GmbH, Stadtwerke Balingen, Hardy’s Bikes+Service, Radkutsche, Gobax GmbH

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Februar 2012
Projektende: 
November 2014

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Projektmanagerin
Frau Beatrix Andriof
IHK Reutlingen
Hindenburgstraße 54
72762 Reutlingen
Telefon: +49 (0)7121/201-199
Telefax: +49 (0)7121/201-4199
E-mail: andriof@reutlingen.ihk.de
WWW: www.reutlingen.ihk.de
 

Meta-Info
Stand der Information
30. November 2014
Autor
Beatrix Andriof, IHK Reutlingen
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Baden-Württemberg