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Einrichtung von Fahrradstraßen

Konsequente Verbesserung des Wegeangebots in Kiel

Eröffnung der Fahrradstraße Harmsstraße mit dem Fahrradforum und dem ehem. Bürgermeister Klein Knott
Eröffnung der Fahrradstraße Harmsstraße mit dem Fahrradforum und dem ehem. Bürgermeister Klein Knott © Tiefbauamt der Landeshauptstadt Kiel

1988 beschloß die Ratsversammlung der Landeshauptstadt Kiel, die nicht motorisierten Verkehrsarten zu fördern. Neben dem klassischen Radwegebau sollten insbesondere auch ordnungsrechtliche Mahnahmen zur Anwendung kommen.

Kiels erste Fahrradstraße, die Hansastraße, wurde bereits 1992 eingerichtet. In unmittelbarer Nähe zur Christian Albrecht Universität galt es, eine leistungsfähige und komfortable Radverkehrsanlage anzubieten, da die vorhandenen gebauten Radwege in der parallel verlaufenden Hauptverkehrsstraße die Radverkehre allein nicht abwickeln konnten. Ca. 60% aller Wege im Bereich der Universität werden mit dem Fahrrad zurückgelegt, daher war man bestrebt, auch die Verbindungen von und zur Universität zu verbessern.
Ziel war es, mit Einrichtung der Fahrradstraße die Radverkehre dorthin zu verlagern, um so die Wegeführung attraktiver zu machen und die Leistungsfähigkeit der Anbindung zu erhöhen.

Durchgeführt hat die Maßnahme das städtische Tiefbauamt in Zusammenarbeit mit der Verkehrsaufsicht des Ordnungsamtes. Vorbereitet wurde die Umsetzung durch den Radverkehrsbeauftragten im Tiefbauamt und durch das Fahrradforum - einem Gremium bestehend aus Vertretern von Politik, Verbänden, Polizei und aus der Verwaltung. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung wurde auch alternativ der Bau eines 2-Richtungsradweges diskutiuert, allerdings wurde dies nicht zuletzt aus Kostengründen wieder verworfen.

Nach Ausweisung der Fahrradstraße wurde das Angebot sehr schnell von der Zielgruppe angenommen. Bereits 1994, zwei Jahre nach der Ausweisung der Fahrradstraße, wurde durch Zählungen bestätigt, dass der Radverkehr stark zugenommen hat und die dominate Verkehrsart geworden ist. Nicht alle 1992 ausgewiesenen vier Fahrradstraßen haben sofort diese hohe Akzeptanz gefunden. In jedem Fall konnte allerdings der Netzzusammenhang im Veloroutennetz deutlich gemacht werden. Auch die Absicht, die Radverkehre in den Fahrradstraßen zu bündeln, ist, unterstützt durch den Aufbau einer Radwegweisung, auch in den anderen Fahrradstraßen gelungen.

Neben der Beschilderung als Fahrradstraße wurden in der Hansastraße auch bauliche Maßnahmen durchgeführt. Aufpflasterungen in Kreuzungsbereichen mit den Nebenstraßen, Umbau zur Sackgasse für den KFZ-Verkehr, Einbau von Fahrradanlehnbügeln und Baumpflanzungen zur Straßenraumgestaltung haben die ordnungsrechtliche Ausweisung zur Fahrradstraße unterstützt. In allen Fahrradstraßen der "ersten Generation" gilt "rechts vor links".

In einem zweiten Schritt wurden 1999 weitere vier Fahrradstraßen eingerichtet. Um die Bevorrechtigung des Radverkehrs deutlicher erlebbar zu machen, wurde in einem Fall die Gelegenheit wahrgenommen, im Anschluß an eine Baumaßnahme der Stadtentwässerung im Rahmen der Wiederherstellung der Fahrbahnoberfläche in den einmündenden Nebenstraßen Gehwegüberfahrten zu bauen. Gehwegüberfahrten haben vorfahrtsregelnde Wirkung. In der ca. 1 km langen Gerhardtstraße sind die Verkehrsteilnehmer seitdem vorfahrtsberechtigt. "Rechts vor Links" gilt hier nun nicht mehr. Bedauerlicherweise ist die vorfahrtsregelnde Wirkung einer Gehwegüberfahrt nicht allen Verkehrsteilnehmern bekannt, so dass immer noch Konflikte zwischen Verkehrteilnehmern zu beobachten sind, die die Regeln kennen und denjenigen die Sie nicht kennen bzw. glauben sie zu kennen.
Mit Ausweisung der "zweiten Generation" von Fahrradstraßen wurden zur Verdeutlichung des Charakters der Straße große Fahrradpictogramme in der Fahrnbahn markiert. In den Seitenbereichen wurden als Fahrbahnrand Breitstriche (25cm) markiert, um so auch das Parken in den jeweiligen Straßen zu ordnen. Auch in den in 1999 eingerichteten Fahrradstraßen konnte durch Zählungen eine erheblich erhöhtes Aufkommen an Radverkehr nachgewiesen werden.

In einem nächsten Schritt wurden dann 2003/04 weitere vier Fahrradstraßen eingerichtet. Obwohl auch hier die Ausweisung zur Fahrradstraße zum Teil im Anschluß an eine Baumaßnahme der Stadtentwässerung bzw. einer Fernwärmeleitung der Stadtwerke im Rahmen der Wiederherstellung der Fahrbahnoberfläche stattfand, wurde auf den Bau von Gehwegüberfahrten in den Nebenstraßen verzichtet. In der Abwägung kam zum Tragen, dass eine "Rechts vor Links"-Regelung zwar nicht den Vorrang für den Radverkehr unterstreicht, aber doch wesentlich selbstverständlicher von den Verkehrsteilnehmern praktiziert wird und insofern dann auch sicherer ist. Das besondere an zwei der in 2004 eingeweihten Fahrradstraßen ist, dass sie eine Verbindung zwischen zwei weiterbildenden Schulen bilden. Da diese Schulen einen Austausch im Rahmen ihres Oberstufenunterichts praktizieren, kommt diesen Fahrradstraße eine zusätzliche Bedeutung zu.

Mit einer Ausnahme liegen alle Fahrradstraßen im Verlauf von Velorouten und in Tempo-30-Zonen. Mit Ausweisung der Fahrradstraßen wurden die Anwohner auch in den Nebenstraßen mit einem Faltblatt über Sinn und Zweck der Fahrradstraßen, deren Bedeutung im Rahmen der Kieler Radverkehrsförderung und über die dort geltenden Verkehrsregeln informiert. Die eingegangenen Rückmeldungen und Fragen der Anlieger belegen, dass eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit, die über die üblichen Pressemitteilungen hinaus geht, sinnvoll und notwendig ist.
Inzwischen gibt es zwölf Fahrradstraßen mit einer Gesamtlänge von 7,8 km in einem Straßennetz von 560 km. Die Einrichtung aller Fahrradstraßen wurden im Fahrradforum diskutiert und empfohlen.

Problematisch ist die Einschätzung derjenigen Radfahrer, die glauben, in der Fahrradstraße vorfahrtsberechtigt zu sein, ohne zu wissen, dass mit der Beschilderung "Fahrradstraße" eben nicht automatisch eine Vorfahrtsregelung zugunsten des Radverkehrs einhergeht. Auch ist es anderseits nicht allen Verkehrsteilnehmern, die sich in einer Fahrradstraße mit Gehwegüberfahrten bewegen, klar, dass dort "Rechts vor Links" nicht gilt.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Mit der Ausweisung von Fahrradstraßen besteht für den Radverkehr insbesondere im Verlauf von Velorouten ein sehr gutes Wegeangbot. Es zeigt, dass Kommunen so mit vergleichsweise geringen Finanzmitteln gute und sichere Wege für Radfahrer anbieten können und sich die Radverkehrsnetze leicht und zügig vervollständigen lassen. Die positive Resonanz in der Öffentlichkeit und die hohe Akzeptanz bei RadfahrerInnen und Radfahrern in Kiel zeigen, dass mit Ausweisung von Fahrradstraßen sowohl Radverkehrsanteile nachhaltig erhöht werden können und darüberhinaus positive Effekte für das Komfort- und Sicherheitsempfinden der Nutzer erzielt werden.

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel
Sonstige
Gesamtvolumen: 
2 600 000 €
Erläuterungen: 
Investition: 2,6 Mio. Euro; lfd. Kosten: ca. 1.000-1.500 Euro für die Erneuerung der Markierung
Teile der Investitionsmittel einiger Fahrradstraßen wurden im Rahmen der Kanalsanierung der Stadtentwässerung bzw. in Koordination mit Maßnahmen der Stadtwerke im Rahmen der Erneuerung der Fernwärmeleitungen zur Verfügung gestellt.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Zählung der Radfahrer, Befragung der Radfahrer, Beobachtung des Verkehrsverhaltens der Verkehrsteilnehmer

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Tiefbauamt der Landeshauptstadt Kiel
Projektbeteiligte: 
  • Tiefbauamt und Ordnungsamt der Landeshauptstadt Kiel
  • Ortsbeiräte im Rahmen der Bürgerbeteiligung
  • Fahrradforum der LH Kiel (Politik, Verbände, Polizei u. Verwaltung)

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Juni 1992
Info zur Laufzeit: 
1992, 1996, 2003/04 wurden Fahrradstraßen eingerichtet. 2003/2004 wurde die bisher letzte Maßnahme durchgeführt.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

  • Faltblätter: Fahrradstraße Hansastraße, April 1992 (vergriffen), Fahrradstraße Gerhardstraße, Dezember 1999; Fahrradstraßen und neue Veloroute 2, Mai 2000; Fahrradstraßen Harmsstraße und Papenkamp auf der Veloroute 1, Juni 2003
  • Verkehrsentwicklung Kiel: Rad fahren in Kiel, 36 Seiten, DIN A5, aktualisierte Fassung September 2004
  • Verkehrsentwicklung Kiel: Fahrradmobilität, 24 Seiten, DIN A4, Mai 2005
  • http://www.kiel.de

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Radverkehrsbeauftragter
Herr Uwe Redecker
Landeshauptstadt Kiel
Tiefbauamt
Fleethörn 9
24103 Kiel
Telefon: +49(0)431/901-2251
Telefax: +49(0)431/901-62280
E-mail: Uwe.Redecker@Kiel.de

Kommunale Ansprechpartner: 
Radverkehrsbeauftragter
Herr Uwe Redecker
Landeshauptstadt Kiel
Tiefbauamt
Fleethörn 9
24103 Kiel
Telefon: +49(0)431/901-2251
Telefax: +49(0)431/901-62280
E-mail: Uwe.Redecker@Kiel.de

Meta-Info
Stand der Information
9. August 2005
Autor
Uwe Redecker, Landeshauptstadt Kiel
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Schleswig-Holstein