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INTERREG-Projekt "Baltic Sea Cycling"

Radverkehrsförderung in der Region Rostock

1. Kurzbeschreibung des Vorhabens

Die Partner im INTERREG-Projekt "Baltic Sea Cycling" haben sich das Ziel gesetzt, gemeinsam Strategien für eine Verbesserung der Radverkehrssituation in den beteiligten Städten und Regionen zu entwickeln. Der Erfahrungsaustausch soll die Identifizierung von Lösungen lokaler Probleme erleichtern.
In der teilnehmenden Region Rostock wurde eine Arbeitsgruppe aus Hansestadt Rostock, Landkreis Bad Doberan und ADFC Rostock gegründet. Die enge Kooperation in der Öffentlichkeitsarbeit, die Kosten spart, Informationsverluste minimiert, die regionale Identität stärkt und so das Ziel einer "Fahrradregion Rostock" verfolgt, ist besonders hervorzuheben.

2. Projektbeschreibung

Ziel des Projekts "Fahrradregion Rostock" ist eine prinzipielle und institutionalisierte Koordination aller Planungen und Vorhaben für den Radverkehr zwischen Hansestadt und Landkreis. Dazu verständigten sich die Beteiligten in einem Arbeitsgremium auf freiwilliger Basis und "auf gleicher Augenhöhe". Vor dem Hintergrund eingeschränkter Haushaltsspielräume stehen dabei kostengünstige Maßnahmen im Vordergrund. Ferner soll versucht werden, die Schnittstellen zwischen Fahrradtourismus und Alltagsradfahren zu nutzen, damit Radfahren im Alltag von der gestiegenen Bedeutung des touristischen Bereichs profitieren kann. In der projektbezogenen AG wird die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden verstärkt, um bauliche Mängel im Radverkehrsnetz zu beseitigen. So wurden von Seiten des Umweltamtes der Stadt Rostock (als lokalem Projektmanager) die Verbindungen zum Hafen- und Tiefbauamt, zu den Verkehrsbehörden, zum Agenda-21-Büro und zur Pressestelle genutzt, um das Projekt ämterübergreifend in der Verwaltung zu verankern.

Auch wenn sich der Radverkehrsanteil in Rostock in den letzten Jahren stetig leicht erhöht hat, ist man vom Prädikat "fahrradfreundliche Stadt" noch weit entfernt. Für die Verbesserung des Alltags-Radverkehrs v.a. durch beispielhafte, innovative Maßnahmen stehen Projektmittel in geringem Umfang zur Verfügung. Als Vorbild dienen die schwedischen Partnerstädte mit kreativen und kostengünstigen Lösungen vor. Bei den neuen Infrastruktur-Vorhaben sollen grundsätzlich die Belange des Rad- und Fußverkehrs berücksichtigt werden.

Es wird seitens des Landkreises das Ziel verfolgt, das kommunale Engagement (z.B. Routenwegweisung) abzustimmen und zu bündeln, um isolierte Einzelmaßnahmen zu verhindern. Dazu wurde im Landkreis Bad Doberan ein Workshop mit Verantwortlichen für den Radverkehr veranstaltet. Damit sollte ein Informationsaustausch und der Aufbau eines Netzwerks verfolgt werden und dabei die Notwendigkeit gemeindeübergreifenden Handelns aufgezeigt werden. Der Wunsch nach einer regelmäßigen Wiederholung war vorhanden, allerdings ließ sich langfristig kein Ausrichter finden.

Der Landkreis Bad Doberan hat gute Voraussetzungen für den Tourismus und fördert diesen Wirtschaftsbereich u.a. mit dem Ausbau von Radwegen. Dies erklärt, dass die Förderung des Alltagsradverkehrs sowie dessen Nutzung nur eine untergeordnete Rolle spielen. Im Projekt sollen die Ursachen dafür untersucht, Stärken und Schwächen aufgedeckt und Verbesserungen vorschlagen werden. Da im Landkreis die Möglichkeiten des (Alltags-)Radverkehrs begrenzt sind, werden beispielhaft Routen zur Verknüpfung mit dem ÖPNV und insbesondere mit dem SPNV untersucht.

3. Schwerpunkt informatorische Maßnahmen

Im Rahmen der Schwerpunktsetzung auf kostengünstige, informatorische Maßnahmen steht die Öffentlichkeitsarbeit im Mittelpunkt. Besonders erwähnenswert ist die gemeinsam von den drei Projektbeteiligten getragene Kampagne "Fahrradregion Rostock". Dabei wurde das Projekt wie eine neue Marke behandelt. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wurden eine Internetseite, ein Kinospot, Postkarten und Werbeplakate entwickelt. Der Kinospot lief erfolgreich in den Kinos und privaten Fernsehprogrammen der Region und man kann ihn sich auf der Website anschauen unter: http://www.fahrradregion-rostock.de/news.php?id=44. Weiterhin wurde ein Informationsflyer herausgegeben, der über das Projekt "Baltic Sea Cycling", die Ziele für die Region sowie die geplanten Maßnahmen informiert. Weitere Flyer zu den Themen "Fahrradabstellanlagen" und "studentischer Radverkehr" sind in Vorbereitung. Die Fahrradkarte der Stadt Rostock soll in der nächsten Auflage auf den Landkreis ausgedehnt werden. Durch den Verkauf und Werbeeinnahmen in der geförderten Auflage soll die finanzielle Grundlage für sich selbst tragende regelmäßige Aktualisierungen und Neuauflagen zu schaffen. Eine Internetseite wird zur Information über das Projekt sowie als Diskussionsforum betrieben. Dort können Radfahrer auch Mängelformulare für den Radverkehr online ausfüllen und Fotos der Mängel einstellen, die an die zuständige Verwaltungsstelle weitergeleitet werden.

Mit dem Wettbewerb "Gewinnfaktor Fahrrad", bei dem fahrradfreundliche Betriebe prämiert werden, wurden Anreize für das Fahrradfahren geschaffen. Durch die Adaption dieses Wettbewerbs, der auf eine Aktion des VCD Schleswig-Holsteins zurückgeht, konnten auch Unternehmen eingebunden werden.

Neben diesen gemeinsamen Aktivitäten haben die drei Projektpartner aber auch alleinige Zielstellungen. So hat der Landkreis Doberan vorrangig die Verbesserung der Stadt-Umland-Verbindungen für radfahrende Pendler im Auge. Ziel ist es eine Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf das Fahrrad. Hierzu sollen auch Radrouten beschildert werden.

Die Hansestadt Rostock hat sich als erste Stadt in den neuen Bundesländern 2005/6 dem Fahrradpolitikaudit BYPAD-Audit unterzogen und so ihre Stärken und Schwächen der Radverkehrsförderung analysieren lassen. Ein Radverkehrsförderprogramm ist das wesentlichste Resultat des Prozesses. Der ADFC Rostock führte einen "Fahrradklimatest" durch, bei dem die Radfahrer den Komfort, das Klima und die Sicherheit des Radfahrens in Stadt und Landkreis einschätzten. Ferner wird der Fahrradstadtplan neu aufgelegt und dabei der Landkreis integriert. Zusätzlich wird an einer internetbasierten Kartenlösung gearbeitet.

Das Projekt verfolgt einen Bottom-up-Ansatz, da durch Information und Sensibilisierung der Beteiligten die Ziele und Inhalte der Radverkehrsförderung Eingang in die öffentlichen Planungen finden oder dort ein stärkeres Gewicht bekommen. Die Schaffung eines Fahrradbeauftragten und die Einführung einer Fahrradabstellordnung konnten in den letzten Jahren nicht durchgesetzt werden. Da das Ziel des Projektes die Erhöhung des Radverkehrsanteils durch Förderung des Alltagsradverkehrs ist, sollen Verwaltung und Bürger für das Thema "Radverkehr" sensibilisiert werden, was sich bereits jetzt durch deutlich vermehrte Präsenz der Radverkehrsthematik in den Medien und in der politischen Diskussion widerspiegelt.

4. Umsetzungsbedingungen

Da die Kosten- und Zeitbudgets der Beteiligten limitiert sind, ist das für das Gelingen notwendige, über das festgesetzte Maß hinausgehende Engagement vom persönlichen Einsatz abhängig. Ferner wird ein sehr gutes persönliches Verhältnis zwischen den Akteuren als Vorraussetzung für einen reibungslosen Ablauf und die konstruktive Lösung von Konflikten angesehen. Der ADFC ist darauf angewiesen, dass die Umsetzung von Zielen in der Verwaltung selbstständig geschieht, da umfangreiche Planungsleistungen nicht selbst erbracht werden können.

Die internationale Ausrichtung des Projekts sensibilisiert aufgrund der sehr unterschiedlichen Vorraussetzungen für den Radverkehr in den beteiligten Ländern die Projektpartner für verschiedene Problemstellungen. Die Motivation, die eigenen Ziele und Maßnahmen an den höchsten vorhandenen Standards bzw. der besten Umsetzung zu orientieren (hier z.B. Schweden), wird durch den Benchmarking-Effekt gesteigert (v.a. in den Verwaltungen).

Basisdemokratische Abwägungen von Details mit allen Beteiligten oder unter der Einbeziehung von Externen (andere Ämter) sind wichtig für ein abgestimmtes, tragfähiges Vorgehen, gestalten sich jedoch mitunter schwierig oder langwierig. Bestrebungen von Projektpartnern, eigene, neue Maßnahmen zu konzipieren (z.B. Abstellanlagen), anstatt auf Bewährtes und Vorhandenes zurückzugreifen, benötigte viele Projektressourcen.

Die projektbeteiligten Personen müssen von den entsendenden Institutionen mit einem Höchstmaß an Entscheidungsfähigkeit und Entscheidungskompetenz ausgestattet werden, damit Entscheidungen im Projekt eine hohe Verbindlichkeit bekommen und nicht erst die Beteiligung ansonsten unbeteiligter Vorgesetzter erfordern.

5. Ausblick

Nach Ablauf des Projekts wird die Verbindung zwischen ADFC und der Rostocker Verwaltung zumindest über den Arbeitskreis Radverkehr bestehen bleiben, auch wenn mit einer geringeren Regelmäßigkeit der Zusammenarbeit gerechnet wird. Es besteht eventuell die Möglichkeit, das Projekt an den regionalen Planungsverband abzugeben, der ein übergreifendes Radverkehrskonzept für die Planungsregion "Mittleres Mecklenburg/Rostock" formulierte, das allerdings nur geringe praktische Relevanz hat.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Enge finanzielle Spielräume kommunaler Gebietskörperschaften sind eine weit verbreitete Restriktion bei der Radverkehrsförderung. Außerdem erfolgt häufig eine stärkere Förderung des Radtourismus als des Alltagsradverkehrs. Im Projekt "Fahrradregion Rostock" werden Maßnahmen für beide Aspekte entwickelt und geben so Hinweise für die Übertragung auf andere Regionen, insbesondere für die Gestaltung von Stadt-Umland-Beziehungen. Der Schwerpunkt liegt nicht auf infrastrukturellen, sondern organisatorischen und informatorischen Maßnahmen, die weniger wesentlich kostenintensiv sind und schneller umgesetzt werden können. Dabei ist die Initiierung, Einbindung und Förderung in ein EU-Projekt zwar eine besondere Bedingung, jedoch sind die Maßnahmen auch ohne diesen Projektverbund umsetzbar. Wichtig bei Vorhaben zur koordinierten Radverkehrsförderung durch mehrere Gebietskörperschaften ist der hohe persönliche Einsatz der Beteiligten und die Verständigung auf gemeinsame Ziele.

Finanzierung

Finanzierung: 
EU-Mittel
Kommunale Mittel
Sonstige
Gesamtvolumen: 
200 000 €
Erläuterungen: 
Investition: Budget ADFC: ca. 80.000 Euro, Budget Stadt Rostock und Landkreis: ca. 120.000 Euro
EU-Mittel (INTERREG IIIB): 75% (Ziel-I-Fördergebiet)
Kommunale Mittel (Eigenanteil der Projektpartner): 25% in Form von Arbeitsleistung
Sonstige: ADFC (Eigenanteil der Projektpartner): 25% in Form von Arbeitsleistung

10% des Budgets werden für die Projektkoordination abgeführt.

Wäre der Eigenanteil nicht durch Arbeitsstunden, sondern monetär abzuleisten gewesen, hätte sich der ADFC sehr wahrscheinlich nicht am Projekt beteiligen können. Teilweise liegt der Arbeitseinsatz deutlich über dem definierten Mindestwert.

Der bürokratische Aufwand für den Fördergeber erfordert sehr viel Zeit und hält die eigentliche Projektarbeit auf. Von Seiten der Stadt Rostock wurde die Erledigung dieser Arbeiten (z.B. Anfertigung von Finanz- und Aktivitätsreports für das EU-Interregbüro) an ein externes Unternehmen vergeben.

Bei den Projektbeteiligten wurden vorab gemeinsam beschlossen, welche Maßnahmen sich in welcher Art mit der gesamten Summe der vorhandenen Budgets realisieren lassen. Die Mittel konnten dadurch effizienter genutzt werden.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Analyse (qualitative Interviews, Sekundärquellen) als Fallbeispiel durch das NRVP-Projekt "Koordinierung"; weitere Evaluation durch EU-Interregbüro (Finanz- und Aktivitätsberichte)

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Landkreis Doberan
  • Stadt Rostock
  • ADFC Rostock
Projektbeteiligte: 
  • Stadt Rostock
  • Landkreis Doberan, einschließlich der Gemeinden

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
September 2004
Projektende: 
August 2007

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Herr Thomas Möller
ADFC Rostock
St.-Georg-Str. 60
18055 Rostock
Telefon: +49(0)381/6602301
E-mail: thomas.moeller@adfc-rostock.de

Kommunale Ansprechpartner: 
Frau Sabine Kattge
Landkreis Bad Doberan
Wirtschaftsförderung
August-Bebel-Str. 3
18209 Bad Doberan
Telefon: +49(0)38203/60623
E-mail: sabine.kattge@lk-dbr.de

Herr Steffen Nozon
Hansestadt Rostock
Amt für Umweltschutz
Holbeinplatz 14
18069 Rostock
Telefon: +49(0)381/3817328
E-mail: steffen.nozon@rostock.de

Meta-Info
Stand der Information
9. September 2005
Autor
Patrick Hoenninger, Bastian Berkenkamp/Planersocietät, Dortmund
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Mecklenburg-Vorpommern