Sie sind hier

Gestaltung eines Routennetzes

Radverkehrskonzeption Sachsen

SachsenNetz Rad
SachsenNetz Rad © Freistaat Sachsen

1. Kurzbeschreibung des Raumes

Der Freistaat Sachsen hat gemeinsame Grenzen mit Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und grenzt an die EU-Nachbarstaaten Polen und die Tschechische Republik. Weite Teile Sachsens sind durch eine bewegte Topografie geprägt, wie zum Beispiel im Süden durch das Erzgebirge und im Südosten durch die Sächsische Schweiz und das Lausitzer Bergland. Mit 4,3 Mio. Einwohnern gehört Sachsen, das etwa halb so groß wie Nordrhein-Westfalen ist, zu den sechs bevölkerungsstärksten Bundesländern. Der Anteil des Radverkehrs an allen Wegen in den Städten reicht von 3,7% (Plauen) bis zu 12,6% in Leipzig (vgl. SMWA 2005).

2. Ausgangssituation

Die erste Radverkehrskonzeption für den Freistaat Sachsen wurde 1996 vom ADFC im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit (SMWA) erstellt. Schwerpunkt dieser Konzeption war der touristische bzw. Freizeitradverkehr. Es umfasste 12 touristische Hauptradrouten erster Priorität und 24 regionale Hauptradrouten zweiter Priorität. Zudem wurde der Bestand des Radverkehrsnetzes in Sachsen bewertet und ein Katalog zu realisierender Baumaßnahmen aufgestellt.

Bedingt durch verkehrs- und umweltpolitische Veränderungen nach 1996 haben sich die Bedingungen für den alltäglichen und touristischen Radverkehr in Sachsen verändert. Das Fahrrad wird zunehmend als Bestandteil der alltäglichen Mobilität begriffen. Eine Förderung des alltäglichen Radverkehrs im Rahmen eines Konzeptes für den Alltagsradverkehr war aber bislang nicht vorhanden oder wurde nicht ausreichend umgesetzt [Dies stellten der ADFC im Rahmen einer Petition an den Sächsischen Landtag (2000) und die SPD-Fraktion im Rahmen einer großen Anfrage (2001) zum "Alltagsradverkehr in Sachsen" (DS 3/4460) fest.]. Um die Rahmenbedingungen für den Radverkehr als System zu verbessern, wurde im Jahre 2001 beschlossen, die Radverkehrskonzeption fortzuschreiben.

3. Radverkehrskonzeption

Die überarbeitete Radverkehrskonzeption wurde dann nach vier Jahren als 2005 als Entwurf veröffentlicht und 2006 in der Endfassung von der Landesregierung beschlossen. Sie richtet sich an die Handlungsträger der Verkehrspolitik auf Landesebene, der Kommunalpolitik und der kommunalen Verkehrsplanung, die sächsische Straßenbauverwaltung, Verantwortliche für den Tourismus in Sachsen (Tourismusverbände, Landestourismusverband, Tourismusmarketinggesellschaft), angrenzende Bundesländer und Nachbarstaaten, Vergabestellen für Fördermittel und Planungsbüros. Mit der Überarbeitung der Radverkehrskonzeption werden folgende Ziele bzw. Maßnahmen verbunden:

  • Aktualisierung von Verlauf, Ausbau- und Beschilderungsgrad der touristischen Hauptradrouten (Einteilung in Radfernwege und regionale Hauptradrouten) und die Entwicklung des SachsenNetz Rad
  • Komplettierung durch Ausweitung auf kreisfreie Städte
  • Aufnahme regionaler Radrouten, die das Netz der touristischen Hauptradrouten ergänzen (z.B. zur Erschließung wichtiger touristischer Punkte)
  • Aktualisierung sowohl von Bestand als auch Bedarf der Radverkehrsanlagen für den Alltagsverkehr an überörtlichen Straßen
  • Verbesserung der kartografischen Darstellung durch Verwendung digitaler Karten (Maßstab 1: 50.000 bei Landkreisen, 1:25.000 bei ausgewählten Städten)
  • Beschilderungsmanagement touristischer Hauptradrouten als Grundlage einer verstärkten Projektarbeit für Infrastrukturverbesserung und Vermarktung des Hauptradroutennetzes (Wegweisungsrichtlinie)
  • Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans

Die Radverkehrskonzeption Sachsen wurde nach der Abstimmungsphase von der sächsischen Staatsregierung beschlossen. Die generelle Zielsetzung der Radverkehrskonzeption wird zukünftig in den Landesverkehrsplan übernommen.

Geleitet wurde der in etwa vier Jahre dauernde der Gesamtprozess einschließlich der ressortübergreifenden Abstimmung durch das SMWA. Begleitet wird das Vorhaben durch den Arbeitskreis Radverkehr des SMWA, der den Auftragnehmern dieses Vorhabens in allen Phasen als autorisierter Ansprechpartner zur Verfügung steht. Mitglieder des Arbeitskreises sind die zuständigen Regierungspräsidien. Für fachübergreifende Fragen werden die entsprechenden Ressorts einbezogen [Staatsministerium für Soziales (SMS), Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), Staatsministerium des Inneren (SMI), Staatsministerium für Kultus (SMK)]. Beispielsweise empfiehlt das SMWA gemeinsam mit dem Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft für das SachsenNetz Rad die Anwendung der Asphaltbauweise.

Die Radverkehrskonzeption soll im Zwei-Jahres-Rhythmus fortgeschrieben werden. Die zuständigen Baulastträger sollen in einem festgelegten Turnus ihre fertig gestellten Maßnahmen melden. Eine Beteiligung von Vereinen und Verbänden wird noch geprüft. Auf Bedarfsveränderungen kann somit reagiert werden (Hinzukommen neuer Ziele, Wegfall von Zielen). Die Fortschreibungen werden zukünftig im Internetauftritt des SMWA veröffentlicht.

4. SachsenNetz Rad

Das SachsenNetz Rad wird aus den Radrouten erster und zweiter Priorität der alten Konzeption von 1996 entwickelt und um weitere Strecken ergänzt. Die Routenziele des SachsenNetz Rad wurden mit den Nachbarstaaten und -ländern abgestimmt. Den kommunalen Planern steht somit ein vollständiges überlokales Zielsystem zur Verfügung.

Für die Aufnahme von Radwegen in das SachsenNetz Rad ist die Erfüllung von Qualitätsstandards erforderlich. Die Oberflächenbefestigung der Wege ist in Asphaltbauweise durchzuführen, um einen allwettertauglichen Belag mit geringen Unterhaltskosten und geringem Rollwiderstand zu gewährleisten. Ist aus ästhetischen oder ökologischen Gründen ein Abweichen von dieser Bauweise erforderlich, sind verschiedene vorgegebene Modifikationen zu prüfen (z.B. Aufhellung des Mischgutes, kombinierte Pflaster-/Asphaltdecke, ungefasstes Betonsteinpflaster). Die Regelbreite der Wege ist entsprechend den "Empfehlungen zur Anlage von Radverkehrsanlagen" (ERA 95) und der Verwaltungsvorschrift der Straßenverkehrsordnung zu wählen, allerdings wird eine Mindestbreite von 2,25 m empfohlen. Die Routen sollen möglichst umwegarm gestaltet und mit einer konsistenten Wegweisung versehen werden. Zudem ist eine touristische Infrastruktur in der Nähe der Wege erforderlich, auf die an den Wegen hingewiesen werden soll. Weitere Standards wurden für die sichere Befahrbarkeit der Wege und die sichere Überquerbarkeit von Straßen definiert. Abschließend wurden wünschenswerte Qualitätsstandards formuliert, die eine komfortable und attraktive Routenführung gewährleisten sollen.

5. Wegweisung

Ein wichtiger Qualitätsstandard des SachsenNetz Rad ist eine konsistente Wegweisung. Hierfür wurde die "Richtlinie zur Fahrradwegweisung im Freistaat Sachsen" erarbeitet. Sie ist nach dem entsprechenden Merkblatt der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen erstellt und um landesspezifische Besonderheiten (z.B. SachsenNetz Rad) ergänzt worden. Ziele dieser Richtlinie sind die Durchsetzung eines einheitlichen Beschilderungsstandards (hinsichtlich Gestaltung, Inhalt, Qualität), die Vereinfachung und Standardisierung der Arbeitsabläufe bei der Planung und Installation der Wegweisung, sowie die effektive und dauerhafte Wartung. Die Zielspinnen der Wegweiser sind dem landesweiten Zielsystem des SachsenNetz Rad zu entnehmen.

Neben der wegweisenden Beschilderung wurden auch einheitliche Standards für Ortseingangsschilder und touristische Informationstafeln erstellt. Zudem wurden für die touristischen Routenlogos einige Gestaltungsgrundsätze festgelegt (z.B. hinsichtlich der Lesbarkeit auch aus größerer Entfernung, der Entwicklung von Routen-Logo und –Namen) und die bestehenden Routenlogos hinsichtlich dieser Grundsätze überprüft. Zum Abschluss der Richtlinie wird eine Musterausschreibung für die Beschilderung der Routen vorgestellt. Die Wegweisung entsprechend der Richtlinie wird mit 75 % vom Land gefördert (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG)). Förderfähig ist der Neu- und Ausbau der Wegweisung, nicht jedoch die Planung. Eine jährliche Befahrung der ausgeschilderten Routen ist angedacht, jedoch noch nicht gesichert. Die Wartung der Wegweisung obliegt dem jeweiligen Baulastträger.

6. Bauprogramm

Zur Verbesserung der Wegeinfrastruktur ist im Rahmen der Fortschreibung der Radverkehrskonzeption ein Bauprogramm in Form einer abgestuften Dringlichkeitsliste erstellt worden. Das Programm enthält neben dem Bauprogramm an Bundes- und Staatsstraßen auch Bedarfsmeldungen an Kreisstraßen. Die Finanzierung des Programms ist allerdings nur für die Bundesstraßen (ca. 5 Mio. Euro jährlich) und Staatsstraßen (ca. 1 Mio. Euro jährlich) gesichert. Bei der Aufstellung des Bauprogramms fanden die Einsatzgrenzen für die Anlage von Radverkehrsanlagen Beachtung. Die bautechnische Überprüfung erfolgt erst im Nachgang zum Bauprogramm durch die zuständige Straßenbauverwaltung.

7. Ausblick

Weitere Maßnahmen befinden sich noch in der Abstimmung und müssen vor allem noch mit der Politik diskutiert werden. Angedacht ist die Initiierung einer Arbeitsgemeinschaft "Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in Sachsen", um die Öffentlichkeit und die sächsischen Kommunen stärker für die Belange des Radverkehrs zu sensibilisieren. Als Mitglieder sollen neben der Staatsregierung die kommunalen Spitzenverbände gewonnen werden. Zudem ist eine Überarbeitung des Internetauftrittes des SMWA für 2005/2006 vorgesehen, in deren Rahmen die Konzeption allen Nutzern zugänglich gemacht werden soll.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Bauprogramm für alle klassifizierten Straßen ist wegen seiner baulastträgerübergreifenden Investitionsplanung entsprechend der sachlich begründeten Dringlichkeit hervorzuheben. Ferner wurde ist die verbesserte Koordinierung von Radverkehrsplanungen zwischen Kreisen und Kommunen als Prozessergebnis positiv zu bewerten. Mit der Richtlinie zur Wegweisung und der Übersicht über die Fördermittel wird den zuständigen Fachplanern durch das Land ein Planungshandbuch für ihre praktische Arbeit zur Verfügung gestellt. Förderlich ist zudem, dass das Land ein landesweites Zielsystem mit den Routenzielen in den Nachbarländern und -staaten für nachgeordnete Planungsträger zur Verfügung stellt.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit (SMWA)
Projektbeteiligte: 
  • Regierungspräsidien
  • Straßenbauämter
  • Landkreise
  • Kommunen
  • weitere Ressorts der Staatsregierung
  • Tourismusverbände
  • benachbarte Bundesländer
  • ADFC Sachsen

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Abteilung Verkehr, Referat 62
Wilhelm-Buck-Straße 2
01095 Dresden

Herr Ulrich Skaruppe
ADFC Sachsen
Grünewaldstr. 19
04103 Leipzig

Meta-Info
Stand der Information
31. Mai 2006
Autor
Patrick Hoenninger, Axel Beyer (Planersocietät)
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Sachsen