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Potenziale für Lastenfahrräder

RadLast

Nationaler Radverkehrsplan 2020
Nationaler Radverkehrsplan 2020 © Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur

Obwohl Urbane Logistik ein recht junges Forschungsgebiet ist, findet es gerade in den letzten Jahren immer mehr Interesse. Bisher geförderte Projekte beschränken sich jedoch auf Umfragen zu Vor- und Nachteilen von Lastenfahrrädern auf der letzten Meile oder auf Kostenschätzungen. Planungstools zur Entscheidungsunterstützung für Infrastruktur und Güterdepotstandorte existieren bisher nicht. Auch wie die dafür notwendige Logistikstruktur in einer Stadt aussehen muss, wird bisher nicht erörtert. Genau diese ist allerdings für eine erfolgreiche und wirtschaftlich nutzbare Lösung notwendig und abhängig von lokalen Gegebenheiten, weshalb ein parametrisierbares Werkzeug erforderlich ist.

Da speziell die KEP-Dienstleister (Kurier-, Express- und Paketdienste) die hohen Fixkosten für Mikrodepots fürchten und die Nutzung von Lastenfahrrädern nicht in allen Gebieten als profitabel sehen, haben Städte ein großes Interesse, die Potenziale für Lastenfahrräder und damit verbunden mögliche Orte für Mikrodepots zu identifizieren. Das Projekt untersucht diesen Aspekt und zeigt auf, unter welchen Umständen das Lastenfahrrad eine Alternative darstellt und wie Strukturen und Subventionen auszusehen haben, um gewünschte Verlagerungen zu erreichen.

Auch in der Forschung zu mehrstufigen Transportnetzwerken werden zwar strategische, taktische und operative Entscheidungsprozesse untersucht, auf der letzten Meile werden jedoch nur Elektrofahrzeuge und kleinere LKWs berücksichtigt. Wir untersuchen in unserem Projekt die Auswirkungen der verstärkten Integration von Lastenfahrrädern auf ein solches Transportsystem. Die besonderen Anforderungen eines Lastenfahrrads stellen zusätzliche Herausforderungen dar, die in der aktuellen Forschung nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Projektziel

Ziel des Projekts ist die Potenzialanalyse der Nutzung von Lastenfahrrädern als Last-Mile Transportmittel abhängig von Bedarfs- und Netzwerkstruktur. Das Netzwerk wird dabei durch Quellen und Ziele von Transportanforderungen in die Stadt, aus der Stadt sowie innerhalb der Stadt beschrieben. Dazu ist eine entsprechende Infrastruktur von festen oder mobilen Mikrodepots sowie ein Verbindungsnetzwerk von Straßen und besonderen Radwegen (BikeHighways) zu planen. Dabei wird ein zweistufiges Transportmodell angenommen: Waren, die von außerhalb kommen, werden mittels Frachttrams oder LKWs zu festen oder mobilen Depots und von dort mittels Lastenfahrrädern zum Kunden geliefert. Warentransporte innerhalb der Stadt werden direkt per Lastenfahrrad organisiert und lediglich bei längeren Distanzen in Depots konsolidiert, um anschließend mittels Frachttram oder kleinen Transportern in ein anderes Depot transferiert zu werden.

Um sowohl Kosten als auch Umweltaspekte zu analysieren, werden basierend auf einem mathematischen Optimierungsmodell Standorte und Größen der Depots bestimmt und in verschiedenen Szenarien verglichen. Depots könnten entweder als Lager oder lediglich als Umschlagsort dienen. Die Anzahl der Depots hat einen Einfluss auf die Anzahl der benötigten Lastenfahrräder und die Auslastung des Systems. Darüber hinaus hat die Anzahl von Depots einen Einfluss auf die Flexibilität des Systems, was unter den von Kunden erwarteten und immer kürzeren Lieferzeiten ausschlaggebend für den Erfolg ist.

Mit Hilfe des zu entwickelnden Decision Support Tools und von Visualisierungen können die Ergebnisse anschaulich dargestellt werden. Das Tool wird an Fallstudien demonstriert, um das Potential von Lastenfahrrädern zu ermitteln. Am Beispiel von München und Regensburg soll die Übertragbarkeit des Tools nachwiesen werden. Neben Fallstudien für den klassischen Pakettransport sollen auch die Unterschiede bei der Lebensmitteldistribution untersucht werden.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Lastenfahrräder gewinnen zunehmend Popularität und stellen eine umweltfreundliche Alternative für die letzte Meile dar. Um einen nachhaltigen Einsatz zu ermöglichen sind gute Potenzialabschätzungen notwendig. Somit können existierende Unternehmen oder auch Neugründungen abschätzen, in welchen Gebieten Lastenfahrräder auch profitabel sind.

Durch den generischen Ansatz lassen sich die Ergebnisse auf andere Städte und Kommunen übertragen und liefern somit nicht nur lokale sondern global Erkenntnisse.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Gesamtvolumen: 
244 517 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird aus Mitteln des Nationalen Radverkehrsplans 2020 durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Entsprechend dem UBA Leitfaden „Evaluation zählt“ soll der Projektfortschritt in regelmäßigen Abständen evaluiert werden. Durch einen externen Gutachter soll auf Basis der Meilensteine eine Evaluation sichergestellt werden, die die Gesamtziele des Projekts im Blick hat.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Technische Universität München, School of Management, Lehrstuhl für Logistik und Supply Chain Management

Projektbeteiligte: 
  • Technische Universität München, TUM School of Management, Lehrstuhl für Logistik und Supply Chain Management
  • Technische Universität München, Ingenieurfakultät Bau Geo Umwelt, Professur für Modellierung räumlicher Mobilität

Projektbeirat:

  • Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK)
  • Fördervereinigung Güterverkehrslogistik Regensburg (FGR) e. V.
  • IHK Regensburg
  • Landeshauptstadt München
  • Liefery
  • tiramizoo GmbH

Laufzeit

Projektstart: 
September 2018
Projektende: 
August 2020

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Dr. Pirmin Fontaine
Technische Universität München, TUM School of Management, Lehrstuhl für Logistik und Supply Chain Management
Arcisstr. 21, 80333 München
Telefon: 089 289 28202
E-Mail: pirmin.fontaine@tum.de

Kommunale Ansprechpartner: 
Meta-Info
Stand der Information
24. Oktober 2018
Autor
Dr. Pirmin Fontaine, Prof. Dr. Stefan Minner, Prof. Dr. Rolf Moeckel (Technische Universität München)
NRVP-Handlungsfelder
Radverkehrsplanung und -konzeption
Fahrradthemen
Forschung
Logistik und Transport
Schlagworte
Lastenfahrrad
Land
Deutschland