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Schülerwettbewerb zum Radverkehr

Nordhessen R-fahren

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Das Logo © R-fahren.de

Ausgangssituation

In der kreisfreien Stadt Kassel und den fünf nordhessischen Landkreisen bestehen erhebliche Defizite in Bezug auf die Radverkehrsinfrastruktur und das Radverkehrsklima, dies wurde auch durch Untersuchungen des ADFC (2005) und des ADAC (2004) festgestellt. Der Radverkehrsanteil an den Gesamtfahrten liegt auch nach neuesten Erhebungen deutlich unter 10%.
Um Kinder und Jugendliche einerseits an das Verkehrsmittel Fahrrad heranzuführen und andererseits an konstruktiven Maßnahmen zur Verbesserung des Radfahrens zu beteiligen, entstand in der 'Zukunftsinitiative Nordhessen' (www.zukunftsinitiative.org) die Idee, einen Schülerwettbewerb auszuschreiben. Mit Unterstützung eines Unternehmens für Verkehrstechnik entwickelte das Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung/Mobilitätsentwicklung der Universität Kassel im Herbst 2008 das Wettbewerbskonzept zu 'Nordhessen R-fahren'. Auch eine studentische Projektgruppe war maßgeblich an der Projektentwicklung beteiligt.
Ziel des Wettbewerbs ist es, Kindern und Jugendlichen Spaß am Radfahren zu vermitteln. Durch die im Projekthandbuch beschriebenen Projekte sollen sie lernen, sich während des Radfahrens aufmerksam mit ihrer Umgebung zu beschäftigen. Hierbei werden Vorteile des Radfahrens, wie selbstbestimmte Mobilität und die Schonung der Umwelt, verdeutlicht. Weiterhin lernen die Kinder und Jugendlichen sich aktiv an der Gestaltung und Verbesserung ihres Lebensraumes zu beteiligen: Die erarbeiteten Vorschläge werden gesammelt, im Internet veröffentlicht und an die zuständigen Behörden geleitet. Entstehen sollen dabei neue Netzwerke und Kontakte zwischen Jugendlichen, Schulen und öffentlicher Verwaltung.

Projektdurchführung

Der Wettbewerb wurde im Frühjahr 2009 vom Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung/Mobilitätsentwicklung der Universität Kassel unter der Mitwirkung studentischer Projektgruppen ausgeschrieben. Durch eine Vielzahl von Vorbereitungen und Aktionen wurden Jugendliche, Lehrer und Fachleute intensiv in die Durchführung des Wettbewerbs eingebunden. Im Einzelnen sind folgende Projektelemente zu erwähnen:

Einrichtung eines 'Pädagogischen Begleitkreises'

Damit das Projekthandbuch ein pädagogisch gut durchdachtes Instrument werden konnte, beriefen wir im Herbst 2008 einen pädagogischen Begleitkreis aus Lehrerinnen und Lehrern sowie einem Fahrradhändler. Hauptaufgabe dieses Begleitkreises war die thematische Diskussion der einzelnen Projektideen im Zuge der Erstellung des Projekthandbuchs sowie die fachlich-pädagogische Unterstützung der studentischen Projektgruppe. Auch wurden sehr wertvolle Hinweise gegeben, welche Aktionen und Inhalte im Schulunterricht möglich sind und wie an Schulen herangetreten werden kann.

Entwicklung des Projekthandbuchs

Ziel des Projekthandbuchs war es, ein Instrument zu schaffen, welches den Wettbewerbsteilnehmern Vielfältigkeit und Flexibilität bei der Gestaltung ihrer Beiträge ermöglicht. Die Vielfältigkeit schlägt sich in den unterschiedlichen Projektideen nieder. Die Ideen sind so aufgebaut, dass sie flexibel in den alltäglichen Schulunterricht integriert werden können oder auch in Projektwochen umgesetzt werden können.
Das Projekthandbuch möchte Schüler und Lehrer zum Experimentieren mit dem Fahrrad ermutigen und sie dabei mit unterschiedlichen Herangehensweisen vertraut machen. Wichtig ist hierfür, dass die einzelnen Projektideen nicht einfach „abgearbeitet“ werden, sondern zu eigenen Fragen anregen, denen weiter nachgegangen wird. Das Thema Fahrradverkehr soll durch den Wettbewerb in die Schulen getragen werden, um einen Beitrag zur nachhaltigen Verkehrsentwicklung zu leisten und junge Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren.
Beispielhaft einige Themen der insgesamt neun Projektvorschläge:

  • Mit dem Fahrrad zur Schule

Interesse am Fahrrad fahren wecken, mit offenen Augen Fahrrad fahren und Verbesserungsmöglichkeiten auf dem Schulweg erkennen lernen.
*Ich bin mobil mit dem Fahrrad
Nutzung des Fahrrads auf den Freizeitwegen der Schülerinnen und Schüler

  • Fahrrad und Umwelt

Welche Auswirkungen haben unterschiedliche Verkehrsmittel auf die Umwelt und den Menschen? Wo liegen die Potenziale des Fahrrads und wie können diese gestärkt bzw. genutzt werden?

  • Unser Radverkehrsnetz - planen und verbessern

Radverkehrsanlagen und Radverkehrsnetz erkunden und analysieren, dabei vorbildliche und zu verbessernde Bereiche wahrnehmen und ggf. Lösungsvorschläge erarbeiten.

  • Ich kann die Welt und meine Umgebung verändern

Politische Verfahren und Verantwortlichkeiten kennen lernen – wie geht man vor, wenn man etwas am Radverkehrsnetz positiv verändern möchte?

Unterstützung durch Sponsoren

Es wurden durch die Fa. Hübner, die Stadt Kassel, den Landkreis Kassel sowie die Fa. Fehr insgesamt rund 30.000 Euro für die Durchführung der Projekte und die Preisgelder zur Verfügung gestellt. Des Weiteren haben viele Hersteller von Fahrradteilen, Kartenverlage sowie lokale Fahrradhändler Sachpreise gespendet.

Materialien und Aktionen zur Öffentlichkeitsarbeit

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wurden professionelle Materialien wie Plakate, Flyer, Banner, Teilnehmerausweise und eine Website (www.r-fahren.de) gestaltet. In den regionalen Zeitungen und Medien wurde über die Aktion berichtet. Sämtliche Schulen Nordhessens (über 350) wurden angeschrieben und informiert.

Auftaktveranstaltung

Am 13. März 2009 fand die Auftaktveranstaltung des Schülerwettbewerbes in der Kassler Carl-Schomburg-Schule statt. Der Wettbewerb wurde eröffnet von MdB Hans Eichel, der den Wettbewerb besonders als Prozess der politischen Gestaltung unter der Beteiligung von Schulen und Universitäten lobte. Es folgten weitere Beiträge vom Kasseler Stadtbaurat Witte und weiteren Persönlichkeiten.
Umrahmt wurde die Eröffnung von lehrreichen bis spannenden Aktionen u. a. des ADFC, der Verkehrswacht, der Polizei und zweier BMX-Trial-Künstler.

Jury und Preisverleihung

Am 22. Juni 2009 fand die Jurysitzung an der Universität Kassel statt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren acht preiswürdige Beiträge nordhessischer Schülergruppen eingegangen. Zu den Jurymitgliedern gehörten Pädagogen, Verkehrsexperten, kommunale Radverkehrsbeauftragte, Vertreter des Regierungspräsidiums und Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Sport. Im Verlauf der Sitzung legte die Jury nach eingehender Beratung die Platzierungen und damit die Sach- und Geldpreise fest.
Die Preisverleihung fand am 6. Juli 2009 in festlichem Rahmen in den Räumen der Volkshochschule Kassel statt. Die an den Arbeiten beteiligten Schüler, sowie Lehrer und Eltern erschienen zahlreich. Es bestand die Möglichkeit, die Wettbewerbsbeiträge im Foyer zu begutachten. Im Rahmen dieser Veranstaltung entwickelten sich aus informellen Gesprächen weitere Kontakte zwischen Schulen und öffentlicher Verwaltung.

Was erreicht wurde

Im Verlauf des Wettbewerbs haben sich mehrere hundert Schüler und viele Lehrer in allen nordhessischen Landkreisen sowie in Kassel intensiv mit dem Thema Radverkehr auseinandergesetzt und teilweise beeindruckende Analysen des Radwegenetzes erstellt. Viele Klassen haben gemeinsame Radtouren und Erkundungen auf dem Fahrrad unternommen - auch wenn im Anschluss nur einige Klassen ihre Aktivitäten dokumentiert und als Wettbewerbsbeiträge eingereicht haben. Uns haben viele Lehrer von durchgeführten Aktionen zum Thema Radverkehr berichtet, die jedoch aufgrund der Knappheit an Unterrichtszeit nicht weiter ausgearbeitet werden konnten.
Zwischen Schulen, Schülern und Verwaltungen sind durch den Wettbewerb vielfältige Kontakte entstanden, beispielsweise werden an der Elisabeth-Selbert-Schule in Zierenberg erarbeitete Vorschläge in den Verwaltungen von Stadt Zierenberg und Landkreis weiterverfolgt. Die Kontakte zwischen der Universität Kassel und den kommunalen Verwaltungen wurden intensiviert.
In den im Abstand von 1-2 Jahren geplanten weiteren Ausschreibungsrunden werden die Erfahrungen der ersten Wettbewerbsrunde eingearbeitet, damit soll die Zahl der teilnehmenden Schulen und Kommunen weiter gesteigert werden. So wird ein Grundstein gelegt, Nordhessen zur fahrradfreundlichen Region zu entwickeln.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Wir sind überzeugt, dass es sehr förderlich für die positive Entwicklung des Radverkehrs ist, wenn sich Kinder und Jugendliche engagiert und selbstbestimmt mit dem Thema Radverkehr auseinandersetzen und sich in ihrer eigenen Umgebung für Verbesserungen einsetzen. Genau dies ist die Zielrichtung unseres Wettbewerbs.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Sponsoring, Spenden
Gesamtvolumen: 
30 000 €
Erläuterungen: 

Investition: 30.000 Euro; lfd. Kosten: 15.000 Euro
Eine jährliche Neuauflage wird angestrebt, die Finanzierung der laufenden Kosten ist aber noch nicht gesichert.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Universität Kassel, Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung / Mobilitätsentwicklung, Leitung: Prof. Dr.-Ing. Helmut Holzapfel

Projektbeteiligte: 

Universität Kassel; Zukunftsinitiative Nordhessen ; HÜBNER GmbH; Stadt Kassel; Landkreis Kassel

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Juli 2009
Info zur Laufzeit: 

Wettbewerb soll im Abstand von ein bis zwei Jahren wiederholt werden.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Wissenschaftlicher Bediensteter
Herr Dipl.-Ing. Joachim C. Otto
Universität Kassel
Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung / Mobilitätsentwicklung
Gottschalkstraße 28
34109 Kassel
Lieferanschrift: 34127 Kassel Kassel
Telefon: 0561.8043221
Mobiltelefon: 0561.804.3599
E-mail: joachim.otto@uni-kassel.de
WWW: www.uni-kassel.de/fb6/via/team...
 

Meta-Info
Stand der Information
13. Juni 2010
Autor
Dipl.-Ing. Joachim C. Otto, Universität Kassel
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Hessen