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Schaffung einer Wegeverbindung für den Nahverkehr

Loop Wilhelmsburg

Verlauf des LOOP entlang der Georg-Wilhelm-Str. 58
Verlauf des LOOP entlang der Georg-Wilhelm-Str. 58 © Freie und Hansestadt Hamburg, Bezirksamt Mitte

Sprung über die Elbe: Vielfältige Entwicklungsprojekte im Stadtteil Wilhelmsburg

Im Jahr 2002 hat der Hamburger Senat eine Wachstumsstrategie für die durch eine deutliche Bevölkerungszunahme geprägte Hansestadt beschlossen. Diese wurde 2003 unter anderem im so genannten "Sprung über die Elbe" konkretisiert. Unter diesem Slogan sollte insbesondere die im Stadtteil Wilhelmsburg gelegene Elbinsel gefördert und entwickelt werden. 2013 wurden dort eine Internationale Bauausstellung (IBA) und eine Internationale Gartenschau (igs) ausgerichtet. Ein Baustein dieser Projekte war die Schaffung eines "Multi-Purpose-Way", eines Freizeitrundkurs für Radfahrer, Jogger, Skater und Fußgänger.

Die Ausgangssituation auf der Elbinsel Wilhelmsburg

Die Elbinsel Wilhelmsburg, klar räumlich durch die Lage zwischen Norder- und Süderelbe begrenzt, verfügt über ein industriell geprägtes Gesicht in Hafennähe und weite, ländlich geprägte Bereiche im Osten und Süden (hier mit Naturschutzgebiet). Der Stadtteil ist gekennzeichnet durch eine sozial schwache Bevölkerungsstruktur mit niedrigem Bildungsniveau, überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit und einem hohen Migrantenanteil. Mehrere stark befahrene Achsen des Straßen- und Schienenverkehrs durchlaufen das Gebiet. Die Menschen dort sind folglich einer starken Belastung durch Verkehrslärm ausgesetzt (Lkw-Verkehr aus dem Hafen, zentrale Nord-Süd-Verbindung der DB, BAB 1, B 4/75). Die vorhandene Infrastruktur für den Radverkehr ist vielfach veraltet und nicht StVO-konform.

Konzept und Zielgruppen des LOOP

Der LOOP (plattdeutsch für "Lauf", "Bewegung", engl. für "Schleife") ist die erste Route in Wilhelmsburg für alle, die sich mit eigener Kraft bewegen. Ob in Freizeit oder Alltag, ob Fußgänger, Radfahrer, Jogger oder Inlineskater, der LOOP ist eine Vielzweckstrecke und bietet qualitativ hochwertige Bewegungsmöglichkeiten: Barrierefreiheit, einen ebenen Belag, die Bevorrechtigung an der Hermann-Westphal-Straße und die gute Ausschilderung sind nur einige Merkmale, die in diesem Zusammenhang genannt werden können.

Mit dem nun ca. 6,5 Kilometer langen LOOP werden zentrale und dezentrale Teile Wilhelmsburgs durch eine multifunktionale und barrierefreie Wegeverbindung für Radfahrer, Jogger, Skater Fußgänger (etc.) miteinander verbunden. Dadurch entsteht ein attraktives und qualitativ hochwertiges Angebot, sowohl für den Freizeit- als auch Berufs- und Versorgungsverkehr.

Mehrere große Wohngebiete grenzen direkt an den LOOP. Damit befindet sich die Route für viele Wilhelmsburger direkt vor der Haustür. Im Berufsverkehr entsteht so eine ideale multimodale Verbindung ins Stadtzentrum und in andere Teile Hamburgs. Schließlich führt die Strecke unter anderem zur S-Bahn-Haltestelle Wilhelmsburg. In der Freizeit ist der LOOP mit seiner Länge von gut 5 Kilometern perfekt für eine Joggingrunde am Feierabend oder den Spaziergang mit dem Hund geeignet. Da auch Einkaufsmöglichkeiten entlang der Strecke liegen, ist sie auch für die täglichen Besorgungen gut nutzbar.

Der LOOP verbindet innerstädtisch geprägte Gebiete mit Parkanlagen, integriert die Hamburger Hafenatmosphäre und das typisch industrielle Gesicht Wilhelmsburgs. So ermöglicht er abwechslungsreiche und interessante Einblicke in die Elbinsel, auch für Nicht-Wilhelmsburger. Seine typischen Merkmale, die blaue Blockmarkierung, Kilometersteine mit Entfernungsangaben, Wegweiser etc. erleichtern die Wiedererkennung und ermöglichen eine Orientierung auch ohne Karte. Auch das ehemalige Gelände der Internationalen Gartenschau 2013 wird vom LOOP angebunden und als Wilhelmsburger Inselpark auch zukünftig für die Bevölkerung nutzbar.

Die Idee, einen Loop zu errichten, brachte ein Unternehmer aus Hamburg-Wilhelmsburg aus Amerika mit, wo ähnliche Strecken u.a. in Chicago und NYC vorhanden sind und als ein Element unter mehreren zur Attraktivierung vernachlässigter Stadtteile eingesetzt wurden. Er ließ auf eigene Kosten eine Voruntersuchung durchführen und leitete die Ergebnisse an den Hamburger Senat weiter. Von dort aus floss die Idee und der Arbeitsauftrag im Zuge der IBA / igs 2013, die in Hamburg-Wilhelmsburg stattfanden, mit ein.

Umsetzung des Projekts

Für den LOOP war es nicht notwendig, eine völlig neue Strecke zu bauen. Vorhandene Straßen- und Wegeabschnitte wurden weiterentwickelt und ausgebaut. Um den Nutzern der Verbindung einen einheitlich hohen Qualitätsstandard zu bieten, entschieden sich die zuständigen Akteure in der Verwaltung zu folgenden Elementen, die nur behördenübergreifend und unter intensiver Rückkopplung mit der Bevölkerung umgesetzt werden konnten. Hierzu fanden Workshops mit Bürgern, Initiativen, ADFC, Verwaltung etc. statt:

  • durchgehender Querschnitt von vier bis fünf Metern
  • durchgängige Beleuchtung
  • glatte Oberfläche zur Minimierung des Rollwiderstandes einschließlich Brückenbelägen
  • eigene blaue Blockmarkierung
  • eigene Beschilderung und Kilometersteine mit Entfernungsangaben
  • Bevorrechtigung des Weges an einer Straßenquerung (Hermann-Westphal-Straße)
  • Neubau einer Brücke
  • Informationstafeln an der Strecke
  • Druck von Flyern und Aufklebern, um die neue Verbindung in der Bevölkerung bekannt zu machen
  • Pressearbeit
  • Eröffnungsfeier

Der Loop wurde vom Staatsrat Andreas Rieckhof, Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, dem Bezirksamtsleiter Andy Grote vom Bezirk Hamburg-Mitte sowie dem Unternehmer Herrn Graue eröffnet. Die Feier fand vor Ort mit allen Mitwirkenden und unter Presse- und Bürgerbeteiligung statt.

Der Loop verläuft auf gemischten Flächen (Kfz-Nutzung findet in erster Linie in Form von Kleingartenanbindung statt, hier gewidmet als Fahrradstraße) und als reiner Geh- und Radweg. Das Herzstück war ehemals Hafenbahntrasse, wurde aber bereits als Geh- und Radweg in Grand mit allen Nachteilen und als gemischte, unsortierte Fläche mit entsprechenden Nutzungskonflikten und sehr "wüstem" Erscheinungsbild, ohne Winterdienst und Beleuchtung, genutzt. Er war Müllablageplatz und sozialer Angstraum bei Dunkelheit. Überall dort, wo es möglich war, wurde der Weg verbreitert und ist nun durchgängig asphaltiert, einige Gehwegabschnitte in Pflaster. Als Planungsgrundsatz galt, ihn für Skater nutzbar zu machen, sprich: feinkörniger Asphalt.

Bisherige Bilanz

Die neue Bewegungsroute, die 2013 fertiggestellt wurde, erfreut sich großer Akzeptanz und Beliebtheit in der Bevölkerung. Die vormals in weiten Teilen nicht befestigte Wegeverbindung wird stark von Joggern, Fußgängern und Radfahrern genutzt. Es handelt sich dabei sowohl um Ausflugsverkehr als auch um Personen, die den Weg zum Einkauf oder zur S-Bahn zurücklegen.

Empirische Erhebungen zur Anzahl der Nutzungen liegen noch nicht vor, sind aber im Gespräch. Es liegen keine Daten zur Nutzungsintensität vor. Da er aber ein Wohngebiet direkt mit der S-Bahn-Station Wilhelmsburg und dem Markt- und Einkaufszentrum, Ärzten etc. anbindet, nutzen ihn viele Bürger für tägliche Wege zu Arbeit, Versorgung und Freizeit. U.a. wurde auch ein angrenzendes Altenheim z.B. durch die Anzahl der dort vorhandenen Möblierung integriert. Die Verwaltung plant, den Verlauf des LOOP über die gesamte Elbinsel auf die Länge eines Halbmarathons auszuweiten und einen geschlossenen Rundkurs zu schaffen. Der Loop ist ursprünglich über eine Länge von gut 20 km vorentworfen. Aufgrund von zeitlichen, finanziellen und personellen Gründen ist er derzeit nur in der jetzt hergestellten Länge gebaut worden. Das Ziel, ihn über gesamt Wilhelmsburg herzustellen, ist ein mittelfristiges. Zur Zeit ist aber ein weiterer Loop in dem Hamburger Stadtteil Finkenwerder in der Diskussion. Das "Erfolgsmodell" soll also auch zukünftig an Stellen des Bezirks Hamburg-Mitte, die dafür geeignet sein könnten, gedacht und überprüft werden. Darüber hinaus ist Wilhelmsburg nun als Modellstadtteil für den Radverkehr in Hamburg und darüber hinaus ernannt worden. Die dortige Umsetzung weiterer wegweisender Maßnahmen ist somit vonseiten des Senats ausdrücklich gewünscht.

Im Februar 2014 wurde der Wilhelmsburger LOOP mit dem Deutschen Fahrradpreis in der Kategorie Alltagsmobilität ausgezeichnet.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Modell LOOP ist ein zukunftsfähiges Wegemodell zur Verringerung bzw. Vermeidung von motorisiertem Individualverkehr. Es entspricht in vollstem Umfang den Ansprüchen an Wegen in einer Stadt mit hoher Nutzungsdichte, kurzen Wegen und individueller Fortbewegung. Er zeichnet sich aus durch:

  • kurze direkte Wegeverbindung vom Wohnort zur S-Bahn und damit zur City (Arbeit)
  • kurze direkte Verbindung zur Versorgung
  • direkter Anschluss zur Freizeit (Inselpark mit Schwimmbad, Kletterhalle, Kletterpark, Bewegungsparcours etc., aber auch die Länge von ca. 7km ermöglicht sportliche Aktivität in der Freizeit schon allein auf dem Loop)
  • keine Nutzungskonflikte durch großzügige Wegebreiten mit entsprechenden Oberflächen

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel
Erläuterungen: 

Mischfinanzierung aus Mitteln der Freien und Hansestadt Hamburg und des Bezirks Hamburg-Mitte

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Freie und Hansestadt Hamburg

Projektbeteiligte: 

Stadtbezirk Hamburg-Mitte

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Januar 2007
Projektende: 
Dezember 2013
Info zur Laufzeit: 

Abschluss des ersten Bauabschnitts

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Frau Ursel Rabeler
Freie und Hansestadt Hamburg Bezirksamt Mitte Dezernat Wirtschaft Bauen Umwelt
Fachamt Management des öffentlichen Raumes M/MR 318 Planung-Entwurf-Neubau
Klosterwall 8
20095 Hamburg
Telefon: +49(0)40/42854-2317
E-mail: ursel.rabeler@hamburg-mitte.hamburg.de
 

Meta-Info
Stand der Information
3. November 2015
Autor
Ursel Rabeler, Bezirk Hamburg-Mitte
NRVP-Handlungsfelder
Infrastruktur
Fahrradthemen
Infrastruktur
Schlagworte
Fahrradroute
Radverkehrskonzept
Straßenraum
Fahrradwegebau
Bewegungsförderung
Stadtviertelkonzept
Land
Hamburg