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Planung auf regionaler Ebene

Radverkehrsförderung in der Region Frankfurt/Rhein-Main

Regionales Radroutennetz Rhein-Main
Regionales Radroutennetz Rhein-Main © Planungsverbandes Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main

1. Kurzbeschreibung des Raums

Der Norden des Verbandsgebietes ist eher durch landwirtschaftlich genutzte Flächen und den Taunus geprägt, während der Süden größere Waldflächen aufweist. Der Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main (PVFRM) umfasst drei Kreise sowie 75 Gemeinden und Städte mit rund 2,17 Mio. Menschen, davon derzeit 645.000 Einwohner in der Stadt Frankfurt. Zusammen mit der unmittelbar angrenzenden kreisfreien Stadt Offenbach bevölkern ca. 770.000 Einwohner den Ballungskern.

Innerhalb der Agglomeration ist ein großes Pendleraufkommen festzustellen. Im Verbandsgebiet sind 1,26 Mio. PKW bzw. 577 PKW/1.000 Einwohner zugelassen [Deutschland (2004): 517 PKW/1.000 EW]. Das Fahrrad wird als Verkehrsmittel unterdurchschnittlich, insbesondere für die tägliche Nutzung und somit auch im Berufsverkehr, genutzt [Alltagsradnutzung: Region Rhein-Main 17%; Deutschland 19%; Freizeitradnutzung: Region Rhein-Main 6-7%; Deutschland 9% (Mobilität in Städten - SrV 2003)]. Allerdings nahm in der Stadt Frankfurt in den letzten fünf Jahren die Radnutzung deutlich zu bzw. wies unter allen Verkehrsmitteln die deutlichsten Veränderungen auf (bezogen auf die Wegehäufigkeit). [Während der Radverkehr von 6% (1998) auf 9% (2003) zugenommen hat und der Verkehr zu Fuß von 29% auf 30% gestiegen ist, ging der MIV von 40% auf 38% und der ÖV von 25% auf 23% zurück (Mobilität in Städten - SrV 2003).]

2. Prozess- und organisationsbezogene Projektbeschreibung

Grundlage für die Entwicklung einer "Fahrradregion Frankfurt/Rhein Main", war die Gründung des Planungsverbandes Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main am 1.4.2001. Mit dem Gesetz zur Stärkung der kommunalen Zusammenarbeit und Planung in der Region Rhein-Main (v.a. Art. 3) wurde der bisherige Umweltverband Frankfurt zum 31.03.2001 aufgelöst. Die Aufgabe der gemeinsamen Flächennutzungsplanung ging auf den neuen Planungsverband mit 75 Städten und Gemeinden über und wurde um die Aufgabe der Aufstellung eines regionalen Flächennutzungsplanes erweitert [Bis zur Rechtswirksamkeit des regionalen Flächennutzungsplanes (geplant 2009) gelten die Flächennutzungspläne des früheren Umlandverbandes Frankfurt und der 32 hinzu kommenden Kommunen.]. Außerdem ist nach §1 Ballungsraumgesetz (BallrG) auch die regionale Verkehrsplanung und das regionale Verkehrsmanagement Aufgabe des Planungsverbandes.

Auf Initiative des Planungsdezernenten wurde von der Verbandskammer beschlossen, ein regionales Radroutennetz in den regionalen Flächennutzungsplan (RFNP) aufzunehmen und wurde sogar im Leitbild festgelegt: "Als Bestandteil des Individualverkehrsnetzes wollen wir ein regionales Radroutennetz für den alltäglichen Verkehr ausbauen. Daneben soll auch das Fuß- und Radwegenetz erweitert werden, um sich in beschaulichem Tempo die Region Frankfurt/ Rhein-Main erschließen zu können" (PV 2005: 18, siehe unter "weitere Informationen"). Dieses Radroutennetz ist für den Alltagsradverkehr vorgesehen, da der Planungsverband keine Zuständigkeit mehr für Freizeitrouten besitzt.

3. Maßnahmen

Der Planungsverband initiierte bzw. trägt verschiedene Maßnahmen, um die Region zur "Fahrradregion Frankfurt/Rhein-Main" zu entwickeln. Hierfür wurde die Stelle eines regionalen Radverkehrsbeauftragten in der Verkehrsplanungsverwaltung des Planungsverbands eingerichtet, der sich ausschließlich mit der Radverkehrsplanung befasst. Seine Aufgaben umfassen folgende Projekte, die anschließend vorgestellt werden:
1. Planung des regionalen Radroutennetzes
2. Organisation und Moderation des "RADforum Rhein-Main"
3. Projektsteuerung des Projektes "bike & business"
4. Koordination regionaler Projekte

3.1 Regionales Radroutennetz im regionalen Flächennutzungsplan (RFNP)

Mit der Aufstellung des bundesweit ersten regionalen Flächennutzungsplanes und der damit verbundenen Ausweisung eines regionalen Radroutennetzes haben sich die Region und der Planungsverband in ein neues Themenfeld begeben [Die Darstellungsmöglichkeiten ergeben sich aus dem BallRG, das den für Regionalpläne üblichen Maßstab 1:500.000 festlegt.]. Auf Beispiele anderer Regionen konnte daher nur sehr begrenzt zurückgegriffen werden. Hauptziel der Ausweisung im RFNP ist die Trassensicherung der Routen, die die Siedlungsgebiete flächendeckend vernetzen sollen. Dies geschieht in enger Abstimmung mit den Kommunen, Kreisen und Ämtern für Straßen- und Verkehrswesen.

Das regionale Radroutennetz ist auch die Grundlage einer regionalen Wegweisung sowie von Kartenwerken (z.B. Radwanderkarten). Der RFNP befindet sich momentan in der Abstimmungsphase. Die Routen im RFNP sollen mindestens die Standards der Empfehlungen zur Anlage von Radverkehrsanlagen (ERA 95) erfüllen. Durch die verstärkte Nutzung von Wirtschaftswegen ergibt sich häufig der Vorteil, dass diese eine kürzere Verbindung als Straßen mit begleitenden Radwegen darstellen. Dafür musste im Vorfeld mit den Kreisen und dem Landesbetrieb Hessen-Forst die Verkehrssicherungspflicht abgestimmt werden [Es wurde beschlossen, dass der Wegestandard nach dem Hessischen Forstgesetz ausreichend ist für die Ausweisung von Radrouten.]. Momentan sind jedoch noch Lücken im Netz vorhanden, bei deren Schließung vorrangiges Ziel ist, die Arbeitsstätten anzubinden (v.a. Gewerbegebiete), um den Alltagsradverkehr zu fördern.

Das regionale Radroutennetz im RFNP ist zudem eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für die Bewilligung von Fördermitteln durch das Land bzw. den Bund (Finanzausgleichgesetz des Landes (FAG), Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG)). Die mit den ausgewiesenen Routen bzw. Wegen verbundene Unterhaltung liegt beim jeweiligen Baulastträger. Der ADFC Hessen wurde vom Land Hessen damit beauftragt, die Qualitätssicherung (Kontrolle) der Radfernwege zu übernehmen. Außerdem soll durch dessen Beteiligung eine möglichst große Praxisnähe sichergestellt werden.

3.2 RADforum Rhein-Main

Das RADforum Rhein-Main ist ein regionales Kooperationsmodell mit dem Ziel einer deutlichen Steigerung des regionsweiten Radverkehrsanteils. Es wurde 2003 als begleitende Maßnahmen zur Aufstellung des RFNP gegründet und findet halbjährlich statt. Neben der Abstimmung des regionalen Radroutennetzes bietet das RADforum auch eine Plattform zur Intensivierung des Erfahrungs- und Informationsaustauschs, zur Integration des Radverkehrs in das Gesamtsystem der Stadt- und Verkehrsplanung, zur Unterstützung regionaler Radverkehrsprojekte (u.a. "bike & business") und zur Entwicklung gemeinsamer Aktivitäten der Öffentlichkeitsarbeit. Der Bestand des RADforums ist bis zum Abschluss des Aufstellungsverfahrens des RFNP gesichert (ca. 2007), soll aber nach derzeitigem Stand darüber hinaus fortgesetzt werden.

Das RADforum gliedert sich in drei Ebenen:

  • Plenum (halbjährlich)
  • AG überörtliche Planung (vierteljährlich)
  • AG Grundsatzfragen

Mitglieder des halbjährlichen Plenums sind neben dem Planungsverband Vertreter aller Kommunen und Kreise des Verbandsgebietes, des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, des Hessischen Landesamtes für Straßen- und Verkehrswesen, der zuständigen Ämter für Straßen- und Verkehrswesen, des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft traffiQ und des ADFC Hessen. Im Plenum findet der Informations- und Erfahrungsaustausch zu aktuellen Fragestellungen in der Radverkehrsplanung und -politik statt. Informationen zu Themenschwerpunkten werden vermittelt, die wesentlich im Erkenntnistransfer aus Good-practice-Beispielen liegen. Damit soll die Akzeptanz der Radverkehrsförderung erhöht werden, ohne Gefahr zu laufen, dass die Beispiele aufgrund spezifischer Gegebenheiten als unrealistisch eingestuft werden. Das RADforum wird vom Planungsverband moderiert und zählt regelmäßig ca. 55 Personen. Die Mitglieder werden regelmäßig mittels eines E-Mail-Verteilers informiert. Es ist geplant, das nächste Forum zu einem Kongress auszuweiten, bei dem politische Vertreter eingebunden werden soll.

Die Mitglieder der AG "überörtliche Planung" sind mit Ausnahme der kreisangehörigen Kommunen die Mitglieder des Plenums. Die AG, die sich im vierteljährlichen Rhythmus trifft, befasst sich konzeptionell und umsetzungsorientiert mit dem regionalen Radroutennetz. Wichtig für den Planungsverband sowie für die Aufstellung des RFNP ist es, hier Informationen zum Planungsstand des regionalen Radroutennetzes zu geben und frühzeitig Rückkopplungen zur Netzplanung zu bekommen.

Die AG "Grundsatzfragen" ist die Steuerungsgruppe des RADforums. Mitglieder sind einzelne Vertreter aller Verwaltungsebenen, der Planungsverbands und des ADFC. Da es Aufgabe dieser AG ist es, grundsätzliche Fragen zu klären, tritt sie nur im Bedarfsfall zusammen.

3.3 "bike & business" (b & b)

Dieses Projekt ist vom ADFC Hessen initiiert und läuft seit 2002 unter der Federführung des ADFC Hessen und des Planungsverbandes begleitet durch ein Projektteam. Das Projektteam umfasst neben dem Planungsverband und dem ADFC Hessen den RMV, traffiQ, das Klimabündnis e.V. und den Verbund Selbstverwalteter Fahrradbetriebe e.V. Schirmherr des auf zehn Jahre angelegten Projekts ist der hessische Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung. Das Projektbüro für "bike & business" ist beim ADFC angesiedelt.

Der Ansatz des Projekts liegt in der Verknüpfung der Interessen Fahrrad fahrender Mitarbeiter mit denen ihrer Unternehmen, der Verbesserung des Images des Fahrrads als modernes Verkehrsmittel, der konzeptionellen Einbeziehung des öffentlichen Personennahverkehrs und insbesondere der Stärkung des alltäglichen Radverkehrs im System lokaler und regionaler Verkehrspolitik und -planung. Zudem wurde eine Kooperation mit dem Mietradsystem der DB "call a bike" in Frankfurt erreicht.

Zu Beginn wurden je eine Kommune der sechs Kreise des Planungsverbandes ausgewählt. Mittlerweile nehmen neun Kommunen am Projekt teil. "bike & business" wird gezielt in den Betrieben vorgestellt. Dabei wird das von ADFC und AOK initiierte Projekt "Mit dem Rad zur Arbeit" integriert. Dabei ist zwischen "bike & business" mit dem Ziel, für den Berufsverkehr das Umsteigen vom Auto auf das Rad in Verbindung mit der ÖPNV-Nutzung, und "Mit dem Rad zur Arbeit" als ein Projekt mit einem Aktionszeitraum zur Gesundheitsfürsorge in Verbindung mit der Förderung der Fahrradnutzung zu unterscheiden. Zur Zeit nehmen 14 Behörden und Unternehmen am "bike & business"-Projekt teil:

  • Deutsche Bundesbank
  • Deutsche Flugsicherung
  • GTZ
  • Deutscher Wetterdienst
  • FRAPORT
  • Hewlett Packard (Bad Homburg)
  • Industriepark Wolfgang
  • Paul-Ehrlich-Institut
  • T-Com
  • Stadtverwaltungen Bad Homburg, Frankfurt, Hanau, Offenbach.

Die Ausweitung des Projekts auf weitere Unternehmen und Kommunen ist geplant.

Zudem soll in einer weiteren Phase ein "Netzwerk Fahrradkuriere Rhein-Main" nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens initiiert werden. Kern des Projekts ist die Kooperation von Fahrradkurierbetrieben und der DB. Die Kuriere übergeben entweder direkt oder über den IC-Kurierdienst die Sendung an den Zugbegleiter. Dieser übergibt die Sendung am Bestimmungsort wieder einem Fahrradkurier (siehe auch www.netzwerk-fahrradkuriere.de).

Zur Öffentlichkeitsarbeit und -information dient die Internetseite www.bikeandbusiness.de, die vom ADFC ehrenamtlich gepflegt wird. Zudem gab es zahlreiche Presseaktionen mit regionalen Printmedien, Radio und Fernsehen.

3.4 Regionale Projekte

Zu den regionalen Infrastrukturprojekten gehören kleinere Ausbaumaßnahmen an Landesstraßen sowie die Vernetzung des Mainufer- mit den Vulkan-Radweg. Des Weiteren gibt es kleinere Ausbaumaßnahmen von überörtlicher Bedeutung. Allmählich wird ein Beschilderungssystem entsprechend der Empfehlungen der Forschungsgemeinschaft für Straßen - und Verkehrswesen aufgebaut, deren Einhaltung auch Kriterium zur Gewährung von Landesmitteln ist. Eine Förderung ist dann bis zu 80 % möglich (GVFG+FAG). Mit der Fertigstellung der Wegweisung im Kreis Offenbach werden ca. 2/3 der Wege des Planungsverbands beschildert sein.

Der Planungsverband entwickelt z.Z. ein "Bike+Ride"-Konzept für das Verbandsgebiet. Neben einer ausführlichen Bestandsanalyse von 176 Schienenpersonennahverkehrs-Haltepunkten wurde ein nach Prioritätsstufen abgestuftes Konzept entwickelt, welches entscheidend für die Förderfähigkeit durch das Land sein wird. Das Land Hessen vergibt eine Förderung von 1.250 Euro pro Stellplatz ab einer Bagatellgrenze von 50.000 Euro. Der Planungsverband unterstützt und berät insbesondere die kleineren Gemeinden bei Gemeinschaftsanträgen, um die Bagatellgrenze zu erreichen. Dabei wird versucht, den funktionalen Zusammenhang von schienengebundenen Nahverkehrslinien zu beachten bzw. zu stärken und ineffektive Insellösungen zu vermeiden. Momentan gibt es ca. 10.000 Stellplätze in ca. 350 Anlagen mit einer Auslastung von ca. 43 %. Allerdings sind aufgrund großer Ausstattungs- bzw. Qualitätsunterschiede derzeit nur ca. 2/3 der Anlagen im Sinne von B+R nutzbar. Zählt man "wilde Parker" hinzu, könnte eine Auslastung von ca. 52 % erreicht werden. Radstationen nach dem Vorbild NRW fehlen im Gebiet des Planungsverbandes völlig, und im gesamten Land Hessen ist lediglich in Darmstadt ein Fahrradparkhaus vorhanden. "Bike+Ride" wird als Verknüpfung des Radverkehrs mit dem SPNV initiiert, um insgesamt eine Stärkung des Umweltverbundes zu erreichen. Dies ist für den Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main aufgrund der starken und auf den motorisierten Individualverkehr orientierten Pendlerverflechtungen notwendig.

4. Quintessenz

Der RFNP will Trassen für den Alltagsradverkehr sichern (z.B. Mainufer-Radweg). Dabei versucht der Planungsverband auch touristische Routen zu integrieren, die eine sehr unterschiedliche Zuständigkeitsstruktur aufweisen. Entscheidend für die Aufstellung war der Beschluss der Verbandskammer. Die Akzeptanz wurde durch die Änderung des BauGB vom 24.6.2004 unterstützt, da erstmalig in § 1 Abs. 6 Nr. 9 der nicht-motorisierte Individualverkehr als zu berücksichtigender Belang in der Bauleitplanung erwähnt wird.

Die freiwillige Einbindung der Akteure über das RADforum zu diesem frühen Zeitpunkt hat zu einer breiten Akzeptanz der bisherigen Planung geführt und Konflikten sowie Missverständnissen vorgebeugt. Dies wurde sehr positiv aufgenommen und hat dabei geholfen, Misstrauen gegenüber der "übergeordneten" Ebene des Planungsverbands abzubauen und als Dienstleister wahrgenommen zu werden. Als Schlüsselakteure sind neben dem Planungsverband die Sachbearbeiter in den kommunalen Planungsverwaltungen zu nennen, die in ihrer täglichen Arbeit die Radverkehrsbelange teils gegen erhebliche Widerstände durchsetzen. Dabei ist es wichtig, die Restriktionen und die entsprechenden Wirkungen für den Radverkehr zu verdeutlichen (z.B. geringe Zeitressourcen für den Radverkehr aufgrund anderer Aufgaben). Ein positiver Nebeneffekt des Prozesses ist, dass die Mitglieder Kontakte knüpfen konnten, die auch für andere Aufgaben hilfreich sind.

Das RADforum konnte als praxisnahes Informationsforum etabliert werden. Dabei sind die hohe Qualität und die regelmäßige Durchführung der Veranstaltung von besonderer Bedeutung. Zum Charakter des Forums gehört auch, dass es sich nicht an bereits für den Radverkehr engagierte Personen richtet, sondern als Informations- und Kommunikationsplattform für alle Akteure mit Bedeutung für den Radverkehr dient. Dadurch soll über die Fachplanung hinaus ein breites Verständnis für den Radverkehr in der gesamten Region erreicht werden. Als Folge des Prozesses hat sich in der Region der Konsens herausgebildet, dass dem Radverkehr grundsätzlich eine größere Bedeutung beizumessen.

Das Projekt "bike & business" hat dazu geführt, dass sich auch Betriebe für eine verbesserte Radverkehrsplanung einsetzen. Gerade wenn sich größere Unternehmen wie z.B. Hewlett-Packard für sichere Radwege für ihre Mitarbeiter einsetzen, kann besser politische Unterstützung gewonnen werden. Mittlerweile nutzen Politiker die Radverkehrsförderung zur eigenen Profilierung. Die Stadt Hanau richtet u.a. Fahrradaktionstage mit dem Motto "Bike & Shop" aus. Gerade durch dieses langfristig angelegte Projekt wird versucht, ein verkehrliches Umdenken bei Unternehmen und Mitarbeitern zu fördern. Positiv anzumerken ist ebenfalls die starke Medienpräsenz des Projekts "bike & business". Allerdings ist festzuhalten, dass das Projekt auf dem starken ehrenamtlichen Engagement des ADFC beruht, der dafür auch eine Aufwandentschädigung erhält. Die positive Wirkung von "bike & business" wird auch an der Nominierung für den Preis "best for bike - der deutsche Fahrradpreis 2005" in der Kategorie "fahrradfreundlichste Entscheidung des Jahres" deutlich. Der bundesweite Wettbewerb "best for bike" ist ein Gemeinschaftsprojekt des BMVBS in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft "Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen" (AGFS) und dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans.

Ein stärkeres Engagement (v.a. beim Thema Fahrradstationen) ist seitens des Landes wünschenswert, dessen Verkehrspolitik sehr stark auf den Flughafen Frankfurt und den Autoverkehr ausgerichtet ist und das Engagement im Radverkehr eher zurückfährt, was zum Beispiel auch daran zu erkennen ist, dass im vorgelegten Entwurf zur Änderung des Gesetzes zum öffentlichen Personennahverkehr "Park+Ride"- und "Bike+Ride" Anlagen nicht mehr erwähnt werden. Positiv zu bewerten ist die Vergabe der Qualitätssicherung an den ADFC Hessen, der somit eine wichtige Rolle für das Radfernwegenetz des Landes einnimmt.

Der ADFC bewertet das Engagement des Planungsverbandes insgesamt positiv, auch aufgrund der positiven Rückmeldungen. Defizite werden im Alltagsradverkehr gesehen, für den weiteres Engagement erforderlich ist.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die regionale Körperschaft des Planungsverbands hat die Informationslage verbessert und die Position der kommunalen Sachbearbeiter durch ihre Vernetzung gestärkt. Dabei ist es von Bedeutung, dass nicht nur die "eigentlichen" Radverkehrsplaner einbezogen wurden, sondern weitere Akteure mit Bedeutung für den Radverkehr (z.B. öffentlicher Personennahverkehr, Ministerien). Ein positiver Nebeneffekt des Prozesses ist, dass die beteiligten Planer Kontakte knüpfen, die auch für andere Aufgaben hilfreich sind. Eine wichtige "weiche" Komponente des kooperativen Verfahrens war es auch, den Planungsverband als anerkannten regionalen Moderator zu etablieren.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main (Planungsverband)
Projektbeteiligte: 
  • ADFC
  • Gemeinden, Kreise und kreisfreie Städte des Verbandsgebiets
  • Ämter für Straßen- und Verkehrswesen
  • Hessisches Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen
  • Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung
  • Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV)
  • Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft traffiQ

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Regionaler Radverkehrsbeauftragter
Herr Dipl.-Geogr Joachim Hochstein
Planungsverband Ballungsraum Frankfurt / Rhein-Main
Poststraße 16
60329 Frankfurt am Main
E-mail: joachim.hochstein@planungsverband.de

Meta-Info
Stand der Information
31. Juli 2005
Autor
Axel Beyer, Patrick Hoenninger (Planersocietät)
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Hessen