Sie sind hier

Radständer ohne Fundament

Mobile überdachte Abstellanlage

Seitenansicht Prototyp 2
Seitenansicht Prototyp 2 © Stadt Salzburg

1. Ausgangssituation, Darstellung der Projektidee und –ziele

Salzburg ist eine kleine Stadt mit 147.000 Einwohnern. Mit einem Radverkehrsanteil von ca. 20% am Gesamtverkehr liegt es an der Spitze der österreichischen Landeshauptstädte.

Aufgrund des hohen Radverkehrsanteils, der laut Zählstelle auch im Winter ein Drittel des sommerlichen Anteils nicht unterschreitet, ist der Wunsch nach wettergeschützten Radabstellplätzen im Stadtzentrum immer öfter geäußert worden. Auch für den Altstadtbereich, speziell für das Schloss Mirabell (zentrales Amtsgebäude der Stadtverwaltung), wurden überdachte Fahrradständer seit mehr als 10 Jahren gefordert. Alle bisherigen Vorschläge wurden von der Sachverständigenkommission aus städtebaulichen Gründen für die Altstadt abgelehnt.

Ziel des Projekts war es, eine altstadtverträgliche Lösung zu suchen, die auf der Breite eines Pkw-Parkstreifen Platz findet. Außerdem sollte aus Kostengründen und aus Gründen der einfacheren Handhabung bei der Einrichtung von Straßenbaustellen eine mobile Lösung ohne fixe Einbauten, wie Fundamente oder Stromanschluss gefunden werden. Die mobile, nicht begehbare (damit kein Bauwerk) Radständerlösung wurde auch deshalb gewählt, weil dafür in Salzburg keine baurechtliche Bewilligungspflicht besteht. Ein mobiler, überdachter Radständer ist rechtlich vergleichbar mit einem parkenden Auto, einem Altpapier- oder einem Müllbehälter. Die städtischen Juristen sind sich diesbezüglich noch nicht ganz einig, ob nicht doch eine Bewilligungspflicht vorliegt, jedoch könnten notfalls zukünftig kleine, feststellbare Räder an der Fahrradabstellanlage montiert werden.

2. Projektdurchführung

Das Projekt wurde vom Radverkehrskoordinator der Stadt Salzburg in Zusammenarbeit mit privaten Firmen durchgeführt. Da bei den Herstellern von Radständern kein passendes Produkt gefunden wurde, musste ein Prototyp erzeugt werden. Der Prototyp wurde nach einer längeren Testphase abgeändert. Die Finanzierung erfolgte aus dem Radwegebudget der Stadt.

Prototyp mobiler, überdachter Radständer

Ein hohes, begehbares Dach braucht eine Tiefe von ca. drei Metern und ein entsprechendes Fundament (Windsicherheit), um zu vermeiden, dass die Fahrräder nass werden. Daher wurde die Höhe so reduziert, dass eine Dachtiefe von unter zwei Metern ausreicht. Durch die Höhenreduzierung war der Ständer nicht mehr begehbar, daher musste ein Ständertyp gewählt werden, der ohne Betreten funktioniert.
Durch persönliche Benutzung und Beobachtung durch den Radverkehrskoordinator und durch Rückmeldungen von Nutzern, hauptsächlich Magistratsmitarbeitern, wurde die praktische Anwendbarkeit überprüft. Auf Basis dieser Erfahrungen und der Rückmeldungen der Nutzer wurde ein zweiter Prototyp produziert.

Zweiter Prototyp mit Vorderradhalter auf Rollen

Folgende Erfordernisse mussten nach den Erfahrungen aus der Nutzung des ersten Prototyps erfüllt werden:

  • Die Möglichkeit, das Fahrrad vor dem Einschieben in den Radständer anzuschließen, musste geschaffen werden.
  • Die Konstruktion musste so abgeändert werden, dass das Rad in abgesperrtem Zustand eingeschoben werden kann.

Der zweite Prototyp (siehe Bild 1 und 2) wurde daher mit einem Vorderradhalter auf Rollen ausgestattet, der auch das Anschließen des Vorderrades samt Rahmen erlaubt. Die Praxis hat gezeigt, dass die Mechanik etwas sperrig ist. Außerdem besteht im öffentlichen Raum die Gefahr der Verschmutzung (z.B. Getränkedosen etc.), so dass das ungehinderte Einschieben des Vorderradhalters nicht immer möglich ist.

Dritter Prototyp serienfreier Radständer mit Kunststoffrollen

Der dritte, serienreife Fahrradständertyp (siehe Bild 4, 5 und 6) erfüllt die Kriterien ohne größere bewegliche Teile. Er zeichnet sich dadurch aus, dass außer Kunststoffrollen keine mechanischen Teile mehr vorhanden sind. Das Fahrrad kann mit Vorder- oder Hinterrad und Rahmen abgesperrt und in abgesperrtem Zustand in die Abstellanlage hinein geschoben werden. Wie der letzte Sturm gezeigt hat, ist dieser Typ durch sein hohes Eigengewicht auch sturmsicher, müsste jedoch im Falle der Anbringung von seitlichen Werbeflächen (Windangriffsfläche) im Boden verankert werden.

Von diesem Typ wurde eine Kleinserie von 14 Einheiten für je 6 Fahrräder produziert und im Schloss Mirabell und anderen Stellen im Zentrum aufgestellt. Bisher wurden nach einer anfänglichen Eingewöhnungsphase keine negativen Rückmeldungen registriert und die Radständer sind gut ausgelastet.

Alle Planungs- und Herstellungskosten für die Prototypherstellung und die Kleinserie wurden von der Stadt finanziert. Es haben auch schon einige private Firmen und Planer Interesse an diesem Radständertyp gezeigt.

Projektablauf

  • 1. Phase: Herbst 1999 - Prototypaufstellung beim Kieselgebäude und bei zwei Bushaltestellen mit zweijähriger Testphase
  • 2. Phase: 2002 - Bau eines zweiten Prototyps (Bild 1, 2) und Testaufstellung für ausschließlich interne Verwendung im Innenhof des Verwaltungsgebäudes Faberstraße 11
  • 3. Phase: 2005 – Bau des dritten, serienreife Typs, nach einer Testphase: Produktion einer Kleinserie von 14 Stück

3. Ergebnisse und Ausblick

Aktueller Stand der Projektdurchführung

Vom letzten Prototyp wurden 8 Einheiten für je 6 Räder (48 Fahrräder) beim Schloss Mirabell, 2 Einheiten beim Kulturgelände Nonntal und einzelne Einheiten an anderen Stellen im Zentrum aufgestellt.

Bei Schlechtwetter sind die Radständer zu 100 % ausgelastet. Nach der Eingewöhnungsphase gibt es auch keine negativen Rückmeldungen der Nutzer mehr. Lediglich die optische Wirkung findet nicht bei jedem Zustimmung. Die neuen Überdachungen bringen eine wesentliche Komfortverbesserung für den Radverkehr. Die Aufstellung bedeutet eine Wertschätzung für Radfahrer/innen, die auch bei schlechtem Wetter und im Winter mit dem Rad in die Stadt fahren.

Noch ungelöste Fragen / Probleme

Die Einführungsphase könnte durch eine entsprechende Bedienungsanleitung in Plakatform verkürzt werden. Aufgrund dieser fehlenden Bedienungsanleitung ist zu beobachten, dass immer noch Radfahrer gebückt unter das Dach steigen, um ihr Rad abzusperren, obwohl das nicht notwendig wäre.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Angebot dieses neuen überdachten Radständertyps ist eine Maßnahme zur Förderung des Radverkehrs auch bei Schlechtwetter, sowie zur Förderung von bike + ride. Die Räder sind nicht nur vor der Witterung geschützt, sondern auch weniger vandalismus- und diebstahlgefährdet. Der Einsatzbereich beschränkt sich nicht auf Innenstädte. Auch Betriebe, Krankenhäuser, Bushaltestellen, Bahnhöfe, Verwaltungszentren, Schulen etc. mit hohem Radverkehrsanteil sind ideale Standorte.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
2 600 €
Erläuterungen: 
ca. 2.600 Euro je Einheit für 6 Räder

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
Stadt Salzburg, Mag. Abt. 6/00 Baudirektion - Radverkehrskoordination
Projektbeteiligte: 
Fa. Hobiger / Puch bei Hallein

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 1999

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Radverkehrskoordinator
Peter Weiss
Magistrat Salzburg
Mag. Abt. 6/00 - Baudirektion
Franz-Josef-Str. 8
A-5024 Salzburg
Telefon: +43(0)662/8072-2735
Telefax: +43(0)662/8072-2735
E-mail: peter.weiss@stadt-salzburg.at
WWW: www.stadt-salzburg.at

Meta-Info
Stand der Information
1. Juli 2008
Autor
Ing. Peter Weiss, Radverkehrskoordinator der Stadt Salzburg
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Oesterreich