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Leistungsfähigkeit von Radverkehrsanlagen in Großstädten

Maßnahmen zur Verbesserung der Radverkehrsqualität an Knotenpunkten

Nationaler Radverkehrsplan 2020
Nationaler Radverkehrsplan 2020 © Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur

1. Gesamtziel des Vorhabens

Der Radverkehrsanteil nimmt insbesondere in urbanen Räumen immer weiter zu. Dies ist für das kommunale Verkehrsgeschehen eine wünschenswerte Entwicklung, da damit ein wichtiger Beitrag zur Verlagerung der Verkehrsleistung auf ein Verkehrsmittel des Umweltverbunds erfolgt.

Die Stadt Leipzig hat beispielsweise mittlerweile ein viermal so hohes Radverkehrsaufkommen als noch vor 20 Jahren. An einigen Stellen - insbesondere an lichtsignalisierten Knotenpunkten - ist die Qualität des Verkehrsablaufs bezüglich des Radverkehrs bereits jetzt stark eingeschränkt.

Somit steht die zukünftige Verkehrs- und Anlagenplanung für Radverkehrsanlagen vor großen Herausforderungen. Wurden diese bisher überwiegend nach Flächenverfügbarkeit und somit angebotsorientiert angelegt, so zeigt sich nun, dass gerade an wichtigen Radverkehrsverbindungen die Verkehrsanlagen so geplant werden müssen, dass sie den Qualitätsansprüchen einer guten und sicheren Verkehrsflussabwicklung auch aus Sicht des Radverkehrs genügen müssen. Die bestehenden Regelwerke gehen jedoch kaum oder nur in ungenügendem Umfang auf das Kriterium der Verkehrsqualität des Radverkehrs ein. Die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) unterscheiden beispielsweise bei den Führungsformen an Knotenpunkten überhaupt nicht nach den Kapazitäten für den Radverkehr.

Das allgemeine Ziel dieses Projekts ist es daher, mittels Verkehrsbeobachtungen, Verkehrssimulationen und der Umsetzung von Pilotmaßnahmen an exemplarischen Knotenpunkten, Erkenntnisse zu gewinnen, die zur Verbesserung der Radverkehrsqualität in Städten beitragen werden.

Das Verbundprojekt der Stadt Leipzig und der TU Berlin, Fachgebiet Straßenplanung und Straßenbetrieb, wird im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP) für den Bearbeitungszeitraum Februar 2016 bis Januar 2019 gefördert. Für die Gewährleistung der Übertragbarkeit der Ergebnisse sind folgende Projektpartnerstädte an der Projektdurchführung beteiligt:

  • Stadt Leipzig (gleichzeitig Antragsteller im NRVP-Verbundprojekt),
  • Stadt Hannover,
  • Stadt Frankfurt am Main,
  • Stadt Oldenburg.

2. Projektdurchführung

Die Projektdurchführung ist in drei Bearbeitungsphasen unterteilt. In der ersten Phase (Analysephase, von Februar 2016 bis März 2017) werden neben der obligatorischen Literaturanalyse die zu untersuchenden vier Knotenpunkte in den Städten ausgewählt und mittels Verkehrserhebungen (Verkehrszählungen und Videoerhebungen) analysiert. Der Verkehrsablauf der Knotenpunkte wird im Anschluss mittels einer Mikroverkehrssimulation nachgebildet. Mithilfe der Videoerhebungen werden verschiedene verkehrstechnische Kenngrößen bestimmt, die sowohl zur Kalibrierung der Verkehrssimulation, als auch zur Aufnahme des Ist Zustandes für die Dokumentation dienen.

In der zweiten Phase (April 2017 bis Juli 2018) werden durch den wissenschaftlichen Verbundpartner TU Berlin Lösungsvorschläge zur Verbesserung des Verkehrsablaufs für den Radverkehr erarbeitet und durch die kommunalen Partner hinsichtlich der Anwendbarkeit bewertet. Die Lösungsvorschläge werden innerhalb der Verkehrssimulation getestet und in Form von Pilotinvestitionen an realen Kontenpunkten umgesetzt.

In der dritten Projektphase (August 2018 bis Januar 2019) werden die umgestalteten Knotenpunkte erneut mittels Verkehrserhebungen (Verkehrszählungen, Videoerhebungen sowie Befragungen von Radfahrenden) untersucht, um die Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Radverkehrsqualität zu verifizieren.

3. Projektergebnisse

Im Rahmen des Projekts sollen grundsätzlich die folgenden allgemeinen Fragestellungen untersucht und beantwortet werden:

  • Welchen Einfluss hat die Dimensionierung der Führungsform auf die Verkehrsabwicklung an den exemplarischen Knotenpunkten?
  • Welchen Einfluss hat die betriebliche Abwicklung des Radverkehrs auf die Verkehrsqualität an diesen Knotenpunkten?
  • Welche verkehrlichen Kapazitäten ergeben sich an den exemplarischen Knotenpunkten im Radverkehr?
  • Wie lässt sich insbesondere mit kurz- und/oder mittelfristigen sowie kostengünstigen Anpassungen an der Verkehrsanlage die Radverkehrsqualität an den exemplarischen Knotenpunkten maßgeblich verbessern?

Die aus dem Projekt gewonnenen Ergebnisse sollen den verschiedenen Nutzer- und Zielgruppen zur Verfügung gestellt werden. Zu den Adressaten gehören dabei Fachleute und -planer aus den Kommunen sowie gleichermaßen auch Verkehrsplaner aus Verkehrsingenieurbüros. Wissenschaftliche Fachkreise werden dabei ebenso angesprochen. Die Verwertung der Ergebnisse erfolgt dabei durch Publikationen auf Fachveranstaltungen oder in entsprechenden Fachzeitschriften. Neben dem Abschlussbericht ist die Erstellung und Publikation eines Hinweisblatts geplant, um sowohl den wissenschaftlichen, als auch den wirtschaftlichen Anschluss der Projektergebnisse gewährleisten zu können.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Um den Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen weiter steigern zu können, bedarf es auch sicherer, leistungsfähiger und komfortabler Radfahrbedingungen. Mit steigendem Radverkehrsaufkommen werden jedoch zum Teil bestehende und neu geplante Radverkehrsanlagen überlastet. Das bedeutet, dass mit zunehmenden Radverkehrsaufkommen sich die Qualität des Verkehrsablaufs verschlechtern wird. Um dem entgegen zu wirken ist daher die Planung und Dimensionierung nach Gesichtspunkten der Verkehrsqualität für den Radverkehr unerlässlich. Mit der Erarbeitung von Grundlagen und der Erstellung von Hinweisblättern für Kommunen mit ähnlichen Problemstellungen wird die Basis für eine solche Betrachtungsweise gelegt. Das Projekt leistet daher einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse im Zusammenhang mit dem Radverkehr.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Kommunale Mittel
Private Mittel (ohne Sponsoring und Spenden)
Gesamtvolumen: 
355 000 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur  (BMVI)  aus Mitteln des Nationalen Radverkehrsplans 2020 im Zeitraum Februar 2016 bis Januar 2019 gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Im Rahmen des NRVP-Projekts "Maßnahmen zur Verbesserung der Radverkehrsqualität an Knotenpunkten" ist eine begleitende Evaluation vorgesehen, welche zur Bewertung des Projekts, dessen Fortschritt und der Zielerreichung dient.

Für die Evaluation wurde das System der Prozessevaluation gewählt. Im Rahmen der Treffen des Projektkonsortiums soll gemeinsam bewertet werden, inwiefern die Projekt- und Zwischenziele erreicht worden sind.  Damit sind eine kontinuierliche Überwachung des Projektablaufs sowie gegebenenfalls eine Anpassung des Arbeitsablaufs möglich.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Stadt Leipzig (Projektkoordination); TU Berlin (wissenschaftlicher Projektpartner)

Projektbeteiligte: 
  • Stadt Frankfurt am Main
  • Stadt Hannover
  • Stadt Oldenburg
  • Wissenschaftliche Begleitung:
    Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), Arbeitskreise 2.5.1 Radverkehr
    Umweltbundesamt

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Februar 2016
Projektende: 
Januar 2019

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Jan Rickmeyer

Stadt Leipzig
Radverkehrsbeauftragter und Projektleiter im NRVP Projekt

Prager Str. 118 - 136, 04317 Leipzig

Telefon: 0341 123 3410
Telefax: 0341 123 3455
E-Mail: jan.rickmeyer@leipzig.de

Meta-Info
Stand der Information
26. Februar 2016
Autor
Jan Rickmeyer, Radverkehrsbeauftragter der Stadt Leipzig, Projektleiter im NRVP-Projekt
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Deutschland