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Entwicklung eines Leitfadens

NRVP 2020 - Rad- und Fußverkehr auf gemeinsamen und getrennten selbstständigen Wegen

Die beste Lösung bei hohen Dichten: ausreichend Platz,
angedeutete separate Wege auf der Ostseeinsel Usedom
Die beste Lösung bei hohen Dichten: ausreichend Platz, angedeutete separate Wege auf der Ostseeinsel Usedom © Jörg Thiemann-Linden

Ausgangssituation

In Deutschland werden gemeinsame Wege für Rad- und Fußverkehr derzeit auch bei hohen Rad- und Fußverkehrsstärken vorgesehen. Dies kann insbesondere bei unzureichenden Wegebreiten zu erheblichen Beeinträchtigungen bis hin zu Unfällen führen. Weiterhin ergeben sich aus den aktuellen Entwicklungen im Radverkehr neue Fragestellungen zum Einfluss höherer Geschwindigkeiten im Radverkehr (GDV, 2015) und eines zunehmenden Pedelec-Anteils (ZIV, 2011).

Mit dem Forschungsvorhaben sollen die Erkenntnislücken zur gemeinsamen Führung von Rad- und Fußverkehr auf selbstständigen Wegen geschlossen und Einsatzbereiche für unterschiedlich belastete Wege präzisiert und definiert werden. Dabei sollen Aspekte zu Verkehrssicherheit, Komfort und Verkehrsablauf unter Berücksichtigung der Wirksamkeit verschiedener Arten der Trennung der Verkehrsmittelarten bewertet werden. Im Einzelnen sollen die folgenden Fragestellungen beantwortet werden:

  • Welche Kriterien sind aus Nutzer- und Planersicht für die Bewertung und Beschreibung der Verträglichkeit von Radverkehr und Fußverkehr auf selbstständigen gemeinsamen Wegen relevant?
  • Wie kann die objektive Sicherheit vor dem Hintergrund einer vermutlich geringen Unfallhäufigkeit (hohe Dunkelziffer bei polizeilich registrierten Unfällen; vgl. Münster, 2010) bewertet werden?
  • Lässt sich eine Unfall-Dunkelziffer abschätzen oder können bei sehr geringen Unfallwahrscheinlichkeiten alternative Methoden der Sicherheitsbewertung genutzt werden (z. B. surrogate safety measures)?
  • Wie lässt sich der Komfort und die Qualität des Verkehrsablaufs aus Sicht des Radverkehrs unter Berücksichtigung der Ansprüche des Fußverkehrs bewerten?
  • Unter welchen verkehrlichen Bedingungen (bspw. Verkehrsstärke des Rad- und Fußverkehrs) sind bei Berücksichtigung der Aspekte zu Verkehrssicherheit und -ablauf sowie Komfort Maßnahmen zur Trennung notwendig und wie ist deren Wirksamkeit?

Das Gesamtziel des Forschungsvorhabens ist ein Leitfaden zur Umsetzung und Gestaltung selbstständig geführter Wege für den Rad- und Fußverkehr. Darin werden die Einsatzbedingungen hinsichtlich der für einen Streckenabschnitt typischen Wegezwecke, der Verkehrsmengen und weiterer Charakteristika beschrieben und geeignete Gestaltungsformen in einer Beispielsammlung dokumentiert.

Projektdurchführung

Zur Beantwortung der in der Ausgangssituation zusammengestellten Fragen haben die LISt Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistungen mbH und die Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik der TU Dresden ein Kooperationsprojekt initiiert. Neben der Förderung im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 2020 wird das Projekt durch den Freistaat Sachsen als Drittmittelgeber unterstützt.

Im Rahmen des Projekts erfolgt eine wissenschaftliche Untersuchung zu Verkehrssicherheit, Verkehrsablauf und subjektivem Empfinden der Nutzer vor Ort. Aus den erhobenen Daten erfolgt eine Bewertung der untersuchten Verkehrsanlagen unter Berücksichtigung von deren Gestaltung.

Die Vorgehensweise und die sich daraus ergebenden Arbeitsschritte sehen fünf inhaltlich aufeinander aufbauende Arbeitsschritte vor.

Phase 1 Grundlagen

Zunächst erfolgt eine Analyse verkehrsrechtlicher und technischer Randbedingungen zu gemeinsamen Wegen des Rad- und Fußverkehrs.

Durch eine bundesweite Kommunalrecherche wird die Anwendungspraxis beschrieben und geeignete Untersuchungsbeispiele identifiziert (Umfragebeteiligung bis 17.03.2017 möglich: Download Fragebogen).

Phase 2 Unfallanalyse

Für eine erste Einschätzung des Gefährdungspotenzials auf selbstständigen Geh- und Radwegen, werden die Unfalldaten der Polizei ausgewertet.

Zur Abschätzung der Dunkelziffer im Unfallgeschehen wird die Befragung der Nutzer innerhalb der Vorher-Messung (Phase 3) ggf. auch Krankenhausakten herangezogen.

Phase 3 Vorher-Messung

Aufbauend auf der Dokumentation der Anwendungsfälle sowie der Auswahl der Fallbeispiele sollen Verkehrsablauf und Verkehrsverhalten an 20 Stellen analysiert werden. Neben den Videobeobachtungen werden persönliche Befragungen von Rad Fahrenden und zu Fuß Gehenden durchgeführt.

Phase 4 Nachher-Messung

Sollten an ausgewählten Streckenabschnitten Maßnahmen umgesetzt werden können, werden an diesen Nachher-Messungen durchgeführt. Ist dies nicht möglich, erfolgt eine nach der vorhandenen Führung des Rad- und Fußverkehrs differenzierte Analyse (Mit-Ohne-Vergleich).

Phase 5 Erstellung von Leitfaden und Schlussbericht mit Beispielsammlung

 

Das Ergebnis des Forschungsvorhabens wird ein Leitfaden zur Umsetzung und Gestaltung selbstständig geführter Wege des Rad- und Fußverkehrs sein. Darin werden die Einsatzbedingungen hinsichtlich der für einen Streckenabschnitt typischen Wegezwecke, der Verkehrsmengen und weiterer Charakteristika beschrieben und geeignete Gestaltungsformen in einer Beispielsammlung dokumentiert.

Die Grundlagen, Methodik und Einzelergebnisse der Untersuchungen, welche dem Leitfaden zugrunde liegen, werden in einem Schlussbericht zusammengefasst. Auf diese Weise können die im Leitfaden enthaltenen Empfehlungen nachvollzogen werden.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Der Bau von Radverkehrsanlagen gewinnt derzeit rasant an Bedeutung. Während für Radschnellwege bereits hohe Ausbaustandards definiert sind und umgesetzt werden, fehlen für einfache selbstständige Radwege entsprechende Erkenntnisse. Dabei ist die Dimensionierung und Gestaltung selbstständiger Radwege mit und ohne Fußverkehr immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Für diese fehlen aber Erkenntnisse zu wesentlichen Eckpunkten einer gemeinsamen Führung von Rad- und Fußverkehr insbesondere auf selbstständigen Wegen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Landesmittel
Gesamtvolumen: 
125 115 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln des Nationalen Radverkehrsplans 2020 gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Wirkungs- und Prozessevaluation geplant

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

LISt Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistungen mbH

Projektbeteiligte: 

Kooperationspartner: Technische Universität Dresden, Fakultät Verkehrswissenschaften "Friedrich List", Institut für Verkehrsplanung und Straßenverkehr, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
November 2016
Projektende: 
April 2019

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Download Fragebogen Kommunalumfrage (Beteiligung an der Umfrage bis 17.03.2017 möglich)

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Markus Enke
LISt Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistungen mbH
Seminarstraße 4, 09306 Rochlitz
Telefon: 037207 / 832-651
Telefax: 0351 / 4511784-599
E-Mail: markus.enke@list.smwa.sachsen.de

Sebastian Hantschel
Technische Universität Dresden
Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik
Hettnerstraße 1, 01069 Dresden
Telefon: 0351 / 463 423 94
Telefax: 0351 / 463 365 02
E-Mail: sebastian.hantschel@tu-dresden.de

Meta-Info
Stand der Information
1. November 2016
Autor
Markus Enke (LISt Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistungen mbH), Sebastian Hantschel (TU Dresden)
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