Sie sind hier

Infrastruktur für den Radverkehr

Radbrücke über die Donau in Deggendorf

Ansicht aus der Luft
Ansicht aus der Luft © Stadt Deggendorf

Einleitung

In der Region Deggendorf ist die Funktion als Freizeit- und Erholungsraum ein wichtiger Standortfaktor. Die Stadt Deggendorf hat daher mit den Nachbarorten Plattling und Stephansposching bereits im Jahr 2000 in einem Interkommunalen Entwicklungskonzept die Vision entwickelt, die beiden Städte Deggendorf und Plattling in einem gemeinsamen Zentrum sichtbar zusammen zu führen und über diese neue Mitte - in Form einer "grünen Mitte" - miteinander zu verbinden. Später wurde die Idee zu dem Konzept der "grünen Achse" aus beiden Stadtkernen in die Grüne Mitte ausgeweitet, in die punktuell weitere Schwerpunktbereiche eingestreut wurden. Hierfür wurde 2005 ein Nutzungs- und Gestaltungskonzept erstellt, in dem eine Radwegmagistrale festgelegt wurde, welche die beiden Stadtkerne über die "grüne Mitte" verbindet. Diese Verbindung wird seitdem sukzessiv ausgebaut.

Teil dieses Konzepts der "grünen Achse" zwischen Deggendorf und Plattling ist ein neuer Donauübergang in Deggendorf für Fußgänger und Radfahrer. Bis 2014 befand sich der einzige Donauübergang für Fußgänger und Radfahrer in Deggendorf auf einer von Pkw stark befahrenen Brücke, die zudem mehrere Kilometer stromabwärts der eigentlich notwendigen Wegebeziehungen von Fußgängern und Radfahrern liegt. Diese Brücke war nur unzureichend für Fußgänger und Radfahrer zu erreichen, da die Wege dorthin über zahlreiche Engstellen führten, durch die Radfahrer ohne eigene Wege auf den z.T. sehr stark befahrenen Staatsstraßen geführt werden mussten. Dies führte u.a. dazu, dass Kinder nicht das Rad nutzen, um z.B. zu dem südlich der Donau gelegenen Ganzjahresbad zu gelangen. Die autonome Erreichbarkeit einiger Stadt- und Erholungsquartiere für unsichere Radfahrer war erheblich eingeschränkt.

Derzeit bestehen im Stadtgebiet von Deggendorf etwa 35 km ausgewiesene eigenständige Radwege. Der Anteil des Radverkehrs am Verkehrsaufkommen der Stadt Deggendorf beträgt derzeit nur ca. 7%. Die Stadt Deggendorf ist fortlaufend bemüht, das Radwegenetz in Deggendorf auszubauen und zu verbessern.

Zugleich verlaufen durch Deggendorf bedeutende Fernradwege: Der Donauradweg, die "Tour de Baroque", die "Via Danubia", der Waldbahnradweg als Teil des Fernradwegs München-Prag und der Isarradweg. Diese Fernradwege bilden zugleich die Grundachsen im Radwegenetz der Stadt Deggendorf (der Donauradweg in Ost-West-Richtung, der Isarradweg und der Waldbahnradweg in Nord-Süd-Richtung).

Durchführung

Im Jahr 2014 fand die bayerische Landesgartenschau in Deggendorf statt. Sie stand unter dem Motto "Brückenschlag Donau – Ufer verbinden, Grenzen überwinden" und bot – da sie beidseitig der Donau angelegt wurde, die einmalige Chance, eine neue Fuß- und Radwegbrücke auf der Trasse der alten Eisenbahnbrücke der Bahnlinie Plattling–Bayerisch-Eisenstein zu errichten. Die Bahnbrücke selbst wurde 2010 auf einer neuen Trasse wenige Meter weiter stromaufwärts neu errichtet. Da die alte Bahnbrücke aus dem 19. Jahrhundert aufgrund ihrer geringen Höhe und engen Pfeilerstellungen bis dahin das größte Schifffahrtshindernis auf der deutschsprachigen Donau darstellte, musste diese abgerissen und die Pfeiler im Schifffahrtsbereich entfernt werden. Im Altwasser blieben jedoch zwei Pfeiler stehen, die für den Bau der Geh- und Radwegebrücke genutzt werden konnten.

Maßgebend für die Wahl einer Stahlfachwerkbrücke war die unmittelbare Nachbarschaft zur Bahnbrücke. Die Fußgängerbrücke variiert das Thema der Bahnbrücke in einer leichteren, schwungvollen Konstruktion. Diese bietet einen hohen Erlebniswert sowohl für den Nutzer als auch den Betrachter. Der Holzbohlenboden aus Lärchenholz misst z.B. 5,50 m in Ufernähe und verjüngt sich bis zur Mitte der Brücke auf 3,80 m. Die stählerne Fachwerkkonstruktion erstreckt sich über sechs Felder mit einer Höhe der Fachwerkträger zwischen 4,30 m an beiden Widerlagern und 8,50 m über der 106 m breiten Schifffahrtsöffnung. Die maximale Steigung auf der Brücke und den anschließenden Rampen zu den Donaudeichen beträgt moderate 3%. Das 1,20 m hohe Geländer besteht aus einem Edelstahlnetz und einem Handlauf aus Eichenholz. Die LED-Beleuchtung ist unauffällig in die Querträger integriert. Es können unterschiedliche Leuchtfarben programmiert werden. Errichtet wurde die Brücke auf 5 Pfeilern aus Stahlbeton (davon 2 Pfeile der alten Bahnbrücke). Sie kann mit einem bis zu 6 t schweren Fahrzeug befahren werden (Rettungs- und Unterhaltsfahrzeuge). Die Brücke hat sich seit ihrer Öffnung 2014 im Alltags- und Freizeitverkehr bestens bewährt. Gerade an Wochenenden wird sie von unzähligen Spaziergängern und Radausflüglern genutzt. Ihre besondere Gestaltung hat dazu geführt, dass sie bereits jetzt zu einem weiteren Wahrzeichen Deggendorfs wurde. Sie hat einen erheblichen Anteil daran, dass Deggendorf wieder an die Donau herangeführt wurde. 2016 wurde die Brücke mit dem Deutschen Brückenbaupreis in der Kategorie Fuß- und Radwegbrücken ausgezeichnet.

Fazit

Die Geh- und Radwegebrücke über die Donau ist das regionale Leuchtturmprojekt zur Förderung des Rad- und Fußgängerverkehres. Mit 456 Metern ist sie eine der längsten Geh- und Radwegebrücken in ganz Europa. Mit ihr wurden die Wegebeziehungen zwischen den in ihrer Nähe gelegenen zentralen Wohngebieten Deggendorfs und Arbeitsplätzen bzw. Freizeiteinrichtungen auf der gegenüberliegenden Donauseite erheblich verbessert und somit die Attraktivität des Verkehrsmittels Fahrrad auch im Alltagsverkehr wesentlich erhöht. Die neue Geh- und Radwegebrücke über die Donau hat den Isarradweg aufgenommen und ist ein zentraler Anbindungspunkt im Deggendorfer Radwegenetz. Durch sie ist die "grüne Achse" auf eine 13 km lange durchgehende und vor allem querungsfreie Fuß- und Radwegeachse im Stadtgebiet ausgebaut worden, die bis an die Stadtgrenze nach Plattling reicht und die es auch schwächeren Verkehrsteilnehmern erlaubt, aus den entlegeneren Stadtquartieren Schul-, Sport- und Freizeitzentren zu erreichen, ohne mit dem Kfz-Verkehr in Berührung zu kommen.

Zusammen mit den Anschlussbauwerken (Rampen und Deichanschlüsse) kostete die Geh- und Radwegebrücke über die Donau 9.054.000 €. Sie wurde mit als überregional bedeutsame Maßnahme mit 3,8 Mio. € aus Mitteln des Bayerischen Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes und weiteren 850.000 € aus Mitteln des FAG unterstützt.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Gemeinsam mit der "grünen Achse":

  • Stärkung des Alltagverkehrs durch Schaffung einer zentralen Radverbindungsachse zwischen den Stadtzentren unmittelbar benachbarter und miteinander verflochtener Städte.
  • Nachhaltigkeit: Nutzung bestehender Infrastrukturen (ehemalige Bahnbrücke) zur Stärkung von Radverkehrsverbindungen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
5 054 000 €
Erläuterungen: 
  • Fördermittel des Freistaates Bayern nach dem Gesetz über Zuwendungen des Freistaates Bayern zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden (Bayerisches Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz – BayGVFG): 3.800.000 €
  • Förderung kommunaler Straßen- und Brückenbauvorhaben nach Art. 13 c Finanzausgleichsgesetz Bayern (FAG): 850.000 €

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Geplant: Zählung der Radverkehrs- und Fußgängerfrequenz im Alltags- und Wochenendverkehr (videogestützt)

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Stadt Deggendorf
  • Planungsgemeinschaft Donausteg Deggendorf
Projektbeteiligte: 
  • Stadt Deggendorf
  • Regierung von Niederbayern

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2011
Projektende: 
Oktober 2014
Info zur Laufzeit: 

Fertigstellung im Frühjahr 2014, danach Nutzung im Rahmen der Landesgartenschau. Freigabe für den öffentlichen Verkehr am 11.10.2014.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

  • Bundesingenieurkammer/Verband Beratender Ingenieure (Hrsg.): Donaubrücke Deggendorf; Dokumentation Deutscher Brückenbaupreis, Berlin 2016, S. 10-12.
  • Eine der längsten Fußgängerbrücken Europas, Bayerische Staatszeitung v. 17.06.2016, S. 19
  • Öffentlichkeitsarbeit durch Plakate (u.a. zum Tag der Städtebauförderung), Begehungen
  • Nutzungs- und Gestaltungskonzept "Grüne Achse"
  • Internetseite der Architekten der Brücke
  • Brückenpreis 2016

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Erwin Scheungrab
Stadt Deggendorf
Leiter Sachgebiet Tiefbau
Franz-Josef-Strauß-Straße 3
94469 Deggendorf
Telefon: 0991/2960-430
Telefax: 0991/2960-199
E-Mail: erwin.scheungrab@deggendorf.de

Kommunale Ansprechpartner: 

Klaus Busch
Stadt Deggendorf
Stv. Sachgebietsleiter Stadtplanung; Projektsteuerung Planung Landesgartenschau
Franz-Josef-Strauß-Straße 3
94469 Deggendorf
Telefon: 0991/2960-413
Telefax: 0991/2960-199
E-Mail: klaus.busch@deggendorf.de

Meta-Info
Stand der Information
14. Juni 2017
Autor
Klaus Busch, Sachgebiet Stadtplanung der Stadt Deggendorf
NRVP-Handlungsfelder
Infrastruktur
Fahrradthemen
Infrastruktur
Schlagworte
Bahntrasse
Brücke
Fahrradroutennetz
Fahrradwegenetz
Grüne Routen
Interkommunal
Kooperation
Land
Bayern