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Nutzungskonflikte und verkehrliche Wirkungen

Mikromobilität auf Geh- und Radwegen (MMoNK)

Personen auf einem E-Tretroller
Personen auf einem E-Tretroller © Martina Hertel

Für die einen sind E-Tretroller ein wichtiger Baustein der Verkehrswende, für andere sind sie Spaßmobile oder gefährliche Stolperfallen. Insbesondere in den Innenstädten größerer Städte sind sie Teil des Stadt- und Straßenbildes geworden – teils mit resultierenden Herausforderungen für andere Verkehrsteilnehmende.

Mit Inkrafttreten der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung zum 15. Juni 2019 wurden die Voraussetzungen geschaffen, ein neues Verkehrsmittel in den Städten einzuführen. Zahlreiche Anbieter sind seitdem in größeren Städten mit tausenden Leih-Tretrollern vertreten. Aufgrund der Neuartigkeit der Fahrzeuge sind in Deutschland sowie im Ausland noch zahlreiche Fragen zum Zusammenspiel der Mikromobilität als neuem Mobilitätswerkzeug und dem System der aktiven Mobilität offen. Das Projekt bearbeitet im Wesentlichen drei Themenkomplexe:

  • In erster Linie sind es Fragen zu den direkten und indirekten Konfliktpotenzialen zwischen aktiver Mobilität (Fuß- und Radverkehr) und elektrischer Mikromobilität,
  • darüber hinaus werden Fragen zur verkehrlichen Wirkung der neuen Angebote beantwortet und
  • darauf aufbauend Empfehlungen zu den geeigneten planerischen, kommunikativen und ordnungspolitischen Regulierungsinstrumenten der neuen Angebote abgeleitet.

Dafür werden mit interaktiven Befragungsmethoden, Datenanalysen, Fallstudien und der videogestützten Analyse von Konflikten zwischen Elektrokleinstfahrzeugen und anderen Verkehrsteilnehmern mehrere Methoden kombiniert. Somit soll das Projekt helfen, ein geregeltes Miteinander verschiedener Verkehrsmittel zu ermöglichen und das Ausrollen der neuen Mobilitätsangebote zu begleiten. Die Erfahrungen aus europäischen Pionierstädten sowie bei der Einführung stationsloser Leihradsysteme zeigen, dass eine gute Kenntnis der Wechselwirkungen sowie eine entsprechende Gestaltung des Hochlaufs die Konfliktpotenziale innerhalb des Umweltverbunds minimieren können. Der räumliche Fokus liegt auf urbanen Straßenräumen in Großstädten.

Das Projekt wird von zwei Instituten des Deutsche Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), dem Institut für Verkehrsforschung (VF) sowie dem Institut für Verkehrssystemtechnik (TS), und dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) bearbeitet und vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert (BMVI).

Arbeitsplan

AP 1: Literaturanalyse und bisherige Erfahrungen (Difu)

AP 2: Europäische Fallstudien (DLR-VF/Difu)

AP 3: Deutsche Modellkommunen (DLR-VF/Difu)

AP 4: Videoanalyse in einer Modellkommune (DLR-TS)

AP 5: Kommunale Workshops (Difu)

AP 6: Synthese, Öffentlichkeitsarbeit, Dissemination (DLR-VF/Difu/DLR-TS)

AP 7: Evaluation und Projektmanagement (DLR-VF/Difu/DLR-TS)

Ergebnisverwertung

Durch MMoNK werden vielfältige Erkenntnisse zu Interaktionen zwischen Zufußgehenden, Radfahrenden und Elektrokleinstfahrzeugen erwartet. Anwendergruppe der Ergebnisse ist die Vielzahl der Kommunen im Bundesgebiet. Ihnen wird mit den Projektergebnissen eine Handlungsgrundlage für den zielgerichteten Umgang gegeben. Der Transfer der Ergebnisse in die kommunale Praxis ist ein zentrales Anliegen des Projekts. Produkt ist ein Factsheet, das die Projektergebnisse sowie kommunale Handlungsmöglichkeiten und Empfehlungen übertragbar und mit Fokus auf weitere Anwendungsfälle zusammenfasst. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Aufbereitung geeigneter planerischer, ordnungspolitischer Instrumente, die Städten und Kommunen zur Verfügung stehen. Anhand dieser klaren Handlungsoptionen ist eine einfache Übertragung der Ergebnisse auf andere Kommunen in unterschiedlichen Räumen gewährleistet. Weiterhin werden Projektergebnisse auf Expertenworkshops, Veranstaltungen des BMVI wie dem Nationalen Radverkehrskongress oder der Fahrradkommunalkonferenz aber auch auf internationalen Konferenzen und in dem renommierten Fachmagazinen mit Peer-review Verfahren präsentiert und so dem Fachpublikum zugänglich gemacht. Es wird untersucht, inwieweit gewonnene Erkenntnisse in die Richtlinienarbeit zur Verbesserung der Verkehrssicherheit mit besonderem Fokus der Ausgestaltung von Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur einfließen können, um Anzahl und Schwere der im Verkehr getöteten und schwerverletzten Personen zu reduzieren.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Projekt hilft durch Wissensgenerierung zielgerichtet Städten, die Rahmenbedingungen für den Rad- und Fußverkehr zeitgemäß zu verbessern und damit die Potenziale für mehr Rad- und Fußverkehr zu nutzen. Dabei werden mehrere Handlungsfelder des NRVP tangiert. Mit dem neu generierten Wissen zu Wechselwirkungen zwischen aktiver Mobilität und elektrisch unterstützter Mikromobilität soll die Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln gestärkt werden. Weiterhin trägt das Projekt zur Stärkung der Handlungsfelder Radverkehrsplanung und -konzeption (Stichwort „Radverkehrsnetze“) sowie Infrastruktur bei. Dabei sind mögliche Verschiebungen bei kommunalen Schwerpunktsetzungen unter sich verändernden Rahmenbedingungen der Hauptansatzpunkt. Hierfür werden Entscheidungsgrundlagen und Instrumente zur Verfügung gestellt. Insgesamt ist das Projekt im Förderschwerpunkt NRVP 2020 zur Schnittstelle zum Fußverkehr zu verorten.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Sonstige
Gesamtvolumen: 
681 698 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Es wird eine projektbegleitende Prozessevaluation durchgeführt. Hierzu wird ein Projektbeirat aus Beteiligten und externen Experten zur kontinuierlichen Prozessevaluation über die gesamte Projektlaufzeit geschaffen. Kerninhalte sind die Diskussion und Reflexion von Zielen und Methoden des Vorhabens zu Projektbeginn, die Begleitung des Projekts durch den Beirat zum Zwecke des Monitorings und der wissenschaftlichen Beratung, das regelmäßige Unterrichten des Gremiums über erzielte Fortschritte im Projekt, sowie die Prozessevaluation hinsichtlich der Ziele und Meilensteine entsprechend der Arbeitsplanung.

Ein detailliertes Evaluationskonzept befindet sich derzeit in Abstimmung.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Institut für Verkehrsforschung

Projektbeteiligte: 
  • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Institut für Verkehrssystemtechnik
  • Deutsches Institut für Urbanistik

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
September 2020
Projektende: 
März 2023

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Michael Hardinghaus
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Institut für Verkehrsforschung
Rudower Chaussee 7, 12489 Berlin
Telefon: 030 670557970
E-Mail: Michael.Hardinghaus@dlr.de

Meta-Info
Stand der Information
5. Oktober 2020
Autor
Michael Hardinghaus, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Institut für Verkehrsforschung Uta Bauer und Martina Hertel, Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH (Difu)
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Land
Deutschland