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ADFC-Integrationsprojekt für junge Fahrradfahrer

MoFI - Mobile Fahrrad Integration

MoFI Plakat
MoFI Plakat © ADFC Rhein-Neckar/Heidelberg

Einleitung

"MoFI-Mobile Fahrrad-Integration" heißt ein neues Projekt des ADFC/Rhein-Neckar Heidelberg.
ADFC Mitarbeiter/innen und ehrenamtliche Helfer/innen besuchen Flüchtlingsunterkünfte mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen den sicheren Umgang mit dem Fahrrad, Verständnis für die Fahrradtechnik und die Kenntnis der Verkehrsregeln zu vermitteln. Dabei soll ihnen ihre Umgebung mit dem Rad im Doppelten Wortsinn "erfahrbar" gemacht werden.

Ziele des Projekts

Das Projekt MoFI vereint zwei wesentliche Ziele:

  • Die Erhöhung der Verkehrssicherheit durch die Vermittlung von Kenntnissen an Flüchtlingskinder sowie
  • die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes durch ein Integrationsangebot an die Flüchtlingskinder in das Vereinswesen.

Zugrunde lag dem Projekt die Erkenntnis, dass es bei den Kindern und Jugendlichen in den Flüchtlingsunterkünften einen Bedarf an Verkehrserziehung gibt, den Kinder in Deutschland zum Beispiel im Kindergarten und der Grundschule erhalten. Außerdem weichen die Verkehrsregeln und der Grad ihrer Umsetzung in den Herkunftsländern der Flüchtlinge zum Teil von Deutschland ab.

Da viele Hilfsprojekte Fahrräder für Flüchtlinge sammeln und Autos sowie der ÖPNV in der Regel zu teuer für diese Zielgruppe ist, nutzen viele Flüchtlinge das Zweirad intensiv – auch diejenigen, die wenig bis keine Erfahrung mit diesem Transportmittel haben. Genau diese Zielgruppen werden durch MoFI gestärkt, das zeigt die Rückmeldung aus den Workshops: Viele Jugendliche waren dankbar für den Wegweiser durch den Schilderwald. Aber auch grundlegende Regeln, wie das Fahren ausschließlich auf der rechten Straßenseite, wurden den Migranten bei MoFI erstmals erklärt. Gleichzeitig trägt das Projekt zur Langlebigkeit der oft gespendeten Fahrräder bei, da viele Jugendliche jetzt in der Lage sind, sie selber zu reparieren.

Durchführung

Den Anstoß für das Projekt gaben Freiwillige im BFD (Bundesfreiwilligendienst) beim ADFC, die in Ihrem Freiwilligenjahr in der Verkehrspädagogik auch geflüchtete Kinder und Jugendliche erreichen wollten. Sie überzeugten weitere Ehrenamtliche, darunter Schüler und Senioren, zur Mitarbeit. Sämtliche benötigten Materialien werden per Lastenrad und einem selbst entwickelten und gebauten Fahrradanhänger zu den Einsatzstellen transportiert. Die jungen Flüchtlinge werden anschließend eingeladen, kostenlos an den an den regelmäßigen Jugendverbandsaktivitäten der ADFC-Jugend teilzunehmen sowie an den regelmäßigen Jugendgruppen, wie Mountainbike- und Rennradtreff, teilzunehmen. Auch dieses Angebot wird gerne angenommen, die ersten sechs Kinder nehmen bereits am Rennradtraining teil und auch an den anderen Aktivitäten ist das Interesse hoch. Durch die Nutzung der Fahrräder werden die Kinder mobiler, erobern sich ihre neue Heimat und haben mehr Chancen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das Fahrrad als kostengünstiges und ökologisches Verkehrsmittel kann so schon früh bei einer wichtigen Zielgruppe etabliert werden. Im Vordergrund steht neben dem Spaß am Radfahren auch der integrative Aspekt: Mit dem Rad lässt sich nicht nur der persönliche Aktionsradius vergrößern, beim Jugendradsport in der Vereinsgemeinschaft kann man schnell Kontakte und Freundschaften knüpfen.

Das Projekt ist in vier Bausteinen aufgebaut, welche an vier verschiedenen Nachmittagen angeboten werden. Der erste Baustein des Projekts vermittelt den sicheren Umgang mit dem Rad mit spielerischen Fahrradparcours und Gruppenspielen. Das zweite Modul soll das technische Verständnis durch Reparaturtrainings fördern. Im Zentrum des dritten Moduls steht das richtige Verhalten im Straßenverkehr. Hierzu gehört das Erlernen der wichtigsten Verkehrsschilder sowie der Verkehrsregeln. Als viertes Modul wird nach Möglichkeit ein gemeinsamer Radausflug in die Umgebung unternommen.

Ein wichtiges Prinzip von MoFI ist die Einbeziehung der Eltern. Sie begleiten die Kinder und Jugendlichen (insofern es sich nicht um unbegleitete Minderjährige handelt) und werden ebenso mit Informationen versorgt. Dafür wurden alle Flyer und Spielmaterialien in vier verschiedenen Sprachen erstellt.

Fazit

Im Jahr 2016 wurden bisher in sechs Flüchtlingsheimen die Module von MoFI durchgeführt, knapp zweihundert Kinder und Jugendliche haben mitgemacht. Beteiligt waren neben den drei BFDlern auch sechs Ehrenamtliche. Das Projekt MoFI wirkt auch durch den Abbau von Vorurteilen in den Verein. Im Dezember 2016 erhielt das Projekt zwei Preise: Der 3. Preis des Heidelberger Präventionspreises 2016 und den 1. Preis des Jubiläumswettbewerbs "Fahrrad. Ideen. Entwickeln" des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg. MoFI soll auch in diesem Jahr fortgesetzt werden – es gilt noch viele weitere Kinder und Jugendliche zu erreichen. Das Projekt wird gefördert durch die Aktion Mensch e. V. unter der Förderaktion "Noch viel mehr vor" und dem Stadtjugendring Heidelberg unter der Förderaktion "Gemeinsam geht was".

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Projekt MoFI wurde im Jahr 2016 gestartet, in diesem Jahr haben wir mit den Kindern und Jugendlichen viel Spaß und Freude erlebt. Durch das gemeinsame positive Erlebnis mit dem Fahrrad wurden Sprachbarrieren und kulturelle Barriere schnell abgebaut. Das Konzept lässt sich auch auf Erwachsene übertragen, denn besonders durch die bildhafte Darstellung wird nur wenig Sprache gebraucht. Die Elemente müssen jedoch alters- und generationengerecht angepasst werden.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Kommunale Mittel
Private Mittel
Sponsoring, Spenden
Gesamtvolumen: 
30 000 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird gefördert durch die Aktion Mensch e. V. unter der Förderaktion "Noch viel mehr vor", dem Stadtjugendring Heidelberg unter der Förderaktion "Gemeinsam geht was" und der Stadt Heidelberg.

Die Bundesfreiwilligenstellen werden gefördert durch das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Zusätzliche Unterstützung erhielten wir durch private Spenden und die Preisgelder.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

ADFC Rhein-Neckar/Heidelberg

Projektbeteiligte: 

Stadtjugendring Heidelberg

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Februar 2016

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Michael Fröhlich
ADFC Rhein-Neckar/Heidelberg
Kurfürsten-Anlage 62
69115 Heidelberg
E-Mail: mofi-hd@adfc-bw.de

Meta-Info
Stand der Information
18. Januar 2017
Autor
Eva Wettach / Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug ADFC Rhein-Neckar/Heidelberg
NRVP-Handlungsfelder
Mobilitäts- und Verkehrserziehung
Fahrradthemen
Ausgewählte Zielgruppen
Mobilitätserziehung
Nachhaltigkeit
Schlagworte
Integration
Menschen mit Migrationshintergrund
Radfahrausbildung
Sozialprojekt
Verkehrsgarten
Land
Baden-Württemberg