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Systematischer Aufbau von Radabstellanlagen im Stadtteil mit Bürgerbeteiligung

Radständer für die Nordstadt

Plakataktion zur Bürgerbeteiligung
Plakataktion zur Bürgerbeteiligung © Bettina Meyer-Rost, Stadt Nürnberg

Ausgangssituation

Im Rahmen der 2010 gestarteten Radverkehrskampagne "Nürnberg steigt auf" wird der Radverkehr in Nürnberg mit vielfältigen Maßnahmen gefördert. Dazu zählen u.a.:

  • Eine breit angelegte Image- und Marketingkampagne, wie regelmäßig wiederkehrende Plakataktionen auf Mega- und Cityboards, Informationsflyer, Give-aways etc.
  • Das in 2011 gestartete Fahrradverleihsystem NorisBike.
  • Flankierende Verkehrssicherheitsmaßnahmen, wie Anpassungen der Signalsteuerungen.
  • Eine eigenständige Wegweisung für den Radverkehr. Hier wurden bereits einige Radrouten ausgearbeitet und beschildert, weitere werden folgen.
  • Die Bereitstellung mobiler Radständer bei Veranstaltungen.
  • Sukzessiver Ausbau des Radwegenetzes.
  • Die Verbesserung der wohnortnahen Abstellmöglichkeiten. Schritt für Schritt sollen in allen Stadtteilen mit hohem Bedarf systematisch Radständer errichtet werden.

Ein häufiger Hinderungsgrund für eine regelmäßige Fahrradnutzung ist das Fehlen eines leicht zugänglichen und sicheren Fahrradabstellplatzes. Besonders in Gebieten mit Altbaubestand mangelt es an ebenerdigen Parkmöglichkeiten auf Privatgrund. Fahrräder können oft nur im Keller oder auf dem öffentlichen Gehweg abgestellt werden. Eine schlechte Zugänglichkeit erzeugt einen hohen "Fahrtantrittswiderstand". Häufig führt dies bei der Wahl des Verkehrsmittels zur Entscheidung, einen Weg nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Pkw zurückzulegen. Bisher erfolgte nur in der Altstadt und an Bike + Ride-Anlagen eine methodische Standortfindung für Fahrradabstellplätze. In den anderen Stadtteilen wurden Radständer bisher meist nur aufgrund von Einzelanträgen bzw. an zentralen Plätzen errichtet, z.B. an Einkaufsschwerpunkten.

Vor diesem Hintergrund hat der Verkehrsausschuss des Stadtrats im Juli 2014 das Projekt "Radständer für die Nordstadt" beschlossen. Durch die Errichtung kleiner oder mittlerer Einheiten sollten von allen Punkten im Stadtteil kurze Wege zur nächstgelegenen Abstellanlage sichergestellt werden. Gleichzeitig sollten die Bürgerinnen und Bürger mittels einer E-Partizipation in das Projekt eingebunden werden.

Auswahl des Projektgebiets

Das Projektgebiet im Norden Nürnbergs ist etwa zwei Quadratkilometer groß, in ihm leben rund 29.000 Menschen.

  • Die Nordstadt ist geprägt durch vorwiegend Geschosswohnungen aus der Gründerzeit und Nachkriegszeit. Daneben sind auch Reihenhaussiedlungen angelegt und im Bereich des Nordbahnhofs und des Tuchergeländes sind neue Wohnquartiere entstanden.
  • Der Stadtteil wird geprägt von jungen Familien und Gewerbe aus dem Bereich der Kreativwirtschaft mit Restaurants und einem Wochenmarkt.
  • Die Bewohner der Nordstadt sind sehr "fahrradaffin"; der Radverkehrsanteil ist im stadtweiten Vergleich überdurchschnittlich, und es besteht ein erheblicher Bedarf an Abstellanlagen.
  • In den vergangenen Jahren wurde ein gutes Netz von Radrouten parallel zu den Hauptverkehrsstraßen geschaffen, insbesondere durch die Öffnung von Einbahnstraßen. Daher ist eine ausreichende Wegeinfrastruktur in der Nordstadt vorhanden, auch wenn es noch Verbesserungsbedarf gibt.
  • Von der Nordstadt aus lassen sich ideal Ziele von weniger als fünf Kilometern, wie die Altstadt, der Hauptbahnhof sowie Kultur- und Freizeitangebote, mit dem Fahrrad erreichen.
  • Auch für Kraftfahrzeuge ist die Parkplatzsituation in der Nordstadt schwierig. Ein dichtes Angebot an Radständern würde dem Verkehrsmittel Rad einen (zusätzlichen) Zeitvorteil gegenüber dem Pkw verschaffen, für den oft langwierig ein Parkplatz gesucht werden muss bzw. der weit entfernt geparkt werden muss.

Ziele

Mit dem Projekt werden folgende Ziele verfolgt:

  • Senkung des "Fahrtantrittwiderstands" durch leichtere Zugänglichkeit zum Rad.
  • Aufwertung des Verkehrsmittels Rad durch die Bereitstellung einer flächendeckend präsenten Infrastruktur. Dies signalisiert: "Radfahrer sind willkommen".
  • Erhöhung des Radverkehrsanteils zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. Damit verbunden ist die Senkung der Lärm- und Abgasbelastung für die Wohnbevölkerung.
  • Ordnen des Fahrradparkens, da das wilde Abstellen von Rädern andere Verkehrsteilnehmer einschränkt, insbesondere Fußgänger.
  • Erhöhung der Verkehrs- und Diebstahlsicherheit. Wenn es an diebstahlsicheren Abstellmöglichkeiten fehlt, nutzt man lieber ein altes Rad. Alte Räder sind jedoch in der Regel weniger verkehrssicher als neue Räder.

Projektdurchführung

Die Durchführung des Projekts erfolgte in 5 wesentlichen Schritten:

1. Sommer 2014: Erfassung der Anzahl und Standorte vorhandener Radständer im Projektgebiet sowie Recherche, wo wie viele Fahrräder außerhalb von Abstellanlagen geparkt werden. Feststellung der Bereiche mit besonderen Defiziten.

2. Festlegung eines Rasters, mit dem der maximale Abstand zwischen den Abstellanlagen bzw. von den Wohnhäusern zum nächstgelegenen Radständer definiert wird. Ortsspezifisch bedingte Abweichungen sind bei höherem / geringerem Bedarf möglich.

3. Herbst / Winter 2014: Der Vorstadtverein Nürnberg-Nord e.V. wurde in die Planung des Projektes eingebunden. Es erfolgte die Abstimmung der Standortvorschläge mit dem Vorstadtverein sowie innerhalb der Verwaltung.

4. Frühjahr 2015: Durchführung einer E-Partizipation. Die Bürgerinnen und Bürger konnten sich in einem Zeitraum von vier Wochen im Internet über 130 vorgeschlagene Standorte informieren, diese bewerten und weitere Standorte innerhalb des Projektgebietes vorschlagen. Begleitet wurde die Online-Beteiligung durch verschiedene Marketingmaßnahmen, wie Pressearbeit, Plakatierung auf Werbeträgern im Stadtteil und durch Verteilung von Fahrradsattelüberzügen im Stadtteil. Auch der Einzelhandel vor Ort wurde eingebunden. Die Besitzer der Läden, vor denen Radständer geplant sind, wurden über die Details des Vorhabens informiert und konnten sich dazu äußern. Darüber hinaus wurden 15 Geschäfte als Paten einer Verlosung von 15 hochwertigen Fahrradschlössern gewonnen, welche die Fa. ABUS der Stadt Nürnberg kostenlos zur Verfügung gestellt hat. In den teilnehmenden Läden konnten sich die Bürgerinnen und Bürger noch einmal über das Projekt informieren und Karten für die Verlosung ausfüllen und abgeben.

5. Sommer 2015: 105 zusätzliche Standorte aus der Bürgerschaft wurden verwaltungsintern geprüft. Parallel dazu wurden die ersten Radständer aufgebaut.

Finanzierung

Die Stadt Nürnberg leistet den Hauptbeitrag zur Finanzierung der Radständer. Mit einer zusätzlichen Ko-finanzierung durch Projektpartner und Sponsoren (z.B. örtliche Gewerbetreibende, Hauseigentümer, Vereine) könnte das Angebot ausgeweitet werden.

Weiterführende Informationen

Auf der Internetseite www.nordstadt.nuernberg-steigt-auf.de können die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung mit den detaillierten Informationen, Fotos und Lageplänen der Standorte, eingesehen werden. Zu den Vorschlägen, die nicht realisiert werden konnten, gibt es ebenfalls Hintergrundinformationen und Begründungen für die Ablehnung der Standorte.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Stadtteile werden bezüglich ihrer Anzahl an Radständern und Fahrrädern systematisch erfasst. Die Fahrradabstellanlagen werden so bedarfsorientiert geplant. Gleichzeitig wird die Bürgerschaft in das Projekt mit eingebunden und üben einen erkennbaren Einfluss darauf aus, wo wie viele Radständer im Stadtteil aufgebaut werden.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
30 000 €

Evaluation

Evaluation: 
ja

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Stadt Nürnberg

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Juli 2014
Projektende: 
Dezember 2016
Info zur Laufzeit: 

Der Aufbau der Radständer wird vorrausichtlich Ende 2016 abgeschlossen sein.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Sachbearbeiterin in der Verkehrsplanung, Abteilung Verkehrsmanagement
Frau Bettina Meyer-Rost
Stadt Nürnberg Verkehrsplanungsamt Abteilung Verkehrsmanagement
Verkehrsplanungsamt, Abteilung Verkehrsmanagement
Lorenzer Straße 30
90402 Nürnberg
Telefon: +49(0)911/231-4909
Telefax: +49(0)911/231-2098
E-mail: bettina.meyer-rost@stadt.nuernberg.de
WWW: www.verkehrsplanungsamt.nuernb...
 

Meta-Info
Stand der Information
17. Dezember 2015
Autor
Bettina Meyer-Rost, Sachbearbeiterin in der Verkehrsplanung, Abteilung Verkehrsmanagement
NRVP-Handlungsfelder
Infrastruktur
Radverkehrsplanung und -konzeption
Fahrradthemen
Beteiligung/Partizipation
Fahrradparken
Schlagworte
Internetauftritt
Fahrradabstellanlage
Fahrradabstellkonzept
Bürgerbeteiligung
Wildes Parken
Bedarfsanalyse
Land
Bayern