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Integrierte Förderung des Radverkehrs

Leitbildprozess in den vier Main-Anrainer-Kommunen Miltenberg, Bürgstadt, Groß- und Kleinheubach im Landkreis Miltenberg (Bayern)

Maßnahmenskizze "Zwillingsbogen" aus dem Projekt "Mainrunde" des Arbeitskreises Alltagsradverkehr, Schwerpunkt Netz
Maßnahmenskizze "Zwillingsbogen" aus dem Projekt "Mainrunde" des Arbeitskreises Alltagsradverkehr, Schwerpunkt Netz © Johannes Oswald

Ausgangssituation, Darstellung der Projektidee und –ziele

Die vier Main-Anrainer-Kommunen Miltenberg, Bürgstadt, Groß- und Kleinheubach des Landkreises Miltenberg in Bayern haben eine interkommunale Vereinbarung zur Förderung des Radverkehrs getroffen. Ausgehend von einer hohen touristischen Bedeutung des Radverkehrs – über den Pradikatsfernradweg "Mainradweg" kommen viele Radtouristen in die Anliegergemeinden – will man nun auch ausdrücklich den Alltagsradverkehr stärken.

Projektdurchführung

Das Planungsbüro VIA wurde beauftragt, ein Radverkehrskonzept zu entwickeln, das neue Wege beschreitet:

  • Frühzeitig und kontinuierlich werden die Erfahrungen der Alltagsexperten eingebracht,
  • eine interkommunale und behördenübergreifende Kooperation wird initiiert und institutionalisiert,
  • der moderierte Leitbildprozess wird durch engagierte Bürger wesentlich getragen und
  • die neuesten Erkenntnisse aus der Radverkehrsförderung werden berücksichtigt.

Bestandsaufnahme

Die erste Arbeitsphase der Bestandsaufnahme und Netzkonzeption wurde denn auch durch eine Alltagsexpertenbefragung unterfüttert. Alltagsexperten sind Menschen, die im Alltag Rad fahren und folglich über ihre Erfahrungen, Wünsche und Verbesserungsvorschläge dezidiert Auskunft geben können. So wurden Schüler einer Realschule, Beschäftigte in zwei großen ansässigen Betrieben und Rad fahrende Passanten befragt. Ergänzt wurden diese Befragungen durch die Möglichkeit, an einer Befragung im Internet teilzunehmen, was durch Pressearbeit intensiv beworben wurde. Die Befragung der Alltagsexperten ergab ganz konkrete Hinweise auf Gefahrenpunkte und Verbesserungsvorschläge.

Leitbildentwicklung durch Arbeitsgruppen

An die Phase der Analyse und Netzkonzeption schloss sich die Phase der Leitbildentwicklung unter intensiver Einbindung aller Akteure vor Ort ein. Wurden in einer öffentlichen Startveranstaltung die Ziele der Radverkehrsförderung diskutiert und festgelegt, so fand die konkrete Arbeit im weiteren in vier Arbeitsgruppen statt:

  • Alltagsradverkehr: Schwerpunkt Netz
  • Verkehrssicherheit
  • Schüler rauf aufs Rad!
  • Tourismus: Chancen besser nutzen!

In den Arbeitsgruppen, die sich aus engagierten Vertretern der Verwaltungen, der Politik, Verbänden und Initiativen, aus Polizei, Elternratsvertretern und Schulleitung, aktiven Radfahrerinnen und Radfahrern, Gewerbetreibenden, Hoteliers und Touristikern zusammensetzten, wurden mehrere Projekte definiert, vorbereitet und teilweise bereits auch schon umgesetzt. So hat die Arbeitsgruppe "Verkehrssicherheit" bereits den Abbau einiger Barrieren erreicht (teilweise Öffnung einer Einbahnstraße für den Radverkehr, Anordnung des neuen VZ 357-50 "Sackgasse durchgängig für Radfahrer und Fußgänger", Entfernung von Sperrpfosten). Den größten Erfolg konnte bislang die Arbeitsgruppe "Schüler rauf aufs Rad!" verbuchen: Zu Beginn des Schuljahres 2011/12 startete der Radlbus von vier zentralen Punkten und fuhr in Begleitung von speziell geschulten Erwachsenen in Kleingruppen zur Schule (Details siehe das Praxisbeispiel dazu hier).
Andere Projekte sind sehr komplex, fallen in den Kompetenzbereich verschiedener Baulastträger und stehen in Wechselwirkung zu anderen verkehrlichen und städtebaulichen Maßnahmen. Hier werden Maßnahmenpakete definiert, priorisiert und in einem 20-Punkte-Programm öffentlichkeitswirksam präsentiert. Das 20-Punkte-Programm dient als Leitlinie für die weitere Arbeit von Verwaltung und Politik bis 2016 und bietet eine Hilfe für die Positionsbestimmung im Prozess der Radverkehrsförderung.

Institutionalisierung

Die beteiligten Kommunen wollen den fruchtbaren Prozess der Zusammenarbeit aller Akteure weiterführen und über einen 2-3 mal im Jahr tagenden "Runder Tisch Radverkehr" institutionalisieren. Damit hat das Projekt wesentliche Ziele bereits erreicht: Die Akteure vor Ort sind für die Belange des Radverkehrs sensibilisiert, der Radverkehr wird bei allen anstehenden Planungen immer mitgedacht und es bilden sich zur weiteren Förderung des Verkehrsmittels funktionierende Netzwerke. Damit kann die Begleitung durch externe Gutachter zukünftig auf die Vermittlung des aktuellen Stands der Technik und der Wissenschaft reduziert werden.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

In dem Projekt ist es beispielhaft gelungen, die lokalen Akteure und Entscheidungsträger für das Thema Radverkehrsförderung zu sensibilisieren und zu aktivieren. Ein sehr konstruktiver Prozess der Netzwerkbildung konnte angestoßen werden. Damit ist es gelungen, die Radverkehrsförderung vor Ort als Ziel und Prozess inhaltlich und organisatorisch zu verankern, so dass die Rolle eines externen Gutachters auf fachlichen Input beschränkt werden kann.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Kommunale Mittel
Erläuterungen: 

Das Projekt "Leitbildprozess zur integrierten Förderung des Radverkehrs in den vier Main-Anrainer-Kommunen Miltenberg, Bürgstadt, Groß- und Kleinheubach des Landkreises Miltenberg in Bayern" wird unter dem Förderkennzeichen VB 1003 mit NRVP-Mitteln gefördert.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Die Umsetzung des Projektes soll weiter fachlich begleitet werden. Zu den Einzelprojekten (z.B. Radlbus, auch in der Praxisbeispieldatenbank aufgenommen) werden Erfahrungsberichte erstellt.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Planungsbüro VIA eG

Projektbeteiligte: 

Stadt Miltenberg, Gemeinde Bürgstadt, Gemeinde Großheubach, Gemeinde Kleinheubach, Landkreis Miltenberg, BMV, Staatliches Bauamt Aschaffenburg, lokale Unternehmen, Verbände, Vereine, Bürger, Elternbeiräte

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
Juli 2010
Projektende: 
Mai 2012

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Frau Andrea Fromberg
Planungsbüro VIA eG
Marspfortengasse 6
50667 Köln
Telefon: 0221 - 789 527-22
Telefax: 0221 - 789 527-99
E-mail: andrea.fromberg@viakoeln.de
WWW: www.viakoeln.de

Herr Peter Gwiasda
Planungsbüro VIA eG
Marspfortengasse 6
50667 Köln
Telefon: 0221 - 789 527-28
Telefax: 0221 - 789 527-99
E-mail: peter.gwiasda@viakoeln.de
WWW: www.viakoeln.de
 

Kommunale Ansprechpartner: 

1. Bürgermeister
Herr Joachim Bieber
Stadt Miltenberg
Engelplatz 69
63897 Miltenberg
Telefon: 093 71 404-0

Bauamtsleiter
Herr Reinhold Schöpf
Stadt Miltenberg
Engelplatz 69
63897 Miltenberg
Telefon: 093 71 404-18
Telefax: 093 71 404-101
E-mail: schoepf@miltenberg.de
WWW: www.miltenberg.de
 

Meta-Info
Stand der Information
20. Oktober 2011
Autor
Planungsbüro VIA, Andrea Fromberg
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Bayern