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Radverkehrsförderung der Stadt Ingelheim am Rhein

Konsequente und nachhaltige Entwicklung der Fahrradinfrastruktur in einem Mittelzentrum

Fahrradparkhaus mit 400 Stellplätzen
Fahrradparkhaus mit 400 Stellplätzen © Erich Dahlheimer

Ausgangssituation

Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur sind zweifellos eine Notwendigkeit, um den Radverkehrsanteil in einer Stadt zu steigern. Aber nicht mit einer Einzelmaßnahme, sondern nur mit einer Vielzahl an infrastrukturellen Verbesserungen erreicht man, dass sich die Radfahrer in einer Stadt wohlfühlen, "sich ernst genommen fühlen" und auch von Anderen als gleichwertige Verkehrsteilnehmer betrachtet werden. Dies trägt wiederum dazu bei, dass sich mehr Menschen dazu entschließen, ihre Wege durch die Stadt mit dem Rad zurückzulegen. Die rheinland-pfälzische Kreisstadt Ingelheim zählt 26.500 Einwohner und hat sich durch eine konsequente Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur zu einer "Fahrradstadt" entwickelt.

Die einzelnen Maßnahmen

  • Am Bahnhof wurde ein Parkhaus für 400 Fahrräder errichtet. Dabei sind rund 220 Plätze überdacht und frei zugänglich. Sie stehen den Nutzern unentgeltlich zur Verfügung. Weitere 180 Parkplätze befinden sich in einem gesonderten Bereich. Auch dieser ist überdacht. Im Gegensatz zu den übrigen Parkplätzen jedoch auch bewacht. Die Kosten hierfür betragen 2,50 Euro / Woche, 7,00 Euro / Monat bzw. 70,00 Euro / Jahr. Der Zugang erfolgt über ein Chipsystem. Es handelt sich um das derzeit einzige Fahrradparkhaus seiner Art im Bundesland Rheinland-Pfalz. Dort befindet sich auch eine automatische Fahrradluftpumpe (Kompressor), mit welcher die Fahrräder mit dem richtigen Luftdruck versorgt werden können. Die Fahrradluftpumpe ist im Parkhaus fest verankert.
  • Für kleine Reparaturen am Fahrzeug bietet eine Fahrradwerkstatt die wichtigsten Werkzeuge, gut erreichbar, für alle und jederzeit zugänglich. Grundlage der Werkstatt ist ein ausgedientes und umgebautes Fahrrad. Das Fahrrad funktioniert wie eine Werkbank. Es wurden verschiedene Werkzeuge mit Stahlseilen versehen, die an herausziehbaren Spiralrollen befestigt sind und so vor Mitnahme und Diebstahl gesichert sind. Im Stadtgebiet stehen sechs weitere dieser Fahrradwerkstätten an zentralen Stellen.
  • Selbstverständlich sind an allen wichtigen öffentlichen Plätzen und Orten der Stadt ausreichend Fahrradbügel vorhanden, damit Bürger und Gäste ihre Räder sicher anschließen können.
  • Pedelec-Nutzer können, falls notwendig, ihren Akku an mehreren Ladestationen im Stadtgebiet auftanken.
  • Mit der Installation von Ampelgriffen zum Festhalten des Radfahrers bei "Rot" hat man begonnen. Weitere Planungen sehen vor, in 2017 weitere geeignete Ampelmaste mit Ampelgriffen zu versehen.
  • Darüber hinaus ist Ingelheim direkt am Projekt "Pendler-Radweg Bingen-Ingelheim-Mainz" des Landes Rheinland-Pfalz beteiligt und bringt sein "know-how" in die Planungen mit ein.

Organisation der Radverkehrsplanung

Koordiniert werden die Maßnahmen, deren Aufzählung sich noch fortsetzen ließe, durch ein besonderes Gremium: Die "Jour Fixe-Runde des Fahrradbeauftragten". Die Wünsche und Anregungen gelangen in der Regel über E-Mail, Telefon und persönliche Ansprache an den Fahrradbeauftragten. Bei regelmäßigen, monatlichen Treffen der für Fahrradfragen zuständigen städtischen Verwaltungsbereiche (Tiefbau, Planung, Ordnungsamt, Umwelt) und dem städtischen Fahrradbeauftragten, werden Wünsche und Anregungen von Seiten des "Kunden Fahrradfahrers" gebündelt, beraten, entschieden und umgesetzt. Eine Entscheidung wird dann sofort oder auch zu einem späteren Zeitpunkt von dem jeweils zuständigen Fachmitarbeiter der Fachabteilung nach gemeinsamer Beratung in seiner Zuständigkeit und eigener Verantwortung getroffen. Der Fahrradbeauftragte informiert den Antragsteller über das Beratungsergebnis und listet alle "Fälle" in einer Excel-Liste auf. In jedem Kalenderjahr werden so ca. 40 bis 50 Wünsche und Anregungen (bisher 400 insgesamt) von Fahrradfahrern besprochen und entschieden. Die Anzahl der positiven Entscheidungen, die bisher umgesetzt wurden und noch werden, liegt bei 85% bis 90%. Diese Art der Befassung mit Problemen aus dem Fahrradbereich hat sich herumgesprochen und der Fahrradfahrer fühlt sich mit seinen alltäglichen Problemen "ernst genommen".

Der Ingelheimer Fahrradbeauftragte, seit 2009 im Amt, kümmert sich um alle Fragen rund um das Thema Fahrrad. Seine Mitwirkung besteht in erster Linie in der Überprüfung bestehender Fahrradwege bezüglich sicherheitsrelevanter Aspekte, der Planung und Gestaltung neuer Fahrradwege als auch der Erstellung und Umsetzung des Radwegeplans für die Stadt Ingelheim am Rhein. Das Kümmern um eine Vielzahl von Alltagsproblemen der Fahrradfahrer fällt ebenfalls in seinen Aufgabenbereich. Hierzu zählen zum Beispiel: fehlende Radwegeverbindungen, Abflachung von Bürgersteigen, diverse Gefährdungssituationen für Radfahrer sowie zugewachsene und verschmutzte Radwege.

Bisherige Bilanz

Die Stadt Ingelheim am Rhein hat es durch eine konsequente und zielgerichtete Verbesserung der Infrastruktur erreicht, den Radverkehr in der Stadt nachhaltig zu fördern. Mit einem Radverkehrsanteil von mittlerweile 21% nimmt Ingelheim in Rheinland-Pfalz eine Spitzenposition ein. Es ist "amtierende" und vom Land Rheinland-Pfalz ausgezeichnete "Fahrradfreundliche Stadt". Mehrere gewonnene Wettbewerbe, wie z.B. der "Climate-Star 2014" und die beste Einstufung in Rheinland-Pfalz beim Klimatest 2014, runden das Bild der fahrradfreundlichen Stadt ab.

Infrastrukturmaßnahmen müssen immer wieder angepasst und weiterentwickelt werden, wie zum Beispiel das bedarfsgerechte Errichten neuer Radsbstellanlagen bzw. Abstellbügel. Des Weiteren wird es in 2017 eine Initiative zum Bau einer überdachten Radabstellanlage im Stadtgebiet geben. Der Stadtrat der Stadt Ingelheim befindet sich derzeit im Diskussionsprozess zur Einrichtung einer "Mobilitätsstation" am Bahnhof. Ein von einem externen Berater vorgelegtes Konzept sieht u.A. folgende Maßnahmen vor:

  • Pedelec-Vermietung
  • Fahrradreparatur-Service
  • Bike-Sharing-System und
  • Car-Sharing-System.

Die hierfür zuständigen Gremien sind derzeit in der Beratungsphase. Für 2017 sind erste Umsetzungsmaßnahmen geplant. Dies geschieht alles im Rahmen der Umsetzung des Klimaschutzteilprojektes "Klimafreundliche Mobilität".

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Beispiel Ingelheim zeigt, dass nur durch eine konsequente Förderung von Einzelmaßnahmen, die dem Fahrradfahren dienen, sich die Infrastruktur in einem Mittelzentrum verbessern lässt. Es gilt, die Radfahrer mit ihren Belangen auf vielen Ebenen zu berücksichtigen und sie als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer ernst zu nehmen.

Finanzierung

Finanzierung: 
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
1 500 000 €
Erläuterungen: 

Die Kosten beziehen sich nur allein auf das Fahrradparkhaus.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Stadtverwaltung Ingelheim am Rhein
 

Projektbeteiligte: 

Doris Faust, Ulrich Reussner, Mitarbeiter Amt für Bauen, Planung und Umwelt der Stadt Ingelheim am Rhein

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2009

Kontakt

Kommunale Ansprechpartner: 

Erich Dahlheimer
Fahrradbeauftragter der Stadt Ingelheim am Rhein
Stadtverwaltung Ingelheim am Rhein
Neuer Markt 1
55218 Ingelheim am Rhein
Telefon: 06132/1774
E-Mail: fahrradbeauftragter@ingelheim.de
Kontaktsprache: deutsch