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Flächendeckende Knotenpunktbeschilderung und Zwischenwegweiser im Radverkehr

Knotenpunktwegweisung im Radverkehr im Landkreis Barnim

Knotenpunktwegweiser - Knotenpunkt 35
Knotenpunktwegweiser - Knotenpunkt 35 © Landkreis Barnim

Ausgangssituation

Der Radverkehr spielt im Landkreis Barnim, der nordöstlich an die Bundeshauptstadt Berlin angrenzt, bereits seit vielen Jahren eine wichtige Rolle. Dies betrifft neben dem Alltagsradverkehr auch den Fahrradtourismus und die damit verbundene Wertschöpfung. Neben dem Bau von überregionalen und regionalen Radwanderwegen stand und steht bei den kreislichen Aktivitäten die qualitativ hochwertige und einheitliche Beschilderung im Fokus. So hat der Landkreis Barnim in enger Abstimmung mit den kreisangehörigen Ämtern und Gemeinden, den Baulastträgern sowie den lokalen Touristikern der Radverkehrsinfrastruktur in den letzten Jahren eine weitgehend konsistente Beschilderung für sein Radwegenetz installiert, die den Hinweisen zur wegweisenden Beschilderung für den Radverkehr im Land Brandenburg (HBR) entspricht. Die Einführung eines innovativen Knotenpunktsystems sollte das gut ausgebaute Radwegenetz und die Beschilderung ergänzen und somit die Attraktivität des touristischen Radwegenetzes, insbesondere auch in der Wahrnehmung durch Besucher und Einwohner, weiter steigern. Vor allem in den ländlich geprägten Gebieten des Landkreises sollten so die wirtschaftlichen Potenziale des Radverkehrs weiter ausgeschöpft werden.

Das Knotenpunktsystem ist eine Fahrradwegweisung, die auf einer "Knotenpunktbeschilderung" an ausgewählten Radwegekreuzungen beruht, insbesondere für Flächenregionen geeignet ist und die bestehende Ausschilderung ergänzt. Dabei ist die Definition eines Knotenpunktes besonders bedeutend. Grundlage für die Knotenpunktsetzung im Landkreis Barnim sind die Radwege des Vier-Wegenetz-Konzeptes des Landkreises. An Kreuzungen von Fern- und Regionalradwegen werden auf den bestehenden oder zu setzenden Wegweiserpfosten zusätzlich zu den üblichen Ortswegweisern deutlich sichtbar, auf rotem Untergrund, Nummern angebracht. Durch die Beschilderung ist ein "Radeln nach Zahlen" möglich. Knotenpunkte auf einer Strecke können notiert und nacheinander abgefahren werden. Für Radwandernde ergibt sich daraus der Vorteil, sich keine Ortsnamen oder GPS-Daten merken zu müssen. Zudem ist an jedem Knotenpunkt eine Übersichtskarte angebracht, auf der die nächstgelegenen Knotenpunkte ersichtlich sind. Somit ist eine Orientierung beim Radfahren ohne eigenes Kartenmaterial möglich. Hilfreich für die Radler sind dabei Kartenhinweise zur Beschaffenheit des Fahrradweges, aber auch zu praktischen Themen wie Fahrradwerkstätten und -ausleihen, Gefahrenstellen und Touristinformationen im Umkreis. Mit diesem System sind sowohl Rundtouren, als auch Touren mit ungleichem Start- und Zielpunkt unterschiedlicher Wegelängen möglich.

Im Zuge der Knotenpunktbeschilderung konnte zudem ein digitales Beschilderungskataster erarbeitet werden, welches sowohl die Knotenpunkte als auch die HBR-konforme Beschilderung beinhaltet und damit die Instandhaltung der Knotenpunktinfrastruktur deutlich erleichtert.

Projektdurchführung

Das Projekt wurde federführend durch den Landkreis Barnim durchgeführt. Im Mai 2012 wurde bei der zuständigen Bewilligungsbehörde, dem Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) ein Förderantrag im Rahmen der integrierten ländlichen Entwicklung (ILE) und von LEADER gestellt. Mit dem Zuwendungsbescheid vom Dezember 2012 konnte im März 2013 zunächst das Konzept für die Umsetzung der Knotenpunktbeschilderung vergeben werden. Im Ergebnis dieses Konzeptes, welches durch das Büro Radschlag erarbeitet wurde, lagen für das knapp 1500 km2 große Kreisgebiet 102 Knotenpunkt- und 176 Zwischenwegweiserstandorte vor. Eine Besonderheit war, dass nicht alle Knotenpunkte bzw. Zwischenwegweiser innerhalb der förderfähigen Gebietskulisse lagen. Während die Schilderstandorte im Fördergebiet über eine Kofinanzierung aus Kreis- und EU-Mitteln gewährleistet wurde, erfolgte die Finanzierung im übrigen Gebiet durch die Kommunen und den Landkreis.

Bereits während der Konzeptphase wurden verschiedene Akteure der kreisangehörigen Kommunen, der angrenzenden Gebietskörperschaften sowie aus dem Tourismusbereich, beispielsweise im Rahmen gemeinsamer Workshops, in das Projekt involviert. Insbesondere bei der Standortwahl waren die lokalen Ortskenntnisse einzelner Akteure unabdingbar. Aber auch für das Gewinnen von Finanzierungspartnern war die frühzeitige Miteinbeziehung und Überzeugung ein wichtiger Baustein. Nach öffentlicher Ausschreibung der Bau- und Montageleistungen konnten nahezu alle 102 Knotenpunkte sowie die 176 Zwischenwegweiser im Oktober 2013 installiert werden. Zur Fahrradsaison 2014 konnte somit erstmals im Landkreis Barnim nach Zahlen geradelt werden.

Projekterfolge

Die Knotenpunktbeschilderung wird durchweg positiv von den Radfahrern wahrgenommen. Es gibt viel positives Feedback auf Messen, in den Tourismus-Informationsstellen sowie in den Hotel- und Gastbetrieben, in denen Informationsmaterialien erhältlich sind. Eine klassische Evaluation, beispielsweise durch eine Nutzerbefragung, fand bislang nicht statt.

Die Beschilderung muss kontinuierlich instandgehalten werden. Vandalismus, Diebstahl und Verunreinigungen muss ständig entgegengewirkt werden. Zu diesem Zweck gibt es im Landkreis Barnim einen Kreiswegewart, der bei der Wirtschafts- und Tourismusentwicklungsgesellschaft mbH (WITO) des Landkreises Barnim angestellt ist. Dieser fährt mindestens zweimal jährlich das touristische Radwegenetz des Landkreises ab, teilt festgestellte Mängel den jeweiligen Baulastträgern mit und behebt kleinere Verunreinigungen oder Beschädigungen selbst. Ein Grundstock an Ersatzmaterial ermöglicht schnelles Handeln. Der modulare Aufbau der Beschilderung erleichtert dabei einen Austausch defekter oder verunreinigter Bauteile enorm.

Neben der Instandhaltung stehen im "Tagesgeschäft" immer wieder leichte Modifikationen und Ergänzungen des Knotenpunktsystems an. Beispiele hierfür sind die Herstellung von Verknüpfungen zum Knotenpunktsystem eines Nachbarlandkreises oder die Anbindung an neue Radrouten oder Points of Interest.

Ein positiver Nebeneffekt ist, neben der räumlichen Vernetzung durch die Knotenpunkte, auch die institutionelle Verknüpfung und die Kooperation zwischen den kreisangehörigen Ämtern, Städten und Gemeinden sowie dem Landkreis. Das Knotenpunktsystem ist zudem ein wichtiger Baustein bei der Vermarktung der Region als innovative Region und touristische Destination.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Mit Hilfe der Knotenpunktbeschilderung kann die Attraktivität bestehender Radverkehrsinfrastruktur weiter erhöht und somit bestehende Potenziale des Radverkehrs weiter ausgeschöpft werden.

Finanzierung

Finanzierung: 
EU-Mittel
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
94 000 €
Erläuterungen: 

Kosten Konzeptphase: 25.000 €

Kosten Umsetzungsphase: 69.000 €

EU-Förderprogramm: LEADER

Kommunale Mittel als Co-finanzierung aus kreislichen Mitteln und Mittel einiger kreisangehörigen Städte, Ämter und Gemeinden.

Evaluation

Evaluation: 
nein

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Landkreis Barnim

Projektbeteiligte: 

Kreisangehörige Städte, Ämter und Gemeinden

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
März 2014
Projektende: 
Mai 2014

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Vermarktung durch die kreiseigene Wirtschafts- und Tourismusentwicklungsgesellschaft (WITO) des Landkreises Barnim mbH: Internetseite

 

Kontakt

Kommunale Ansprechpartner: 

Matthias Conrad
Landkreis Barnim
Sachbearbeiter ÖPNV / Radverkehr
Am Markt 1
16225 Eberswalde
Telefon: +49 (0)3334/214-1248
Telefax: +49 (0)3334/214-2248
E-Mail: radverkehr@kvbarnim.de

Meta-Info
Stand der Information
8. August 2017
Autor
Matthias Conrad, Landkreis Barnim
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradtourismus
Infrastruktur
Fahrradthemen
Infrastruktur
Tourismus
Schlagworte
Fahrradroute
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Knotenpunkt
Radtour
Wegweisung
Land
Brandenburg