Sie sind hier

Die mobile Fahrradwerkstatt in Heidelberg

Radambulanz

Radambulanz Heidelberg
Radambulanz Heidelberg © Felix Schacht, die mobile Fahrradwerkstatt in Heidelberg

1. Einleitung

Es kommt vor, dass ein defektes Fahrrad nicht in die Fahrradwerkstatt gebracht werden kann. Das kann unterschiedlichste Gründe haben. In diesem Fall ermöglicht die Radambulanz eine Reparatur vor Ort. Aber auch für die wachsende Zahl der Cargobikes ist ein solcher Vor-Ort-Service oftmals die einzige Möglichkeit, wieder flott gemacht zu werden. Oft nutzen auch Familien den Service, der den mühsamen Transport diverser Räder in den nächsten Radladen erspart.

2. Durchführung

Inspiriert durch die seit langem etablierte Berliner Radambulanz wurde im Herbst 2013 mit dem Bau einer mobilen Werkstatt für Heidelberg begonnen. Dafür konnte die Infrastruktur der studentischen Selbsthilfewerkstatt URRmEL genutzt werden. Im Mai 2014 war das konstruierte Lastenrad fahrbereit und musste nur noch im Detail optimiert werden. Der erste Vor-Ort-Reparaturauftrag wurde schon wenig später an einem Cargobike durchgeführt. Eine einfache Website konnte im Tausch gegen eine umfangreiche Fahrradreparatur erworben werden. Die Homepage wurde im Laufe der Zeit erweitert. Durch Absprache mit Kollegen in anderen Städten konnten teilweise Content und Namen übernommen werden.

Beworben wurde das Projekt darüber hinaus zunächst nur über Flyer und Mund-zu-Mund-Propaganda. Durch den Kontakt zum lokalen Fahrradverleiher Radolino konnte eine lockere Kooperation mit dem städtisch organisierten Radcheck eingegangen werden. Der Radcheck bietet Passanten/innen eine kostenlose Fahrradinspektion an, die durch die Reparaturen der Radambulanz ergänzt werden können. Der erste Radcheck mit der Radambulanz fand im März 2015 im Rahmen der Initiative RadKULTUR statt. Dort wurde die Heidelberger Radambulanz in einem größeren Rahmen öffentlich beworben. Die Nachfrage zog stark an.

Die Kooperation mit verschiedenen Heidelberger Unternehmen der Fahrradbranche funktioniert gut. So kann die Radambulanz vor allem über die Großhändler Wittmann und Hartje, aber auch mit Hilfe des Radladens Eldorado Fahrradteile günstig beziehen. Der Cargobike-Vertreiber E-Lastenrad bewirbt die Radambulanz als innovatives lastenradbasiertes Unternehmen auf seinem Blog, ebenso wie das Portal Greenfinder. Da ich als Eigner der Radambulanz gleichzeitig bei E-Lastenrad bzw. ebike-solutions angestellt bin, gibt es dort selbstverständlich gegenseitige Unterstützung.

Oft werden alte Teile durch Neuteile ersetzt, weil neue Standards Einzug halten, z.B. Nabendynamos oder Nabenmotoren. Dabei werden viele Fahrradteile ersetzt, die noch intakt sind. Diese Teile sind jedoch zu schade, um sie auszusortieren. Einige davon werden bei der Radambulanz recycelt. Mit solchen Gebrauchtteilen lassen sich auch alte Fahrräder günstig reparieren, deren Reparatur sich normalerweise nicht mehr lohnt. Auf diese Weise ermöglicht die Radambulanz den Erhalt alter Räder, vermeidet Abfall und kann günstige Preise anbieten. Selbstverständlich hält die Heidelberger Radambulanz gängige Ersatzteile als Neuware auf Lager. Auch exotische Teile können innerhalb weniger Tage beschafft werden.

Die Heidelberger Radambulanz ist ein kommerzieller Dienstleister mit der Aufgabe, die Räder seiner Kunden mobil und einsatzbereit zu halten. Die Kosten einer Reparatur setzen sich zusammen aus der Anfahrt, der Arbeit sowie dem benötigten Material. Die Preise sind solidarisch, d.h. abhängig von Ihrer wirtschaftlichen Situation. Je nach Ihrer persönlichen Selbsteinschätzung können die Preise für Anfahrt und Serviceleistungen um bis zu 20% ermäßigt oder erhöht werden.

3. Fazit

Mittlerweile konnte die Heidelberger Radambulanz einige hundert Fahrräder unterschiedlichster Bauarten wiederherstellen. Auch die Lastenräder des ADFC Heidelberg werden seit diesem Winter durch die Radambulanz repariert und gewartet - Motorreparatur inklusive. Im Tausch dafür bezahlt der Verein die Fördermitgliedschaft der Radambulanz.

Der ADFC bietet seit 2016 einen bundesweiten Pannenservice. Solch einen Service bietet die Radambulanz in Heidelberg bereits seit 2014. Eine Kooperation mit dem ADFC konnte 2017 erfolgreich umgesetzt werden.

Insgesamt zeigen alleine die Zahlen der Kundenaufträge, dass die Heidelberger Radambulanz von den Kund*innen angenommen wird und das Radfahren in Heidelberg um einiges komfortabler gemacht hat.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die lastenradgestützte mobile Fahrradwerkstatt bietet Radfahrer/innen einen Service, der für Autos bereits seit Jahrzehnten selbstverständlich ist, nämlich die Pannenhilfe vor Ort. Da die Fahrradtechnik immer komplexer wird, sind immer weniger Fahrradfahrer/innen in der Lage, im Fall einer Panne ihr Velo selbst zu reparieren. Hier springt die Radambulanz ein und ermöglicht sorgloses Radfahren bei hohem Komfort. Das Ziel ist, Fahrräder einsatzbereit zu halten und so die Nutzung eines privaten PKW möglichst unnötig zu machen. Die Nutzung des Lastenfahrrads als mobile Werkstatt bietet vor allem im Innenstadtbereich den Vorteil platzsparender Flexibilität und Mobilität bei niedrigen Kosten. Ein solches Projekt lässt sich in nahezu jeder Stadt umsetzen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Gesamtvolumen: 
1 000 €
Erläuterungen: 

Zunächst waren für die Entwicklung und den Bau des Fahrrades etwa 150 Stunden an Eigenleistung notwendig. Mit einer guten Schlosserei hätte diese Arbeit wesentlich produktiver geleistet werden können, die vorhandenen Mittel haben jedoch nicht mehr erlaubt. Die notwendigen Materialkosten waren zunächst unerheblich. Benötigte Komponenten sowie die hochwertige Beschichtung schlugen mit etwa 400 € zu Buche. Diese relativ geringen Kosten waren jedoch nur durch die Nutzung teilweise gebrauchter Fahrradteile möglich. Die restlichen Kosten entfielen auf die Anschaffung von Werkzeug (das teilweise schon vorhanden war) sowie die Beschaffung eines Fundus gängiger Neuteile, um die Radambulanz auszustatten. Die Website konnte im Tausch gegen Arbeitsleistung (siehe oben) erstanden werden, so dass lediglich die laufenden Kosten für den Hoster (48 € p.a.) anfallen. Nach etwa 1,5 Jahren wurde zusätzlich eine Betriebshaftpflichtversicherung abgeschlossen, die ca. 230 € p.a. kostet und aus den laufenden Einnahmen finanziert wird.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Felix Schacht
Eigentümer der Heidelberger Radambulanz
Rheinstr. 12
69126 Heidelberg
Telefon: 01578 7725724
E-Mail: info@radambulanz.com
Internet: radambulanz.com

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektende: 
Januar 2014

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Homepage der Heidelberger Radambulanz

Meta-Info
Stand der Information
16. Januar 2020
Autor
Felix Schacht, Dipl.-Designer (FH) und Mechaniker
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Baden-Württemberg