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Rad fahren leicht gemacht!

Kindergartenprogramm zur Emotionalisierung des Radfahrens von Kindesbeinen an

SiegerInnen des Kreativwettbewerbs "Die originellste Fahrradskulptur"
SiegerInnen des Kreativwettbewerbs "Die originellste Fahrradskulptur" © Kindergarten Klinkgasse

Ausgangssituation

In Graz wird der Großteil der Kinder mit dem Auto in den Kindergarten und in die Schule gebracht. Zudem kann eine veränderte Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen mit vermehrtem Medienkonsum und verminderter sportlicher Aktivität bereits im Vorschulalter zu einer Zunahme gesundheitlicher Probleme führen. Um dieser Entwicklung möglichst frühzeitig entgegen zur wirken, kann das Thema Mobilitätsmanagement bereits im Vorschulalter in Kindergartenprogramme aufgenommen werden. Jüngere Kinder sind sehr motiviert, sich zu bewegen und eine eigenständige Mobilität zu erfahren. Radfahren ist dafür besonders geeignet und fördert die Entwicklung motorischer und sensorischer Fähigkeiten.

Projektziel

Mit dem Kindergartenprogramm "Rad fahren leicht gemacht!" sollen mit dem Radfahren verbundene positive Emotionen schon zu einem frühen Zeitpunkt erzeugt und gefestigt werden. Das Programm soll damit dazu beitragen, das Radfahren in die Sozialisierung im Kindergartenalter einzubetten.

Projektdurchführung

Das Kindergartenprogramm wird in der steirischen Landeshauptstadt Graz vom Institut für Verkehrspädagogik im Auftrag der Stadt Graz (Abteilung für Verkehrsplanung sowie Amt für Jugend und Familie) in allen 46 städtischen Kindergärten eingeführt und in die alltägliche Praxis integriert. Es beinhaltet eine Schulung von Pädagoginnen zum Thema "Rad fahren lernen mit dem Laufrad" sowie den Einsatz von Bilderbuchgeschichten rund ums Radfahren, die Verleihung der Urkunde "Ich kann Rad fahren" und ein Motivationsprogramm, mit dem Eltern dazu bewegt werden sollen, ihre Kinder mit dem Fahrrad und anderen umweltfreundlichen Mobilitätsarten in den Kindergarten zu bringen.

Im Zeitraum November 2008 bis Januar 2009 haben 59 Kindergartenpädagoginnen aus 46 Grazer Kindergärten an Workshops zum KiGa-Programm teilgenommen. Ziel der Workshops war es, die Pädagoginnen auf das Thema der "Sanften Mobilität" einzustimmen, ihnen die Programminhalte vorzustellen und gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie das Programm in den Regelbetrieb des Kindergartens integriert werden kann.
Insgesamt wurden 115 Kindergartengruppen mit über 2.800 Kindern in das Programm einbezogen. Durch die Übungen mit dem Laufrad haben ca. 1.500 Kinder das Radfahren erlernt.

Im Einzelnen beinhaltet das Kindergartenprogramms die folgenden Angebote:

  • Übungen mit dem "Laufrad": Jede Kindergartengruppe erhielt ein Laufrad, mit dem die Kinder Grundlagen des Radfahrens einüben konnten: rollen, normales Tempo fahren, langsam fahren, schnell fahren, mit einer Hand fahren... Die Kinder trainierten somit zugleich auch den Gleichgewichtssinn und das Gefühl für Geschwindigkeit. Die meisten Kinder brauchten nur zwei bis drei Nachmittage, um das Radfahren zu erlernen.
  • Kindergeschichten & Spiele zum Radfahren: Um die Kinder emotional auf das Radfahren einzustimmen, wurden Geschichten zum Thema erzählt und vorgelesen, Bilder gemalt, Figuren gebastelt und verschiedene Spiele durchgeführt.
  • Urkunde "Ich kann Rad fahren": Sobald die Kinder das Rad fahren erlernt hatten, erhielten sie eine Urkunde. Diese Urkunde wurde entweder während eines jährlich stattfindenden Festes (z.B. Sommerfest) oder im Rahmen einer eigens dafür durchgeführten Feier überreicht.
  • Motivationsprogramm für den aktiven Weg zum Kindergarten: Ein Motivationsprogramm zur Nutzungs des Fahrrads und anderer umweltfreundlicher Mobilitätsarten für den Weg in den Kindergarten rundete das Kindergartenprogramm ab.So wurde beispielsweise mit der einwöchigen Aktion "So komme ich zum Kindergarten" das umweltfreundliche Mobilitätsverhalten der Kinder visualisiert: Jeden Tag durften die Kinder, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus/der Straßenbahn zum KiGa gebracht wurden, einen entsprechenden Sticker auf ein großes Poster aufkleben. Im Laufe der Woche entstand so ein buntes, ansprechendes Poster, das sehr deutlich zeigte, wer wie zum KiGa gebracht wurde. Diese Aktion ist so angelegt, dass sie mehrmals im Jahr durchgeführt werden kann.
  • Kreativwettbewerb "Meine Fahrradskulptur": Zusätzlich zum Programm wurde im Sommersemester 08/09 der Kreativwettbewerb "Meine Fahrradskulptur" durchgeführt. Im Rahmen eines Erfahrungsaustausches mit den KiGa-Pädagoginnen wurden die originellsten Skulpturen prämiert, die in den Kindergärten zum Thema Radfahren hergestellt worden sind.

Was wurde erreicht

Der Ansatz, die Kindergartenpädagoginnen zu trainieren, führte dazu, dass das Thema dauerhaft im jeweiligen Kindergarten verankert bleibt. Das heißt, es ist nur wenig Aufwand erforderlich (z.B. Vernetzungstreffen oder Wettbewerbe), um das Thema weiterhin auf der Agenda zu halten. Für die beteiligten Kindergärten hilfreich ist dabei der Abschluß eines Wartungsvertrages. Auf dessen Grundlage überprüft ein ortsansässiger Betrieb die einzelnen Laufräder regelmäßig auf ihre Verkehrstüchtigkeit. Darüber hinaus werden durch das Programm Materialien, wie z.B. die Urkunden "Ich kann Rad fahren", bereitgestellt. Das Programm kann mit sehr geringen Kosten in allen Kindergärten einer Stadt implementiert werden.
Nicht nur bei den beteiligten Kindern, sondern auch bei deren Eltern zeigten sich positive Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten. Im Rahmen einer auf einer Festveranstaltung durchgeführten Umfrage gaben 74 Prozent der Eltern an – beeinflußt durch das Programm, das ihre Kinder im Kindergarten durchlaufen haben – nun selbst öfter mit dem Rad unterwegs zu sein.

Ausblick

Das Programm wurde so erfolgreich umgesetzt, dass sich ab Herbst 2009 neben den städtischen Kindergärten auch die privaten Kindergärten beteiligen können. Ab November 2009 beginnen neue Workshops für die Erziehungskräfte.

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

Wesentliche Vorteile des Programms sind, dass es einfach umzusetzen ist und - einmal implementiert – zu einem "Selbstläufer" wird: Es kann mit nachhaltiger Wirkung einfach in den Regelbetrieb des Kindergartens integriert werden.
Stärker wiegt jedoch die Tatsache, dass ein emotionaler Zugang zum Thema Radfahren geschaffen wird: vom Radfahren-Lernen mit dem Laufrad, den Geschichten, die rund ums Radfahren erzählt werden, bis hin zum Motivationsprogramm für Eltern, die angeregt werden, ihre Kinder mit dem Fahrrad in den Kindergarten zu bringen. Damit entsteht bei den Kindern bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt ein positiver, gefühlsbetonter Zugang zum Radfahren, der auch durch die Vergabe der "Ich-kann-Rad-fahren"-Urkunde bestärkt wird. Gleichzeitig wird dafür gesorgt, dass das Radfahren auch Thema in den familiären Gesprächen ist.

Finanzierung

Finanzierung: 
EU-Mittel
Kommunale Mittel
Gesamtvolumen: 
8 625 €
Erläuterungen: 
Kosten von 2008-2011: 8.625 Euro.
Das Kindergartenprogramm ist eingebettet in das EU-Projekt "LifeCycle – keep on cycling", das sich mit der Vermittlung eines bewegungsorientierten aktiven Lebensstils, beginnend von Geburt an bis ins hohe Alter, beschäftigt. LifeCycle läuft über einen Projektzeitraum von 36 Monaten von 2007 bis 2011.
50 Prozent der Projektkosten werden von der Gesundheitsdirektion der EU (DG SANCO) getragen. Die restlichen 50 Prozent der Kosten für das Kindergartenprogramm werden je zur Hälfte von der städtischen Abteilung für Verkehrsplanung und dem Amt für Jugend und Familie der Stadt Graz übernommen.

Evaluation

Evaluation: 
ja
Erläuterungen: 
Die Evaluierung der Ergebnisse wird auf zwei Ebenen erfolgen:
1. Befragung der Kindergartenpädagoginnen und der Eltern
2. Langzeitstudie mit der Universität Graz über langfristige Wirkungen (wird erst gestartet)

Projektträger & Beteiligte

Projektleitung: 
  • Institut für Verkehrspädagogik, Forschungsgesellschaft Mobilität
Projektbeteiligte: 
  • Kindergärten in Graz
  • Stadt Graz: Abteilung für Verkehrsplanung; Amt für Jugend und Familie

Laufzeit

Dauermaßnahme: 
ja
Projektstart: 
Januar 2007
Info zur Laufzeit: 
2011 – Ende des des EU-Projekts "LifeCycle"

Öffentlichkeitsarbeit & Dokumentation

Kontakt

Ansprechpartner auf Projektebene: 
Projektverantwortliche
Frau Mag. Margit Braun
Forschungsgesellschaft Mobilität gemeinnützige GmbH
Institut für Verkehrspädagogik
Schönaugasse 8a
A-8010 Graz
Telefon: ++43/316/810451-29
Telefax: ++43/316/810451-75
E-mail: braun@fgm.at
WWW: www.ivp.co.at

Projektverantwortlicher
Herr DI Karl Reiter
Forschungsgesellschaft Mobilität gemeinnützige GmbH
Institut für Verkehrspädagogik
Schönaugasse 8a
A-8010 Graz
Telefon: ++43/316/810451-29
Telefax: ++43/316/810451-75
E-mail: reiter@fgm.at
WWW: www.ivp.co.at

Kommunale Ansprechpartner: 
Frau Mag. Daniela Hörzer
Stadt Graz
A10/8 – Abteilung für Verkehrsplanung, Mobilitätsmanagement
Europaplatz 20
A-8011 Graz
Telefon: ++43/316/872-2885
Telefax: ++43/316/872-2889
E-mail: daniela.hoerzer@stadt.graz.at
WWW: www.graz.at

Meta-Info
Stand der Information
15. August 2009
Autor
Mag. Margit Braun, DI Karl Reiter
NRVP-Handlungsfelder
Fahrradthemen
Schlagworte
Land
Oesterreich