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Mikro-Depots und Lastenräder

KoMoDo – Kooperative Nutzung von Mikro-Depots durch die KEP-Branche für den nachhaltigen Einsatz von Lastenrädern in Berlin

KEP-Dienstleister KoMoDo
KEP-Dienstleister KoMoDo © LNC GmbH

Einleitung

Die "Kooperative Nutzung von Mikro-Depots durch die Kurier-, Express-, Paket-Branche für den nachhaltigen Einsatz von Lastenrädern in Berlin" (KoMoDo) ist ein bisher einmaliges Forschungsprojekt, an dem sich die fünf größten nationalen Paketdienstleister aktiv beteiligen. Im Fokus stehen die nachhaltige und stadtverträgliche Auslieferung von Paketen auf den letzten Kilometern per Lastenrad - den sogenannten Cargobikes sowie den Einsatz eines dienstleisteroffenen Systems von Mikro-Depots in einem Stadtteil. Die Ziele des Projekts sind vielseitig. Zum einen soll herausgefunden werden, wie gut Lastenräder für die Auslieferung von Paketen auf den letzten Kilometern geeignet sind, zum anderen wird das anwenderoffene System der Mikro-Depots getestet. Verschiedene Paketdienstleister sollen erstmals ein einheitliches System nutzen.

Mit diesem Projekt soll die durch Lieferverkehre entstehende Verkehrsbelastung reduziert werden. Diese ist speziell in Innenstädten durch beispielsweise Parkplatzknappheit angespannt. Das Parken in zweiter Reihe durch Zustellfahrzeuge verschärft die verkehrliche Lage zusätzlich. Radfahrer sind von dieser Problematik direkt betroffen.

Die fünf operativ tätigen Dienstleister sind Deutsche Post DHL, DPD GLS, Hermes und UPS. An dem Projekt KoMoDo wirkten zudem Verbände und Institutionen als assoziierte Partner mit. Dazu gehörten der Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste e.V., der Bundesverband Deutscher Postdienstleister e.V., der Bundesverband Paket und Expresslogistik e.V. sowie das Deutsche Institut für Normung e.V. Die Einbindung dieser Branchenvertreter sollte sicherstellen, dass die Anforderungen und Belange der gesamten Branche berücksichtigt werden. Langfristig sollten aus dem Projekt übertragbare Lösungen für die letzten Kilometer der Zustellung entstehen. Die Projektkoordination übernahm die LNC LogisticNetwork Consultants GmbH.

Durchführung

Für die Durchführung des Projekts KoMoDo musste zuerst ein geeigneter Standort auf Grundlage einer Analyse gefunden werden. Hierbei wurde beispielsweise die Flächenverfügbarkeit oder die verkehrliche Anbindung berücksichtigt. Schlussendlich wurde eine Tram-Wendeschleife im Stadtteil Prenzlauer Berg ausgewählt. Die dicht besiedelte Lage vor Ort ist speziell bei der Fahrradzustellung ein großer Vorteil des Standortes. Ebenfalls ist die verkehrliche und logistische Lage am Standort gut geeignet für die Errichtung eines Mikrodepots.

Am Standort im Prenzlauer Berg hat die Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft mbH (BEHALA), die zu 100 Prozent der Stadt Berlin gehört, eine Logistikfläche bestehend aus sieben Seecontainern eingerichtet. Jeder dieser Container bildet ein sogenanntes Mikro-Depot. Das System kann von jedem Projektpartner genutzt und individuell in die Tourenplanung integriert werden. An der Testphase beteiligten sich die fünf größten nationalen Paketdienstleister DHL, DPD, GLS, Hermes und UPS. Jedes Unternehmen nutzt ein Mikro-Depot als zentralen Sammel- und Verteilpunkt. Zusätzlich zu den Dienstleistern gehörten auch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin (SenUVK) und weitere Branchenverbände. So sollte eine hohe Sichtbarkeit und Akzeptanz des Projekts erreicht werden. Die Überlassung des Standorts war an die kooperative Nutzung der Fläche geknüpft.

Der Projektablauf des täglichen Geschäfts sieht wie folgt aus:

Ausgehend von den Distributionszentren der Paketdienstleister wurden die Sendungen für das Tourengebiet um das Mikro-Depot herum an den KoMoDo-Standort geliefert. Dies geschieht üblicherweise mit Lieferfahrzeugen eines zulässigen Gesamtgewichts von 3,5 t bis 7,5 t. Diese Touren werden von jedem einzelnen Unternehmen individuell durchgeführt. Die vorkonsolidierten Sendungen werden vor Ort in den Mikro-Depots von den Dienstleistern eingelagert und auf das Lastenfahrrad umgeschlagen. Die Sendungen einer Tagestour einer Zustellkraft, die sonst in einem Kfz zugestellt werden können, müssen mehrfach pro Tag nachgeladen werden. Einige Sendungen, die sich aufgrund ihrer Maße oder Beschaffenheit nicht für eine Fahrradzustellung eignen, müssen konventionell zugestellt werden. Die Heterogenität der Sendungen sieht perspektivisch eine Mischung aus Lastenfahrrädern und elektrischen Nutzfahrzeugen als die wirtschaftlichste Lösung für eine lokal emissionsfreie Zustellung vor. Es ist ebenfalls ersichtlich, dass die individuellen Prozessabläufe der Dienstleister angepasst werden mussten.

Der operative Betrieb des Standorts startete im Juni 2018. Während der einjährigen geförderten Projektdauer wurden Daten und Erfahrungen gesammelt, die anschließend dazu beitragen sollen, den Lieferverkehr in urbanen Räumen nachhaltig zu gestalten.

An fünf Werktagen waren durchschnittlich 11 Lastenfahrräder im Einsatz. So konnten, nach anfänglich niedrigen Beförderungsmengen, schlussendlich bis zu 16.000 Sendungen pro Monat ausgeliefert werden. Gleichzeitig konnten 28.000 Fahrzeugkilometer durch die Lastenfahrräder substituiert werden. Die Räder selbst legten hierfür eine Gesamtfahrleistung von 38.000 Kilometern zurück. Dies ist dadurch erklärbar, dass mehrfach pro Tag das Lastenrad mit neuen Sendungen beladen werden musste. So fielen zusätzliche Verbindungswege an. Die reduzierten Fahrzeugkilometer führten dazu, dass weniger Nutzfahrzeuge in dem Gebiet Pakete zustellten. Somit wurde die Verkehrsbelastung wirksam reduziert und der Straßenverkehr, in dem sich auch Fahrradfahrer bewegten, wurde flüssiger und übersichtlicher.

Auch ökologisch betrachtet wirken sich die eingesparten Paketmengen positiv aus. 28.000 km entsprechen durchschnittlich einem CO2-Ausstoß von umgerechnet 11 Tonnen. Darüber hinaus können so 150 kg NOX (Stickstoffoxid)-Partikel und 0,83 kg Feinstaub (PM10) gespart werden.

Wirtschaftlich betrachtet können die Aufwendungen in zwei Gruppen unterteilt werden. Zum einen in die Anschaffungskosten der Lastenräder sowie der Bau- und Baunebenkosten und zum anderen in die variabel laufenden Betriebskosten. Im Rahmen der Förderung der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit wurde das Verbundprojekt gefördert. Es wurden so Teile der Fixkosten übernommen. Die laufenden Kosten wurden von den teilnehmenden Dienstleistern selbst übernommen. Dieses Vorgehen soll den langfristigen Ansatz unterstützen und eine Teilnahme an dem Projekt nicht nur aufgrund einer Förderung attraktiv machen.

Fazit

KoMoDo befand sich bereits während seiner Projektlaufzeit im öffentlichen Interesse. Das Projekt wurde auf Einladungen hin bei diversen Veranstaltungen mit Hilfe von Informationsvorträgen vorgestellt. Die Anwohner haben darüber hinaus positives Feedback zu dem Einsatz der Lastenräder gegeben. Die Akzeptanz von Fahrrädern als Nutzfahrzeuge im Lieferverkehr kann darüber hinaus die Akzeptanz für Fahrräder im Straßenverkehr erhöhen und sich positiv auswirken.

Insgesamt lässt sich das Projekt KoMoDo als großer Erfolg beschreiben. Auch nach der geförderten Projektlaufzeit wurde das Projekt am Standort weitergeführt. Ein Nachfolgeprojekt ist aktuell im Februar 2020 in der Planung. Es sollen in der Zukunft an einem anderen Standort weiterführende Forschungsfragen beantwortet werden.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Die lokale emissionsneutrale Zustellung mit Lastenfahrrädern ist zukunftsträchtig, da sie die Umwelt schont und den Verkehrsfluss verbessert. Gleichzeitig werden hiermit die Anforderungen der Kunden an eine städtische Logistik erfüllt. Der kooperative Ansatz ermöglicht eine effiziente Flächennutzung. In der Stadt der Zukunft könnte dieser Fakt noch eine große Rolle spielen, wenn sich die Flächenknappheit weiter verschärft.

Finanzierung

Finanzierung: 
Bundesmittel
Gesamtvolumen: 
400 000 €
Erläuterungen: 

Förderung erfolgte im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative

Kostenaufstellung wie folgt:

  • 61 % Anschaffungskosten
  • 32 % Baukosten und Baunebenkosten
  • 4 % Sicherheitsausstattung
  • 3 % Laufende Kosten

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Es wurden Auswertungen zu ökologischen und ökonomischen Aspekten getätigt sowie zu den Prozessleistungen der Dienstleister. Darüber hinaus existieren positive Resonanzen der Anwohner.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

LNC LogisticNetwork Consultants GmbH

Projektbeteiligte: 
  • DHL
  • DPD
  • GLS
  • Hermes
  • UPS
  • Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft mbH (BEHALA)
  • assoziierte Partner (Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste e.V., Bundesverband Deutscher Postdienstleister e.V., Bundesverband Paket und Expresslogistik e.V., Deutsches Institut für Normung e.V.)

Laufzeit

Projektstart: 
Januar 2018
Projektende: 
Juni 2019
Info zur Laufzeit: 

Projekt wurde nach Förderphase weitergeführt.

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Webseite von KoMoDo

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Christian Kaden
LNC LogisticNetwork Consultants GmbH
Consultant
Invalidenstraße 34
10115 Berlin
Telefon: +49 (0)30 585845815
E-Mail: ck@lnc-berlin.de
Internet: https://www.lnc-hannover.de

Kommunale Ansprechpartner: 

Dr. Julius Menge
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
Grundsatzangelegenheiten der Verkehrspolitik, Verkehrsentwicklungsplanung
Am Köllnischen Park 3
10179 Berlin
Telefon: 030 9025-1566
Telefax: 030 9025-1675
E-Mail: julius.menge@senuvk.berlin.de
Internet: https://www.berlin.de/senuvk/verkehr/politik_planung/gueter/de/kontakt.shtml

 

Meta-Info
Stand der Information
27. Februar 2020
Autor
Christian Kaden, Consultant, LNC GmbH
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Berlin