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Radwegpatenprojekt

Regelmäßige Kontrolle und Prüfung des kreisweiten Radwegenetzes

Kontrolle der Radwegführung an einer Abzweigung
Kontrolle der Radwegführung an einer Abzweigung © ADFC Nienburg

Wie arbeiten die Radwegepaten?

Mindestens einmal im Jahr fahren die Verantwortlichen ihre Strecke ab und nehmen die Mängel an den Radwegen auf. Betrachtet werden der Zustand der Radwege, die Beschilderung und mögliche Unfallgefahren. Dabei sind die Radwegpaten mit einem standardisierten Kriterienkatalog ausgestattet. Die Berichte werden per Mail, Meldebogen oder per Telefon an die Beauftragte für Radwege des Landkreises Nienburg weitergegeben, die die Informationen an die zuständigen Gemeinden übermittelt. Einige Paten haben darüber hinaus direkte Kontakte zu den Bauhöfen der Kommunen und sprechen die notwendigen Maßnahmen mit den Verantwortlichen unmittelbar vor Ort ab.

Wie ist es zu dem Projekt gekommen?

Das Projekt geht zurück auf eine Anfrage der Mittelwesertouristik an den ADFC aus dem Jahr 2003. Der Verband regte an, ein Verfahren zu entwickeln, um die Qualität des Weserradweges für die Radtouristen zu gewährleisten. Zuvor hatten Radfahrer Hinweise auf Beschilderungsprobleme gegeben. Die Radwege im Landkreis Nienburg wurden bis zu diesem Zeitpunkt nur selten und aus PKWs heraus hinsichtlich ihrer Qualität kontrolliert. Nun begannen Mitglieder des ADFC-Kreisverbands Nienburg, den Weserradweg abzufahren und auf eventuelle Mängel zu überprüfen.

In den Jahren 2006/2007 wurde, im Zuge der Fahrradfreundlichen Kommune 2007, die Projekt-Trägerschaft vom Wesertouristik Verband auf die Fahrradbeauftragte des Landkreises Nienburg verlagert. In diesem Zusammenhang wurde der Begriff Radwegepatenschaft ins Leben gerufen. Die Kontrolle wurde auf alle regionalen Themenwege und auf die damals neu aufgestellten kreisweiten Ortswegweisungen erweitert, sodass zugleich die Anzahl der Paten wesentlich erhöht worden ist.

In einem zweiten Schritt wurden das gesamte Themenroutennetz des Landkreises und die neu aufgestellten kreisweiten Ortswegweisungen in das Qualitätsmanagementsystem aufgenommen. Somit wurden Rundwege wie die HochZeit-Reise, der WasserLand-Weg, die Große Weserlandroute und die Landpartie, einige örtliche Routen und die Radfernwege Weserradweg und Meerweg durch die Radwegpaten betreut. Im Zuge dessen hat sich die Anzahl der Paten wesentlich erhöht. Über eine Pressekampagne wurden im vergangenen Jahr weitere interessierte Radfahrer gefunden, sodass fortan die noch verbliebenen ausgeschilderten örtlichen Verbindungswege und die Radwege an den Kreis-, Landes- und Bundesstraßen mit Zuständigen versorgt werden konnten. Derzeit sind mehr als 50 Radwegpaten gemeldet. Insgesamt werden 152 Fahrradstrecken mit einer Länge von ca. 1600 km betreut. Die Vergabe der Routen erfolgt in der Regel durch den ADFC.

Wie sind die Radwegpaten organisiert?

Jeder Pate erhält bestimmte Streckenabschnitte für die er allein zuständig ist. Der ADFC in Nienburg ist an der Verteilung und Organisation der Radwegabschnitte wesentlich beteiligt Die Paten arbeiten ehrenamtlich. Einmal im Jahr lädt der Landkreis Nienburg alle Radwegbetreuer zu einem Patentreffen mit Grillabend ein, um eine lockere Möglichkeit des Informationsaustauschs zu schaffen und sich bei den Aktiven zu bedanken.

Alle Aktiven haben vom Landkreis Nienburg Informations- und Kartenmaterial erhalten, zugeschnitten auf ihre speziellen Radwegrouten. Beim vergangenen Patentreffen wurden zudem Warnweste mit ADFC-Aufdruck verteilt. Die Hälfte der Beteiligten ist Mitglied im ADFC. Auf der Internetseite des ADFC sind die Radwegepaten mit ihren Streckenabschnitten aufgelistet. Dort wird auch vermerkt, wann die Paten ihre Routen zuletzt abgefahren haben.

Neuerdings wird auch daran gearbeitet die Strecken vor dem Hintergrund von Google Maps darzustellen, so dass man sich die Karten in beliebiger Größe anschauen und ausdrucken kann. Hierdurch wird es für die Paten einfacher, ihre Radwege zu warten.

Das Projekt hat überregional Beachtung gefunden. Zum Beispiel haben Paten in einer Sendung des überregionalen Radiosenders NDR1 von ihrer Tätigkeit berichtet.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Das System soll weiterentwickelt werden. Geplant ist die Abbildung der Routen und der Standorte der Beschilderungen im Internet, in einem leicht zugänglichen Portal. Später sollen die zugehörigen GPS-Daten zu jeder Strecke abrufbar sein. Erste Versuche haben hier bereits auf der ADFC-Website begonnen. Paten, kommunale Mitarbeiter und Bauhöfe haben dann einen direkten Zugriff auf alle notwendigen aktuellen Daten des Radwegenetzes. Unzulänglichkeiten können so deutlicher beschrieben und leichter behoben werden.

Wie kann der bisherige Projektverlauf bewertet werden?

Für das Projekt zusammen mit dem Landkreis Nienburg hat der ADFC-Kreisverband viel Lob und Anerkennung erhalten. Das Image des ADFC bei den Verantwortlichen der Städte und Gemeinden hat sich verbessert. Die Aktiven werden gehört, Stellungnahmen sind erwünscht. Die Region hat durch das Konzept gewonnen. Der ADFC wird als verkehrspolitischer Verband deutlicher wahrgenommen.

Auf der Internetseite des ADFC Kreisverbandes Nienburg sind weitere Informationen zu den Radwegepaten abrufbar. Auf der Homepage des Landkreises Nienburg sind darüber hinaus auch Karten und Mängel-Meldebögen-Vorlagen einsehbar.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Vor Projektbeginn wurde die Kontrolle der Radwege durch den Landkreis selbst, wenn überhaupt geschehen, von einem Kfz aus, von Mitarbeitern des Landkreises oder der Kommunen durchgeführt, die selbst nicht unbedingt Radfahrer waren, und somit für die Belange des Radverkehrs auch nicht sensibilisiert sein konnten.

Nun erfolgt die Kontrolle für den Landkreis kostengünstig durch ehrenamtlich tätige Bürger. Sie sind selbst Radfahrer und somit Teil der Zielgruppe, die ein Interesse an guten Wegen hat.

Das Projekt ist gut übertragbar, u.a. auch auf Wanderwege und Mountainbiketouren.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Erläuterungen: 

Die Finanzierung auf der ADFC-Seite erfolgt ausschließlich durch Ehrenamt.

Von kommunaler Seite werden ca. 800 bis 1500 Euro für Utensilien für die Radwegpaten aufgebracht (Karten, Warnwesten ...). Hinzu kommt die Personalkosten des Landkreises Nienburg für die Abwicklung der Meldungen der Radwegpaten und die Organisation in Verbindung mit dem ADFC.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Auf Initiative des Weserbundes wurde im Sommer 2010 eine Bewertung des Weserradweges auf seiner gesamte Länge von Zertifizierungs-Experten des ADFC Bundesverbandes durchgeführt. Neben grundlegenden Problemen, wie z.B. der Einheitlichkeit der Beschilderung auf der Gesamtstrecke, wurden Themenorientierung des Radweges, Verkehrssicherheit und Fahrbahnbeschaffenheit der Wege beurteilt und auf Mängel hingewiesen.

Viele dieser Aspekte wurden von den zuständigen Radwegepaten ebenfalls benannt. Die Arbeit der Ehrenamtlichen wird durch die durchgeführte Analyse zunehmend ernster genommen. Die Ideen der Paten und des ADFC-Kreisverbandes zu den Radwegen in der Region werden von den zuständigen Politikern und den Verwaltungen immer positiver aufgenommen.

Inzwischen erfolgt aufgrund von Patenberichten in 3 Samtgemeinden eine komplette Neubeschilderung des Radwegenetzes, zum Teil mit geänderten Streckenführungen. Hierbei werden die hauptamtlich Beschäftigten durch einen sehr aktiven Radwegpaten unterstützt.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • ADFC Kreisverband Nienburg
  • Landkreis Nienburg/Weser
Projektbeteiligte: 
  • Berthold Vahlsing (ADFC-Nienburg)
  • Meike Rohlfing (Landkreis Nienburg/Weser)

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2003

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Vorstandsvorsitzender
Herr Berthold Vahlsing
ADFC
Kreisverband Nienburg
Auengrund 3
31582 Nienburg
Telefon: 05021-8954757
Telefax: 03212 1274780
E-mail: vahlsing@adfc-nienburg.de
WWW: www.adfc-nienburg.de
 

Kommunale Ansprechpartner: 

Radverkehrsbeauftragte
Frau Meike Rohlfing
Landkreis Nienburg
Kreishaus am Schloßplatz
31582 Nienburg
Telefon: 05021/967-457
Telefax: 05021/967-434
E-mail: radfahren@kreis-ni.de
WWW: www.lk-nienburg.de
 

Meta-Info
Stand der Information
11. Dezember 2011
Autor
Ralf Schwittling, Berthold Vahlsing, ADFC-Kreisverband Nienburg
NRVP-Handlungsfelder
Infrastruktur
Qualitäten schaffen und sichern
Fahrradthemen
Infrastruktur
Qualitätssicherung
Schlagworte
Bürgerbeteiligung
Instandhaltung
Radverkehrsanlage
Radwegpaten
Land
Niedersachsen