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Internet-Radroutenplaner

Online-Tool für die Suche von Routen, Radverkehrsinfrastruktur und Umsteigemöglichkeiten zum ÖPNV in derRegion Stuttgart

Die Oberfläche des VVS-Radroutenplaners
Die Oberfläche des VVS-Radroutenplaners © Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS)

Ausgangssituation

Mehrere Faktoren legten in Stuttgart die Erstellung eines Radrouten-Planungswerkzeuges als Instrument der Fahrradförderung nahe. So erschweren beispielsweise erhebliche Steigungen das Radfahren in der Region, weshalb eine sorgfältige und informierte Routenwahl sowie genaue Informationen über bestehende Mitnahmemöglichkeiten von Fahrrädern in öffentlichen Verkehrsmitteln eine wichtige Voraussetzung für die Vermeidung von topografisch anspruchsvollen Strecken sind. Auch für die regelmäßige Nutzung von Bike & Ride-Abstellanlagen sowie die Verwendung von Leihfahrrädern durch Pendler sind aktuelle, im Internet verfügbare Informationen über Standorte und Verfügbarkeit von zentraler Bedeutung. Schließlich führte auch ein steigendes Radverkehrsaufkommen im Tourismus zu einer größer werdenden Nachfrage nach attraktiven Routenplanungen und -vorschlägen.

Entwicklungsgeschichte des Radroutenplaners und seiner Funktionen

Die Landeshauptstadt hat sich im Jahr 2007 anlässlich der in Stuttgart stattfindenden Rad-WM der Erstellung eines Radroutenplaners angenommen. In Zusammenarbeit mit dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) wurde für das Stuttgarter Stadtgebiet ein Online-Routenplaner entwickelt, der auf dem bestehenden Straßen- und Wegenetz der Fahrplanauskunftssysteme des Verkehrsverbunds basiert und den Nutzern insbesondere Informationen zur Mitnahme ihres Fahrrads in öffentlichen Nahverkehrsmitteln und zur radgerechten Weiterfahrt von der Endhaltestelle zum Zielort geben kann.

Der VVS bietet sich dabei als Partner der Stadt Stuttgart an, da dessen Internetseite und Fahrplanauskunft einen Nutzungsgrad von 60% der Bevölkerung des Ballungsraums erreichen und neben der notwendigen Bekanntheit auch die nötigen Datenbestände in Form des aktuellen Wege-Grundnetzes vorliegen. Der Radroutenplaner wird auf den Internetseiten der Stadt Stuttgart und des Verkehrsverbunds Stuttgart kostenlos angeboten, u.a. unter der Adresse www.vvs.de/radroutenplaner. Durch Zusammenarbeit mit dem Verband Region Stuttgart und den Landratsämtern der vier Landkreise des Verkehrsverbunds konnten im Jahr 2009 u.a. Mittel des EU-Projektes VALUE eingeworben werden, die die Schaffung einer Projektstelle zur geographischen Ausweitung der Datengrundlage des bisherigen Radroutenplaners auf die Verbundlandkreise ermöglichten. Daneben wurde die Gestaltung der Benutzeroberfläche zeitgemäß grunderneuert und um zahlreiche Funktionen erweitert.

Der Radroutenplaner wurde nicht grundsätzlich neu als solcher entworfen, sondern baute von Anfang an programmtechnisch auf dem elektronischen Fahrplanauskunftssystem EFA mit dem dort hinterlegten vollständigen Straßen- und Wegenetz auf. Die Fahrplanauskunft beherrscht schon länger die Fußwegauskunft von der Endhaltestelle zur Zieladresse mit Berücksichtigung von Steigungen und Treppen. Der Routingalgorithmus des Radroutenplaners baute darauf auf, indem er das gleiche Wegenetz mit speziellen Gewichtungen für Radfahrer nutzte. Jedem Straßen- und Wegeabschnitt können dabei Attribute wie "Hauptradweg" oder "geschotterter Weg" hinzugefügt werden, die in die Routenberechnung ebenso wie Steigungen (Verlangsamung der Fahrt) oder Treppen (kompletter Ausschluss) einfließen. Die Erfassung dieser Daten findet durch die genannte Projektstelle "Radroutenplaner" durch detaillierte Auswertung von Karten und Luftbildern aller Art sowie in aufwändiger Abstimmung mit den Kommunen statt.

Einen großen Vorteil gegenüber anderen Radroutenplanern stellt die Möglichkeit der Einbeziehung öffentlicher Verkehrsmittel dar, die in dem bestehenden Auskunftssystem ohnehin vollständig hinterlegt sind. Dabei werden automatisch nur Schienenverkehrsmittel sowie spezielle Fahrradbusse berücksichtigt. Auch Sperrstunden für die Fahrradmitnahme, wie sie im werktäglichen Berufsverkehr bei einzelnen Verkehrsmitteln existieren, können auf diese Weise wiedergegeben und entsprechend umgangen werden.

Die gängigen Funktionen eines Routenplaners konnte auch der VVS-Radroutenplaner von Anfang an bieten. Dazu gehören drei verschiedene Kartentypen, von denen einer ein aktuelles Luftbild ist, individuelle Routenoptionen, die z.B. das Ausschalten von Steigungen oder Schotterabschnitten ermöglichen und die Ausgabe von GPS-Tracks und druckfähigen PDF-Dateien. Auch eine englischsprachige Oberfläche samt Bedienungsanleitung wurde dem Programm mit auf den Weg gegeben. Durch die Hinterlegung der fast 5.500 interessante Ziele umfassenden Freizeitdatenbank des VVS können seit Frühjahr 2010 zudem Punkte wie Schulen, Restaurants, Fahrradläden, Badeseen und Trinkbrunnen nicht nur als Zwischenpunkte oder Ziele einer Strecke gesetzt, sondern auch in einem wahlweise 100 bis 1000 m breiten Korridor entlang der Strecke ein- und ausgeblendet werden. Ein weiteres innovatives Angebot zur Verknüpfung umweltfreundlicher Verkehrsmittel ist die Möglichkeit der Einblendung aller Call a Bike-Standorte in Stuttgart, wobei jeweils die gerade aktuelle Anzahl verfügbarer Räder und freier Plätze für die Rückgabe mit angezeigt wird. Die Stationen lassen sich wie die übrigen interessanten Ziele in jede Route mit einbeziehen. Eine neuere Funktion ist die Personalisierung und Abspeicherung von Lieblingsrouten, zu denen bei Eingabe einiger Daten u.a. zu Größe und Gewicht auch der individuelle Kalorienverbrauch berechnet wird.

Seit Frühjahr 2010 wurden zudem über 80 Themenrouten gesammelt, die im Radroutenplaner als vorgegebene Routen eingeblendet, als PDF-Dateien und GPS-Tracks heruntergeladen oder wie andere Routen weiter bearbeitet werden können. Zu den Themenrouten zählen sowohl die überregionalen und regionalen Flussradwege wie der Neckartal-Radweg als auch lokale Tourempfehlungen einzelner Gemeinden wie die Höhenroute Rems-Murr-Kreis. Zudem wurde 2010 der Routing-Algorithmus dahingehend erweitert, dass ausgewählte Themenrouten bei der Berechnung einer normalen Verbindung von A nach B bevorzugt in die Streckenfindung mit einbezogen werden. Diese spezielle Funktion macht erneut insbesondere in der hügeligen Region Stuttgart Sinn, da auf diese Weise z.B. mäandrierenden Fluss-Radwegen optimal gefolgt werden kann, ohne dass diese von der mathematischen Routenformel durch kürzere, aber topographisch schwierigere Radwege in Luftlinie abgeschnitten werden.

Vermarktung

Nach Fertigstellung der Radwegedaten für die vier Landkreise wurden jeweils unter Anwesenheit der Presse lokale Präsentationsveranstaltungen bzw. Werbeaktionen realisiert. Zeitgleich wurde ein Prospekt mit allen wichtigen Fakten zum Radroutenplaner vom VVS entworfen. Alle 144 Gemeinden sowie alle Fahrradläden des VVS-Gebietes erhielten inzwischen einen Satz Flyer mit der Bitte um Auslage an geeigneter Stelle. Inzwischen fanden insbesondere von den für den Radtourismus sehr engagierten Gemeinden Rückmeldungen und Nachbestellungen statt. Auch zum Angebot "Der VVS-Radroutenplaner für Ihre Homepage", welches eine Radwegeauskunft auf der jeweiligen Homepage der Gemeinde oder des Radladens ermöglicht, wurden häufig weitere Informationen angefordert.

Den möglicherweise breitesten Effekt für die Bekanntheit des VVS-Radroutenplaners bewirkte die Aktion "Tour de Region", bei der in Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Zeitung zwölf Tagestouren ausgearbeitet wurden, die entlang der äußeren Grenze der Region Stuttgart einen 450 km langen Ring bilden. Start und Ziel aller Touren sind Bahnhöfe, so dass ein Abfahren im Rahmen mehrerer Tagesetappen möglich ist. Alle Touren wurden jeweils von kleinen "Test-Gruppen" abgefahren, die aus Reportern der Stuttgarter Zeitung und Vertretern des VVS und der Region Stuttgart bestanden. Die gesammelten Erfahrungen wurden als Serie in zwölf aufeinander folgenden Ausgaben der Stuttgarter Zeitung veröffentlicht; parallel dazu konnten die Touren im VVS-Radroutenplaner als Karten und GPS-Tracks heruntergeladen werden. Stark erhöhte Abrufzahlen und zahlreiche positive und konstruktiv kritische Kommentare von Lesern wiesen auf eine positive Resonanz hin.

Was wurde erreicht?

Von Anfang an wurden detaillierte Statistiken zu den Abrufzahlen geführt. Insgesamt erhöhten sich die Nutzerzahlen von Sommer zu Sommer kontinuierlich und erreichen an Spitzentagen über 1000 berechnete Routen. Dabei ist zu beachten, dass nicht die reinen Seitenaufrufe, sondern nur die tatsächlich berechneten Radrouten gezählt werden. In den Sommermonaten werden monatlich zwischen 15.000 und 20.000 Routen berechnet. Seit Mai 2010 wird eine separate Statistik über die Abrufe der Themenrouten geführt, die nicht extra berechnet werden müssen. Insgesamt wurden in den Monaten Mai bis September 2010 38.400 Themenrouten aufgerufen, was 251 Anfragen pro Tag entspricht. Im April 2011 erreichte der Radroutenplaner neue Rekordabfragezahlen, was zum einen dem schönen Wetter, zum anderen neuen Features und der weiteren räumlichen Ausdehnung zugeschrieben werden kann.

Da der tatsächliche Effekt des Radroutenplaners auf die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr der Region Stuttgart nicht empirisch ermittelt wurde, können nur einzelne Ergebnisse der Statistiken des Routenplaners entsprechend interpretiert werden. So wird eine eigene Zählung darüber geführt, wie viele Routen in bzw. zwischen den Landkreisen berechnet werden. Führten Routen innerhalb der kreisfreien Stadt Stuttgart diese Statistik bis Ende 2009 mit großem Abstand an, so stieg der Anteil von Berechnungen zwischen den Landkreisen und von Stuttgart aus in die Landkreise 2010 parallel zur Veröffentlichung der Informationen über die Gebietserweiterung erheblich an.

Unter den Gemeinden, in denen die meisten Start-, Ziel- oder Zwischenpunkte von Routen liegen, folgen nach Stuttgart die Städte Ludwigsburg, Esslingen, Sindelfingen und Leinfelden-Echterdingen. Aus diesen Werten lässt sich die Vermutung ableiten, dass viele der Ziele im Rahmen des üblichen Modal Split mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden bzw. vom Ende der Touren zum Anfang mittels Bus und Bahn zurückgekehrt wird. Immerhin werden auch durchschnittlich 12% der Routenanfragen mit dem Modus "Fahrradmitnahme" bzw. "Bike & Ride" angefragt.

Auf der anderen Seite kann der Radroutenplaner auch als gutes Instrument des Umweltverbundes gesehen werden, bei dem die Beauskunftung aller umweltfreundlichen Verkehre unter dem gemeinsamen Dach des Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart im Mittelpunkt steht. Bei Störungen des Betriebsablaufes von Stadtbahnen und S-Bahnen in Stuttgart - z.B. im Streikfall und sogar auch witterungsbedingt - wird regelmäßig als Alternative das Fahrrad mit seinem Informationsmedium Radroutenplaner beworben. Die Auskünfte steigen zu diesen Zeiten sprunghaft an, was die Vermutung nahe legt, dass der Radroutenplaner nicht nur im Freizeitbereich sondern auch besonders im Alltag für die Pendler eine wertvolle Dienstleistung darstellen kann.

Planungen für die Zukunft

Nach Auswertung der derzeit laufenden Benutzerumfrage und Evaluation sind technische Verbesserungen geplant, darunter insbesondere die häufig gewünschten Funktionalitäten für Handys mit Navigationseigenschaften, die Ausgabe von Alternativrouten für die gleiche Strecke und die Möglichkeit der Variation einer berechneten Route durch einfaches Ziehen der Route mit der Maus.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Durch seine zeitgemäße Benutzeroberfläche und die zahlreichen innovativen Funktionen, insbesondere die Kombinationsmöglichkeit mit dem öffentlichen Nahverkehr sowie die Vernetzung mit den relevanten Akteuren, konnte der VVS-Routenplaner erfolgreich in der Region Stuttgart etabliert werden.

Als Planungsinstrument sowohl für Freizeit- als auch für Pendelrouten erhöht er effektiv die Mobilitätsmöglichkeiten und -alternativen der Bewohner der Region Stuttgart. Nutzerumfragen und sonstige Rückmeldungen ergeben, dass, der VVS-Radroutenplaner das Radfahren in der hügeligen Region Stuttgart tatsächlich attraktiver gemacht hat. Ein häufig gehörter Kommentar ist darüber hinaus auch, dass die Nutzer durch den Radroutenplaner in der eigenen Wohnumgebung auf Ziele, Fahrtmöglichkeiten und Freizeitoptionen hingewiesen werden, die bislang unbekannt waren. Da es der Radroutenplaner ermöglicht, die Anreise zu den Zielen mittels ÖPNV und Fahrrad zu planen, stellt das Produkt auch ein Planungsinstrument und einen Anreiz zur Nutzung des ÖPNV dar.

Finanzierung

Finanzierung: 
EU-Mittel
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
100 000 €
Erläuterungen: 
Investition: 100.000 Euro (EU-Mittel, kommunale Mittel); lfd. Kosten: 12.000 Euro (kommunale Mittel)
EU-Projekt VALUE (2-jährige Projektstelle zum geographischen Ausbau)

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Größere Evaluation ist derzeit nur in Planung und noch nicht geschehen. Eine kleinere Evaluation wurde im Rahmen einer Nutzerumfrage auf der Internetseite des Radroutenplaners selbst vorgenommen.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart, Landeshauptstadt Stuttgart, Verband Region Stuttgart
Projektbeteiligte: 
Landeshauptstadt Stuttgart, Landkreis Böblingen, Landkreis Esslingen, Landkreis Ludwigsburg, Rems-Murr-Kreis, Landkreis Göppingen

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
September 2007
Info zur Laufzeit: 
In ständiger Weiterentwicklung, letzter größerer Schritt Januar 2011 beendet

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Projektleiter
Herr Volker Torlach
Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS)
Rotebühlstraße 121
70178 Stuttgart
Telefon: +49 (0)711/6606-2120
Telefax: +49 (0)711/6606-2100
E-mail: radroutenplaner@vvs.de

Meta-Info
Stand der Information
30. April 2011
Autor
Volker Torlach und Benjamin Pape, Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS)
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Baden-Württemberg