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Pedelec statt Auto - aber sicher!

Verkehrssicherheit von Pedelec-Nutzenden

Pedelec statt Auto - Infostand mit Fahrradparcours
Pedelec statt Auto - Infostand mit Fahrradparcours © Anna Fehmel

Ausgangssituation

Elektro-Fahrräder (Pedelecs) sind seit Jahren ein Verkaufsschlager: 2015 wurden mehr als 500.000 Exemplare in Deutschland verkauft – Tendenz steigend. Damit erhöht sich ihre Anzahl bundesweit auf mehr als 2,5 Millionen.

Pedelecs kombinieren die positiven Eigenschaften des Fahrrades – umweltverträgliche Mobilität, Flexibilität, Unabhängigkeit, Steigerung der Fitness und Beweglichkeit – wegen des Elektromotors mit dem Vorteil des „eingebauten Rückenwindes“. Dies macht Pedelecs zu einer sinnvollen Alternative zum (eigenen) Auto – vor allem in Situationen, die mit einem herkömmlichen Fahrrad nicht oder nur unter Anstrengungen zu bewältigen sind. In bergigen Regionen wie auch im ländlichen Raum mit geringer ÖPNV-Dichte lassen sich mit E-Rädern auf Strecken bis zu zwölf Kilometern (aber auch darüber hinaus) Pkw-Fahrten komfortabel ersetzen. Zudem können mit Hilfe der Elektrounterstützung beispielsweise altersbedingte Einschränkungen der physischen Leistungsfähigkeit ausgeglichen werden. Zum Pedelec-Fahren muss in die Pedale getreten werden. Daher trägt E-Radfahren dazu bei, Gesundheit und Fitness zu fördern, und schafft so auch für Ältere, Rekonvaleszente und Mobilitätseingeschränkte die Möglichkeit, nachhaltig, aktiv und selbstbestimmt mobil zu sein.

Mit der steigenden Anzahl der Pedelec-Nutzer rücken jedoch auch mögliche Risiken der E-Rad-Nutzung in den Fokus. Es zeichnet sich ab, dass insbesondere Personen mit geringer Radfahrroutine, bestimmten physischen Einschränkungen und/oder mangelnder Fitness ein erhöhtes Unfallrisiko aufweisen. Erste Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass insbesondere ältere Menschen ab 65 überdurchschnittlich häufig von Unfällen mit schweren Folgen betroffen sind. Oft sind die Eigenheiten des E-Rades nicht hinreichend bekannt oder werden nicht richtig eingeschätzt. Dazu zählen insbesondere das vom herkömmlichen Fahrrad abweichende Fahr- und Bremsverhalten vor allem aufgrund der Möglichkeit, auch untrainiert höhere Geschwindigkeiten zu erreichen, das höhere Gewicht, die je nach Motor-Position unterschiedliche Gewichtsverteilung und Krafteinwirkung sowie die in der Regel stärkere Bremswirkung. Wie stark diese Aspekte vom herkömmlichen Fahrrad abweichen, hängt von Bauart und Qualität des E-Rades ab.

Projektdurchführung

Hier setzt das Vorhaben "Pedelec statt Auto - aber sicher!" des ökologischen Verkehrsclubs VCD an. Es wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln des Nationalen Radverkehrsplans gefördert. Ziel des Projekts ist es, das E-Fahrrad als sichere, gesundheitsfördernde und umweltverträgliche Alternative zum (eigenen) Auto weiter zu etablieren und so den (E-)Rad-verkehrsanteil gegenüber dem motorisierten Individualverkehr (MIV) zu erhöhen. Im Fokus stehen Pedelecs, also zulassungsfreie E-Fahrräder, bei denen das Treten durch einen Elektromotor bis maximal 25 km/h unterstützt wird.

Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Aspekten Verkehrssicherheit sowie Fitness und Gesundheit. Diese Themen werden insbesondere durch innovativ aufbereitete Informations-, Aktions- und Schulungsangebote adressiert.

Zielgruppen

Das Projekt richtet sich an erwachsene Verbraucherinnen und Verbraucher, die bereits ein Pedelec besitzen oder die Anschaffung eines E-Rades planen. Darüber hinaus werden Radfahrlehrer für Erwachsene angesprochen und durch ein spezielles Weiterbildungsangebot als Multiplikatoren für das Projekt gewonnen.

Maßnahmen

In Kooperation mit Experten werden spezielle Pedelec-Kurs-Module entwickelt, die bundesweit in Weiterbildungen an Radfahrlehrer vermittelt werden. Damit können diese Trainer E-Rad-Besitzer im Umgang mit ihrem Gefährt schulen und so die Verkehrssicherheit und Nutzungshäufigkeit des Pedelecs erhöhen.

Gemeinsam mit Sportmedizinern werden weitere Hilfestellungen wie Trainingspläne für E-Rad-Fahrer entwickelt, die dazu beitragen sollen, die eigene Fitness und Gesundheit langfristig zu erhalten.

Das Projekt bietet darüber hinaus gezielte Information, Beratung sowie Test-Angebote für Pedelecs im Rahmen von Aktionstagen an.

Für Menschen, für die ein Zweirad eher ungeeignet ist, wird das Informations- und Schulungsangebot um das Segment der Elektro-(Sessel-)Dreiräder erweitert. Hiermit wird den Bedürfnissen und Anforderungen einer steigenden Zahl von Menschen mit (alters- oder medikamentenbedingten) Gleichgewichtsproblemen und/oder bestimmten körperlichen Einschränkungen Rechnung getragen.
Um das bundesweite Angebot an (E-)Fahrradkursen-Kursen für Erwachsene möglichst umfassend nutzerfreundlich abzubilden, wird eine interaktive Karte als Ergänzung zum Informationsangebot der Projekt-Internetseite entwickelt.

Ziel ist zudem, die bereits vorhandene VCD-E-Rad-Datenbank um E-(Sessel-)Dreiräder zu erweitern. Diese Datenbank umfasst derzeit mehr als 10.000 verschiedene Pedelec-Modelle und gibt Informationen sowie Entscheidungshilfen zum E-Rad-Kauf.

Bisherige Projekterfolge

  • Vernetzung mit anderen NRVP-Projekten (E-Mobilitätsprojekt Landkreis Uckermark / Informationsaustausch; MHH-Projekt „E-Bike und Gesundheit“ / Beteiligung am Projekt-Beirat, Informationsaustausch, Kooperationsmöglichkeiten)
  • Vernetzung mit relevanten Akteuren aus Verbänden, die Radfahr-Schulungen für Erwachsene anbieten; Treffen mit Schulungsexperten der wichtigsten Verbände im Januar 2017
  • Etablierung einer interdisziplinären Projekt-Beirates; erste Beiratssitzung im Februar 2017
  • erste öffentlichkeitswirksame Aktivitäten, darunter erfolgreiche Präsenz des Projekts mit einem Mobilitätsparcours für E-Zweiräder und E-Dreiräder im „Zentrum Älterwerden“ im Rahmen des Deutschen Evangelischen Kirchentages 2017 auf dem Messegelände in Berlin
  • Erstellung eines Online-Portals zum sicheren E-Radfahren e-radfahren.vcd.org mit Informationen, Tipps sowie einer Online-Karte, die erstmals bundeweite Pedelec-Kursangebote verbraucherfreundlich bündelt

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die Förderung des E-Radfahrens ist besonders geeignet, den Anteil des Radverkehrs gegenüber dem motorisierten Individualverkehr (MIV) deutlich zu erhöhen. Dies gilt insbesondere durch Substituierung von Pkw-Pendelfahrten auf Distanzen bis 12 Kilometer (z.B. auch in ländlichen Räumen mit geringer ÖPNV-Dichte) sowie in topographisch anspruchsvollen Regionen.

Die Elektromobilität im Zweiradradbereich ermöglicht es, dass - gerade im Hinblick auf den demographischen Wandel in Deutschland - auch Ältere mit dem Pedelec ihre Alltagswege beschreiten können und dadurch zur Verringerung des Autoverkehrs beitragen können.

Risiken, die mit dem Pedelec-Fahren sowie der stetig wachsenden Zahl von E-Radnutzern (darunter auch zunehmend Ältere sowie Menschen mit teilweise jahrzehntelanger Radfahrabstinenz) verbunden sind, adressiert das Projekt mit der Schaffung eines bundesweit verfügbaren Schulungs- und Kurskonzepts für Radfahrlehrer zur verkehrssicheren Nutzung des E-Rades.

Neben den Aspekten Verkehrssicherheit und Erhöhung des (E-)Radverkehrsanteils wird auch der Bereich der Gesundheitsförderung (z.B. in Form der Erarbeitung und Verbreitung von Trainingsplänen für Pedelec-Nutzer) angesprochen, was sich wiederum positiv auf die beiden oben genannten Aspekte auswirkt.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Sonstige
Gesamtvolumen: 
321 680 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP) 2020 gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Zur Überprüfung (der Wirksamkeit) der geplanten Interventionen im Rahmen des Projekts "Pedelec statt Auto - aber sicher!" ist eine prozessbegleitende und eine Wirkungsevaluation vorgesehen.

Die kontinuierliche Begleitung des Projektes erfolgt durch einen interdisziplinär besetzten Projektbeirat, der auch in die Entwicklung der Schulungs- und Kursmodule (einschließlich der geplanten Evaluierungsmaßnahmen) aktiv einbezogen wird.

Im Rahmen der Ergebnisevaluation wird nach Abschluss einer Intervention abgeschätzt, welche Wirkung diese hatte. Hierzu werden die beabsichtigten Ziele (SOLL laut Vorhabenbeschreibung) den erreichten Zielen (IST) gegenüber gestellt und Bilanz gezogen, ob die intendierten Ziele erreicht wurden. Darüber hinaus wird ein kontinuierliches Medienmonitoring (on- und offline) durchgeführt

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Verkehrsclub Deutschland (VCD) e.V., Bundesverband
 

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
September 2016
Projektende: 
August 2019

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Rainer Hauck
Verkehrsclub Deutschland (VCD) e.V.
Wallstraße 58, 10179 Berlin
Telefon: +49 (0)30/280 351 282
Telefax: +49 (0)30/280 351 10
rainer.hauck@vcd.org
 

Meta-Info
Stand der Information
25. Oktober 2016
Autor
Rainer Hauck, Anna Fehmel, Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD)
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Deutschland