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Radverkehr und Klimaschutz

Klingelt's? CO2 sichtbar machen.

Die blaue Kugel mit Einladungsbanner
Die blaue Kugel mit Einladungsbanner © AGFK-BW

Ausgangslage und Hintergrundüberlegungen

Wissenschaftler sind sich einig: Menschen verändern ihr Verhalten ganz selten aufgrund von reiner Information. Die treibenden Kräfte sind Emotionen, Erfahrungen und die persönliche Betroffenheit. Übertragen auf die Themen Umwelt und Klima bedeutet dies: Viele Menschen wissen, dass das Radfahren die Schadstoffe in der Luft reduziert und dass es – zusammen mit dem Zufußgehen – die klimaschonendste Form der Mobilität ist. Was jedoch häufig fehlt, ist die emotionale Erfahrung dieses Zusammenhangs, weshalb aus dem Wissen heraus nicht immer eine tatsächliche und nachhaltig wirksame Verhaltensänderung resultiert.

Vor diesem wissenschaftlichen Hintergrund hat die AGFK-BW mit ihrer "Klingelt’s?"-Kampagne den Bürgerinnen und Bürger Baden-Württembergs emotionale Zugänge und reale Erfahrungen zum Thema Umwelt und Klima vermittelt.

Im Mittelpunkt standen dabei die CO2-Emissionen, die vom Menschen mit seinen Sinnen zunächst nicht erfahrbar und greifbar sind: Sie sind nicht sichtbar, man kann sie nicht fühlen oder riechen. Dies führt dazu, dass sie von den Meisten nur begrenzt als bedrohlich empfunden werden und/oder das Wissen um sie und die Folgen für Umwelt und Klima leicht wieder in Vergessenheit geraten.

Daher hat die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) das an sich unsichtbare CO2 für die Baden-Württemberger auf eine innovative und künstlerische Art und Weise sichtbar gemacht und von einer abstrakten zu einer erfahrbaren Größe umgestaltet. Dies erfolgte, indem eine riesige Kugel, die in ihrem Volumen einer bestimmten Alltagseinheit an CO2-Emissionen entspricht, an zentralen Orten in sieben Mitgliedsstädten installiert wurde.

Durch ihre Größe wird die Kugel schnell zum Stadtgespräch. Die Gesamtaktion, die jeweilige Kommune, die lokalen und regionalen Aktionstage und die Initiatoren und Förderer kommen darüber in die Medien. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ebenso weitere und auch kleine, räumlich begrenzte Aktionen breiter wahrgenommen werden und die Förderung des Radfahrens als umweltfreundliche und klimaschonende Fortbewegungsweise erfolgreicher kommuniziert werden kann.

Die Kampagne

Die Kampagne war eingebettet in das AGFK-Jahresthema "Umwelt und Klima" und wurde zwischen Ende August und Oktober 2014 sieben Wochen lang in acht verschiedenen Mitgliedskommunen umgesetzt (Stadt und Landkreis Göppingen setzten die Kampagne gemeinsam um, daher acht Teilnehmerkommunen in sieben Wochen). Der Ablauf war in allen Kommunen gleich bzw. vergleichbar:

  • "Vorbereitung": In der Stadt sind Plakate und Banner mit Sprüchen und Fragen zu sehen, die auf die Kugel hinweisen ("Kugel? Welche Kugel?/Treffpunkt: Kugel!") (montags oder dienstags).
  • "Die Kugel kommt": Die Kugel und die begleitenden Werbemittel werden auf einem zentralen Platz in der Stadt aufgebaut und bleiben zunächst unkommentiert (dienstags oder mittwochs).
  • "Was soll die blaue Kugel da?": Es entsteht ein Rätsel: Was hat die große blaue Kugel in unserer Stadt zu suchen? Es finden ein Gewinnspiel mit Postkarten und ein Selfie-Wettbewerb vor der Kugel statt. Mitarbeiter der Kommunen oder Promoter regen die Bürger zur Teilnahme und zum Rätseln an (mittwochs bis freitags).
  • "Jetzt klingelt’s": Abschlussveranstaltung mit Auflösung des Rätsels durch die Stadtspitze (und weiteren Aktionen rund ums Rad). Das Volumen der blauen Kugel, die im Durchmesser sechs Meter misst, beträgt 113 Kubikmeter. Dies ist jene Menge CO2, die eine Person einspart, die sich ein Jahr lang täglich drei Kilometer mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto fortbewegt. Ziehung der Gewinnspielteilnehmer und Verleihung der Preise, z.B. von lokalen Fahrradhändlern (samstags oder sonntags).
  • "Klimahelden-Galerie": Aus allen Fotografen der in den acht Kommunen entstandenen "Kugel-Selfies" wird die Gewinnerin oder der Gewinner des Selfie-Wettbewerbs gezogen. Sie oder er erhält ein Fahrrad.

Begleitend und teils bereits im Vorfeld fand Pressearbeit zur Aktion statt, um das Rätseln, was es mit der Kugel auf sich haben könnte, vor Ort anzuheizen. Diese wurde federführend durch die Kommunen umgesetzt, jedoch wurden durch das AGFK-Pressebüro entsprechende Vorlagen erarbeitet und bereitgestellt.

Zur Umsetzung der Kampagne wurde durch die Kommunikationsagentur der AGFK-BW in Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Teilnehmerkommunen im Vorfeld ein Leitfaden entwickelt. Während der Kampagnenlaufzeit standen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Agentur den kommunalen Verantwortlichen beratend zur Seite. Insgesamt fand sowohl im Vorfeld, wie auch während und nach der Aktion ein intensiver und kontinuierlicher Austausch zwischen der Agentur und den Teilnehmern statt.

In den meisten Kommunen wurden parallel zur Aktion mit der blauen Kugel weitere fahrradbezogene Events umgesetzt (z. B. Radaktionstag, Fahrradflohmarkt, RadCHECK der Landesinitiative RadKULTUR Baden-Württemberg). Weitere Organisationen und kommunale Einrichtungen, die sich mit umweltfreundlicher Mobilität und Klimaschutz befassen, waren stets über die Woche und/oder am Tag der Auflösung um die blaue Kugel vertreten.

Durch die Einbeziehung interaktiver Elemente, die die Betrachter der blauen Kugel und der Kampagne als Ganzes direkt ansprechen (z. B. Gewinnspiele, Drehscheibe, Selfie-Aktion, CO2-Rechner auf der Kampagnenwebsite) soll die Aktion auch nach Ende des Kampagnenzeitraums vor Ort in der Köpfen der Bevölkerung bleiben. Die Verteilung des Give-Aways "Klimahelden-Drehscheibe" unterstützt dies und befördert die Beschäftigung mit dem Thema "Radfahren und Klimaschutz" und dadurch einen intelligenten, flexiblen Umgang mit der persönlichen Mobilität zusätzlich. Auf der Drehscheibe wurde auch der Hinweis auf die Kampagnenwebsite (www.klingelts-bw.de) und den dort nutzbaren interaktiven CO2-Rechner platziert. Dieser zeigt nicht nur die positiven Auswirkungen, welche die Fahrradnutzung auf das Klima hat, sondern auch jene auf die eigene Gesundheit und den Geldbeutel.

Die Kampagnenausstattung kann durch die Mitgliedskommunen des Vereins weiterhin genutzt werden.

Hintergrund: Radverkehr in Baden-Württemberg

Die "Klingelt’s?"-Kampagne der AGFK-BW ist ein Baustein auf dem Weg zu mehr Radverkehr in Alltag und Freizeit in Baden-Württemberg und zu einer neuen Radkultur im Land. Daher wurde sie vom Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur, im Rahmen der Initiative RadKULTUR gefördert. Weitere Informationen zur Radverkehrsförderung in Baden-Württemberg finden Sie unter www.fahrradland-bw.de und www.radkultur-bw.de.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

  • Mit der Bereitstellung einer Rahmenkampagne durch die AGFK-BW wird Mitgliedskommunen die Umsetzung einer Kampagne zum Radverkehr ermöglicht bzw. sie werden bei der Umsetzung unterstützt. Die vorhandene Kampagnen-Ausstattung kann durch die Mitgliedskommunen auch weiterhin und zu anderen radverkehrsbezogenen Anlässen genutzt werden. Durch den ferner vorhandenen Umsetzungsleitfaden können Planung und Einsatz der blauen Kugel weitestgehend autark erfolgen.
  • Die blaue Kugel macht das abstrakte Thema CO2 erfahrbar und generiert als außergewöhnliches Kommunikationsmedium Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit.
  • Der Einsatz der interaktiven Elemente bindet die Bevölkerung, an die sich die Aktion richtet, direkt mit ein und sorgt so für ein längerfristiges Erinnern der Kampagne und des transportierten Themas.

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
135 000 €
Erläuterungen: 

Kosten der Vorbereitung und Umsetzung in acht Kommunen (inkl. Mittel der Kommunen, ohne Personalaufwand in den Kommunen)

Landesmittel: Projektförderung des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg

Kommunale Mittel: Eigenmittel des Vereins AGFK-BW sowie Mittel der Kommunen zur Umsetzung vor Ort. Ohne Personalaufwand der Kommunen, dieser lag bei ca. 20 Tagen durchschnittlich.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Ausfüllen eines Fragebogens zur Aktion und den Rahmenbedingungen durch die Teilnehmerkommunen, Auswertung durch die Geschäftsstelle der AGFK-BW.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) e. V.

Projektbeteiligte: 
  • acht Mitgliedskommunen der AGFK-BW
  • Kommunikationsagentur und Pressebüro der AGFK-BW
  • Initiative RadKULTUR Baden-Württemberg

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
nein
Projektstart: 
August 2014
Projektende: 
Oktober 2014
Info zur Laufzeit: 

kommunaler Einsatz der blauen Kugel und des weiteren Kampagnenmaterials längerfristig möglich

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Leiterin der AGFK-Geschäftsstelle bei der NVBW
Frau Anna Hussinger
AGFK-BW e. V.
c/o NVBW mbH, Wilhelmsplatz 11
70182 Stuttgart
Telefon: 0711/23991-0
Telefax: 0711/23991-23
E-mail: info@agfk-bw.de
WWW: www.agfk-bw.de
 

Kommunale Ansprechpartner: 

Herr Stefan Papsch
Stadt Heilbronn
Amt für Straßenwesen, Team Radverkehr
Cäcilienstraße 49
74072 Heilbronn
Telefon: +49 (0)7131 56-2760
E-mail: radverkehr@stadt-heilbronn.de
WWW: www.heilbronn.de

Frau Beate Link
Stadt Bühl, Stadtentwicklung – Bauen – Immobilien
Abteilung Tiefbau, Umwelt und Verkehr
Friedrichstraße 6
77815 Bühl
Telefon: +49 (0)7223/935-322
E-mail: b.link.stadt@buehl.de
WWW: www.buehl.de

Radverkehrsbeauftragter
Herrr Jürgen Lenz
Stadt Filderstadt
Stadtplanungs- und Hochbauamt / "radhaus"
70790 Filderstadt
Telefon: +49 (0)711/7003-634
E-mail: jlenz@filderstadt.de
WWW: www.filderstadt.de

Herr Ulrich Thäsler
Stadt Esslingen
Stadtplanungs- und Stadtmessungsamt
Ritterstraße 17
73728 Esslingen am Neckar
Postfach 10 03 55
73726 Esslingen am Neckar
Telefon: +49 (0)711/3512-2275
E-mail: ulrich.thaesler@esslingen.de
WWW: www.esslingen.de
 

Meta-Info
Stand der Information
28. Februar 2015
Autor
Geschäftsstelle der AGFK-BW bei der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH (NVBW).
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Baden-Württemberg