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Radverkehrsplan Schwarzwald-Baar-Kreis

Radverkehrsplan mit webbasierter Bürgerbeteiligung und Ergebnisplattform

Kartograhische Darstellung der für den Radverkehrsplan analysierten Strecken
Kartograhische Darstellung der für den Radverkehrsplan analysierten Strecken © Landkreis Schwarzwald-Baar

Hintergrund

Das Land Baden-Württemberg gewährt zum Bau oder Ausbau von kommunalen Radverkehrsanlagen (Erstinvestition) einmalige Zuwendungen (50%) entsprechend der Richtlinie zur Gestaltung und Förderung von Radverkehrsanlagen (RL-Radinfrastruktur) vom 1. Juni 2012. Die Zuwendungen werden im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel gewährt.

Vor diesem Hintergrund sollte im Landkreis Schwarzwald-Baar ein Radverkehrsplan erarbeitet werden, der die Grundlage zu einer mittel- bis langfristigen Verbesserung der außerörtlichen baulichen Infrastruktur für den Radverkehr bildet. Durch die ganzheitliche Betrachtung des kreisweiten Radverkehrsnetzes wurden Lücken und Gefahrenstellen aufgedeckt und entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung empfohlen. Als Ziel wurde eine Priorisierung der entsprechenden Maßnahmen angestrebt, aus der unter Einbeziehung der geschätzten Baukosten ein Bauprogramm abgeleitet werden sollte. Zusätzlich dazu wurde eine Analyse der im Landkreis bestehenden Bike+Ride-Anlagen durchgeführt und auf ihr basierende Maßnahmenempfehlungen formuliert.

Ausgangslage

Der Radverkehrsplan baut auf einer im Jahr 2009 erarbeiteten Radverkehrskonzeption auf, in der eine Abfrage bei den Kommunen und beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) dazu genutzt wurde, den Ausbaubedarf an klassifizierten Straßen zu ermitteln.

Mit Blick auf die Fahrradnutzung muss man den Schwarzwald-Baar-Kreis im Wesentlichen in die beiden Bereiche Schwarzwald und Baar unterteilen. Im vom Schwarzwald geprägten westlichen Teil des Landkreises ist die Fahrradnutzung bedingt durch die anspruchsvolle Topografie äußerst gering. Kommunenübergreifender Radverkehr existiert praktisch nicht. Das Fahrrad wird hier nahezu ausschließlich im Bereich Freizeit und Tourismus genutzt. Im östlichen Teil, der Baar, wird auch im Alltagsverkehr mehr und mehr auf das Fahrrad zurückgegriffen. Dies gilt insbesondere für das Städtedreieck Villingen-Schwenningen, Bad Dürrheim und Donaueschingen.

Vorgehen

Die Erstellung des Radverkehrsplans umfasste die folgenden Einzelschritte:

  • Grundlagenermittlung: Ermittlung und Darstellung von Quellen und Zielen des Radverkehrs und daraus resultierende Berechnung des verkehrlichen Nutzens aller in Frage kommender Strecken. Sichtung und Auswertung von vorhandenem Daten- und Kartenmaterial sowie Luftbildern. Vor-Ort-Befahrung bei Unklarheiten.
  • Netzentwurf: Entwurf eines kategorisierten Radverkehrsnetzes gemäß den Richtlinien für integrierte Netzgestaltung (RIN), unterteilt in Schnell-, Haupt- und Verkehrsverbindung sowie den zusätzlichen Netzkategorien "Verbindung mit geringem Bedarf" und "Touristische Verbindung".
  • Bedarfsabfrage: Abstimmung der Quellen und Ziele, des verkehrlichen Nutzens sowie des kategorisierten Netzes mit dem Landkreis und den Kommunen im Rahmen von Ortsterminen. Bedarfsabfrage bei den Kommunen.
  • Bürgerbeteiligung: Einbeziehung von Anregungen der Bürger über eine webbasierte Beteiligungsplattform (s.u.).
  • Befahrung: Befahrungen vor Ort und Inaugenscheinnahme der in die engere Auswahl gekommenen Maßnahmen.
  • Maßnahmenentwicklung, Priorisierung: Erstellung der Maßnahmendatenblätter mit Kostenschätzung, Fotodokumentation und Priorisierung. Berechnung des verkehrlichen Nutzens sowie des Kosten-Nutzen-Verhältnisses.
  • Abstimmung: Abstimmung der Maßnahmen und der Priorisierung mit dem Landkreis sowie den Kommunen unter anderem im Rahmen eines internen Verwaltungsworkshops.
  • Vorplanung: Vereinfachte Vorplanung als Grundlage der Förderanträge für die in das 5-Jahres-Bauprogramm aufgenommenen Maßnahmen.
  • Dokumentation: Aufbereitung und Darstellung der Ergebnisse, unter anderem auf der webbasierten Ergebnisplattform.
  • Präsentation: Präsentation der Ergebnisse im Ausschuss für Umwelt, Technik und Gesundheit (AUTG) sowie im Kreistag.

Ergebnisse und weiteres Vorgehen

Der Radverkehrsplan wurde im Juni 2014 fertiggestellt und anschließend im Kreistagausschuss für Umwelt, Technik und Gesundheit vorgestellt und beraten. Die öffentliche Vorstellung und Verabschiedung des Radverkehrsplans erfolgte wenig später, auf der Kreistagssitzung am 14. Juli.

Alle Maßnahmen, die Bestandteil des 5-Jahres-Bauprogramms sind, werden auf Initiative der Kommunen vom Straßenbauamt des Schwarzwald-Baar-Kreises unterstützt und ein entsprechender Förderantrag an das Regierungspräsidium gestellt.

Landkreise und Kommunen können auf Basis der Bauprogramme jeweils bis zum September eines Jahres beim Regierungspräsidium Maßnahmen für das folgende Jahr anmelden. Laut der Richtlinie-Radinfrastruktur 2012 entscheidet das baden-württembergische Ministerium für Verkehr und Infrastruktur bis zum 1. März eines jeden Jahres aufgrund von Vorschlägen der Regierungspräsidien und unter Berücksichtigung der voraussichtlich zur Verfügung stehenden Mittel über die Aufnahme in das LGVFG (Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz)- Programm und über die Gewährung von entsprechenden Zuschüssen. Ein Rechtsanspruch hierauf besteht jedoch nicht.

Des Weiteren werden für den Bund und das Land jeweils eine Empfehlung für ein mittelfristiges Bauprogramm aufgestellt. Das Regierungspräsidium und das baden-württembergische Ministerium für Verkehr und Infrastruktur werden ihre weiteren Radwegeplanungen auf Grundlage dieser Empfehlungen betreiben, insofern dies durch die Kommunen beantragt wird und die benötigten Haushaltsmittel zur Verfügung stehen.

Mit Blick auf das zu erwartende finanzielle Volumen und das daraus resultierende Bauprogramm werden fünf Millionen Euro für fünf Jahre als realistisch eingeschätzt. Dies bedeutet für den Landkreis eine jährliche Belastung in Höhe von 250.000 Euro. Voraussetzung dabei ist die Beteiligung der Kommunen sowie die Förderbewilligung durch das Land Baden-Württemberg.

Bestandteil des Bauprogramms ist zusätzlich zu den baulichen Maßnahmen die Umsetzung einer kreisweiten wegweisenden Beschilderung inklusive der Kosten für Herstellung und Montage.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die Besonderheit bei der Ausarbeitung des Radverkehrsplans Schwarzwald-Baar-Kreis war die umfangreiche webbasierte Bürgerbeteiligung (s.u.). Die dazu eingerichtete Online-Plattform wurde am 16. Juli 2013 von Landrat Sven Hinterseh im Rahmen einer öffentlichen Auftaktveranstaltung freigeschaltet. Danach bestand für einen Zeitraum von drei Monaten die Möglichkeit, Anregungen zu formulieren und einzustellen. Insgesamt haben sich 154 Bürger mit 236 Meldungen beteiligt. Diese Anregungen sind anschließend über einen Gewichtungsschlüssel in die Prioritätensetzung zur Umsetzung der jeweiligen Maßnahme eingeflossen.

Des Weiteren wurde der Radverkehrsplan transparent entwickelt und alle Ergebnisse auf der Ergebnisplattform (s.u.) veröffentlicht. Neben den Ergebnissen findet sich auf der Ergebnisplattform auch eine Stellungnahme zu allen eingegangen Bürgermeldungen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
250 000 €

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Straßenbauamt Schwarzwald-Baar-Kreis

Projektbeteiligte: 
  • Planungsbüro VAR Frankfurt, jetzt Radverkehr-Konzept
  • ADFC
  • Regierungspräsidium Freiburg
  • Bürger
  • Kommunen

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Mai 2013
Projektende: 
Juli 2014

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Geschäftsführer, Projektleiter
Herr Paul Fremer
Radverkehr-Konzept
Franziusstraße 8-14
60314 Frankfurt am Main
Telefon: 069/904342-01
Telefax: 069/904342-02
E-mail: p.fremer@radverkehr-konzept.de
WWW: www.radverkehr-konzept.de
 

Kommunale Ansprechpartner: 

Herr Herbert Steidler
Landkreis Schwarzwald-Baar
Straßenbauamt
Humboldtstraße 11
78166 Donaueschingen
Telefon: 07721 913 5503
Telefax: 07721 913 6950
E-mail: h.steidler@lrasbk.de
WWW: www.lrasbk.de
 

Meta-Info
Stand der Information
3. Juli 2014
Autor
Paul Fremer, Radverkehr-Konzept
NRVP-Handlungsfelder
Radverkehrsplanung und -konzeption
Fahrradthemen
Beteiligung/Partizipation
Planungen/Konzepte/Strategien
Schlagworte
Radverkehrskonzept
Bürgerbeteiligung
Radverkehrsstrategie
Land
Baden-Württemberg