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Implementierungsleitfaden für Wirtschaft und Kommunen

Lastenraddepot: Implementierung von Innenstadtdepots für Lastenfahrräder

Lastenrad in einer Einkaufsstraße
Lastenrad in einer Einkaufsstraße © Tom Assmann

Ausgangssituation und Ziele des Projekts

Lastenräder haben das Potenzial zur Substitution von 25% [1] der heutigen innerstädtischen Lieferfahrten. Das Einrichten von Innenstadtdepots für Lastenräder ermöglicht die Lagerung und den Umschlag von Waren für die anschließende Verteilung per Lastenrad in der Stadt. Ziel dieses Vorhabens ist die Entwicklung eines modellhaften Leitfadens zur Implementierung von Innenstadtdepots entsprechend der logistischen Anforderungen, unter Gewährleistung eines optimalen Verkehrsfluss und hoher Akzeptanz durch die Bürgerinnen und Bürger. Mit einem interdisziplinären, nicht-investiven Forschungsdesign werden Verkehrsräume um Innenstadtdepots modelliert, simuliert und mittels qualitativer und quantitativer Befragung evaluiert.

Das Vorhaben stellt im Sinne des Nationalen Radverkehrsplans 2020 die Verbesserung der Verkehrsqualität, die Sicherung nachhaltiger Mobilität, eine breite Anwendbarkeit der Ergebnisse und die Generierung neuer Erkenntnisse in den Vordergrund. Es sollen dabei mehrere Forschungslücken überwunden werden. So ist bislang unklar, an welchen Standorten Innenstadtdepots für Lastenräder aus logistischer Perspektive errichtet werden sollten. Weiterhin ist die Verkehrswirkung solcher Depots (z.B. erhöhtes Lastenradaufkommen in umliegenden Straßen und Wirkungen auf den Verkehrsfluss durch andere Abmessungen und Geschwindigkeiten als konventionelle Fahrzeuge) noch nicht untersucht worden. Für eine verkehrsgerechte Implementierung müsste ferner ermittelt werden, welche Nutzungspräferenzen Lastenradfahrerinnen und -fahrer haben und ob diese mit bisheriger Infrastruktur vereinbar sind. Schließlich ist bislang nicht bekannt, wie Bürgerinnen und -bürger ein Innenstadtdepot und seine verkehrlichen Auswirkungen wahrnehmen und ob sie diese akzeptieren.

Projektdurchführung

Im Vorhaben werden die oben beschriebenen Aspekte mit einem interdisziplinären Forschungsdesign untersucht (s. Abbildung zum Ablauf des Projekts in der Bildergalerie).

Das Projekt startete im August 2017 und dauert zwei Jahre. Die Projektdurchführung obliegt zu gleichen Teilen dem Lehrstuhl für Logistik und dem Lehrstuhl Umweltpsychologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Die Durchführung wird durch einen Projektbeirat aus Praxis und Wissenschaft evaluiert und unterstützt.

In der ersten Projektphase wird seitens des Lehrstuhls Logistik ein Simulationsmodell für den Verkehrsraum um ein Lastenraddepot entwickelt. Hierfür werden Fragen des optimalen Standortes sowie mögliche Szenarien der Verkehrswirkung und Infrastruktur berücksichtigt. Durch reale Testfahrten mit Lastenrädern im Galileo-Testfeld im Magdeburger Wissenschaftshafen werden das Fahrverhalten und die Wahrnehmung des Verkehrsraums bei Lastenradfahrerinnen und -fahrer erhoben. Gleichzeitig werden vom Lehrstuhl Umweltpsychologie anhand qualitativer Interviews mit Expertinnen und Experten (z.B. Personen aus Kommunen mit Umsetzungserfahrung und dem Lastenradumfeld) sowie Bürgerinnen und Bürgern mögliche Vorbehalte und förderliche Faktoren für die Akzeptanz eines innerstädtischen Lastenraddepots identifiziert. Darauf aufbauend wird ein Fragebogen für eine repräsentative Stichprobe der Stadtbevölkerung in Deutschland entwickelt, in dem aus dem Simulationsmodell des Lehrstuhls Logistik abgeleitete Szenarien, grafisch aufbereitet, Eingang finden. Sie dienen dort als Grundlage für eine experimentelle Variation, um die Wirkung unterschiedlicher Infrastruktur- und Nutzungsoptionen auf Bürgerinnen und Bürger zu erkunden.

In der zweiten Projektphase wird durch Simulation und Auswertung des Verkehrsraummodells durch den Lehrstuhl Logistik eine schrittweise Optimierung an logistik- und verkehrsbezogene Anforderungen erreicht. Die quantitative Befragung von Stadtbewohnerinnen und -bewohnern durch den Lehrstuhl Umweltpsychologie liefert Kernergebnisse zu den wahrgenommenen Barrieren und förderlichen Faktoren hinsichtlich einer entsprechenden Umsetzung.

Aus den resultierenden logistik-, verkehrs- und akzeptanzbezogenen Erkenntnissen werden in der dritten Phase gemeinsame Empfehlungen abgeleitet, die in einen Handlungsleitfaden überführt werden. Den Leitfaden sollen wirtschaftliche bzw. gesellschaftliche Akteure wie logistisch tätige Unternehmen, Planende und Kommunen direkt in der Praxis anwenden können.

Durch Einbindung eines Projektbeirats in allen Projektphasen werden Qualität, Praxisrelevanz und Übertragbarkeit der Erkenntnisse sichergestellt. Der Projektbeirat kommt in den Workshops an den Meilensteinen M0, M2 und M3 (vgl. Abbildung im Anhang) zusammen, steht für bilaterale Rücksprachen am Meilenstein M1 zur Verfügung und evaluiert und validiert in diesem Rahmen die Ergebnisse. Mitglieder des Projektbeirats sind Abgesandte der folgenden Organisationen (Stand August 2017):

  • Cargobike.jetzt
  • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)
  • DPD Deutschland GmbH
  • PedalPower Schönstedt&Busack GbR
  • United Parcel Service (UPS)
  • Zentrum für angewandte Psychologie, Umwelt- und Sozialforschung (ZEUS GmbH).

 

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[1] Reiter, Karl, Wrighton, Susanne & Rzewnicki, Randy 2014. Potential to shift goods transport from cars to bicycles in European cities. Cyclelogistics Moving Europe forward. www.cyclelogistics.eu.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Praktisch erzielt das Vorhaben neue Erkenntnisse für die optimale Gestaltung von Innenstadtdepots für Lastenräder im Hinblick auf Verkehrsfluss und Akzeptanz der Verkehrsräume an geeigneten Standorten. Die Erkenntnisse sind auf Verkehrsräume mit anderweitig hohem Aufkommen an Lastenrädern transformierbar. Sie können genutzt werden, um Kapazitätsengpässe in entsprechenden Bereichen abzumildern bzw. diesen frühzeitig durch entsprechende Infrastrukturmaßnahmen oder regulatorische Maßnahmen entgegenzuwirken.

Wissenschaftliche Innovationen umfassen eine erste Simulation von Verkehrsfluss- und Kapazitätswirkungen von Lastenrädern auf Mikroebene in verschiedenen Verkehrsraummodellen sowie eine erste repräsentative Untersuchung der Akzeptanz logistisch und verkehrlich besonders geeigneter Verkehrsraumkonzepte durch Stadtbewohnerinnen und -bewohner. Das Vorhaben ist nach Kenntnis der Durchführenden das deutschlandweit erste interdisziplinäre Forschungsvorhaben mit integrierter Akzeptanz- und Auswirkungsforschung zu Depotkonzepten für Lastenräder.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Gesamtvolumen: 
377 205 €
Erläuterungen: 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln des Nationalen Radverkehrsplans 2020 gefördert. Die Förderung gilt für den Zeitraum 01.08.2017-31.07.2019.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Fortlaufende Prozessevaluation: Da es sich beim Projekt um ein theoretisches Forschungsvorhaben handelt, dass jedoch auf Praxisanwendung abzielt, wird durch den Einbezug von im Themenbereich erfahrenen Praxisteams sichergestellt, dass die inhaltliche Praxisrelevanz des Vorhabens in jedem Schritt des Projektes gewährleistet ist.

Wirkungsevaluation: Ein Feedbackbogen wird dem resultierenden Leitfaden beigelegt, sodass insbesondere Rückmeldungen zu Anwendungs- und Praxistauglichkeit gegeben werden können.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Logistik und Materialflusstechnik, Lehrstuhl für Logistik

Projektbeteiligte: 
  • Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Psychologie, Lehrstuhl Umweltpsychologie

Projektbeirat:

  • Cargobike.jetzt
  • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)
  • DPD Deutschland GmbH
  • PedalPower Schönstedt&Busack GbR
  • United Parcel Service (UPS)
  • Zentrum für angewandte Psychologie, Umwelt- und Sozialforschung (ZEUS GmbH).

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
August 2017
Projektende: 
Juli 2019

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Tom Assmann
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Logistik und Materialflusstechnik, Lehrstuhl für Logistik
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsplatz 2, 39106 Magdeburg
Telefon: +49 (0)391 4090 588
Telefax: +49 (0)391 4090 473
E-Mail: tom.assmann@ovgu.de

Sebastian Bobeth
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Psychologie, Lehrstuhl Umweltpsychologie
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsplatz 2, 39106 Magdeburg
Telefon: +49 (0)391 67 11955
Telefax: +49 (0)391 67 11963
E-Mail: sebastian.bobeth@ovgu.de

Meta-Info
Stand der Information
24. August 2017
Autor
Sebastian Bobeth, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Psychologie, Abteilung Umweltpsychologie
NRVP-Handlungsfelder
Infrastruktur
Organisationsstrukturen
Radverkehrsplanung und -konzeption
Fahrradthemen
Forschung
Logistik und Transport
Wirtschaft
Schlagworte
Lastenfahrrad
Studie
Wirtschaftsverkehr
Land
Deutschland