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Schülerverkehr

Schulwegeplan "Sichere Schulwege"

Schulwegeplan Horn-Lehe
Schulwegeplan Horn-Lehe © Aktionsgemeinschaft Verkehrssicherheit Bremen

1. Ausgangssituation

Im Jahr 2003 startete das Pilotprojekt "Sicherer Schulweg" von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsicherheit in Bremen. Die Arbeitsgemeinschaft bündelte die Kompetenzen der Landesverkehrswacht, der Bremer Parkraumbewirtschaftungs- und Management-GmbH (BREPARK), des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs e.V. (ADAC), des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e.V. (ADFC), der Polizei und der Unfallkasse. Grundidee des Pilotprojektes war, gemeinsam mit Schüler/innen einen Schulwegeplan zu erarbeiten, der ihnen Orientierung bei der Auswahl ihres Schulweges bietet, auf gefährliche Punkte im Straßenverkehr hinweist und Tipps und Regeln für das Verhalten auf dem Schulweg enthält.

2. Projektziel

Ziel ist es, die Sicherheit im Schulumfeld zu erhöhen und gleichzeitig die Schulen im Stadtteil anzuregen, in ihrem Einzugsbereich die Schwachstellen auf dem Schulweg unter die Lupe zu nehmen. Neben dem konkret entstehenden Wegeplan ist ein wichtiger Aspekt des Projekts, den Kommunikationsprozess aller Beteiligten zum Thema Verkehrssicherheit anzustoßen und dieses Thema in die Öffentlichkeit zu bringen.
Der Schulwegeplan soll mit den Kindern gemeinsam erarbeitet werden. Nicht "schlaue Erwachsene" sollen vorschreiben, wo es auf dem Schulweg längs zu gehen hat, sondern die Kinder selbst sollten Reize, Gefährdungen, Schönes und Schwieriges auf ihrem Schulweg entdecken und entdeckte Gefahrenpunkte öffentlich machen.
Darüber hinaus ist zu beobachten, dass Kinder immer häufiger mit dem Pkw von zuhause bis zur Schule befördert werden. Dies stellt eine zunehmende Gefahrenquelle dar, da die Sicherheit für die anderen, die zu Fuß oder per Fahrrad zur Schule kommen, beeinträchtigt wird. Außerdem steigert mehr Bewegung - sei es per Rad oder zu Fuß - die Abwehrkräfte, verhilft zu mehr Gesundheit und trainiert die Wahnehmungsfähigkeit.
Das hier näher beschriebene Pilotprojekt startete zuerst in Bremen Horn-Lehe als Kooperationsprojekt. Im Anschluss daran wurden weitere Projekte in Eigenregie des ADFC mit verändertem Lern-/ Beteiligungskonzept in den Bremer Stadtteilen Hastedt und Hemelingen durchgeführt.

3. Projektplanung (Pilotprojekt Bremen-Horn-Lehe, 2003)

Die Vorbereitung des Projekts erfolgte durch eine Arbeitsgruppe aus Lehrkräften, Elternvertretern, Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Verkehrssicherheit sowie Beamten des örtlichen Polizeireviers. In mehreren Sitzungen wurde die durch die Schule vor den Herbstferien angesetzte Projektwoche geplant, in der die schulischen Veranstaltungen sowie schulexterne Angebote von Polizei, ADFC und Verkehrswacht und ein Elternabend durchgeführt werden sollten. Die Projektwoche endete mit dem alljährlichen Sommerfest, auf dem die ersten Ergebnisse vorgestellt werden sollten.
Schirmherr des Projekts war der Bremische Bildungssenator, der die Schule am Ende der Projektwoche besuchte und sich von den Erfahrungen berichten ließ. Die örtliche Presse wurde zur Berichterstattung über das Projekt eingeladen.

4. Projektdurchführung

4.1 Projektwoche

In den zweiten bis vierten Jahrgangsstufen wurden die Kinder aus gleichen Wohngebieten und damit ähnlichen Schulwegen in jahrgangsübergreifende Lerngruppen mit halber Klassengröße aufgeteilt. Die Klassen der ersten Jahrgangsstufe wurden nicht aufgeteilt.
Zu Beginn nahmen alle Schüler/innen der zweiten bis vierten Klassen an einer Schulwegbegehung teil. In den folgenden Tagen arbeiteten sie in ihren Lerngruppen an Aufgaben, die im Zusammenhang mit der Sicherheit auf dem Schulweg standen (z.B. Anfertigung von Powerpoint-Präsentationen, Erstellung eines Sandkastenmodells, Erarbeitung eines Schulwegebuchs von Geschichten, Liedern und Fotos, Bau des Schulwegs aus Pappe u.v.m.). Neben der Erarbeitung des Schulwegeplans gab es auch Lerneinheiten, in denen auf das verkehrsgerechte Verhalten der Schüler/innen im Sinne der Unfallprävention eingewirkt wurde.
Die Eltern wurden an einem Abend der Projektwoche zu einer Abendveranstaltung eingeladen, auf der Fragen zur Projektwoche gestellt werden konnten. Das Thema Unfallprävention wurde durch Referate mit anschliessenden Diskussionen thematisiert.

4.2 Fragebogenaktion

Schüler/innen und Eltern wurden zu den Schulwegen mittels eines Fragebogens befragt. Ziel war es, genaue Daten über den Schulweg der Kinder für den Schulwegeplan zu erhalten. In Horn-Lehe war dies der "rote Faden" durch die Projektwoche. Die Beantwortung des Fragebogens und das Zeichnen des Schulweges auf dem Plan durch die Schüler/innen standen am Ende der Woche auf dem Programm.
Entwickelt wurden drei verschiedene Fragebogenversionen: für Eltern, Schüler/innen und Lehrer/innen. Teilweise waren die Fragen in allen drei Versionen gleich (Kontrollfragen) wie beispielsweise nach der Art der Mobilität, Zeitaufwand und Begleitung.
Ergänzende Fragen an die Eltern bezogen sich auf Mobilitätsart und Wege, Zeitbedarf und Abweichungen auf dem Rückweg; die Lehrer/innen wurden nach den Verspätungsgründen gefragt. Die Kinder hatten zusätzlich mehrere Fragen nach dem subjektiven Erleben auf dem Schulweg zu beantworten.
Neben den Kindern der Grundschule waren auch die fünften und sechsten Klassen des benachbarten Schulzentrums in die Fragebogenaktion eingebunden. Eine sechste Klasse bildete zusätzlich Reportergruppen und befragte Schüler/innen und Eltern zur Sicherheit auf den Schulwegen.

5. Auswertung

5.1 Projektwoche

Die Projektauswertung erfolgte durch die schulinterne Arbeitsgruppe sowie in der Arbeitsgemeinschaft Verkehrssicherheit. Im Wesentlichen zeichneten sich dabei folgende Einschätzungen ab:

  • Die Projektwoche wurde insgesamt als gelungen bewertet. Die Angebote waren altersgemäß, vielseitig und motivierend. Die angestrebten Lernziele wurden erreicht, über 300 Kinder und Eltern haben sich mit dem Thema Sicherheit auf Schulwegen über mehrere Tage intensiv auseinandergesetzt.
  • Die gemeinsamen Schulwegbegehungen waren ein wichtiger Projektteil. Sie stellten den Lebensbezug her, veranschaulichten das Projektthema und führten zu konkreten Fragen.
  • Die Einteilung der Schüler/innen in altersgemischte Gruppen, nach Wohnbezirken war günstig. Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Schule wurde gestärkt. Erfreulich war die aktive Beteiligung von Eltern bei Betreuungsengpässen in den Lerngruppen.
  • Die Unterrichtsplanungen könnten bei intensiverer Rückkopplung zwischen den Lehrkräften in der Planungsgruppe und dem Gesamtkollegium erleichtert werden. Hilfreich wäre auch eine Materialliste von der Aktionsgemeinschaft.
  • Durch die ergänzenden Programme der Aktionsgemeinschaft mit ihren bewegungsorientierten Aufgaben (Fahrrad, Tretroller) und handlungsorientierten Erlebnissen ("Toter Winkel" beim LKW; Fahrradschlauch flicken) bot die Projektwoche ein abwechslungsreiches, alle kindlichen Kräfte herausforderndes Lernprogramm.
  • Die Vortrags – und Diskussionsveranstaltung für die Eltern in der Mitte der Projektwoche war sehr gut besucht. Die Eltern wurden in das Projekt einbezogen, konnten Kritik äußern, Fragen zur Gestaltung der Projektwoche stellen und von ersten Erfahrungen ihrer Kinder berichten. Außerdem erhielten sie Tipps für ihr eigenes Verhalten als Vorbilder im Stadtverkehr.
  • Der Schulwegeplan als Ziel wurde vom Kollegium als roter Faden durch die Woche positiv bewertet. Die Erwartungen an das Endprodukt stiegen an.
  • Die Beantwortung der Fragebögen sollte in allen Gruppen zum Ende der Woche geschehen. Es hat sich gezeigt, dass es vor allem für die jüngeren Schüler/innen schwierig war, den Fragebogen eigenständig zu beantworten und den Schulweg in den vorgegebenen, etwas unübersichtlichen Plan einzutragen.
  • Die Auswertung der Fragebögen war für die Erarbeitung des Schulwegeplans von zentraler Bedeutung. Aus den Antworten ergaben sich eine Vielzahl von aufschlussreichen Daten, die im Auswertungsteil (Pkt. 4.2.) stichpunktartig beschrieben sind.

5.2 Fragebogenaktion

Die Auswertung der Ergebnisse machen deutlich, dass:

  • vor allem bei der Auswahl der Mobilitätsarten Rad, ÖPNV und Auto eine große Witterungsabhängigkeit besteht, während die stabilsten Größen die Fußgänger/innen darstellen;
  • je älter die Kinder und je höher die Klassenstufe, desto mehr Kinder fahren mit dem Rad – auch wenn der Weg kurz ist! Die Empfehlung, erst ab der vierten Klasse mit dem Rad zu fahren, wird überwiegend zwar eingehalten, sollte aber dahingehend ausgeweitet werden, dass auch die Entfernung zur Schule die Art der Mobilität mit bestimmt;
  • Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen, die Entfernung überschätzen;
  • Eltern und Schüler/innen die Schulwegdauer unterschiedlich und häufig falsch einschätzen;
  • es für viele Eltern wichtig ist, den kürzesten und direktesten Schulweg für ihr Kind auszusuchen;
  • die meisten Schüler/innen mindestens zu zweit unterwegs sind. Diese "Weggemeinschaften" steigern ihr Sicherheitsgefühl und Wohlbefinden;
  • Gefahren von Eltern und Kindern teilweise unterschiedlich bewertet und je nach Erfahrung teilweise sehr subjektiv wahrgenommen werden. Radfahrende Schüler/innen und ihre Eltern zeigten die meistens Gefahrenpunkte auf; Unsicherheiten in Bezug auf aktuelle Verkehrsregeln wurden deutlich.
  • die Fußgänger/innen am zufriedensten mit ihrem Schulweg sind und relativ wenig Gefahren sehen. Sie erleben den Weg zusammen mit ihren Freund/innen und genießen, öfter als andere Schulkameraden, die mit Rad, ÖPNV oder Auto kommen, schöne Naturerlebnisse.

Die ausführliche Auswertung kann in der Dokumentation nachgelesen werden.

6. Projektergebnisse

6.1 Beseitigung von Gefahrenstellen

Die Ergebnisse der Fragebögen wurden in einer Arbeitsgruppe mit den Beteiligten vor Ort diskutiert. Die Gruppe beschloss, sechs der genannten Gefahrenbereiche zu bearbeiten, um dort die Verkehrssicherheit in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ämtern zu verbessern. Die Kriterien für die Auswahl waren die Häufigkeit der Nennung, das Gefahrenpotential, die Schülerfrequenzen in diesen Bereichen und die Erfolgsaussicht, etwas verändern zu können. Es wurden darauf hin einige Punkte vom Amt für Straßen und Verkehr baulich verändert, die zu besseren Bedingungen für Fuß- und Radfahrer/innen führten wie beispielsweise der Bau eines Stück Radweges zu einer großen Kreuzung. Die Kontaktpolizisten vor Ort stellten nach Beendigung des Projektes positive Verhaltensänderungen seitens der Schüler/innen fest.

6.2 Schulwegeplan

Die Ergebnisse der Befragung und die Gespräche in der Arbeitsgruppe bildeten die inhaltliche Grundlage für den konkreten Schulwegeplan. Er soll Eltern und Schüler/innen der Klassen eins bis sechs als Orientierung bei der Auswahl des Schulweges dienen, Anregungen bieten, den Stadtteil zu erkunden und sich selbstständig zurechtzufinden. Der Schulwegeplan wurde in den ersten bis sechsten Klassen der beiden beteiligten Schulen verteilt.

6.3 Dokumentation

Neben der schriftlichen Dokumentation ist die Projektwoche auf Video aufgezeichnet worden. Dabei wurden nicht nur Eindrücke aus der kreativen Gruppenarbeit gesammelt, sondern auch Interviews geführt und kritische Fragen gestellt. Das Video gibt einen Einblick in die Aktionswoche und bietet viele Anregungen für zukünftige Projekte. Es ist über die Landesbildstelle Bremen auszuleihen bzw. zu erwerben.

7. Ähnliche Projekte

Die Erarbeitung des Schulwegeplans für Bremen-Horn Lehe war das Pilotprojekt für die Schulewegpläne in den Bremer Stadtteilen Hemelingen, Arbergen und Hastedt. Weitere Pläne sollen folgen.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Schulwege sind wichtige Erlebnis- und Lernwege. Das Projekt soll Schulen anregen, die in ihrem Einzugsbereich befindlichen Schwachstellen/Unfallschwerpunkte auf dem Schulweg zu Fuß und mit dem Rad zu untersuchen. Ein Schulwegeplan gibt nützliche Tipps und Hinweise zu sicheren Wegen. Nachhaltig soll ein umweltfreundliches, stadtverträgliches Mobilitätsverhalten unterstützt werden.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Sponsoring, Spenden
Gesamtvolumen: 
25 000 €
Erläuterungen: 
  • 5.000 Euro des gesamten Investitionsvolumen wurden für Grafik sowie Druck benötigt
  • Die Finanzierung der Schulwegpläne war projektweise sehr unterschiedlich. So waren z.T. Versicherungen oder Banken ebenso beteiligt wie Stadtteilbeiräte sowie Bau- und Umweltdeputationen.

Evaluation

Evaluation: 
nein
Erläuterungen: 
Es ist keine Evaluation geplant bzw. durchgeführt worden, allerdings erhalten die Projektträger durch ADFC-Kontakte mit Polizei und Schulen immer wieder Rückmeldungen und Resonanzen zur Projektdurchführung an anschließenden Ergebnissen.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Aktionsgemeinschaft Verkehrssicherheit als kommunale Selbstverwaltung (Schulwegeplan Bremen - Horn-Lehe)
  • ADFC Bremen (Schulwegepläne Bremen – Hemelingen, Arbergen und Hastedt)
Projektbeteiligte: 
  • Eltern, Lehrer und Schüler/innen der beteiligten Schulen
  • Landesverkehrswacht
  • Bremer Parkraumbewirtschaftungs- und Management-GmbH (BREPARK)
  • Allgemeiner Deutscher Automobil-Clubs e.V. (ADAC)
  • Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Clubs e.V. (ADFC)
  • Polizei
  • Unfallkasse
  • Ortsbeiräte der beteiligten Stadtteile
  • Banken (Spardabank, Sparkasse)
  • Öffentliche Versicherungen Bremen (ÖVB)
  • Senator für Bau und Umwelt in Bremen
(teilweise nur in einem Projekt beteiligt)

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2003
Projektende: 
Januar 2007
Info zur Laufzeit: 
  • Ein Projekt dauert jeweils etwa 10 Monate.
  • Das Pilotprojekt startete im Jahr 2003 und das jüngste und z.Zt. letzte Projekt (Schulwegeplan Bremen Hastedt) lief im Jahr 2007.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Verkehrsreferentin, Projekte
Frau Birgit Klose
ADFC Landesverband Bremen
Bahnhofsplatz 14a
28195 Bremen
Telefon: +49(0)421/701179
Telefax: +49(0)421/701159
E-mail: birgit.klose@adfc-bremen.de
WWW: www.adfc-bremen.de

Kommunale Ansprechpartner: 
Ortsamtsleiter
Herr Höft
Ortsamt Hemelingen
Rathausplatz 1
28309 Bremen
Telefon: +49(0)421/3613000
Telefax: +49(0)421/3613972
WWW: www.bremen.de

Meta-Info
Stand der Information
26. September 2008
Autor
Birgit Klose (ADFC Bremen)
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Bremen