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Mobilitätsuntersuchung mit Wettbewerb

Schlau mobil zur Humboldtschule

Verkehrsmittelwahl der Schülerinnen und Schüler im Sommer
Verkehrsmittelwahl der Schülerinnen und Schüler im Sommer © Matthias Rau

Ausgangssituation, Projektidee und –ziele

Seit mehreren Jahren werden an der Humboldtschule in Bad Homburg Kurse zum Thema Klimawandel angeboten. Das Thema "energieeffiziente Mobilität" als nahe liegender Schritt zur Verminderung des Energieverbrauchs und der CO2-Freisetzung ist Teil dieser Unterrichtsreihe. Die Nutzung des Verkehrsmittels Fahrrad als aktiver Beitrag zum Klimaschutz wurde dabei nicht nur theoretisch besprochen, sondern auch konkret auf die Schule selbst bezogen, da sie Mobilität induziert. Insbesondere für eine zentral gelegene Stadtschule wie die Humboldtschule (HUS) in Bad Homburg, an der 70% der Schüler aus einem Umfeld von bis zu 6 Kilometern kommen, muss die Nachhaltigkeit der gewählten Verkehrsmittel thematisiert werden.
Aber warum nutzen die Schüler nicht häufiger ihr vorhandenes Fahrrad für den kurzen bis mittellangen Schulweg? Wer benutzt mit welcher Begründung welches Verkehrsmittel? Ist die Entscheidung altersabhängig? Welche Gründe werden angeführt bei der Auswahl des Verkehrsmittels? Ist die Verkehrsraumfrage/Radwegenetz relevant? Wie werden die Fahrradwege zur Schule bewertet? Sind die unzureichenden Fahrradparkmöglichkeiten an der HUS ein Grund das Rad stehen zu lassen und lieber mit dem Bus zur Schule zu kommen? Diesem Mobilitätsverhalten der HUS Schüler und Lehrer wollte sich der Wahlunterricht "Klimawandel 2009/10" annehmen und führte dazu eine Umfrage zum Mobilitätsverhalten in der Schule durch.

Projektdurchführung

Die Schüler des Wahlunterrichts entwarfen zwei Fragebögen für die Schüler und Lehrer der HUS. Ein Bogen stellte Fragen zur allgemeinen Mobilität an der HUS und ein zweiter Fragebogen richtete sich an die Fahrradfahrer der HUS. Per Los wählten wir aus den Jahrgängen 5 bis 10 drei Klassen aus. Die Oberstufenschüler wurden über die Tutorenkurse mit in die Befragung einbezogen. Durch die beiden Fragebogen sollte ein Überblick geschaffen werden über das allgemeine Mobilitätsverhalten sowie über das Verhalten und die Motive der Radfahrer. Insgesamt kamen über 500 Fragebögen für die Auswertung zusammen.
Bei der Umsetzung des Projekts war es sehr wichtig, das Projekt in die Schulgemeinde zu bringen - und zwar möglichst an alle Einflussbereiche herein (Schüler selbst, Elternhäuser, Verkehrsausschuss der Stadt, Polizei). Um unsere Ergebnisse und Handlungsvorschläge zur Mobilität der Öffentlichkeit vorzustellen, wandten wir uns an die Multiplikatoren: das Schülerparlament, den Schulelternbeirat der HUS sowie an den Verkehrsausschuss der Stadt Bad Homburg und natürlich auch direkt an die Schülerschaft der HUS. Bei allen genannten "Einflussnehmern" wurden die Projektergebnisse über Präsentationen mit anschließender Diskussion verbreitet. Die Klassensprecher wurden über das Schülerparlament informiert und gaben die Infos an alle Schüler der HUS weiter. Sie erhielten dazu einen Info-Flyer, der vom Kurs zusammengestellt wurde und neben den wichtigsten Informationen aus der Befragung auch die Einladung zum Schulwettbewerb "Schlau mobil zur HUS" enthielt.
In zeitlicher Abfolge wurden folgende Schritte unternommen:

  • Anmeldung des Projekts bei einem lokalen Wettbewerb zur Energieeffizienz (Süwag/RWE) und damit die Einwerbung von Projektmitteln (600 Euro)
  • Durchführung der Befragung und Auswertung der Ergebnisse
  • Umsetzung der Ergebnisse in Grafiken für zielgruppenspezifische Präsentationen (Schülerparlament/Klassensprecher, Verkehrsausschuss der Stadt, Erstellung einer Kurzinformation für die interne Kommunikation und die Öffentlichkeit)
  • Einreichung des Wettbewerbbeitrags am 5. Mai 2010; Erlangung des Regionalsieges (Preisgeld 1.500 Euro) und Übergabe des Preises unter Beteiligung der Stadt Bad Homburg
  • Preisgeldzugabe durch die Stadt Bad Homburg für den Wettbewerbsbeitrag. Außerdem fand durch die Präsentation der Ergebnisse im städtischen Verkehrsausschuss eine politische Partizipation statt: In einer anschließenden Diskussion wurden Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrssituation rund um der Schule und in der Stadt formuliert. Umgesetzt wurde zum Beispiel die Forderung nach einer baulichen Überarbeitung des Radwegs zur Schule. Noch im September 2010 wurde Radweg neu gekennzeichnet und mit Radsymbolen direkt vor der Schule versehen. Ein Radwegeplan zur Schule wird derzeit im Klimawandelkurs 10/11 erarbeitet.

Ergebnisse

Eine nachhaltige Wirkung in Bezug auf das Mobilitätverhalten soll erreicht werden, indem wir in den folgenden Jahren über die Wahlunterrichtskurse zum "Klimawandel" (9. Jahrgangstufe) Aktionen und Informationen für die jeweils neuen fünften Klassen vorbereiten und durchführen, so z.B. am "Tag der Nachhaltigkeit" in Hessen am 23.09.2010. Diese Kampagne fand an der HUS erstmals im Jahr 2010 statt. Mittels einer Ausschreibung des Wettbewerbs „Schlau mobil zur HUS“ für mehr Fahrradmobilität mit Preisgeldern für die fittesten Klassen traten jeweils zwei Jahrgänge (5/6, 7/8, 9/10) gegeneinander an und „sammelten“ Fahrrad- und Fußkilometer in zwei Wochen. Im Jahr 2010 wurden dabei 35.571 km gesammelt.
In 2011 wird der Wahlunterricht "Klimawandel" fortgeführt und der Wettbewerb weitergeführt. Alle 5. Klassen werden jeweils in einer Unterrichtsstunde informiert werden über den Sinn und Nutzen einer ökologisch vertretbaren Mobilität. Gleichzeitig werden sie eingeladen, am Wettbewerb für die 5. Klassen "Schlau mobil zur HUS 2011" teilzunehmen, der dann im Rahmen der "Tag der Nachhaltigkeit 2011" in Hessen stattfindet.
Die Durchführung dieses Projekts hat auch weitere Mobilitätsmaßnahmen angestoßen: Neben der Erstellung eines Radwegeplans zur Schule (Pflicht in Hessen für alle Schulen bis zur Klasse 7), der derzeit erarbeitet wird, soll die äußerst prekäre Situation des "Schüleranlieferungsverkehrs" vor der ersten Stunde an der engen zuführenden Straße zur HUS geändert werden werden.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Ein lohnendes Projekt ist es unter anderem deshalb, weil es gelungen ist, im Wettbewerbsteil in nur zwei Wochen 35.000 km per Rad und Fuß zusammen zu bringen… eine CO2-Entlastung der Umwelt von mehreren Tonnen Kohlenstoffdioxid. Darüber hinaus ist es ein großer Gewinn, dass die Schüler, Lehrer und Eltern ein Bewusstsein entwickeln, dass Klimawandel und persönliches Handeln eng miteinander verknüpft sind bzw. verknüpft werden müssen. Das Projekt erzeugte politische Partizipation und wurde im Verkehrsausschuss der Stadt wahrgenommen, wo Vorschläge zur Verbesserung des Radwegenetzes gemacht werden konnten.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Noch in der Diskussion: möglich wäre eine Wiederholung eines Wettbewerbs.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Humboldtschule/Schulleitung, Kurs 9 "Klimawandel", Arbeitskreis "Ökologie und Nachhaltigkeit" an der HUS

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2007
Info zur Laufzeit: 
Mit dem Thema Klimawandel

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Humboldtschule Bad Homburg
Gymnasium
Jacobistr. 37
61348 Bad Homburg
Telefon: 06172- 68707- 0
Telefax: 06172- 68707-129
E-mail: humboldtschule@hus.hochtaunuskreis.net
WWW: www.humboldtschule-hg.de

Kommunale Ansprechpartner: 
Stadt Homburg

Meta-Info
Stand der Information
5. Oktober 2010
Autor
Matthias Rau, Humboldtschule
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Hessen