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Verkehrssicherheit erhöhen, Fahrvermögen verbessern

Pedelec statt Auto – aber sicher! In allen Lebenslagen sicher und gesund mit dem E-Rad unterwegs

Pedelec statt Auto - Infostand mit Fahrradparcours
Pedelec statt Auto - Infostand mit Fahrradparcours © VCD / Anna Fehmel

Ausgangssituation

Elektro-Fahrräder (auch Pedelecs genannt) sind seit Jahren ein Verkaufsschlager: 2016, dem Jahr, in dem das Projekt „Pedelec statt Auto – aber sicher!“ startete, gab es in Deutschland rund drei Millionen E-Räder. Ende 2019 waren es bereits 5,4 Millionen – und die Verkaufszahlen steigen weiter an.  Pedelecs kombinieren die positiven Eigenschaften des Fahrrades – umweltverträgliche Mobilität, Flexibilität, Unabhängigkeit, Steigerung der Fitness und Beweglichkeit – dank Elektromotor, mit dem Vorteil des „eingebauten Rückenwinds“.

Das macht Pedelecs zu einer attraktiven Alternative zum (eigenen) Auto – vor allem in Situationen, die mit einem herkömmlichen Fahrrad nicht oder nur unter Anstrengungen zu bewältigen sind. In bergigen Regionen wie auch im ländlichen Raum mit geringer ÖPNV-Dichte lassen sich mit E-Rädern auf Strecken bis etwa zwölf Kilometer (aber auch darüber hinaus) Pkw-Fahrten komfortabel ersetzen. Zudem können mit Hilfe der Motorunterstützung beispielsweise altersbedingte Einschränkungen der physischen Leistungsfähigkeit ausgeglichen werden. Zum Pedelec-Fahren muss in die Pedale getreten werden. Daher trägt E-Radfahren dazu bei, Gesundheit und Fitness zu fördern und schafft so auch für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen die Möglichkeit, nachhaltig, aktiv und selbstbestimmt mobil zu sein.

Mit der steigenden Anzahl der Pedelec-Nutzer*innen rückten jedoch auch mögliche Risiken der E-Rad-Nutzung in den Fokus. Es zeichnete sich ab, dass insbesondere Personen mit geringer Radfahr-Routine, bestimmten physischen Einschränkungen und/oder mangelnder Fitness ein erhöhtes Unfallrisiko aufweisen. Erste Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigten, dass insbesondere ältere Menschen ab 65 Jahre überdurchschnittlich häufig von Pedelec-Unfällen mit schweren Folgen betroffen waren.

Damals wie heute sind vielen Pedelec-Besitzer*innen die Eigenheiten ihres E‑Rades oft nicht hinreichend bekannt oder werden nicht richtig eingeschätzt. Dazu zählen insbesondere das vom herkömmlichen Fahrrad abweichende Fahr‑ und Bremsverhalten des Pedelecs. Grund hierfür ist das höhere Gewicht, die je nach Motor-Position unterschiedliche Gewichtsverteilung und Krafteinwirkung sowie eine in der Regel stärkere Bremswirkung. Aufgrund der Motorunterstützung ist es auch für untrainierte und unsichere Fahrer*innen leicht möglich, höhere Geschwindigkeiten zu erreichen – dadurch sich und andere zu gefährden.

Projektdurchführung

Das im Rahmen des NRVP 2020 geförderte Vorhaben „Pedelec statt Auto – aber sicher!“ des ökologischen Verkehrsclubs VCD hatte zum Ziel, das E-Fahrrad als sichere, gesundheitsfördernde und umweltverträgliche Alternative zum (eigenen) Auto weiter zu etablieren und so den (E-)Rad-Verkehrsanteil gegenüber dem motorisierten Individualverkehr (MIV) zu erhöhen. Im Fokus standen Pedelecs, also zulassungsfreie E-Fahrräder, bei denen das Treten durch einen Elektromotor bis maximal 25 km/h unterstützt wird.

Besonderes Augenmerk lag dabei auf den Aspekten Verkehrssicherheit sowie Fitness und Gesundheit. Diese Themen wurden insbesondere durch innovativ aufbereitete Informations-, Aktions- und Weiterbildungsangebote adressiert.

Zielgruppen

Das Projekt richtete sich mit seinem Informations- und Beratungsangebot an erwachsene Verbraucher*innen, die bereits ein Pedelec besitzen oder die Anschaffung eines E-Rades planen.

Darüber wurden Radfahrlehrer*innen von Verbänden, die bereits Radfahr-Trainings für Erwachsene durchgeführt hatten  (bspw. ADAC, ADFC, Verband der Radlehrer-VdR, Deutsche Verkehrswacht, später auch ACE) angesprochen und durch ein spezielles Weiterbildungsangebot als Multiplikator*innen für das Projekt gewonnen. Im späteren Verlauf des Projekts kamen Verkehrssicherheitsberater*innen der Polizei als weitere Zielgruppe hinzu.

Maßnahmen

In Kooperation mit einem erfahrenen Fahrradexperten wurden (unter Einbeziehung der o. g. Verbände) spezielle Pedelec-Kursmodule entwickelt, die bundesweit in Weiterbildungen an Radfahrlehrer*innen vermittelt wurden. Damit sollten die Teilnehmer*innen befähigt werden, E-Rad-Besitzer*innen im Umgang mit ihrem Gefährt zu schulen und so die Verkehrssicherheit und Nutzungshäufigkeit des Pedelecs zu erhöhen.

Gemeinsam mit Sportwissenschaftler*innen wurde ein Trainingsplan für E-Rad-Fahrer*innen entwickelt, der dazu beitragen sollte, die eigene Fitness und Gesundheit langfristig zu erhalten.

Das Projekt bot darüber hinaus gezielte Information, Beratung sowie Test-Angebote für Pedelecs im Rahmen von Aktionstagen an.

Für Menschen, für die ein Zweirad eher ungeeignet ist, wurde neben einem für die Zielgruppe zugeschnittenen Informationsangebot eine E-Dreirad-Datenbank geschaffen, in der ausschließlich altersgerechte Modelle (unterteilt in die Kategorien Komfort-E-Dreirad und klassisches E-Dreirad) aufgelistet sind. Damit wurde den Bedürfnissen und Anforderungen einer steigenden Zahl von Menschen mit alters- oder medikamentenbedingten Gleichgewichtsproblemen und/oder bestimmten körperlichen Einschränkungen Rechnung getragen.

Um das bundesweite Angebot an Pedelec-Kursen für Erwachsene möglichst umfassend und nutzerfreundlich abzubilden, wurde eine interaktive Karte als Ergänzung zum Informationsangebot der Projekt-Internetseite entwickelt.

Bisherige Projekterfolge

  • Projekt-Portal www.e-radfahren.vcd.org mit umfassenden Informationen zum Thema sicheres E-Radfahren und Gesundheit/Fitness aufgebaut
  • Innovative Online-Angebote geschaffen: Bundesweite Pedelec-Kurskarte und E-Dreirad-Datenbank mit komfortablen und altersgerechten Modellen
  • Pedelec-Kurse als wirksame Maßnahme zur Unfallprävention bei Verkehrssicherheitsexpert*innen und Seniorenvertreter*innen etabliert
  • Mehr als 250 Fahrradlehrende und Polizist*innen zum Thema Pedelec weitergebildet; umfassendes Weiterbildungs-Handbuch erstellt
  • Angebot an Pedelec-Kursen und Vorträgen zum sicheren E-Radfahren gesteigert; Heft mit Übungen zum Testen des eigenen Fahrvermögens erstellt
  • Im Rahmen von Aktionstagen rund 5.000 Menschen direkt erreicht
  • Vorteile des Pedelecs für Gesundheit und Fitness, insb. für übergewichtige oder wenig trainierte Menschen herausgestellt; Fitnessplans mit individuellen Trainingsplänen für drei Zielgruppen erstellt
  • E-Dreirad als sinnvolle Alternative für mobilitätseingeschränkte und ältere Menschen zum Erhalt eigenständiger Mobilität vorangebracht

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die Förderung des E-Radfahrens ist besonders geeignet, den Anteil des Radverkehrs gegenüber dem motorisierten Individualverkehr (MIV) deutlich zu erhöhen. Dies gilt insbesondere durch Substituierung von Pkw-Pendelfahrten auf Distanzen bis 12 Kilometer (z.B. auch in ländlichen Räumen mit geringer ÖPNV-Dichte) sowie in topographisch anspruchsvollen Regionen.

Die Elektromobilität im Zweiradradbereich ermöglicht es, dass - gerade im Hinblick auf den demographischen Wandel in Deutschland - auch Ältere mit dem Pedelec ihre Alltagswege beschreiten können und dadurch zur Verringerung des Autoverkehrs beitragen können.

Risiken, die mit dem Pedelec-Fahren sowie der stetig wachsenden Zahl von E-Radnutzer*innen (darunter auch zunehmend Ältere sowie Menschen mit teilweise jahrzehntelanger Radfahrabstinenz) verbunden sind, adressiert das Projekt mit der Schaffung eines bundesweit verfügbaren Weiterbildungsangebotes für Radfahrlehrer*innen und Polizist*innen zur verkehrssicheren Nutzung des E-Rades.

Neben den Aspekten Verkehrssicherheit und Erhöhung des (E-)Radverkehrsanteils wird auch der Bereich der Gesundheitsförderung angesprochen (z.B. in Form eines Fitnessplans für drei verschiedene Nutzer*innengruppen), was sich wiederum positiv auf die beiden oben genannten Aspekte auswirkt.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Sonstige
Gesamtvolumen: 
365 759 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP) 2020 gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Zur Überprüfung (der Wirksamkeit) der geplanten Interventionen im Rahmen des Projekts "Pedelec statt Auto - aber sicher!" ist eine prozessbegleitende und eine Wirkungsevaluation vorgesehen.

Die kontinuierliche Begleitung des Projektes erfolgt durch einen interdisziplinär besetzten Projektbeirat, der auch in die Entwicklung der Schulungs- und Kursmodule (einschließlich der geplanten Evaluierungsmaßnahmen) aktiv einbezogen wird.

Im Rahmen der Ergebnisevaluation wird nach Abschluss einer Intervention abgeschätzt, welche Wirkung diese hatte. Hierzu werden die beabsichtigten Ziele (SOLL laut Vorhabenbeschreibung) den erreichten Zielen (IST) gegenüber gestellt und Bilanz gezogen, ob die intendierten Ziele erreicht wurden. Darüber hinaus wird ein kontinuierliches Medienmonitoring (on- und offline) durchgeführt

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Verkehrsclub Deutschland (VCD) e.V., Bundesverband
 

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
September 2016
Projektende: 
Februar 2020

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Rainer Hauck
Verkehrsclub Deutschland (VCD) e.V.
Wallstraße 58, 10179 Berlin
Telefon: +49 (0)30/280 351 282
Telefax: +49 (0)30/280 351 10
rainer.hauck@vcd.org
 

Meta-Info
Stand der Information
30. Juni 2020
Autor
Rainer Hauck, Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD)
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Deutschland