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Kampagne für mehr Fairness im Straßenverkehr

"Radfahren auf der Straße ist meistens erlaubt!"

Plakat zur Kampagne
Plakat zur Kampagne © Freie Hansestadt Bremen

Ausgangssituation

Radfahren auf der Straße ist meistens erlaubt! Darauf machte im Sommer 2014 die Bremer Verkehrsbehörde gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club Bremen (ADFC), dem Allgemeinen Deutschen Auto Club Weser-Ems (ADAC), der Verkehrswacht Bremen und der Polizei Bremen mit einer Plakataktion in der Hansestadt aufmerksam. Denn bereits seit 1997 besteht in Deutschland keine generelle Radwegebenutzungspflicht mehr. Nur Radwege, die mit blauen Verkehrszeichen als Rad- oder Geh- und Radweg beschildert sind, müssen von den Radfahrenden benutzt werden. Alle anderen Radwege können genutzt werden, alternativ können die Radfahrerinnen und Radfahrer aber auch auf der Straße fahren. Ziel der StVO-Novellierung war es damals, den Radverkehr in Deutschland zu fördern.

Es steht den Radfahrerinnen und Radfahrern also in aller Regel frei, ob sie den Radweg oder die Fahrbahn wählen. Verkehrsuntersuchungen belegen, dass das Radfahren auf der Fahrbahn meistens sicherer ist als auf dem Radweg. Denn Autofahrer und Radfahrer sehen sich auf der gemeinsamen Fahrbahn erheblich besser, wodurch die Sicherheit erhöht wird. Außerdem ist das Radfahren auf der Fahrbahn oft schneller. Somit macht die Aufhebung der generellen Radwegebenutzungspflicht den Radverkehr attraktiver - allein schon durch die so gegebene Wahlmöglichkeit.

Der Radverkehr in Deutschland nimmt zu und braucht mehr Platz. Auf zentralen Wegstrecken kann es mittlerweile in vielen Städten eng für die Radfahrenden werden. Hier kann die weitgehende Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht, verbunden mit anderen Maßnahmen, Entlastung bringen. Darüber hinaus trägt sie zur Entflechtung des Radverkehrs bei, indem schnellere Radfahrende eher die Fahrbahn benutzen und langsamere Fahrerinnen und Fahrer tendenziell auf den Radwegen bleiben. So erhöht sich auch für Fußgänger die Verkehrssicherheit.

Die Situation in Bremen

Bremen ist eine Fahrradstadt, hier liegt der Anteil des Radverkehrs bei 25 Prozent aller zurückgelegten Wege. Das ist der Spitzenwert unter den deutschen Großstädten über 500.000 Einwohnern. In kaum einer anderen Stadt in Deutschland gibt es so viele Menschen, die sich für das Fahrrad entscheiden, obwohl ihnen auch ein Auto zur Verfügung stünde. Das liegt nicht zuletzt an der kontinuierlichen Förderung des Radverkehrs und an einem attraktiven geschlossenen Wegenetz. Es gibt in Bremen rund 700 Kilometer Radwege und Radfahrstreifen. Die meisten straßenbegleitenden Radwege wurden bereits durch die Straßenverkehrsbehörde von der Benutzungspflicht entbunden. Zurzeit werden in dieser Hinsicht noch weitere Radwege überprüft.

Ziel der Kampagne

Anlass der Bremer Kampagne, die sich sowohl an Autofahrende als auch an Radfahrende richtete, war die oben beschriebene Neuregelung der Radwegebenutzungspflicht, die bei beiden Verkehrsgruppen bis heute wenig bekannt zu sein scheint. Ziel der Kampagne war es somit, über die geltende Regelung aufzuklären und für mehr Fairness zu werben: Wenn die Autofahrerinnen und Autofahrer die Rechtslage kennen, akzeptieren sie die Radfahrenden als gleichberechtige Verkehrsteilnehmer.

Durchführung der Kampagne

Die Kampagne wurde vom Referat der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Stab des Bremer Senators für Umwelt, Bau und Verkehr durchgeführt. Die Konzeption erfolgte durch eine ressortinterne, mit Radverkehrs-Spezialisten besetzte Arbeitsgruppe der Verkehrsabteilung (Strategische Verkehrsplanung) und des Amtes für Straßen und Verkehr (Straßenverkehrsbehördliche Angelegenheiten und Verkehrstechnik). In dieser Gruppe wurde das grundlegende Konzept erarbeitet. Die Kampagne sollte:

  • über die Aufhebung der Radwegepflicht informieren ohne belehrend zu wirken,
  • das Miteinander der Verkehrsteilnehmer fördern,
  • Auto- wie RadfahrerInnen gleichermaßen ansprechen,
  • individuelle Wahlmöglichkeiten der Radler zeigen: Sie können den Radweg oder die Straße benutzen, wie es für sie jeweils am günstigsten erscheint.

Es folgte eine Aufforderung an mehrere Agenturen, Konzepte einzureichen. Die eingegangenen Entwürfe wurden gemeinsam mit der AG beraten und daraufhin eine Agentur ausgewählt. Aus Budgetgründen fiel die Entscheidung auf eine reduzierte klassische Kombination aus Plakaten, Flyer und einem Informationsangebot im Internet. Mithilfe dieser Medien sollte es gelingen, für einen Zeitraum von rund 14 Tagen deutlich im Bremer Stadtbild sichtbar zu sein.

Zum Projektstart wurden 300 sogenannte City-Lights-Plakate (Plakatflächen in Glaskästen an allen relevanten Verkehrsstraßen und -punkten) und 30 Großflächen an den "Eingängen" der Stadt aufgehängt und zeitgleich 12.000 Flyer verteilt. Nach der Wahl des Konzepts wurden die Bremer Verkehrsverbände ADFC, ADAC, Bremer Verkehrswacht und auch die Bremer Polizei in die finalen Entscheidungen miteinbezogen. Alle involvierten Akteure waren von Anfang von der Intention der Kampagne überzeugt und beteiligten sich gerne, indem sie als Multiplikatoren tätig wurden und auf ihren Veranstaltungen, Tagungen und Aktionsrunden für das Projekt warben. Sie befürworteten die Kampagne unter anderem deshalb, weil diese die Zielgruppen der Autofahrenden und Radfahrenden gleichermaßen und gleichgewichtig ansprach.

Die Kampagne wurde bewusst zeitlos gehalten, sodass sie, wenn die finanziellen Mittel es erlauben, jederzeit wieder durchgeführt werden kann. Die Informationsseite im Internet (siehe unten) ist weiterhin online.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Innovative an der Kampagne ist ihre aufs Wesentliche reduzierte Botschaft: "Zusammen unterwegs. Radfahren auf der Straße ist meistens erlaubt!". Diese Aussage wirbt für mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr und klärt über eine allgemeine aber bislang wenig bekannte Änderung der Radwegebenutzungspflicht auf.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
25 000 €

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Freie Hansestadt Bremen, Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Projektbeteiligte: 
  • ADFC Landesverband Bremen
  • ADAC Weser-Ems
  • Verkehrswacht Bremen
  • Polizei Bremen

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Juli 2014
Projektende: 
Juli 2014

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Herr Jens Tittmann
Senator für Umwelt, Bau und Verkehr
Stab und Ressortleitung
Contrescarpe 72
28195 Bremen
Telefon: 0421/361 6012
Telefax: 0421/496 6012
E-mail: jens.tittmann@bau.bremen.de
WWW: www.bauumwelt.bremen.de

Frau Gudrun Eiden
Senator für Umwelt, Bau und Verkehr
Pressestelle
Contrescarpe 72
28195 Bremen
Telefon: 0421/361 10701
Telefax: 0421/469 10701
E-mail: gudrun.eiden@umwelt.bremen.de
WWW: www.bauumwelt.bremen.de
 

Meta-Info
Stand der Information
29. September 2015
Autor
Gudrun Eiden, Freie Hansestadt Bremen
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Bremen