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Öffentlichkeitskampagne zum Radfahren

Meerbusch RADAKTIV

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Logo Radaktiv © Stadt Meerbusch

Die Ausgangslage im Jahr 2017

Die Stadt Meerbusch ist eine kreisangehörige Kommune des Rhein-Kreises Neuss und liegt linksrheinisch im Westen des Landes Nordrhein-Westfalen. Mit über 54.000 Einwohnern gehört sie zum Stadttyp der "großen Mittelstadt" mit Mittelzentrumsfunktionen. Das Stadtgebiet erstreckt sich auf einer Gesamtfläche von rund 64 km². Im Rahmen der kommunalen Gebietsreform im Jahre 1970 wurde Meerbusch aus acht ursprünglich eigenständigen Gemeinden gebildet. Die Struktur der Stadtteile ist nicht homogen. Sie reicht vom städtisch geprägten Büderich im Süden bis zum dörflich/ländlich ausgerichteten Nierst im Norden. In der Ballungsrandzone der Städte Düsseldorf, Krefeld und Neuss gelegen, erfüllt Meerbusch die Funktion einer Wohnstadt mit hohem Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern.

Das Fahrrad ist angesichts der flachen Topografie Meerbuschs ein ideales Verkehrsmittel – sowohl in Ergänzung zum ÖPNV für Berufspendler als auch für Alltagserledigungen oder in der Freizeit. Die geografische Lage der acht Ortsteile und ihrer Nahversorgungszentren bieten ideale Voraussetzungen für eine "aktive Mobilität der kurzen Wege" innerhalb des Stadtgebietes. Darüber hinaus liegen auch die Entfernungen zu den Zentren der o.g. Nachbarstädte in einem Bereich, der problemlos mit dem Fahrrad zu bewältigen ist. Dies betrifft zum einen die hohe Zahl der berufsbedingten Ein- und Auspendler und zum anderen den Meerbuscher Bevölkerungsteil, der Einkäufe und andere Dinge in den Nachbarstädten erledigt. Damit verbunden hat Meerbusch eine sehr hohe PKW-Dichte (660 PKW/1000 Einwohner bzw. 794 PKW/1000 Einwohner >=18 Jahre), aber eben auch eine hohe Verfügbarkeit von Fahrrädern. Umfrageergebnisse zeigten, dass 87 von 100 Haushalten über mindestens ein Fahrrad verfügen. Allerdings zeigt sich auch, dass der Anteil der Radfahrer mit 18 % im innergemeindlichen Verkehr bzw. 7 % im gemeindeüberschreitenden Quell- und Zielverkehr vergleichsweise gering ist.

Die Förderung des Radverkehrs ist ein zentraler Baustein im Rahmen der gesamtstädtischen Klimaschutzkonzeption und ihrer Zielsetzung. Es wurde bereits früh erkannt, dass eine Zunahme und Verlagerung vom MIV nur dann ermöglicht werden kann, wenn eine entsprechende qualitative Infrastruktur und eine positive Einstellung zum Radfahren geboten ist. Bezüglich der Infrastruktur ist die Stadt Meerbusch weiterhin im Rahmen ihrer Möglichkeiten bestrebt, das vorhandene Radwegenetz weiter auszubauen, zu optimieren und auch die begleitende Infrastruktur (Abstellanlagen, Fahrradboxen etc.) zu verbessern. Alle Maßnahmen sind aktuell z.T. im fortgeschrittenen Planungsstadium und werden kontinuierlich bearbeitet. Ebenso wurde das städtische Radwegekonzept in 2017 überarbeitet und weiterentwickelt. Zudem wird es Anfang 2019 Ergebnisse aus der derzeitigen Modal Split Untersuchung geben, die Aufschluss über die Verkehrsmittelwahl in Meerbusch geben.

Die direkte Lage am Rhein ist entlang der Stadtgrenze durchgehend als Naherholungsgebiet geeignet. Die Sanierung des 11 Kilometer langen Deiches und der Ausbau eines ca. 3 m breiten Fuß- und Radweges im Jahr 2014 sorgen – nicht nur im Freizeitbereich - für ideale Bedingungen. Doch was nützt eine gute Infrastruktur, eine radverkehrsprädestinierte Topografie und Geografie, wenn sie nur von einem vergleichsweise geringen Teil der Bevölkerung angenommen und genutzt wird? Ausgehend von dieser Frage soll das Thema "Aktive Mobilität per Fahrrad" durch eine umfangreiche Informations- und Kommunikationskampagne beworben werden.

Meerbusch RADAKTIV – Die Kampagne

Die Kampagne "Meerbusch RADAKTIV" umfasst eine Vielzahl von Aktionen, Informations- und Kommunikationsmaßnahmen und soll als strategisches Vorgehen mittelfristig über mindestens 2 Jahre (von 2017 bis Ende 2019) in Meerbusch Bestand haben. Synergieeffekte durch das Verknüpfen mit aktuellen Trends, wie dem E-Bike, können genutzt werden, um das Radfahren weiter zu stärken. Ebenso dienen erfolgreiche Aktionen rund um das Thema Radfahren dazu, ein länger anhaltendes positives Image zu schaffen und die Präsenz des Rades hervorzuheben. Hierzu zählen unter anderem der Malwettbewerb für den Kaldender, das Pedalometer, aber auch Aktionen und Kampagnen der AGFS wie die "Aktion Licht", die im Januar 2019 mit ca. 350 Schülern an der städtischen Gesamtschule stattgefunden hat.

Die Kampagne "Meerbusch RADAKTIV" wurde erstmalig auf dem Osterather Parkfest am 01. Mai 2017 vorgestellt. In Zusammenarbeit mit einer lokalen Druck- und Medienagentur wurde im Vorfeld ein Logo entworfen, das auf allen Plakatserien, Werbeartikeln, Presseaufrufen etc. erscheint und so einen Wiedererkennungswert in Verbindung mit allen fahrradfördernden Aktionen erhält. Zudem wurde ein Flyer konzipiert, der die Kampagne und insbesondere die Zielsetzung unter dem Motto "Meerbusch RADAKTIV" vorstellt. Ein Fahrradshopper der Firma Andersen wurde mit dem Logo versehen und konnte mit Hilfe von Sponsoren und dem Umweltförderverein zu einem vergünstigten Preis an interessierte Bürger verkauft werden. Diese sollen letztlich als Multiplikatoren dienen und im Alltag zeigen, dass es Alternativen zum PKW bei den täglichen Einkäufen gibt. Diese Aktion soll weiter ausgebaut werden, z.B. durch die Einbindung des örtlichen Einzelhandels zur Schaffung eines fahrradfreundlichen Einkaufklimas. Bisher hatte der Einzelhandel nur wenig Interesse an Kooperationen, wie beispielsweise dem Verkauf der Fahrradshopper. Über die Aktion "Ich bin die Energie" der AGFS in Kooperation mit örtlichen Bäckereien, soll der Einzelhandel dazu bewegt werden, das Fahrrad als Transportmittel zum Einkaufen zu bewerben. Hierzu gibt es allerdings noch keine genauen Planungen. Ein weiteres Mittel der Präsentation der Kampagne ist der jährlich erscheinende Umweltkalender der Stadt Meerbusch, der kostenlos an alle Haushalte verteilt wird. Bei einem Malwettbewerb für die Bebilderung des Kalenders sind tolle Motive zum Thema "Radfahren" eingegangen.

Ebenfalls Teil der Kampagne ist der eigens entworfene "Pedalometer". Bei dieser Distanzscheibe werden die folgenden Attribute durch einfache Handhabung - ähnlich einer Parkscheibe – ersichtlich:

  • Entfernung der Ortsteile voneinander entlang von Radwegen
  • Dauer der Fahrt
  • Einsparung von CO2-Emissionen
  • Verbrauchte Kalorien
  • Kosteneinsparung im Vergleich zum Pkw

Das Pedalometer veranschaulicht deutlich, dass das Radfahren individuelle Aspekte z.B. der Gesundheit einerseits und des Klimaschutzes andererseits vereint und zusätzlich geldsparend wirkt. Diese als Give-Away auf Aktionsständen und anderen Aktionen ausgegebene Scheibe soll insbesondere die Kommunikation und die Auseinandersetzung mit dem Thema fördern.

Am 08. Juni 2018 fand die erste "Meerbuscher Rad-Nacht" statt, bei der ca. 500 Bürgerinnen und Bürger eskortiert von der Polizei auf einer extra gesperrten Route und ausgestattet mit "Meerbusch RADakitv" Warnwesten durch die Stadt geradelt sind. Aufgrund des großen Erfolgs wird es im Jahr 2019 eine zweite "Meerbuscher Rad-Nacht" geben. Im Frühjahr 2019 wird es zudem eine groß angelegte Plakatkampagne an Bushaltestellen in Meerbusch geben. Die sogenannten City Lights greifen das Thema "Bahn und Rad", Beleuchtung am Fahrrad und Parken auf Geh-und Radwegen auf. Zudem wird es neue Give Aways in Form von Warnwesten für Kinder und Rucksäcken geben sowie eine neu aufgelegte Radfahrkarte mit verschiedenen Themenrouten durch Meerbusch und einen neuen Internetauftritt. Weiterhin soll die Kampagne auf diversen Stadtfesten (z.B. Maifest, Ökomarkt, Niederrheinischer Radwandertag, Meerbuscher Tourtag etc.) Präsenz zeigen. Dieses abgestimmte Maßnahmenbündel soll den Anteil des Radverkehrs in Meerbusch langfristig signifikant erhöhen.

Ausblick

Die Kampagne wird federführend in der Stabsstelle Umwelt und Klimaschutz des technischen Dezernats betreut und aus Haushaltsmitteln sowie Fördermitteln des Landes NRW (Förderrichtlinie Nahmobilität) finanziert. Gleichzeitig setzt die Stadt Meerbusch das fortgeschriebene Radverkehrskonzept in Form von Radwegesanierungen, Markierung von Schutzstreifen und Erneuerung von Abstellanlagen um. Wichtige Maßnahmen werden gemeinsam mit der Politik und Interessenverbänden im "Arbeitskreis Radverkehr erörtert."

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die Kampagne "Meerbusch RADAKTIV" zeigt, wie das Thema "Radfahren" nachhaltig in der Öffentlichkeit platziert werden kann, um eine langfristige Änderung im Mobilitätsverhalten zu erwirken. Dabei wird niemals der "Zeigefinger erhoben", sondern der Spaß und die positiven Effekte des Radfahrens in den Vordergrund gestellt. Die einzelnen Elemente der Kampagne lassen sich leicht auf andere Kommunen übertragen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Landesmittel
Gesamtvolumen: 
60 300 €
Erläuterungen: 
  • 2017: 2.600 Euro
  • 2018: 27.715 Euro (davon 12.500 Euro Fördermittel aus der Förderrichtlinie Nahmobilität (FöRiNah) – Öffentlichkeitsarbeit für AGFS Kommunen)
  • 2019: ca. 30.000 Euro an Haushaltsmitteln stehen zur Verfügung (davon noch 3.400 Euro Fördermittel aus der FöRiNah)

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Um auch Informationen über die Effektivität aller durchgeführten Maßnahmen zu erhalten, soll die gesamte Kampagne evaluiert werden. Hierfür dienen als "hartes" Kriterium zum einen die Zahl der täglichen Radfahrer im Stadtgebiet und zum anderen der Bekanntheitsgrad der Kampagne "Meerbusch RADAKTIV" und ihrer Inhalte und Intention innerhalb der Meerbuscher Bevölkerung.

In Planung sind hier u.a. die Einrichtung weiterer Zählstationen im Stadtgebiet (s. Förderantrag "Mobile Zählschleifen") und die Durchführung von Befragungen. Alle Daten werden statistisch mit entsprechender Berichtstellung ausgewertet.  

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Stabsstelle Umwelt und Klimaschutz, Technisches Dezernat

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2017
Projektende: 
Dezember 2019

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Denise Lange
Stadt Meerbusch, Dezernat III, Stabsstelle Umwelt und Klimaschutz
Klimaschutz- und Nahmobilitätsmanagerin
Wittenberger Str. 21
40668 Meerbusch
Telefon: +49(0)2150/916147
Telefax: +49(0)2150/91639147
E-Mail: denise.lange@meerbusch.de
Internet: www.meerbusch.de

Meta-Info
Stand der Information
21. Februar 2019
Autor
Denise Lange, Klimaschutz- und Nahmobilitätsmanagerin
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Nordrhein-Westfalen