Sie sind hier

Systematische Radverkehrsplanung

Radwegenetz Kernstadt Bad Wildungen

Radfahrstreifen; entstanden im Rahmen der Erneuerung der Kreisstraße
Radfahrstreifen; entstanden im Rahmen der Erneuerung der Kreisstraße © Stadtbauamt Bad Wildungen

Aufgrund der bewegten Topografie mit mehreren Talräumen und den auf Höhenrücken gelegenen Altstadtquartieren, Kurbereichen sowie Wohngebieten ist bis zum Jahr 2000 in Bad Wildungen nicht viel für den Radverkehr getan worden. Dann aber wurde von den in der Stadtverwaltung Verantwortlichen realisiert, dass mit Blick auf die touristische Positionierung der Stadt Wanderer und Radler eine bedeutende Zielgruppe darstellen. Folglich wurde ein Fachbüro (PGN, Kassel) damit beauftragt - unter Einbeziehung von Fachleuten und Bürgerinnen und Bürgern - das erste Bad Wildunger Radwegekonzept zu erstellen. Dieses 2002 erarbeitete Konzept stellt noch heute die Grundlage für die Radwegeentwicklung der Stadt dar.

Das Bad Wildunger Radwegekonzept als Ausgangspunkt

Der Prozess der Bürgerbeteiligung wurde in verschiedenen Formaten und über mehrere Jahre umgesetzt. Zunächst hat sich im Zuge des "Lokale Agenda 21"-Prozesses eine Arbeitsgruppe mit dem Radwegekonzept beschäftigt. Auf Initiative der AG wurde im Rahmen eines Kinderfestes eine Umfrage unter Jugendlichen durchgeführt. Parallel ist in der örtlichen Presse kontinuierlich über das Projekt berichtet worden. In den Artikeln wurde stets ein Ansprechpartner genannt, der von den Bürgerinnen und Bürgern kontaktiert werden konnte. Zudem sind im Zuge der vielfältigen Informationsveranstaltungen zu den Großprojekten "Landesgartenschau 2006 (LGS)" und "Stadtringumbau sowie Scharnier 2009-2012" stets die Maßnahmen für den Radverkehr angesprochen worden.

Das Radverkehrskonzept formuliert die Zielsetzung, ein nutzerorientiertes Radwegenetz für den Alltags- und Freizeitradverkehr zu entwickeln, das die wichtigsten innerörtlichen Quellen und Ziele des Radverkehrs miteinander verbindet und die Verknüpfung mit dem überörtlichen Radwegenetz gewährleistet. Dafür soll die bestehende Radwegeinfrastruktur verbessert und sinnvolle Netzergänzungen vorgenommen werden. Hinzu kommen Empfehlungen für eine Radverkehrswegweisung, den Umgang mit dem ruhenden Verkehr sowie die Verknüpfung mit dem ÖPNV.

Veränderungen im städtischen Radwegenetz

Seit 2002 hat sich in Bad Wildungen einiges getan. Eine Vielzahl von Infrastrukturen wurde zugunsten der Fahrradfahrer gestaltet. Dabei wird der Radverkehr konsequent auf der Fahrbahn oder auf abseits von Straßen verlaufenden Wegen geführt.

Neue radgerechte Verbindungen

Bei jeder einzelnen von der Stadt durchgeführten Wege- bzw. Straßenbaumaßnahme wird geprüft, inwiefern sich Einrichtungen für den Radverkehr integrieren lassen. So sind im Zuge der Landesgartenschau 2006 die zugleich als wichtige innerstädtische Verbindungen fungierenden Hauptwege auf dem Veranstaltungsgelände radgerecht ausgebaut worden. Eine grundhafte Erneuerung einer Kreisstraße ermöglichte die Anlage von Radfahrstreifen. Im Rahmen der Neuordnung von Freizeitgärten entstanden neue Radwegeverbindungen. Ein im Zuge einer Gewässerrenaturierung gebauter Unterhaltungsweg dient nun ebenfalls als Radweg. Der Umbau des Stadtrings wurde dafür genutzt, auch dort Schutzstreifen zu markieren.

Ein durchgängiges Radwegenetz für Alltagsradler und Touristen

Zusammen mit den Tempo 30-Zonen und für den Gegenverkehr geöffneten Einbahnstraßen stellen die neuen Verbindungen heute ein durchgängiges Radwegenetz entsprechend des Konzepts von 2002 dar. Für Radler wichtige Einrichtungen sind an das Wegenetz angebunden, wie z.B. der Bahnhof, die Bad Wildunger Sehenswürdigkeiten, die Geschäftsbereiche, der Wohnmobilstellplatz, die E-Bike-Leihstation sowie auch ein attraktiver Rastplatz inmitten der weitläufigen Parkanlagen. Der Rastplatz, an dem örtliche, regionale und überregionale Radwege zusammengeführt werden, bietet Wasserspiele, Toiletten, Ruhebereiche sowie eine unentgeltliche Heilquellenzapfstelle. Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren attraktive Abstellmöglichkeiten geschaffen: Im gesamten Stadtgebiet sind originelle Fahrradständer zu finden, und am Bahnhof können Radboxen genutzt werden.

Beschilderung und Orientierung

In das örtliche Beschilderungskonzept sind der Hessische Fernradweg R5 sowie der regionale Ederseerundweg ER4 integriert. Entstanden ist zudem der 16 km lange "Quellenrundweg", der an sechzehn in der Stadt und den angrenzenden Naherholungsgebieten vorkommenden Heilquellen vorbeiführt. Ein anschaulicher Flyer motiviert viele Kurgäste dazu, Bad Wildungen mit dem Rad zu erkunden. An den Ortseingängen werden die ankommenden Radler mit Informationstafeln empfangen, die auf die oben genannten Attraktionen hinweisen und zum Verweilen in der Stadt einladen.

Beseitigung von Gefahrenstellen

Im Zuge der Radwegeentwicklung ist auch auf die Beseitigung von Gefahrenstellen geachtet worden. An Stellen, an denen Poller nicht entfernt werden konnten, wurden sie durch weiße Markierungsfarbe großflächig kenntlich gemacht. Zudem sind an vielen Stellen zur Verdeutlichung des Radverkehrs Radsymbole auf den Fahrbahnen aufgebracht worden, so zum Beispiel in den für den Radverkehr geöffneten Einbahnstraßen, auf Schutzstreifen und Radfahrstreifen.

Finanzierung

Der überwiegende Teil der beschriebenen Radverkehrsmaßnahmen wurde aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes finanziert. Einige Strecken sind zu 100% von der Stadt bezahlt worden, da sie, wie oben dargestellt, im Zusammenhang mit anderen Zielsetzungen eingerichtet wurden. Die Federführung sowie die Sicherstellung der kontinuierlichen Weiterentwicklung liegt beim Bad Wildunger Stadtbauamt.

Noch unbewältigte Herausforderungen

Noch nicht eingespielt hat sich das erwünschte Verkehrsverhalten in den zwischen 2011 und 2013 errichteten Kreisverkehrsplätzen. Aufgrund der Verkehrsbelastungen werden die Schutzstreifen oder die Radfahrstreifen vor den Kreisverkehren aufgelöst und der Radverkehr auf die Fahrbahn geführt. Anstelle dieser vorgegebenen Führung zu folgen, weichen die Radler jedoch häufig auf die Gehwege aus. Ein weiteres, noch nicht gelöstes Problem ist die rücksichtsvolle Nutzung der Fußgängerzone für den Radverkehr.

Bilanz und Ausblick

Nach der über zehnjährigen Umsetzungsphase hat das Radwegenetz nun eine Qualität erreicht, die eine aktive Bewerbung des Fahrradfahrens im Alltag und in der Freizeit in Bad Wildungen ermöglicht und somit ergänzende nicht-investive Maßnahmen nahe legt. Der Fokus der Öffentlichkeitsarbeit soll auf die Erhöhung des Anteils des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen sowie auf die richtigen und rücksichtsvollen Verhaltensweisen aller Verkehrsteilnehmer (z.B. im Kreisverkehr, in der Fußgängerzone) gelegt werden.

Führt man sich den gegenwärtigen Boom der E-Bikes, mit denen die Bad Wildunger Steigungen locker zu bewältigen sind, vor Augen, war die in 2002 von den politischen Gremien getroffene Entscheidung "pro Radverkehr" zukunftsweisend.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Projekt soll zeigen, dass es auch mit kleinen kontinuierlichen Schritten und ausreichend langem Atem gelingen kann, ein "ganzes" Radwegenetz zu schaffen. Dieses Beispiel ist übertragbar auf viele Klein- und Mittelstädte, die ein auf einem Gesamtkonzept basierendes Radwegenetz etablieren möchten.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Landesmittel
Kommunale Mittel
Sponsoring, Spenden
Sonstige
Erläuterungen: 
Sonstige: Mittel des Stadtmarketings

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Das Projekt soll von Experten begutachtet werden. Noch ist die Vorgehensweise nicht festgelegt.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Stadt Bad Wildungen
Projektbeteiligte: 
Mitarbeiter der Stadtverwaltung, des Stadtmarketings sowie externe Fachleute

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2002
Info zur Laufzeit: 
Das Projekt wird stetig optimiert und zur Aufrechterhaltung der Qualität geprüft.

Kontakt

Kommunale Ansprechpartner: 
Stadtplaner
Herr Robert Hilligus
Stadt Bad Wildungen
Stadtbauamt
Am Markt 1
34537 Bad Wildungen
Telefon: 05621 701 411
Telefax: 05621 701 460
E-mail: robert.hilligus@bad-wildungen.de
WWW: www.bad-wildungen.de