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Für jedes Kind ein Rad

Kindern und Jugendlichen aus finanzschwachen Haushalten den Zugang zur Rad-Mobilität ermöglichen

Poster zur Aktion
Poster zur Aktion © Universitätsstadt Tübingen

Ausgangssituation

In Tübingen werden trotz ausgeprägter Topographie mit mehr als 150 Metern Höhenunterschied etwa 25% des Binnenverkehrs vom Radverkehr gedeckt. Grund hierfür ist auch die jahrzehntelange, kontinuierliche Radverkehrsförderung. Doch die Universitätsstadt, Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen - AGFK-BW, möchte noch mehr Menschen auf den Fahrradsattel bekommen. Nächstes Etappenziel der Radverkehrsförderung ist es, bis 2020 einen Radverkehrsanteil von 30% zu erreichen. Dazu werden umfangreiche, zielgruppenspezifische Maßnahmenpakete umgesetzt.

In manchem Haushalten fehlen jedoch passende und sichere Fahrräder, um damit im Alltag unterwegs sein zu können. In einigen Fällen sind geringe finanzielle Ressourcen ein Grund hierfür. Auch Kinder und Jugendliche sind betroffen. Dies zeigt z.B. der häufig auftretende Wunsch nach einem Fahrrad zu Weihnachten, wie er im Rahmen der Aktion "Wunschbaum" für finanzschwache Haushalte in Tübingen geäußert wird.

Rund 1000 Kinder und Jugendliche in Tübingen stammen aus finanzschwachen Haushalten, erhalten zusätzliche Sozialleistungen und eine so genannte "KinderCard", die Ermäßigungen in verschiedenen Alltagsbereichen ermöglicht. Oft bleibt ihren Familien kein Geld, um ein Fahrrad zu kaufen und instand zu halten. Hier setzt das Projekt "Ein sicheres Rad für jedes Kind" der Stadtverwaltung an. Die Umsetzung erfolgte mit lokalen Partnern (dem Radstall der Bruderhaus Diakonie) und großteils aus Mitteln der Initiative "RadKULTUR" des Landes Baden-Württemberg.

Projektumsetzung

Das Projekt läuft in drei aufeinander aufbauenden Modulen ab, um die vorhanden Ressourcen möglichst effizient einzusetzen: (I) Sicherheitscheck und Wartung vorhandener Räder, (II) Reparatur vorhandener Räder und (III) Sammelaktion ungenutzter Rädern, um diese an die Zielgruppe abzugeben.

Sicherheitscheck und Wartung vorhandener Räder

Über Plakate, Zeitungsmeldungen, Flyer, Multiplikatoren, in Beratungsgesprächen etc. wurde die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen auf den ersten RadCheck-Tag Mitte Dezember 2012 hingewiesen. An diesem Tag konnten Familien mit KinderCard ihre Räder kostenlos auf Verkehrstauglichkeit und Mängel untersuchen lassen. Kleinere Reparaturen wie Bremsen einstellen, Reifen aufpumpen oder Kette ölen, wurden vor Ort von den Fahrradmechanikern umgesetzt. Etwa 80 Räder wurden gecheckt. Selbst aus Nachbarkommunen kamen die Interessenten.

Reparatur vorhandener Räder

Fielen beim Check größere Mängel - wie z.B. defekte Lichtanlagen oder abgefahrene Bremsen - auf, erhielten die Kinder und Jugendlichen einen Reparaturgutschein im Wert von bis zu 50 Euro bei einer Fahrradwerkstatt der sozialen Einrichtung Bruderhaus Diakonie. Insgesamt wurden 42 Gutscheine eingelöst und eine Summe von 2100 Euro in die Reparaturen investiert.

Sammlung und Weitergabe ungenutzter Räder

Im nächsten Schritt wurde die Öffentlichkeit aufgefordert, ungenutzte Räder bei der Stadt abzugeben und für das Projekt zu spenden. Gesucht wurden Räder aller Größen, die entweder zu klein geworden sind oder aus anderen Gründen ungenutzt herumstanden. Jedoch sollten die Drahtesel entweder gebrauchsfähig sein oder mit etwas Wartung und mäßigem Aufwand wieder instand gesetzt werden können. Räder mit schwerwiegenden Defekten waren für die Aktion nicht geeignet, da die Instandsetzung zu aufwändig gewesen wäre. Insgesamt wurden ca. 230 Räder gespendet, davon waren 178 nutzbar, die restlichen dienten als Ersatzteillager. Die KinderCard-Inhaber konnten bei einer Telefonhotline ihren Wunsch (Rahmen- und Reifengröße, etc.) melden. Die Ausgabe der kostenlosen Räder erfolgte dann - nach Wartung und ggf. Reparatur – zusammen mit einem Fahrradhelm zum Frühjahrsbeginn, passend zum Start der Fahrradsaison.

Das Projekt erwies sich als eine sehr gelungene Kombination aus Kinderarmutsprävention, sozialem Engagement, Radverkehrsförderung, Direktrecycling und Umweltschutz. Zahlreiche positive Rückmeldungen gingen von den Familien bei der Stadtverwaltung, der Fahrradwerkstatt und der Leserbriefredaktion der lokalen Zeitung ein. Die große Resonanz auf diese Aktion zeigt, wie bedeutend funktionsfähige Fahrräder für die Mobilität und Teilhabe der Kinder und Jugendlichen sind.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Das Projekt ermöglicht Kindern und Jugendlichen aus finanzschwachen Haushalten den Zugang zur Rad-Mobilität. Es beinhaltet ein abgestuftes Vorgehen aus kostenlosem Radcheck, Wartungs- und Reparaturleistungen sowie Gebrauchträdern für die Zielgruppe und setzt damit die vorhandenen Mittel optimal ein.

Finanzierung

Finanzierung: 
Landesmittel
Sponsoring, Spenden
Gesamtvolumen: 
11 000 €

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 

Alle Empfänger der Gutscheine und der Räder sind erfasst.

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 

Universitätsstadt Tübingen

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Dezember 2012
Projektende: 
Juni 2013

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 

Umwelt- und Klimaschutzbeauftragter
Herr Bernd Schott
Stadtverwaltung der Universitätsstadt Tübingen
Stabsstelle Umwelt- und Klimaschutz
Rathaus, Am Markt 1
72070 Tübingen
Telefon: 07071 204-2390
Telefax: 07071-204-1777
E-mail: bernd.schott@tuebingen.de
WWW: www.tuebingen-macht-blau.de
 

Meta-Info
Stand der Information
4. Juli 2013
Autor
Bernd Schott, Fahrradbeauftragter der Stadt Tübingen
NRVP-Handlungsfelder
Radverkehrsplanung und -konzeption
Fahrradthemen
Ausgewählte Zielgruppen
Nachhaltigkeit
Schlagworte
Fahrradsicherheitscheck
Integration
Kinder / Jugendliche
Netzwerk
Sozialprojekt
Land
Baden-Württemberg