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LippeRadService

Netzwerk von Fahrradservice-Stationen entlang touristischer Routen

Logo LippeRadService
Logo LippeRadService © Werner Kloppmann

Ausgangssituation

Der Kreis Lippe verfügt über ein gut ausgebautes und auf 930 km mit Wegweisern ausgestattetes Radwegenetz, welche entsprechend den Hinweisen zur wegweisenden Beschilderung in Nordrhein-Westfalen zweimal jährlich vom Kreis kontrolliert werden. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten und eine abwechslungsreiche Natur laden dazu ein, die Region mit dem Fahrrad oder auch mit dem Pedelec zu erkunden.

Doch was passiert, wenn den Radler mitten auf einer ausgiebigen Tour eine Panne ereilt und ihm Werkzeug, Ersatzteile oder beides fehlen? In der Regel ist eine Werkstatt fern, nicht das eigentliche Ziel der Tour und am Wochenende meistens ohnehin geschlossen. Ähnliches gilt für die Touristinfo, falls sich der radelnde Gast nach einer Herberge für die Nacht umsehen oder mit Informationen zu in der Nähe liegenden weiteren Sehenswürdigkeiten versorgen möchte. Auch hier würde ein Umweg erforderlich werden. Das eigentliche Ziel gilt ja den touristischen Attraktionen bzw. dem Fahrerlebnis in der Natur. Sind die Kräfte des Radlers am Ende, möchte er vielleicht gern mit dem ÖPNV zurück oder weiter fahren. Doch wo ist der nächste Bahnhof bzw. die nächste Bushaltestelle? Wo bekommt er Informationen zu Fahrtmöglichkeiten und Fahrplänen?

Ziel des Projekts

Die Aufgabe bestand demnach darin, dem Radtouristen Umwege zu ersparen und ihm bei allen Fragen und Bedürfnissen möglichst in Zielnähe zu helfen. Zusätzlich zu den vorhandenen, von vielen Punkten des Radwegenetzes aber weiter entfernten Serviceeinrichtungen, sollten weitere Stationen bei realistischem Ressourceneinsatz ein flächendeckendes Angebot ermöglichen. Aus dieser Überlegung entstand die Idee eines Netzwerks von LippeRadService-Stationen, ähnlich dem ADFC-Angebot von Bett and Bike - nur ohne Bett!

Ähnliche Service-Einrichtungen gibt es andernorts nur in Form einzelner Stationen, die dann z.B. von einer Schul-AG betreut werden. Solch ein grundsätzlich sinnvolles Angebot gibt jedoch keinen vollständigen "Rückhalt" für den Radler, da Hilfe nicht nur dann erforderlich werden kann, wenn man gerade an dieser Station vorbeikommt. Neu am hier vorgestellten Projekt war deshalb der Gedanke des Flächenhaften.

Projektdurchführung

Vor Einrichtung der ersten Musterstation hatte ich mir eine Liste der aus meiner Sicht erforderlichen Materialien gemacht und mich zu den Modalitäten der Anschaffung informiert. So hätte ein gefüllter "Schlauch-o-mat" zum Beispiel rund 1000 Euro gekostet, die man erst nach Verkauf des Inhalts wieder herein bekommen hätte. Da aber 95 % der im Einsatz befindlichen Fahrradschläuche einigen wenigen Typen entsprechen, wären andere Typen überwiegend als Ladenhüter alt und unbrauchbar geworden. Dies hätte ein deutliches Verlustgeschäft bedeutet. Grundsätzlich ging es darum, den finanziellen Einsatz der am Projekt beteiligten Institutionen möglichst gering halten.

Eine erste Liste der touristischen Ziele im Kreis Lippe erhielt ich von der LTM (Lippe Tourismus Marketing). Diese habe ich allesamt angesprochen und bin teilweise auf Vorbehalte und individuelle Einschränkungen gestoßen, die zum Teil in der Örtlichkeit begründet waren. Bei meinen Besuchen habe ich in Einzelgesprächen alle Bedenken angesprochen und größtenteils ausräumen können.

Im LWL - Freilichtmuseum Detmold wurde eine Musterstation eingerichtet, anhand derer die erforderlichen und sinnhaften Elemente entwickelt wurden. Ziel war es, mit geringen finanziellen Mitteln, hauptsächlich durch Zusammentragen ohnehin an verschiedenen Orten vorhandener Materialien, ein umfassendes Informationsangebot und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Es war also nicht an eine Werkstatt oder ähnliche Angebote gedacht. Außerdem sollte die in der touristischen Einrichtung ohnehin vorhandene Ausrüstung, wie z.B. das Mobiliar, weitgehend individuell genutzt werden, anstatt eine einheitliche und folglich erst teuer anzuschaffende Einrichtung einzuplanen. Daher sehen die Service-Stationen bei den Projektpartnern ganz unterschiedlich aus (s. Fotobeispiele). Wichtig sind aber die wiederkehrende Grundstruktur und das einheitliche Logo.

Neben der Materialliste wurde eine Beschreibung ausgearbeitet, aus der die Betreiber der Stationen, aber auch der jeweilige Radverkehrsbeauftragte ersehen können, wer für die Aktualisierung der Unterlagen und den Materialnachschub zuständig ist. Mit diesen Unterlagen einschließlich Fotos der Musterstation wurden bei zunächst 14 weiteren Betrieben (vor allem touristische Ziele wie Museen, aber auch in Hotels etc.) LippeRadService-Stationen eingerichtet. Weitere touristische Ziele sollen geworben werden, um ein möglichst dichtes, verlässliches Netz der Service-Stationen zu erzielen. Ein speziell entwickeltes Logo weist dort auf das Angebot hin.

Auch auf den Service-Koffer wird mit einem Emblem hingewiesen. In besonderen Fällen kann dieser Service-Koffer den Projektpartnern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Dies wurde bislang dort gemacht, wo die Einrichtung eines Service-Angebots besonders wichtig erschien, der Träger jedoch über keine entsprechenden Mittel verfügte.

Angebot der Stationen

Folgende Materialien finden sich in jeder LippeRadService-Station:

  • Regionale Radwanderkarten und Radwanderführer sowie, falls vorhanden, Tourenvorschläge der örtlichen Verbände (Verkauf oder ggfs. kostenlose Abgabe und Aushang)
  • Informationsmaterial über weitere touristische Ziele in der Umgebung
  • Werkzeugkoffer mit Inhalt gem. ADFC-Empfehlung (leihweise)
  • Standluftpumpe (leihweise)
  • Fahrradreparaturbuch (leihweise)
  • Flickzeug; 5 - 10 Schachteln Reifenflicksets (zum Verkauf) - Inhalt: Flicken, Gummilösung und Sandpapier
  • die gängigsten Ersatzschläuche (zum Verkauf). Mit den beiden Größen (13 und 17) mit jeweils drei verschiedenen Ventiltypen werden rund 95% der verwendeten Reifen abgedeckt.
  • Informationen über Beherbergungsbetriebe (Lage und Telefonnummer) - im Idealfall Bett and Bike-Betriebe
  • Bus- und Bahnfahrpläne (Auslage und Abgabe von Taschenfahrplänen)
  • Liste der Fahrradwerkstätten für größere Reparaturen; Information über Lage, Öffnungszeiten und Telefonnummern.

Aktuelle Entwicklungen

Die meisten teilnehmenden Betriebe weisen inzwischen mit einem vom Projektträger entworfenen, erläuternden Text auf ihrer Homepage auf die LippeRadService-Station hin. Klickt er auf einen Link, sieht der Radler, was er an einer solchen RadService-Station erwarten kann. Auf den Seiten mancher Projektpartner kann auch direkt das Projektlogo angeklickt werden, um zu näheren Erläuterungen zu kommen. Dies hängt aber immer von den Gestaltungsrichtlinien der einzelnen Internetauftritte ab.

Anfang 2013 wird die Radwegweisung um entsprechende "Rauswerfer" ergänzt, um auch diejenigen Radler zu informieren, die die betreffende Einrichtung eigentlich gar nicht anfahren wollten, aber für den Hinweis dankbar sind, da sie Fragen oder Probleme haben. Auf diesen Wegweisern, die ein von der Route abweichendes naheliegendes Ziel ausweisen, sind die Zielbezeichnung "LippeRadService" und die Distanz zur jeweiligen Service-Station zu sehen.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das anfangs geschilderte Problem dürfte in allen Radregionen das gleiche sein. Je weiter die RadService-Stationen in der Fläche verbreitet sind, umso verlässlicher und für den Radler gewohnter werden sie. Aus diesem Grund wurde das zunächst auf den Kreis Lippe bezogene Emblem verallgemeinert, zunächst auf NRW, dann aber auch völlig ohne geografische Angabe. Dies erlaubt den Einsatz in anderen Radregionen, wobei wegen des Wiedererkennungswertes aber darauf geachtet werden sollte, dass die Grundelemente, nämlich das Bild des Rades und der Aufbau des Schriftzuges, gleich bleiben.

Inzwischen haben die Initiatoren und Projektpartner einiger Themenrouten, die den Kreis Lippe verlassen (Römer-Lippe-Route, Weser-Radweg, D-Route3), ebenfalls Interesse bekundet, diese Einrichtung entlang der Route zu übernehmen. Es bleibt zu wünschen, dass sie das Konzept hierdurch in die Fläche verbreiten.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Erläuterungen: 

An kommunalen (Kreis-) Mitteln sind hauptsächlich die Personalkosten zu nennen. Das eingesetzte Material ist in der Regel vorhanden - allerdings bisher dezentral.
Die Betreiber der Stationen haben in der Regel weniger als 100 Euro aufzubringen.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Die Betreiber der LippeRadService-Stationen sollen einmal jährlich nach der Akzeptanz und Nutzung des Angebotes befragt werden. Hierbei zählen aber nur z. B. die Nutzung des Werkzeugs oder der Verkauf von Flickzeug und Schläuchen, nicht jedoch die Mitnahme von Prospektmaterialien, da dies überall üblich ist.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Kreis Lippe

Projektbeteiligte: 

z. Zt. 15 touristische Einrichtungen

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2012

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Radverkehrsbeauftragter
Herr Werner Kloppmann
Kreis Lippe
Eigenbetrieb Straßen
Felix-Fechenbach-Str. 5
32756 Detmold
Telefon: 05231/62-7030
E-mail: radverkehrsbeauftragter@kreis-lippe.de
WWW: www.lippe-strassen.de
 

Meta-Info
Stand der Information
13. Januar 2013
Autor
Werner Kloppmann, Radverkehrsbeauftragter beim Kreis Lippe
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Nordrhein-Westfalen